Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Donnerstag, 30. Januar 2014

Wie lebt man richtig glücklich? Philosophische Schulen der Antike

Philosophenschule von Athen
"Philosophenschule" (Raffael nachempfunden)
"Philosophische Schulen“ – ein schöner Name für eine Möglichkeit, sich auch als Erwachsener weiter zu bilden. Es handelt sich weniger um eine Art allgemeine Universität, sondern mehr um einzelne Forscherzirkel, die sich gegenseitig austauschen und ihr Wissen auch anderen lehren. Jeder wichtige Philosoph hat einen eigenen Ansatz für seine Ideen und seine Forschungen, eine Art Projekt, das ihn umtreibt. Gründet er eine eigene „Schule“, verfolgt diese seine Denk-Richtung weiter.
Seit Sokrates ist die Sorge um die Seele des Menschen wichtig, dass sie möglichst gut werde. Immer wichtiger wird darauf die Frage, welche die antiken Menschen am meisten beschäftigt: „ Wie lebt man richtig? Wie lebt man glücklich?“

Wissen und Gelassenheit - Die „Naturphilosophen“ oder „Vorsokratiker
Die Vorsokratiker haben keine gemeinsame Schule gegründet, doch sie alle treibt die Frage nach dem Urstoff aller Dinge an, aus was die Welt besteht und wie Veränderungen bewirkt werden - im Großen (Makrokosmos) wie im Kleinen (Mikrokosmos): Mensch, Tier, Pflanzen oder auch das gesamte Universum bis hin zu den Atomen bei den Atomisten.
Wissenschaft soll aber auch zu einem besseren und glücklicheren Leben verhelfen. Thales (624-546 v. Chr.) rät für ein glückliches Leben, nichts zu tun, was man an anderen tadelt und nicht im Äußeren, sondern im Verhalten Schönheit zu zeigen. Demokrit (460-370 v. Chr.) will die Menschen durch das (naturwissenschaftliche) Wissen um das wahre Wesen der Dinge von der Furcht vor Göttern abbringen und zu innerer Ausgeglichenheit, „Euthymia“ führen (Wohlgemütsruhe).

Tugend und Wissen - Die Sokratiker
Sokrates (469-399 v. Chr.) steht für die Vorherrschaft der Tugend (¢ret»: aretä - virtus). Tugend und Wissen sind ausschlaggebend für ein gutes und glückliches Leben. Das Wissen um das Gute führt zum richtigen Handeln. So braucht man Wissen, um tugendhaft sein zu können Niemand, der das rechte Wissen hat, tut absichtlich Böses. Für die Seelenruhe und damit für ein glückliches Leben ist es schlimmer, Unrecht zu tun, als Unrecht zu erleiden.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Sokrates- fragen, nerven, bessern

