Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Freitag, 31. Mai 2013

Essen bei den alten Römern

Wie sitzt man in Rom zu Tische und was isst man als echter Römer? Über die Ernährung der antiken Römer ist man gut informiert: Es sind nicht nur archäologische Funde zu Lande und zu Wasser vorhanden, wie Lebensmittel- und Gewürzlieferungen auf einst gesunkenen Schiffen, Speise- und Getränkereste in benutzten Amphoren und gebrauchtem Kochgeschirr, analysierbare Inhalte von ehemaligen Toiletten und Sickergruben, bauliche Reste von privaten Küchen bis hin zu den (vor)industriellen Großbäckereien etc. Von den Überresten, die der Vesuvausbruch bewahrt hat -teilweise noch in der Servierschüssel-, ganz zu schweigen. Im Gegensatz zu Kelten und Germanen sind bei den Römern über 1.000 Rezepte erhalten – antike Schriftsteller äußern sich gerne und oft über römisches Essen (vgl. Gerlach 2001, S. 9). Die bekanntesten 500 Rezepte stehen im Kochbuch de re coquinaria (= Von der Kochkunst), welches von mehreren Köchen stammt und unter dem Autorennamen des Feinschmeckers Marcus Gavius Apicius (ca. 25 v. Chr. bis 42 n. Chr.) überliefert ist.
            Die Vorlieben der haute cuisine „des“ Apicius sind jedoch für den einfachen Römer nur wenig repräsentativ, die allermeisten kennen weder Flamingozungen noch Schnecken noch Meerbarben aus eigener Erfahrung und haben nicht einmal Geld für gestopfte Leber (ficatum). Als der Multimillionär Marcus Gavius Apicius nach Ausgaben von 100 Millionen Sesterzen für Essen und Trinken dagegen „nur“ noch zehn Millionen übrig hat, da begeht er laut Seneca aus Verzweiflung über die für anständiges Essen allzu spärlichen Reste Selbstmord (→ Seneca, de consolatione ad Helviam 10, 8–9).
© Zum Domstein Conviva Gastro GmbH
          Die Nahrung der einfachen Bevölkerung ist wesentlich billiger und sehr frugal. Der Fleischbedarf wird vor allem über Schweine abgedeckt. Rind spielt eine absolute Nebenrolle und wird vorwiegend als Zugtier gezüchtet – ursprünglich war die Tötung eines Rindes sogar bei Todesstrafe verboten (Gerlach 2001, S. 49). Bei ärmeren Römern steht Fleisch nicht regelmäßig auf dem Speiseplan (ebd., S. 14): Im Wesentlichen wird Brot oder Getreidebrei aus der Weizenart Emmer verzehrt (puls, dicker Getreidebrei ist das typische Legionärsessen: Zerstoßener und gerösteter Emmer wird mit Wasser und Milch gekocht), dazu rohes oder gekochtes Gemüse, oft Hülsenfrüchte, sowie Olivenöl. Knoblauch gilt nicht nur als Gemüse, sondern bei Kraftmeiern, Gladiatoren und Bodyguards auch als „das“ Mittel zur Stärkung. Zu den typischen „Armeleuteessen“ zählt moretum mit frischem Fladenbrot: Dieser „Kräuterkloß“ besteht aus Ziegenkäse, Mehl, 4(!) ganzen Knoblauchknollen, Sellerie, Rucola, Weinraute, Koriander und Öl (Gerlach 2001, S. 10). Frischmilch spielt übrigens wegen der Probleme der Haltbarkeit keine große Rolle, weshalb man sie meist gleich zu Käse und Dickmilch gerinnen lässt (ebd., S. 51). Obst ist schon etwas teurer aber vielfältig: Man verwendet in der römischen Küche Weintrauben, Äpfel, Granatäpfel, Feigen, Kirschen, Quitten, Pflaumen, Birnen, Zitronatzitronen und Nektarinen (→ Apicius 1,1) frisch, eingelegt, getrocknet oder zu Soßen und Mus verarbeitet. Hinweise auf die ältere bäuerlich-römische Küche finden sich in Catos Ratgeber zur Landwirtschaft de agricultura.
            In den Städten des römischen Reiches gibt es zahlreiche thermopolia, Imbissstände und popinae, Garküchen. In den zur Straße hin offenen Läden hängen Kessel mit Speisen über tiefen Einlassungen in den gemauerten Theken (vgl. Gerlach 2001, S. 18). Der hungrige Gast kann das Angebot vorher betrachten und dann auswählen. Hinter der Theke stehen Regale mit Weinamphoren, Krügen, Trink- und Essgefäßen sowie weiteren Waren. Wirtshäuser, tabernae, reine Kneipen oder Obstläden gibt es auch, ebenso Bretterstände, von Brot- und Gebäckverkäufern, mobile Garküchen mit nur einem warm gehaltenen Eintopfgericht im Kessel über einem Feuer und fliegende Händler mit Backwerk und Würstchen (vgl. ebd., S. 19). Zu den beliebtesten Schnellgerichten zählt z.B. Gemüse-Eintopf - für ein paar Asse mehr mit Geschnetzeltem oder Würstchen und frischem Fladenbrot. Wie die berühmte lukanische Räucherwurst sind übrigens alle Würste der Römer kräftig gewürzt. Restaurants sind nicht billig, aber gelegentlich bezahlbar: Ein Mittagessen in der mittelitalischen Kleinstadt Aesernia kostet 3 Sesterzen (vgl. die Inschrift CIL IX 2689) - ungefähr der Gegenwert von 30 Euro. Eine cena für 3 Personen im Lokal kostet 15 Sesterzen (→ CIL IV 5380). Vor 52 v. Chr. beträgt der Tagessold für einen untergeordneten Legionär jedoch (bei gestellter Verpflegung) nur 5 Asse (= 1¼ Sesterzen), ein einfacher (nur angelernter) Handwerker bekommt 3 Sesterzen am Tag, Spezialisten entsprechend mehr.
            Die überwiegend vegetarische Ernährung der breiten Bevölkerung hängt mit den Kosten zusammen, Fisch und Fleisch sind teurer. So ist die Getreideversorgung von Rom für die ärmere Bevölkerungsschicht lebensnotwendig und erlangt politische Bedeutung. 123 v. Chr. wird eine Art Grundversorgung für Bedürftige eingerichtet, die sogenannte annona. An einem bestimmten Tag jeden Monats wird regelmäßig Korn verteilt: 5 modii zum festen Preis von 6 1/3 Assen schreibt die Lex Sempronia fest, Lucius Calpurnius Piso Frugi macht Empfängerlisten und persönliche Anwesenheit zur Voraussetzung. Die Getreideversorgung wird zu einem innenpolitischen Instrument in den Händen ehrgeiziger Nobiles, um die Volksstimmung zu beeinflussen. Die Staatskasse kostet diese Unterstützungsmaßnahme 38 Millionen 400.000 Sesterzen jährlich, die kostenlosen Verteilungen unter Clodius werden später 146.400.000. Sesterzen betragen.
Im nächsten Post wird
dann geht es zu
Dazu folgt noch 

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