Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Ubier, Kelten und Germanen

Hier findet sich zunächst eine Einführung in die drei „nördlichen Völker“. Wer gleich etwas über Namensgebung unter den Nordvölkern, Mode und Körperpflege, Essen & Trinken, Götterhimmel und Gesellschaft wissen will, folgt den farbigen Links.

Lange unterschieden die Kulturvölker der Griechen und Römer gar nicht viel zwischen den einzelnen Stämmen des Nordens. Für sie waren das alles wilde Barbaren, roh und unzivilisiert. Caesar war der erste Römer, der zwischen Galliern und Germanen unterschied – wenn auch vor allem aus politischen und selbstdarstellerischen Zwecken.
Bei den Ubiern wird alles noch komplizierter, denn diese waren ein schon lange keltisierter Germanenstamm.
 

Ubier

Das Stammesgebiet der Ubier lag unmittelbar am Neuwieder Becken, bei Koblenz an den Rhein grenzend. Im Norden ging es bis zur Sieg, im Süden bis zum nördlichen Taunusrand, im Osten Gegend um Amoeneburg (Eck 2004, S. 31). Ursprünglich besaßen die Ubier politisch-militärisch eine starke Stellung und eine höhere kulturelle Entwicklungsstufe durch den Kontakt mit der keltischen Welt und den Kaufleuten; selbst stellten sie qualitätsvolle Gebrauchsgegenstände aus Bronze her (Eck 2004, S. 31). Nach langen Kämpfen in den 70er und 60er Jahren wurden sie von den Sueben räumlich eingeschränkt und schließlich tributpflichtig gemacht.
Die Oppida der Ubier wurden auch von suebisch-chattischen Gruppen besiedelt, die mitwohnende Chattengruppe passte sich jedoch schnell an die keltische Lebensform der Ubier an. Zur den zivilisatorischen Errungenschaften, die sie an die chattische Hauptgruppe bzw. Elite weitergaben, zählen auch Münzen (Heinrichs 2003;331).
55 v. Chr. stimmten die Ubier einem Ansinnen Caesars zu, die Stämme der Usipeter & Tencterer in ubisches Gebiet umzusiedeln, da sie sich eine Stärkung der Kampfkraft gegen die übermächtigen Sueben wünschten. Nach einem Massaker kam es aber nicht mehr dazu. Caesars Rheinübergang und Zug gegen die Sugambrer war nur ein schwacher Trost für Ubier, weder eine echte Stärkung. Kein verwertbarer Erfolg (Eck 2004,S. 36). So hatten die ubischen Ubische Führer, die Stärkung ihrer militärischen Position angestrebt und Freundschaftsvertrag mit Caesar geschlossen hatten (evtl. von Senat ratifiziert) ihr Ziel verfehlt und damit innerhalb ihres Stammes mit ihrer Politik desavouiert. Nach Caesars Rückzug über den Rhein blieb die romfreundliche Partei ohne römischen Beistand. Die ubischen Haltung und ihre Allianzen kehrten sich um. Sie beteiligten sich am gallischen Aufstand gegen die Römer und boten schließlich ihre Unterwerfung an, um glimpflich davon zu kommen. Ihre deditio wurde mit der Stellung von Geiseln besiegelt. Seitdem verhielten sich die Ubier jedoch dermaßen romtreu, dass sie immer mehr unter Druck der anderen argwöhnischen Germanenstämme gerieten, allen voran den Sueben.
Schließlich erfolgte eine einvernehmliche Umsiedlung ins Linksrheinische. Aus der römischen Gründung des neuen Zentralortes der Ubier ging später die Stadt Köln hervor. Jedenfalls schätzten die Römer fortan die Treue der Ubier, die römischen Kaiser hielten sich noch bis zu Nero eine Leibwache von Ubiern (Eck2004, S. 182).
 

Kelten

treten in den Texten griechischer und römischer Autoren als rauflustige wilde Haudraufwienixe auf. Doch brachte die keltische Gesellschaft mehr hervor, als Krieger, Schläger und Säufer! Archäologisch kann ein spezialisiertes, mobiles Handwerker- und Künstlertum bestätigt werden (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 45). Keltische Fachmännner verfügten über ein fundiertes Wissen, weitreichende Fernbeziehungen und waren mobil sowie international gut vernetzt (ebd.). Ein frühes Beispiel für keltische Wanderhandwerker mit internationalen Kontakten findet man bei Plinius dem Älteren, der einen Helvetier namens Helico erwähnt. Um 400 v. Chr. soll er als berühmter Schmiede- und Handwerkskünstler eine zeitlang in Rom gelebt haben (Plin.nat.hist. XII, 5).
Trotz aller Ängste und Feindbilder gab es in Rom immer auch den einen oder anderen Fremden aus dem Norden innerhalb der Bevölkerung – dauerhaft zugereist oder auf Durchreise. Nur dass alteingesessene Römer dies höchstens naserümpfend akzeptierten. Plinius belässt es in der erwähnten Helico-Episode auch nicht bei dem positiven Bild eines wanderenden Künstlers, sondern er schiebt ihm gleich noch in die Schuhe, der Auslöser zur Keltenwanderung gewesen zu sein: Helico habe Öl und Wein aus Rom mitgebracht, und deshalb hätten sich die Gallier aufgemacht, um in den Besitz dieser Waren zu kommen (ebd.).
Jedenfalls gab es unter den Kelten u.a. schon früh als
 