Den Sokrates (469-399 v. Chr.) hätten seine Zeitgenossen eher als Sophisten gesehen. Auch Sokrates beschäftigt sich nicht mit Astronomie und Mathematik, sondern mit dem Leben der Menschen, seiner Mutterstadt, dem Stadtstaat Athen, Demokratie, Recht und Bildung. Doch lässt er sich nicht wie die anderen Sophisten bezahlen und bezeichnet sich selbst als Philosoph – Weisheitsfreund. Typisch für Sokrates sind die bohrenden Fragen, um einem Sachverhalt auf den Grund zu gehen oder um ein Scheinwissen eines berühmten Selbstdarstellers zu widerlegen.
Als gelernter Bildhauer hätte er eigentlich keine Zeit gehabt, ziellos durch die Stadt zu streifen und Leute in Gespräche zu verwickeln. Doch sind reiche Jugendliche von ihm fasziniert, begleiten und finanzieren ihn. Seine Art der Gesprächsführung nennt Sokrates als Sohn einer Hebamme schlicht Hebammenkunst (Mäeutik): Durch einen gegliederten Dialog führen seine tiefschürfenden Fragen zu teils überraschenden Lösungen, ethischen (moralischen) Grundsätzen und einem tieferen Verständnis der Welt. Bisweilen führt er auch schüchterne und verunsicherte Menschen im Gespräch so geschickt zu einer Erkenntnis, dass sie denken, sie hätten diese selbst gefunden - geistige Geburtshilfe.
Ich weiß, dass ich nichts weiß!
Der Philosoph Sokrates
Wichtig ist ihm der ergebnisoffene Gesprächsprozess, um den wesentlichen Kern herauszufinden. Durch sein forschendes Fragen (vor allem über das Gute, Wahre und Schöne) schafft er etwas Neues, eine philosophische Ethik. Wissen und Moral sind für ihn untrennbar vereint: Demjenigen, der Böses tut, fehlt das bessere Wissen. Richtiges Handeln ergibt sich automatisch aus der richtigen Einsicht. Wissen schafft so Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist für ihn aber die Voraussetzung für Zufriedenheit und Seelenheil. Deshalb ist es für einen Menschen schlimmer, ungerecht zu handeln, als ungerecht behandelt zu werden.
Wer Unrecht tut, dem fehlt also Wissen bzw. Einsicht. Sokrates bekennt mehrfach, dass er selbst nichts sicher wisse. Ein Freund fragt das Orakel von Delphi, ob es einen weiseren Menschen gäbe als Sokrates, der weiß, dass er nichts weiß. Die Seherin antwortet, es gäbe keinen. Darauf sieht es Sokrates als seine Aufgabe an, das Wissen seiner Mitbürger zu prüfen, was er besonders gerne bei Politikern tut. Mit seinem ständigen Fragen und seiner unüberwindlichen Schlagfertigkeit forscht er jedoch nicht nur, er stellt auch bloß: Jemand, der angibt, wie gut er etwas wisse, wird von Sokrates, der es von ihm wissen will, das er es selbst nicht wisse, demontiert. Am Ende führt das Gespräch in eine ausweglose Offenbarung seines Nichtwissens (Aporie). Schließlich sind viele Athener genervt: Sie werfen Sokrates vor, er verderbe die Jugend und missachte die Götter. Ein leerer Standard-Vorwurf doch einer, der in Athen sehr geeignet ist, um einen unbeliebten Bürger loszuwerden. Und von den Reichen und Mächtigen hat der einfache Bürger Sokrates inzwischen eine große Menge lächerlich gemacht – wer sich auch immer zu viel auf sich einbildete und sich auf eine Diskussion mit ihm einließ.

Freitag, 27. Dezember 2013

V. Kleinste Teilchen. Leseprobe aus "Geheimnisse in Rom"


Hier folgt ein Auszug aus dem fünften Kapitel (aus dem zweiten Band gibt es bisher Ausschnitte zum ersten, zweiten, dritten und vierten Kapitel). Anregungen und Kommentare sind wie immer erwünscht!
 

