Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Donnerstag, 7. November 2013

amicitia – Politik in Rom


Politik und "Freundschaft" im alten Rom
Eigentlich bedeutet amicitia laut Wörterbuch Freundschaft. Cicero hat ein ganzes Buch darüber geschrieben (Laelius – de amicitia). Was aber ein Römer unter amicus und amicitia versteht, das würden wir eher Parteifreund, wichtiger Kontakt und Seilschaft, Netzwerk, Interessensgemeinschaft oder gar Klüngel nennen. Die amici halten im Senat zusammen und versuchen gemeinsam die politische Linie festzulegen.
Ein Römer unterscheidet genau zwischen einem echten Kumpel oder gutem Freund (familiaris) einerseits und „Beziehungen“ andererseits, d.h., jemand, der einem nützlich war, noch einmal nützlich sein kann, oder dieselben politischen Vorstellungen hat (amicus). Will man so eine amicitia dauerhaft zwischen zwei Familien herstellen, so wird kurzerhand geheiratet: Meist schiebt man einem mächtigen Mann, mit dessen Familie man ein dauerhaftes (politisches) Bündnis eingehen will, eine Verwandte in heiratsfähigem Alter unter. Meist ist die neue Frau jünger, oft die eigene Tocher. Die neue Frau wird schon dafür sorgen, dass ihre alte Familie und alle ihre Anliegen in Zukunft genügend berücksichtigt werden. Doch wehe, man lässt sich ohne beiderseitigem Einverständnis scheiden, schneller und nachhaltiger kann man sich keine Familie zum Feind (inimicus) machen...
Der Philosoph Seneca spricht von „wechselseitiger Dienstbarkeit“ von „Gefallen“ (beneficia), die man sich in einer amicitia schuldet. Überlappende Netze solcher amicitiae gelten als die soziale Währung Roms: Man kann um ein beneficium für sich selbst oder für Freunde, oder für den Freund eines Freundes bitten.
Man muss dabei jedoch genau überlegen, wen man um einen Gefallen bittet und wem man einen erfüllt: Sorgfältig wird abgewägt, inwieweit man sich dadurch zum Dank und Gegenleistung verpflichtet und wie weit den Freund. Bittet man häufiger um beneficia als man zurückgibt, sinkt man allmählich auf den Rang eines Klienten ab, was eine starke Abwertung des Status bedeutet.
Je wichtiger ein Römer ist desto mehr clientes UND amici hat er. Um sich diese alle merken zu können, beschäftigen die meisten Senatoren einen nomenclator, einen Sklaven mit sehr gutem Gedächtnis, der sich alle Namen merkt und seinem Herrn ins Ohr flüstert.
Ist man Teil eines einflussreichen Netzwerks an amici, kann man sich deren Ressourcen bedienen: Möchte man ein wichtiges Gesetz einbringen? Ein einflussreicher amicus mobilisiert seine Parteifreunde und Klienten. Braucht man einen guten Anwalt? Der beste ist gerade genug, schuldet er einem mächtigen amicus einen Gefallen, so muss er wohl oder übel anklagen oder verteidigen, wen immer dieser bestimmt – es sei denn, er riskiert den offenen Bruch (viele Feinschaften –inimicitiae- haben hier ihren Ursprung). Hat man eine Provinz ausgeplündert und es droht ein Prozess? Kein Problem, solange sich genügend einflussreiche amici um den Posten als Ankläger und Geschworene bewerben – wahrscheinlich kennt man auch den Prätor, den vorsitzenden Richter oder kann ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann…
Schuldet man keinen Gefallen, so kann man sich den größten Dank und einzufordernde Gefälligkeiten als Anwalt erwerben, obwohl kein Gehalt gezahlt wird: Nach erfolgreichen Verteidigungen vor Gericht verpflichtet man sich nicht nur die Angeklagten, sondern macht auch noch Werbung für neue Kundschaft und viel Eindruck auf unentschlossene Wähler und zukünftige Klienten, die sich gut vertreten fühlen. Einen guter Redner, der Eindruck macht, wird sofort von einem der mächtigen Netzwerker als amicus umworben – es sei denn, er trat bereits gegen sie auf.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen