Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

- Gesellschaft & Politik

Der Legende nach vertrieben bereits um 500 v. Chr. römische Patrizier (Adel) den letzten König. Dies stellt für die römische Gesellschaft ein absolutes Schlüsselerlebnis dar, ähnlich wie in den USA die Vertreibung der Briten und ihres (wenn auch konstitutionellen) Königs: Nichts war fortan verhasster als der Begriff rex (König), selbst der Begriff tyrannus nicht (ein dictator war übrigens noch ein geachtetes staatlich sanktioniertes Ausnahmeamt für ein halbes Jahr). Rom wurde eine res publica („öffentliche Sache“ => Republik).
Im Grund ist die römische Gesellschaft eine sehr patriarchalische, oberstes Vorbild sind die eigenen (männlichen) Ahnen, woher der Familienvater auch seine absolute Machtfülle bezieht. Römische Werte sind also sehr auf die Einhaltung (groß-)väterlicher Regeln bezogen, man soll sein wie die maiores (Vorfahren): gehorsam, diszipliniert, fromm, sittenstreng, treu, tapfer, würdig, opferbereit, beständig, tüchtig. Die mores maiorum (Sitte(n) der Älteren, Sg.: mos maiorum) zu beachten, wird als gleichbedeutend mit „Ruhe und Ordnung“ gesehen, als notwendige Grundlage eines funktionierenden Gemeinwesens. Der pater familias (Familienvater [alter Gen.]) hat potestas, unumschränkte Gewalt über Frauen, Kinder und Sklaven. Er darf alles bestimmen, sogar Strafen).
Als Gesellschaftsschichten gibt es

Die Patrizier:

           Adel, Familien vornehmer Herkunft
           stellen die wichtigsten Priester und das religiöse Oberhaupt (Pontifex Maximus)
           leiten als Magistrate (römische Beamte) den Staat
           besitzen das meiste Land
=> Die wirtschaftliche, politische und religiöse Macht liegt bei den Adligen, die danach streben, diese zu erhalten.

 

Die Plebejer

           Kaufleute, Händler, Handwerker, Bauern und Tagelöhner
           müssen Kriegsdienst leisten
           müssen Steuern zahlen
=> Die Plebejer sind nicht gleichberechtigt, => wollen Anteil an Macht und Mitbestimmung
Die Unterschiede führten zu (unblutigen) Ständekämpfen um Gleichberechtigung. Als Druckmittel wurden Kriegsdienstverweigerung und Streik eingesetzt. Als Kompromisse gibt es nach und nach mehr Rechte für Plebejer. Sie dürfen recht bald
·         …eigene Volksversammlungen abhalten, zu ihrem Schutz Volkstribunen wählen
·         …ein 12-Tafel-Gesetz einführen, das für alle gilt
·         …Patrizier heiraten
·         …Staatsämter wahrnehmen
·         …die Schuldknechtschaft abschaffen
·         … in der Plebejerversammlung Gesetze beschließen
Dennoch bleibt im Kern immer eine Spaltung der einen oder anderen Art bestehen, sei es zwischen Arm und Reich, Adlig und unadlig, oder „Senat und Volk“. Auch wenn dabei meistens nur unterschiedliche reche Römer aus den besten Familien diesen Gegensatz für die eigenen Zwecke ausnutzen und sich entweder als Verteidiger des Senats, als Retter der Ordnung und des Staates (optimates - boni) oder als Verteidiger der Rechte des einfachen Volkes (populares) inszenieren, um gewählt zu werden.


nobilitas - der Amtsadel

Reiche Plebejerfamilien fühlen sich schnell zu den Patriziern hingezogen, bestimmen mit diesen zusammen die Politik und bilden nach Übernahme der höchsten Ämter zusammen die nobilitas.
Ritterfamilien trugen einen schmalen, senatorische Familien trugen einen breiten Purpursaum auf ihrer Kleidung – und Purpurverbrämte grüßen zuerst immer Ihresgleichen…
Auch dieser "neue Adel" setzt wie schon zu Beginn die Patrizier (fast) alles daran, sich vom gemeinen Volk abzugrenzen und seine Macht zu erhalten. Dazu gehen die nobiles Bündnisse untereinander und mit aufstrebenden Familien aus dem gewöhnlichen Volk ein (solange diese nur reich und einflussreich sind), die sie selbst amicitiae - "Freundschaften" nennen. Die Konservativen Politiker bezeichnen sich selbst als boni - die Guten, oder gar als optimates - die "Best(gesinnt)en".
Bündnisse ihrer politischen Gegner bezeichnen sie als factio - "Klüngel". Die "linken" Reformer bezeichnen die amicitiae der Konservativen als factio und nennen sich - populares die "Volk(sfreund)e"

Sklaven

gibt es auch, doch gab es weitaus weniger, als man früher dachte, vor allem in der Landwirtschaft und in Privathaushalten. Ähnlich wie heute Wohneigentum sind sie neueren Forschungen zufolge weniger eine ökonomisch als vielmehr eher eine emotional sinnvolle Investition. Nach Senecas Briefen gehören sie einfach zum guten Ton unter Reichen. Da Sklaven eben extrem teuer sind, kann man herrlich mit ihnen angeben und protzen. Bei der Feldarbeit neigen sie jedoch zur „Faulheit“: Da sie an den Profiten nicht beteiligt sind, gibt es wenig Sinn, sich anzustrengen und man muss Aufseher einstellen, die sie überwachen. Pächter sind viel rentabler, um ihr Essen und Übernachtung müssen sie sich selber kümmern, sie müssen ums Überleben kämpfen und jede Leistung macht sich bezahlt. So arbeiten sie auch entsprechend. Kranke und alte Sklaven empfiehlt Cato in seinem Handbuch zu verkaufen (Cat.2,6: servum senem, servum morbosum … vendat), da der Unterhalt den Nutzen übersteigt. Haussklaven werden deshalb in der Regel im Alter von 30 Jahren freigelassen. Können sie auf dem freien Markt Fuß fassen, müssen sie ihrem ehemaligen Herrn einen kleinen Prozentsatz des Gewinns abliefern, bei Tod auch vererben.