Kapitel V: Kleinste Teilchen

Nur ein weiterer von den vielen Möchtegernpolitikern, die sich von den Wahlkampfkosten in den Ruin treiben lassen.“ „Aber Vater, er ist doch wohl kaum irgendein gewöhnlicher Politiker!“ Quintus nahm eine gefüllte Olive aus der Schale und drehte sie zwischen Daumen und Zeigefinger. „Nur weil er ein Sergius ist? In letzter Zeit ist Rom geradezu voll davon: Ehrgeizige Burschen aus guten Familien, die ihren Ruf und ihr Vermögen verspielt haben…“ Gaius errötete leicht, während Quintus die Olive wieder in die Schale zurück warf, „... ein Sergius zwar, ein Patrizier, aber doch nur einer unter vielen, nur eine Art kleinstes Teilchen eines viel größeren Problems.
Atomismus und kleinste Teilchen in Politik und Lebenswelt
Lucius Sergius Catilina – es würde mich schon sehr wundern, wenn man von ihm noch einmal etwas hören würde.“ Quintus lehnte sich zurück und warf sich genüsslich ein Fischhäppchen in den Mund. „Außer von seinem bevorstehenden Bankrott – vielleicht auch von seinem Rauswurf aus dem Senat, wenn einer der censores sich genauer seine Schulden ansieht, natürlich. Hm!… wirklich gut, diese Häppchen. Wobei Catilinas unsittlicher Lebenslauf allein dafür schon voll und ganz ausreichen sollte… Hm! In der Tat, eine gute Idee, Medea mitzunehmen, sie bringt den Köchen hier immer neue Dinge bei: Bei diesen Pastetchen sieht man kaum noch, dass es Fisch ist - viel raffinierter als an der cratera üblich. Die Köche hier denken wohl, wo der Fisch immer frisch ist, braucht man ihn nicht zu verstecken“.
            Quintus und Gaius Fabius Sanga waren gemeinsam aus Rom eingetroffen. So wie Gaius gerade zu seinem Vater hinübersah, zweifelte Rufus aber daran, dass er sich voller Überzeugung wieder der patria potestas des Quintus unterworfen hatte. Vielleicht war der Wille der Familie, den Quintus verkörperte, für einen Römer doch Verpflichtung genug. Andererseits war die Villa der Fabier durchaus eine Versöhnung wert. Die Römer wussten schon, wie man sich das Leben angenehm machte: Hier draußen auf der Terrasse konnte man zugleich das köstliche Mahl und die herrliche Aussicht auf den Golf von Baiae genießen. Zwischen dem Kap der Minerva und der Insel Capri bis nach Puteoli wimmelte es von gleißend weißen Segeln, wie in einer verstopften Straße – nur ungemein lieblicher. Ein Sonnensegel über den Speisesofas und eine sanfte Brise ließen den Sommertag in seinem besten Licht erscheinen.
            Selbst Larcia wirkte rundum zufrieden. „Dann sind die Wahlen endlich vorüber. Ich hoffe doch, dass du dich mit großem Gefolge auf dem Marsfeld gezeigt hast, so dass man sehen konnte, dass du da warst? Haben unsere Klienten alle so gestimmt, wie angewiesen?“ Quintus streckte den Arm aus und ließ sich Wein nachschenken. „Kein Sorge, meine Liebe. Wir haben unseren amici die Zuverlässigkeit der Fabii Sangae gezeigt. Eine Partnerschaft mit den Fabiern lohnt sich und das wissen auch alle. So war es schon seit Beginn der Republik und so wird es auch immer sein.“ Gaius zog eine Augenbraue nach oben. „Gut, dass unsere Vorfahren mit die Ersten waren, die ihre Hintern in die Elfenbeinstühle drückten, nachdem sie die Könige davon herunter gejagt haben…“ Nach einer kurzen Pause sah er Quintus mit gespielter Überraschung an: „Aber sage einmal, werter Vater, dein Hintern drückt bislang keinen wichtigen Stuhl. Warum strebst du nicht nach einer sella curulis eines Prätors oder gar eines Konsuls, wie Onkel Maximus?“

Dienstag, 17. Dezember 2013

Io Saturnalia – Die Saturnalien


Ursprünglich sind die Saturnalien ein altes römisches Fest für den Gott Saturnus, das am 17. Dezember beginnt (a.d. XVI. Kalendas Ianuarias) und mehrere Tage dauert. Die öffentliche Kulthandlung der Priester, so eine Art Gottesdienst, dauert nur einen einzigen Tag. Die Priester führen ein lectisternium durch (< lectum sternere: ein Bett ausbreiten: Man legt dafür die Götterstatuen auf Speiseliegen, wäscht sie, salbe sie, zieht sie um und gibt ihnen symbolisch zu Essen und zu Trinken).
Saturnalia
Die Privatleute feiern jedoch nicht nur an diesem Tag, sondern bis zu einer Woche lang, bis zum 24. Dezember. Dabei geht es hoch her - mindestens so wild und feuchtfröhlich wie im Karneval in Köln. Die Ausgelassenheit dieser Feiern wird geradezu sprichwörtlich, selbst die gesellschaftliche Ordnung wird für einen bestimmten Zeitraum am Jahresende ausgesetzt: Die Gerichte haben Ferien und die Schulen werden geschlossen, so dass große Teile der Bevölkerung an den Saturnalien teilnehmen können. Die privaten Gastmähler sind geprägt von maßlosen Trink- und Essgelagen und dem Vortrag von Spottgedichten und Rätseln. Die Bürger tragen statt der Toga nun eine bequemere Kleidung. Die Römer tauschen verpackte Geschenke, v. a. Kerzen und Tonfiguren aus und auch Kinder und Sklaven werden beschenkt.
Es wirde innerhalb der familia gemeinsam gegessen und oft drehe man die sozialen Unterschiede um: Sklaven und Herren tauschen für einen Tag ihre Rollen: Auf Gastmählern speisen Herren und Sklaven entweder gemeinsam oder die Sklaven noch vor ihren Herren. Manche Herren bedienen sogar ihre Sklaven. Es kann offen und ausführlich Kritik geübt werden. Deshalb gelten die Saturnalien geradezu als Fest der Sklaven.

