Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Sonntag, 23. Februar 2014

Römische Spiele - Womit spielt man im alten Rom?


Bei römischen Spielen denkt man sofort an Wagenrennen, Theateraufführungen oder  blutige Gladiatorenkämpfe, sogenannte munera. Doch auch die antiken Römer spielen meist ganz „normale“, ungefährliche und alltägliche Spiele, bei denen es auf das Glück, Nachahmung, Geschicklichkeit, oder scharfes Nachdenken ankommt.
Pecunia et nuces: Nüsse des Nusspiels und römische Barschaft
Kinder spielen natürlich zu allen Zeiten. In Rom findet man z.B. Modellbau, mäusegesteuerte Spielzeugwägen, Gerade und Ungerade und Steckenpferd reiten (Horaz, Sermones, II, 3, Verse 247-258: aedificare casas, plostello adiungere muris / ludere par inpar, equitare in harundine longa). Außer den Kinderspielen gibt es auch solche für Erwachsene und welche, die man in jedem Alter spielen kann.
Daneben gibt es auch zahlreiches Spielzeug wie Rasseln, Glöckchen, Puppen und Puppenhäuser mit Mobiliar und umfangreicher Ausstattung (überwiegend für Mädchen), Spielfiguren (Menschen- und Tierfigürchen mit Zubehör wie Wägelchen, Schiffchen etc.). Außerdem man spielt mit Haustieren: Hunde, Papageien, Siebenschläfer und Mäuse.

Geschicklichkeitsspiele
Zu den typischen Kinderspielen zählen die Nussspiele (nuces / ludi nucum), von denen viele Varianten auch schriftlich überliefert sind, wie das ludus castellorum: Drei Nüsse werden im Dreieck gelegt. Die Spieler müssen versuchen, eine weitere Nuss so darauf fallen zu lassen, dass sie auf den anderen liegen bleibt. Daneben gibt es auch eine Art Nüsse-Kegeln, Nüsse-Büchsenwerfen (Nusspyramide statt Büchsen), Nüsse zielsicher in kleine Löcher, Spielbrettvertiefungen oder leere Amphoren oder auf eine Zielscheibe werfen.
Ebenso als Kinderspiele gelten Bronzefliege bzw. Blindekuh, Modellbau & Modellieren (meist mit Holz, Ton, Wachs, Sand oder Lehm), Auf einem Bein hüpfen, Ringelreihe, Schaukeln, Drachensteigen, Mikado, Radschlagen, Stelzenlaufen, Kreisel, Spulen (Jo-Jo), Büchsenwerfen (mit Steinen oder Nüssen), Bockspringen, Tauziehen, Huckepackreiten, Topfschlagen, bei dem allerdings ein Spieler als „Topf“ erraten und packen muss, wer ihm auf den Rücken geschlagen hat (bei der Variante Nagelspiel darf er dabei einen in die Erde gerammten Nagel am Strick nicht loslassen, beim Soldatenschlag bückt man sich auf alle Viere), sowie Verstecken.
Beim Reifenspiel muss man seinen Reifen (trochus) mit einem Stock vorantreiben. Anwohner schimpfen laut über den Krach und versuchen die Spieler zu verscheuchen, denn viele Reifen sind aus Metall oder haben noch kleine Metallringe, weshalb sie auf dem Steinpflaster  der Städte einen höllischen Lärm erzeugen.
Kegeln gibt es auch, dabei gilt es, neun Kegel umzuwerfen. Die Kugel rollt man nicht über eine begrenzte Spielbahn sondern lediglich durch ein kleines Tor.
Beim Scheibenschießen wirft man mit Speeren und zeigt mit seiner Zielgenauigkeit zugleich seine kriegerischen Fertigkeiten. Zielscheiben sind ein Stück (z.B. mit Wasser) markierte Erde, Tonziegel oder Steine. Verschärft werden die Regeln, wenn dem Werfer die Augen verbunden werden. Der Verlierer muss den Sieger huckepack tragen.

Ballspiele
gibt es unzählige, vom Jonglieren und Fangübungen bis hin zu echten Mannschaftsspielen und sie sind in allen sozialen Schichten und in jedem Alter überaus beliebt: von Mucius Scaevola über Marcus Antonius, Caesar (Macrobius, Sat. II, 6, 2) bis zu Augustus (Sueton Aug. 83). Selbst nüchterne Moralapostel wie Marcus Porcius Cato der Jüngere, der auch nach größter Wahlschlappe unverdrossen auf dem Marsfeld Ball spielen geht (Plut. Vit.Cato 50), sind begeisterte Ballspieler.
Für jedes Spiel scheint es einen eigenen Ball (pila) zu geben. Namentlich bekannt sind der kleine und sehr harte trigon, die mittelgroße paganica, (Leder, Federfüllung) und die große follis (Leder, mit Luft gefüllt). Die meisten Bälle sind relativ klein, bis zu neun Zentimetern und bestehen aus Glas, Palmblättern oder aus zusammengenähten und bunt gefärbten Stoff, Leinen- oder Lederstücken, gefüllt mit Luft, Wolle, Federn oder Rosshaar (pilus).
In griechischen Sportstädten im Spharisterion und römischen Thermen oder auf dem Marsfeld spielt man mit einem größeren Lederball aus sechseckigen Lederstreifen, der unserem Fußball verblüffend ähnlich sieht. Lexikonartikel über regelrechtes Fußballspiel in der Antike wie im Neuen Pauly (s.v. Apopoudobalia: Fußball sei von den römischen Legionären nach Britannien gebracht worden, wo es sich bis heute erhalten habe, „Festschrift für Matthias Sammer“) sind jedoch reine Scherzartikel, ebenso wie die seit 1983 traditionelle „Steinlaus“ mit einer Zeichnung Loriots im medizinischen Lexikon Pschyrembel (s.v. Steinlaus).
Beim dadatim ludere, „Geschenkter Ball“, wird der Ball (im Kreis) zugeworfen, beim „Geraubten Ball“ jagt man sich die Kugel ab, beim raptim ludere kämpft man sich ähnlich des Rugby mit dem Ball mittels zahlreicher Pässe, Finten und Tacklings über die Verteidigungslinie der gegnerischen Mannschaft. Ludere expulsim ähnelt Tennis ohne Schläger und Netz, einigen Vasenbildern nach zu urteilen gibt es eine Art Volleyball, einem Relief zufolge auch Hockey.
Es gibt Ausschlussspiele, die dem Völkerball ähneln. Die Verlierer, die ausscheiden, werden asini genannt – Esel, wer übrig bleibt wird rex – König, und darf den anderen jede beliebige Frage stellen.
Beim Trigon „Dreierspiel“ steht man im Dreieck und wirft sich mehrere Bälle zu, die man alle auffangen und schnell zurückwerfen muss. Sklaven (oder Kameraden) dienen als Balljungen und zählen die Punkte.

Im nächsten Post geht es um Nachahmungs-,Glücks- und Strategiespiele.

Weiterführende Literatur:

  • Besonders schön fürs Auge mit Schwerpunkt auf den Abbildungen der Originalfunde ist das Buch „Marco Fitta, Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, Stuttgart 1998 (dt. Übersetzung von Cornelia Homann)“, welches auch antikes Spielzeug auflistet.
  • Weniger farbenprächtig, handlicher und besser geeignet zum selbst nachspielen ist „Katharina Uebel / Peter Buri, Römische Spiele. So spielten die alten Römer, Euskirchen 20113“.

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