Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Dienstag, 4. Oktober 2016

…und was tragen sie drunter? subligaculum und subligar (Mode und Körperpflege IIX)

In Rom tragen alle tunica, Römer, Römerinnen und auch die Sklaven. Aber was tragen sie drunter? Darüber ist sich die Forschung uneins, allein schon beim Namen. Man findet unterschiedliche Zuordnungen dieser frühen Formen von Lendenschurz, Unterhose, Boxer-Short, Badehose, Trikot, Tänzerinnen-Kostüm und Bikini-Höschen.
Römische Badehose: subligar
V.a. in der angelsächsischen Literatur wird meist jede Form römischer Unterwäsche mit dem Begriff subligaculum als Kleidungsstück für Männer und Frauen wiedergegeben. Da sich diese Autoren mehr auf die archäologische Quellen stützen, ist dies kaum verwunderlich. Schließlich wurden (abgesehen von einem einzigen Stück in Mainz) alle gut erhaltenen Unterhosen bzw. Bikini-Unterteile in England gefunden (und tragen natürlich weder Marken- noch Typenbezeichnung). Das schönste Stück, welches mit Lederriemen zugebunden werden kann, liegt im Museum of London. In der offiziellen Beschreibung werden hier beide Theorien angegeben: sowohl, dass es sich um Kleidung für Akrobaten oder Sportler als auch für alltägliche Kleidung für jedermann handeln könnte, die unter jeder Form von Oberbekleidung getragen wird – Unterwäsche eben.
subligar / aluta / perizoma / subligaculum
Lederbikini, wie er in 1953 London gefunden wurde
In Deutschland hängt man stärker an der literarischen Überlieferung, so zieht z.B. Rolf Hurschmann Varro, Plinius, Martial, Iuvenal, Nonius, Isidor und sogar diverse Papyri zu Rate, kommt aber selbst in seinen 3 Artikeln desselben Nachschlagewerkes zu Variationen: Im Artikel Badehose beschreibt er den Begriff subligaculum und perizoma als „Schamgürtel bzw. Badetuch“ aus Schaffell oder Stoff, der von Männern und Frauen in Badeanstalten getragen wird - subligar und aluta als Badehose, die aus Leder bestehen kann (Hurschmann 1997, Spalte 391). Im Artikel perizoma definiert er einen „Schurz zur Bedeckung des Unterkörpers, der entweder um den Unterleib gelegt und von einem Gürtel gehalten, als Tuch um die Hüfte und dann zw. den Beinen durchgeführt oder in Form einer Shorts-ähnlichen Hose angezogen wurde“ (Hurschmann 2000 -III, Spalte 590-591). Unter dem Stichwort subligaculum schreibt er: „Ein den Unterleib bedeckender Schurz, der Männerkleidung […], der wohl ursprünglich unter der röm. Toga getragen […] und später von der Tunica ersetzt wurde. Dagegen ist das subligar ein Schurz, der bei bes. Gelegenheiten, so von Schauspielern […] oder allgemein von Arbeitern getragen werden konnte“ (Hurschmann 2001 - II, Spalte 1067).
subligaculum / subligar / perizoma: Unterwäsche und Badehosen in Rom
Wer die genauen Stellen sucht, der kann unter Varro ling. 6,21; Non.29,17 und 29,17; Isid. orig. 19,22,5, Iuv. 6,70, Mart. 3,87,3 und 7,35,1; Plin.Nat.12,59, Poll. 7,66 und 10,181 sowie Pap.Cair.Zen.60,8 in den antiken Quellen stöbern. Leider sind diese Stellen nicht aussagekräftig genug und reichen nicht aus, um die Kleidungsstücke einwandfrei zuzuordnen und bestimmen zu können – ganz zu schweigen von der Häufigkeit ihrer Verwendung oder gar prozentual auf Mann und Frau differenziert. Mehr fürs Auge bieten die viel zitierten „Bikini-Mädchen“ im Mosaik der Villa Romana del Casale – auch wenn dort viel nachträglich ergänzt und interpretiert werden musste.
Festzuhalten ist jedoch: Es gibt Unterhosen, Lendenschurze und Badebekleidung für Männer und Frauen im römischen Reich, aus Leinen, Wolle und Leder und in verschiedener Form und Zuschnitt und dafür sind die Bezeichnungen subligar, subligaculum, aluta und perizoma überliefert. Was genau zu welchem Modell passt, dass sich auf Bildnissen oder Überrest erhalten hat (und vorwiegend von welchem Geschlecht, zu welcher Profession und zu welcher Gelegenheit) – dazu müsste man wohl doch einen antiken Modeexperten fragen…

Weiter geht es hier↓ mit
II. gens togata, das Staatsgewand Toga,
III. stola, Schminke, spuma: Was römische Frauen tragen,
VI. Tunika – Römische Unterbekleidung,
VII. (c)himation, palla, pallium: Römische Oberbekleidung,
X. Körperhygiene: Gurgeln, Nägelschneiden und forma neglecta, sowie
XI. thermae - Antike Badekultur

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