Freitag, 22. November 2013

Philosophie in Athen: Demokratie, Sophisten und die Redekunst

Der historische Hintergrund

Wie kommt die Philosophie von Spekulationen über Atom- und Astrophysik zurück zum Menschen selbst? Schuld daran ist die griechische Geschichte:
In den Abwehrkriegen gegen die persische Weltmacht schließen sich die sonst so verfeindeten Stadtstaaten (Poleis) des kleinen Griechenland zusammen. Sparta steuert die besten und am Härtesten gedrillten Landheere bei, Athen schützt sich und andere durch seine Flotte: Es gründet zusammen mit zahlreichen anderen Städten einen attischen Seebund zum Schutz gegen die Perser, übernimmt dessen Kontrolle, zieht die Beitragszahlungen ein, fasst die Inselstaaten zu einem Handelsimperium zusammen und wird reich und mächtig. Eine neue Gesellschaftsform in Verbindung mit einem gewissen Wohlstand setzt ungeahnte kreative Kräfte frei, Athen wird zum Zentrum der griechischen Kultur.
Der Sieg gegen die übermächtigen Perser ist nur mit Hilfe der Flotte möglich geworden, die wendigen Athener Kriegsschiffe sind nur mit gut trainierten und hoch motivierten Ruderern effektiv. Für die eigene Heimat zu kämpfen und zugleich den Reichen zu zeigen, was auch ein einfacher Bürger zu leisten vermag, das treibt die ärmeren Athener zu nautischen Spitzenleistungen an.
In der Folge verlangen diese einfachen Bürger auch immer mehr Mitspracherechte: Eine erste Demokratie entsteht – wenn auch eine radikale und unter Ausschluss von Fremden, Sklaven und Frauen. Regiert wird diese Demokratie über regelmäßig neu gewählte Ausschüsse - ein „permanent tagender Debattierklub“ (Schwanitz 2002, S. 63): Volksversammlungen, Wahlen und Gerichtsverhandlungen – sowie eine Abstimmung über den unbeliebtesten Bürger des Jahres, der kurzerhand durch ein Scherbengericht verbannt wird (Ostrakismos). Nur wer über genügend Bildung verfügt, kann in so einer radikalen Demokratie bestehen. Die Hilfsmittel, Bildung und vor allem die Erlernung der Redekunst - verspricht die „Sophistik“, die nun bestimmende Richtung der Philosophie. Ihre Lehrer reisen aus ganz Griechenland nach Athen. Wie die Naturphilosophen lehnen auch die Sophisten Mythen und Religion als Begründung für den Zustand der Welt und ihre Veränderungen ab. Allerdings sind sie auch gegen unbeweisbare Behauptungen, wie gegenüber der Atomtheorie, skeptisch.
Protagoras, der Sophist
Protagoras: Es gibt immer zwei Seiten
Unnötig sei es, sich Gedanken über Dinge zu machen, die man sowieso nicht sicher beantworten kann. Also halten sich die Sophisten nicht mit Spekulationen über das Wesen der Natur auf, sondern rücken den Menschen ins Zentrum ihrer Überlegungen. 