Berufsgruppen :

  • Gerber & Färber
  • Bäcker
  • Fleischhauer
  • Arzt und Heilpraktiker (Ein Grab aus Obermanching bei München aus dem 2. Jh. v. Chr. zeigt z.B. neben Schwert, Schild und Lanze auch ein Klappmesser und ein Trepanationsbesteck / Skelettfunde überliefern eine große Erfahrung bei Knochenbrüchen
  • Priester

Technische Fähigkeiten:

  • Drehbänke zur Holz- und Metallverarbeitung
  • Töpferscheibe
  • Meister der Schmiedekunst und des Bronzegusses
  • Emailtechnik
  • Schmiedeerzeugnisse: Schwerter, Koppelringe, Schwertscheiden, Schwertketten, Speerspitzen / Äxte, Sägen, Bohrer, Raspeln, Hämmer, Zangen, Meißel, Punzen, Schaufel, Erdhacke, Pflugschar, Sense, Sichel, Erntemesser, Fleischermesser, Schere, Bratspieß, Kesselhaken, Schlüssel, Möbelbeschläge …
  • Glasherstellung: Seit dem 6. / 5. Jh. v. Chr. v.a. im Krainer Raum als Zentrum der Glasherstellung: Glasperlen & Armreife (Quarzsand & Soda + Kalk Glas => Metalloxyd => Farbe = auf dünne Metallstäbe aufgebracht, ständige Rotation, evtl. geweitet + profiliert mit Spangen + Spachteln, Fäden appliziert (=> mehr Farbe) (Pauli 1980; 95)
  • Bergbau: schon vor Keltenzeit bekannt, auf dem Dürrnberg 800 v. Chr. – 150 n. Chr. kontinuierlich abgebaut (Pauli 1980; 186)
  • Schreibgriffel (leider jedoch keine keltischen Schreibdenkmäler dazu erhalten (Pauli 1980; 100). Kelten schrieben um 100 v. Chr. Briefe in lateinischer oder griechischer Schrift (Stock / Telgenbüscher 2011, S.  23), Die Helvetier schrieben in griechischen Buchstaben auf Tafeln namentlich ihre Auswanderer auf, sortiert nach Waffenfähigen, Knaben, Frauen und Greisen (Caesar, Gallischer Krieg, Buch 1, Kap. 29, §1)
  • Siegelkapseln: zum Schutz der Dokumente (Pachtvertrag / Schuldschein…) aus Bronze Verträge (Siegelfurche in Triptychon nach Bindung mit Wachs gefüllt). Siegelkapseln wurden bereits in der La Tène-Zeit am Rhein gefunden
Um 100 v. Chr. befand sich die keltische Kultur in ihrer Blütezeit und stand auf der Schwelle zur Hochkultur: „Sie haben eigene Städte, prägen Münzen, entwickeln Kalender, Gewichts- und Maßsysteme und verfassen Briefe in griechischer und lateinischer Schrift“ (Stock / Telgenbüscher 2011, S. 23)
 

Germanen

waren schon ab Geburt an auf ein Leben als wilde Krieger eingestellt – jedenfalls, wenn man der Mehrheit antiker Quellen vertrauen will. Bereits von Geburt an, ging es hart zu. Während der Geburt hilft die „Hev(i)anna“ (die Ahnin, die das Neugeborene aufhebt), also eine Art Hebamme, mit linderndem Muchwurt. Aber kaum ist das Baby auf der Welt, taucht man es in Eiswasser – so schreibt wenigstens der Mediziner Galen. Die Nornen entscheiden dann über das (göttlich festgesetzte) Schicksal.
Doch muss man bei all diesen Klischees immer daran denken, dass von den antiken Autoren die einen möglichst exotische Länder und Leute oder Kurioses beschreiben wollen, um ihr Publikum zu unterhalten, andere aus politischen Gründen fremde Völker im für ihre Zwecke gewünschten Licht erscheinen lassen. Die Mehrheit der Germanen waren jedenfalls Bauern und Viehzüchter, die viel Handwerkliches für den Eigenbedarf selbst oder in der Dorfgemeinschaft herstellten.
Doch gab es natürlich auch spezialisierte Händler. Krieger, Söldner und Söldnerführer gab es allerdings auch, die mächtigsten Fürsten konnten bei Erfolgen sogar zu stammesübergreifenden Heerkönigen aufsteigen, wie Ariovistos.

Eine "geopolitische" Einführung in den historischen Hintergrund des ersten Bandes und die Situation der Nordvölker gibt der Post Mitteleuropa63 v. Chr.

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