Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Sonntag, 30. Dezember 2018

effectus equestris - „Römische“ Kavallerie II (mos et miles XIX)


Die Effektivität fremdländischer Reiter nach neuerem Forschungsstand
eques Romanus - equites Romani: Römische Kavallerie
Römischer Reiter, CC 0 von katja auf pixabay
Da die „römische Kavallerie“ sich aus nichtrömischen Hilfstruppen zusammensetzt, bekam ihre Kampffähigkeit früher nicht viel Aufmerksamkeit – weder von römischen Autoren noch von den späteren Historikern (Gerlinger 2008, S. 291-292). In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts stand die Kavallerie erstmals intensiv im Zentrum der Aufmerksamkeit, nicht zuletzt unter Zuhilfenahme der experimentellen Archäologie, wodurch ihre Effektivität in der Schlacht positiv bewertet werden konnte (v.a. P. Conolly / C. van Driel-Murray, The Roman Cavalry Saddle, in: Britannia 22 (1991), S. 33-50; K. Dixon / P. Southern, The Roman Cavalry, London 1992; A. Hyland, Training the Roman Cavalry, Stroud 1993; M. Junkelmann, Die Reiter Roms Bd.2: Der militärische Einsatz, Mainz 19944; Ders., Die Reiter Roms Bd.3: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung, Mainz 19962; Ders., Reiter wie Statuen aus Erz, Mainz 1996; vgl. auch Gilliver, Mons Graupius and the role of auxiliaries in battle, S. 54; 64, Fußnote 1.).
So zeichnet sich unter anderem der keltische Sattel mit der festen Stütze der hochgezogenen Rücken- und Bauchlehne auch ohne Steigbügel durch hohe Stabilität aus. Als Konsequenz erscheinen die Reiter der römischen Hilfstruppen in der gegenwärtigen Forschung als eine Art Elite-Einheit (Gerlinger 2008, S. 292).

Kein Wunder, dass ausländische Elitereiter sich schnell in der cohors praetoria breit machen, der Schutztruppe der römischen Generäle, aus der die Einheiten der Leibwache und der Gardereiter hervorgehen. Die ethnische Zusammensetzung bis 193 n. Chr. zeigt nach gefundenen Grabsteinen folgende Ethnien (→ Speidel1997, S. 83): 29% Germanen, Briten und Gallier; 27% keltogermanische Raetier und Noricer; 22% Pannonier (Balkan); 13% Thraker und Dacer (Bulgarien und Rumänien) und unter 9% Orientalen und Afrikaner.

Schon in der Römischen Republik werden einzelne delecti oder gleich eine Schar, delecta manus, von Nichtrömern der Feldherrenkohorte zugeordnet -überwiegend Reitersoldaten, die aus dem Elitekorps der Bundesgenossen (extraordinarii) zum Dienst beim Feldherrn ausgesucht werden (Bellen 1981, S. 19-20). Sie bilden zusammen mit den Römern, die als Freunde dem Feldherrn gefolgt waren, dessen Leibwache, begleiteten ihn auf dem Marsch und schützen ihn in der Schlacht (→ vgl. Polybios 6,31,2-4).
Bereits der Marianer und Rebellengeneral Sertorius (123-72 v. Chr.) entlässt alle Römer aus seiner Leibwache und vertraut seine Sicherheit nur berittenen Keltiberern an. Spätestens nach dem Bürgerkrieg Caesars gegen Pompeius wird eine Leibwache aus fremden Völkern in Rom die Regel. Selbst nach der Varus-Schlacht wird die germanische Leibwache des Augustus 9 n. Chr. nicht entlassen sondern nur einige Zeit weggeschickt (Bellen 1981, S. 13; Cass.Dio 53,11,5). Gardereiter kommen überwiegend aus dem Norden (→ Speidel 1997, S. 85), die meisten als vornehmlich beste Reiterkrieger meist vom Rhein (→ ebd., S. 84) und seit Anfang der Kaiserzeit über Tiberius bis Nero dominieren vor allem germanische Bataver die Leibwache (2/3), dann die keltogermanischen Ubier und die germanischen Sueben (Bellen 1981, S. 37; 40),
Ausländische Truppen, vor allem nordische Reiterkrieger, sind auch bei regionalen Herrschern der Mittelmeerwelt als Leibwache üblich – man schätzt den einschüchternden Anblick großer wilder Nordbarbaren (Speidel 1997, S. 85). Italische Reiter scheinen weder ausreichend einschüchternd ausgesehen zu haben…

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