Sophistik

Donnerstag, 7. November 2013

amicitia – Politik in Rom


Politik und "Freundschaft" im alten Rom
Eigentlich bedeutet amicitia laut Wörterbuch Freundschaft. Cicero hat ein ganzes Buch darüber geschrieben (Laelius – de amicitia). Was aber ein Römer unter amicus und amicitia versteht, das würden wir eher Parteifreund, wichtiger Kontakt und Seilschaft, Netzwerk, Interessensgemeinschaft oder gar Klüngel nennen. Die amici halten im Senat zusammen und versuchen gemeinsam die politische Linie festzulegen.
Ein Römer unterscheidet genau zwischen einem echten Kumpel oder gutem Freund (familiaris) einerseits und „Beziehungen“ andererseits, d.h., jemand, der einem nützlich war, noch einmal nützlich sein kann, oder dieselben politischen Vorstellungen hat (amicus). Will man so eine amicitia dauerhaft zwischen zwei Familien herstellen, so wird kurzerhand geheiratet: Meist schiebt man einem mächtigen Mann, mit dessen Familie man ein dauerhaftes (politisches) Bündnis eingehen will, eine Verwandte in heiratsfähigem Alter unter. Meist ist die neue Frau jünger, oft die eigene Tocher. Die neue Frau wird schon dafür sorgen, dass ihre alte Familie und alle ihre Anliegen in Zukunft genügend berücksichtigt werden. Doch wehe, man lässt sich ohne beiderseitigem Einverständnis scheiden, schneller und nachhaltiger kann man sich keine Familie zum Feind (inimicus) machen...
Der Philosoph Seneca spricht von „wechselseitiger Dienstbarkeit“ von „Gefallen“ (beneficia), die man sich in einer amicitia schuldet. Überlappende Netze solcher amicitiae gelten als die soziale Währung Roms: Man kann um ein beneficium für sich selbst oder für Freunde, oder für den Freund eines Freundes bitten.
Man muss dabei jedoch genau überlegen, wen man um einen Gefallen bittet und wem man einen erfüllt: Sorgfältig wird abgewägt, inwieweit man sich dadurch zum Dank und Gegenleistung verpflichtet und wie weit den Freund. Bittet man häufiger um beneficia als man zurückgibt, sinkt man allmählich auf den Rang eines Klienten ab, was eine starke Abwertung des Status bedeutet.
Je wichtiger ein Römer ist desto mehr clientes UND amici hat er. Um sich diese alle merken zu können, beschäftigen die meisten Senatoren einen nomenclator, einen Sklaven mit sehr gutem Gedächtnis, der sich alle Namen merkt und seinem Herrn ins Ohr flüstert.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Die Atomisten – eine Welt aus Legosteinen


Atomismus des lachenden Philosophen - Demokrit
Demokrit - der lachende Philosoph
Auch die Atomisten beschäftigt die Frage nach dem Urbaustein des Weltenganzen, mit dem alle Veränderung rational erklärbar und berechenbar ist. In ihren Antworten jedoch unterscheiden sie sich von den anderen Naturphilosophen: Es muss etwas anderes geben, als nur die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft - etwas dass fest ist und aus dem sich alles andere zusammenbauen lässt…

Leukippos  – alles nur Atome
Leukipp (5. Jh. v. Chr.), ein Schüler des Parmenides, stimmt seinem Lehrer so weit zu, dass Veränderung nicht heißen kann, dass sich wirklich alles verändert. Doch dass jede Veränderung Täuschung ist, das geht ihm zu weit: Wie ist sonst Werden und Vergehen zu erklären? Leukipp gibt sich auch nicht mit einem oder mehreren stofflichen Elementen als Urbausteinen zufrieden: Etwas, das selbst unterteilbar ist, das kann doch nicht das kleinste Bauteil der Welt sein! Es muss etwas Festes, Unveränderliches, Ewiges geben, was nicht weiter teilbar ist - sonst würde unsere Welt irgendwann einmal weich werden und zusammenschmelzen wie Schnee in der Sonne. So prägt Leukipp einen neuen Begriff, um seine Idee von den Urbausteinen der anderen Naturphilosophen abzugrenzen: Atome - unsichtbar, untastbar, unfühlbar und vor allem: „nicht-schneidbar – a-tomos“:
            Die „Atome“ sind materiell, aber nur theoretisch vorstellbar, da sie so winzig klein sind, dass man sie nicht einmal sehen kann. Dafür sind sie ständig in Bewegung und zwar im leeren Raum, da sie sonst keinen Platz haben, um sich zu Bewegen und eine Veränderung hervorzurufen. Werden und Vergehen ist für ihn schlicht eine Neuanordnung unendlich vieler Atome (a-tomoi), aus denen einfach alles besteht und die ständig in Bewegung sind. Damit sieht er sie Welt recht materialistisch, für Götter und Seelen ist in seiner Lehre kein Platz.