Senatus Populusque Romanus

Der Senat

... besteht aus gewesenen und aktiven Magistraten (Beamten). Er bereitet unter Vorsitz der Konsuln die politischen Entscheidungen vor.
Für alle Magistraten gilt die Annuität  (nur 1 Jahr im Amt) und die Kollegialität (mindestens 2, Einspruchsrecht: Veto)

Das Volk

...wählt die Magistraten und darf die vom Senat (oder auch von den Volkstribunen) vorbereiteten Gesetze annehmen oder ablehnen.
In der wichtigsten Volksversammlung (comitia centuriata) dürfen alle männlichen Vollbürger wählen, aber in nach Vermögen gestaffelten Gruppen von centurien (Hundertschaften). Die ersten beiden Gruppen der wenigen Reichen besitzen mehr Stimmen, als die große Menge des Volkes.
Daneben gibt es auch Versammlungen „der Plebejer“ (comitia tributa) bei denen jeder Wohn- bzw. Wahlbezirk (tribus) eine Stimme besitzt.

Klientelwesen und Wahlen

Römische Gesellschaftsstruktur
Die wichtigste Grundlage der römischen Politik ist das Klientelsystem. Weniger bedeutende Römer unterstellten sich und ihre Familien als Klienten (clientes) dem Hausvater einer reichen und mächtigen römischen Familie, ihrem Patron (patronus). Diese Patronatsverhältnisse werden vererbt, können aber auch gewechselt werden, was aber nur selten geschieht.
Im Wesentlichen bietet der Patron seinem Klienten (rechtliche) Sicherheit, Schutz und (Lebens-)Hilfe, vertritt ihn vor Gericht, beriet ihn und kümmert sich um seine Versorgung (Verleih von Land und Geld geliehen etc.
Die Klienten bieten ihrem Patron (körperliche) Sicherheit (z.B. als Bodyguards in der Menge), Treue und (Wahl-)Hilfe, bilden seine Gefolgschaft, begleiten ihn in der Öffentlichkeit und helfen beim Wahlkampf.
Wenn ein Klient etwas von seinem Patron will, so macht er ihm morgens die Aufwartung. Allerdings haben nur sehr wichtige Klienten die Chance, von ihrem Patron nach einer zumutbaren Wartezeit persönlich empfangen zu werden. Um alltägliche Belange niedriger gestellter Klienten kümmert sich ein Verwaltungssklave des Patrons: Am frühen Morgen stehen Klienten mit einem leeren Körbchen Schlange. Sie bekommen sportula, die ihnen ihr Patron zukommen lässt: eine kleine Zuteilung von Speisen zum Mitnehmen, v.a. wenn sie arm oder in finanzielle Schieflage geraten (Gerlach 2001, S. 16). Mancher Patron lässt der Einfachheit halber lieber gleich Geld auszahlen.

Wahlkörperschaften


Gewählt wird zu verschiedenen Anlässen unterschiedlich. Die wichtigste Wahlversammlung ist die 
comitia centuriata
  • umfasst Patrizier und Plebejer in fünf Klassen
  • Wahlort: Marsfeld außerhalb der Stadt
  • wählte jährlich Konsuln und Prätoren
  • alle 5 Jahre Wahl der Zensoren
  • nach Vermögen gestaffelt, die reichsten Hundertschaften (centurien) mit den wenigsten Mitgliedern an Wählern verfügten über die weitaus meisten Stimmen => Waren sich Senatoren und Ritter einig, war die Wahl gelaufen.
  • Jede Hundertschaft hat insgesamt nur eine Stimme
 concilium populi tributa
  •   umfasst Patrizier und Plebejer, verteilt auf die 35 Stämme (tribus)
  •   Wahlort: im Comitium auf dem Forum Romanum.
  • wählt die kurulischen Aedile (aediles curules), Quaestoren und Militärtribunen (tribuni militum).

concilium plebis:
  • umfasst: Plebejer: ähnlich wie comitia populi tributa, ABER unter Ausschluss aller Patrizier, darf nur von Volkstribunen einberufen werden
  • Wahlort: Comitium auf dem Forum Romanum,
  • wählt die plebejischen aediles plebis (Ädile) und die Volkstribunen, Patrizische
  • Senatoren beobachteten die Versammlung häufig von den Stufen der Curia Hostilia aus und versuchten von hier aus, Einfluss auf die Tribunen zu nehmen
Das Concilium Plebis ist an die Empfehlungen des Senats nicht gebunden und kann sie niederstimmen – so zum Beispiel im Jugurthinischen Krieg, als das senatus consultum erging, die Amtszeit des Quintus Caecilius Metellus Numidicus als kommandierender General zu verlängern, den das Concilium Plebis mit der Ernennung von Gaius Marius verwarf – oder ergänzen: während Caesar durch Beschluss der Volksversammlung zum Prokonsul von Gallia cisalpina und Illyricum ernannt wurde, wurde ihm Gallia transalpina durch ein von ihm zu Wege gebrachten senatus consultum übergegeben.

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