Demokritos – der lachende Atomist

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Schule und Unterricht im alten Rom


Schule
 Heute müssen alle Kinder zur Schule und werden dort (in der Regel) auch freundlich behandelt. In der Antike gibt es keine allgemeine Schulpflicht, der Begriff ludus („Grund“-Schule) steht für „Zeitvertreib“ oder „nicht zielgerichtetes, spielerisches Üben“. Wenn ein pater familias sein Kind bewusst zur Schule schickt, einen Lehrer bezahlt oder ihn gleich als Sklaven kauft, dann möchte er auch etwas sehen, für sein Geld. Es kommt vor, dass die Eltern sich beschweren, dass der Lehrer seine Schüler zu wenig schlägt. Dafür haben die Lehrer Roms einen Stock oder eine Knute. In Deutschland dürfen Schüler übrigens erst seit dem letzten Jahrhundert nicht mehr geschlagen werden: Die Redewendung jemandem etwas einbläuen kommt noch aus alter Zeit und bedeutet, jemandem etwas mit Gewalt oder zumindest mit Nachdruck einschärfen (damals bis man blaue Flecken hat). Doch ist es den antiken Schülern wichtiger, Wissen zu erwerben, so dass gute Lehrer nicht oft prügeln müssen – schließlich gibt es keine Ablenkung durch elektronische Unterhaltungsgeräte, so dass der Unterricht vergleichsweise spannend ist.
"Klassenzimmer" im alten Rom
             Ärmere Römer bekommen von Eltern, älteren Geschwistern und anderen Verwandten etwas beigebracht, wenn sie gerade nicht im elterlichen Betrieb mithelfen müssen. Sie opfern dafür ihre ohnehin schon kurze Freizeit.
            Doch wer immer ein wenig Geld erübrigen kann, schickt zumindest seine Söhne zur Schule. Diese besteht aus einer einzigen Schüler-Lehrer-Gruppe und sie sieht sehr unterschiedlich aus, je nachdem, wie viel Geld sie kostet: Die billigsten Schulen finden „draußen“ statt, unter freiem Himmel, unter den Wandelhallen rund ums Forum, oder primitiven Bretterbuden (tabernae). Hier sind der Lehrer und seine Schüler mehr oder weniger dem Lärm der Menge und dem Wetter ausgesetzt.
            Etwas teurer ist der Unterricht bei Lehrern, die sich einen Laden gemietet haben (pergula) oder sogar eine eigene Wohnung besitzen. Diese sind meist freigelassene Sklaven, die als Hauslehrer angefangen haben und dafür speziell ausgebildet wurden.
            Wer viel auf sich hält, hält sich einen Hauslehrer nur für die eigene Familie, der auch höhere Bildung vermitteln kann. Hierbei empfiehlt sich die Anschaffung eines Sklaven, da ein Latein- und Griechischlehrer für Fortgeschrittene mit einem Jahresgehalt von 100.000 Sesterzen eine erhebliche Ausgabe darstellt (ein „Grundschul-“ / Elementarlehrer verlangt dagegen nur 1.000 Sesterzen pro Jahr).
            Das Schuljahr beginnt im März und ob es Ferien gibt, ist umstritten: wenn überhaupt, so wahrscheinlich nur zu den großen Feiertagen. Geschrieben wird auf Wachstäfelchen, den „Tablet-PC’s der Antike“, die mit einem Stylus beschrieben und gelöscht werden können (glatt gestrichen). Wer das selber einmal ausprobieren möchte findet hier kostengünstige Bausätze und Schreibgriffel

Unterricht

            Grundsätzlich dürfen alle Jungen und auch Mädchen zur Schule gehen – doch nur, wenn ihre Eltern das Geld ausgeben möchten und sie nicht lieber für sich arbeiten lassen. Bei den reicheren Römern bevorzugen nur sehr traditionelle Eltern den Unterricht ihrer Töchter im Wollespinnen und häuslichen Arbeiten.
            Lehrpläne gibt es in Rom keine, auch keine Schulbehörde.
Man erwirbt Wissen, keine Zeugnisse oder Abschlüsse, deshalb gibt es auch keine Noten. Die „Klassen“ sind klein und im Alter gemischt, wie heute bei einer freiwilligen AG. Schulbeginn ist im Sommer bei Sonnenaufgang, im Winter lange davor und dauert bis zum späten Nachmittag. Reicheren Kindern, die eine öffentliche Schulen besuchen, stellen die Eltern einen Lernbegleiter zur Seite, den paedagogus: Dieser Sklave muss muskulös, kampferfahren und intelligent zugleich sein: Er begleitet die Kinder als Bodyguard auf dem Schulweg, muss ihnen beim Lernen helfen und sie notfalls zur Schule prügeln, wenn sie nicht hin wollen.
            Der Unterricht ist geprägt von der griechischen Kultur, welche die Römer lieben. Die Reichen wachsen durch ihre griechischen Kindermädchen und Sklaven ohnehin zweisprachig auf, auch die meisten Lehrer sind Griechen - Sklaven oder Zugezogene. Bei den „öffentlichen“ Schulen werden wie im antiken Griechenland drei Schularten nacheinander besucht (der Privatunterricht beim Hauslehrer ist dagegen individuell nach dem Lernfortschritt ausgerichtet):
            Mit sieben bis elf Jahren geht man zu einem ludus litterarius, einer Art Grund- oder Elementarschule, wo man die Grundzüge des Lesens, Schreiben und Rechnens (mit Fingern und Rechenschieber) lernt. Auswendiglernen wird großgeschrieben. Ärmere Schichten können sich oft keine höhere Bildung, geschweige denn einen Privatlehrer leisten.
            Wer es sich leisten kann, geht ungefähr zwischen elf und siebzehn Jahren zu einem grammaticus, zu einer Art Grammatik- und Literaturschule. Hier lernt man vor allem den Umgang mit griechischen (und lateinischen) Klassikern, wie der Odyssee des Griechen Homer oder dem römischen Nationalepos des Ennius. Die Römer setzen hierbei noch bis in die Spätantike auf bilingualen Unterricht. Zuerst werden grammatische und metrische Grundlagen gelehrt (Verslehre), danach folgt die Dichtung. Die beliebtesten Schulautoren sind Naevius, Ennius, Plautus, Terentius und Livius Andronicus. Später kommen die heute noch gelehrten Vergil, Horaz und Ovid hinzu sowie Cicero und Sallust. Soweit in der Lektüre inbegriffen geht man auf alles ein, wovon die Texte handeln, so dass auch Politik, Philosophie, Geschichte, Geographie, Ethnologie usw. vermittelt wird.
            Den Abschluss bilden bereits seit 94 v. Chr. die aus Griechenland stammenden Rhetorikschulen. Ein Rhetor unterrichtet erwachsene Jünglinge zuerst im theoretischen Grundgerüst: Prosatexte, v.a. Geschichtswerke und Reden werden analysiert, nachgesprochen und auswendig gelernt. Im Anschluss muss man eigene Reden einüben. Wer Anwalt werden will, muss jedoch raus aufs Forum und als Gehilfe anfangen – Rechtsschulen gibt es nicht, mit „learning by doing“ übt man sich ab sechzehn beim tirocinium fori. Philosophische Schulen gibt es auch keine in Rom, junge Männer der Oberschicht reisen deshalb in Scharen zum Studium nach Athen (oder ins kosmopolitische Alexandria).
            Reiten, Fechten, Kämpfen und Ähnliches wird nicht in der Schule, sondern auf dem Marsfeld eingeübt, nicht erst bei der Rekrutenausbildung junger Soldaten, sondern bereits in der Kindheit. In Ciceros Briefen sieht man seinen Sohn schon mit vierzehn beim Umgang mit scharfen Waffen. Arme Römer lernen vermutlich früh bei Straßenprügeleien, ihre Fäuste (und Messer) zum Überleben einzusetzen…