Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Samstag, 9. März 2013

Mitteleuropa 63 v. Chr. – „Geopolitischer“ Hintergrund zum ersten Band "Rufus - Donner im Keltenland"

Mitteleuropa 63 v. Chr. Zwischen Haeduern und Sequanern tobt seit Generationen der Kampf um die Vorherrschaft in Gallien. Die zentralgallischen Haeduer, konnten ihren Machtbereich immer stärker ausdehnen, er reicht nun im Süden von der römischen Provincia Narbonnensis am Mittelmeer bis zu den Belgiern im Norden. Die Sequaner, ihre östlichen Nachbarn, konnten dem schließlich kaum noch etwas entgegensetzen. Verzweifelt schlossen sie ein Kriegsbündnis mit den westlichen Nachbarn und alten Gegnern der Haeduer, den Arvernern. Doch die Strategie, die Haeduer in die Zange zu nehmen, misslingt. Zuletzt mussten sie 71 v. Chr. Ariovistos engagieren, den aufstrebenden Heerkönig der Sueben.
            Nach langen Kämpfen herrscht dagegen im Gebiet der Ubier seitdem eine trügerische Ruhe, da Ariovistos mit seinen Sueben seit Jahren in Gallien festsitzt. Der große Stammesverband der Sueben hatte sich in einer Notzeit im Norden entwickelt und davon profitiert, dass der Durchzug der Kimbern und Teutonen die Macht der Kelten und keltisierten Germanenstämme in den deutschen Mittelgebirgen erschüttert hatte. Erstmals militärisch gedrillt, drängen die Sueben nun durch diese Bresche vor. Die Elb-Sueben gelangen im Süden bis hinunter zur Donau und verdrängen nach und nach die Helvetier aus Süddeutschland. Im Südosten kommen sie bis zu den keltischen Norikern im heutigen Österreich. Neueren Forschungsergebnissen zufolge sind die „Germanen“ übrigens längst nicht so bärtig und barbarisch, wie von ihren südlichen Nachbarn angenommen. Die häufigste Grabbeigabe ist das Rasiermesser.
            In besonderem Maß gilt dies für die Ubier, einen längst keltisierten Stamm. Die Sueben haben die ehemals vorherrschenden Ubier räumlich zwischen den Rhein beim Neuwieder Becken, im Osten bis zur Gegend um Amoeneburg und im Süden bis zum Main und dem nördlichen Taunusrand eingeschränkt und tributpflichtig gemacht. Zur Kontrolle der Ubier und zur Absicherung der Tribute werden suebische Chatten in ubischem Gebiet angesiedelt. Es kommt jedoch schnell zu einer kulturellen und politischen Angleichung der mitwohnenden Chattengruppen (der Romanheld Euamellin / Rufus stammt von einem chattischen Vater und einer ubischen Mutter). Die germanischen Ubier verfügen über faszinierende zivilisatorische Errungenschaften: Der Stamm wohnt z.T. in städtischen Siedlungen (Oppida), prägt eigene Münzen und nutzt Schriftlichkeit, zumindest unter dem Adel und den Fernhändlern. Führende Persönlichkeiten verfügen über eine ausreichend große Menge an Schiffen, um Julius Caesar 55 v. Chr. den Transport des gesamten Heeres über den Rhein anbieten zu können. Für das gleiche Jahr ist ein Vertragsverhältnis belegt, das mit der Stellung ubischer Geiseln an Caesar besiegelt wird. Vermutlich werden Kinder von Adligen nach Rom gebracht. Als einer der ersten germanischen Stämme treiben die Ubier regen Handel mit den Römern und geben ihnen ihre Söhne in die Ausbildung.
            Unter dem kontinuierlichen Ansturm der Sueben und der Unterbrechung der Handelsrouten und Absatzmärkte bricht die Oppida-Kultur in der Mitte und im Süden Deutschlands allmählich zusammen. Ariovistos baut sich eine riesige Gefolgschaft auf und setzt sich an die Spitze der Suebenstämme. Doch er stürzt sich im Sold der Sequaner gegen die übermächtigen Haeduer jenseits des Rheins in ein ungewisses Abenteuer. Seit 71 v. Chr. muss er in Gallien ständig um die Existenz seiner Truppen und Bündnispartner kämpfen. Sobald seine Kontrolle im Osten nachlässt, schwindet auch seine heerkönigliche Zwangsgewalt über die Stämme. Die meisten von ihnen versuchen, die elbsuebische Vorherrschaft abzuschütteln. Doch wider Erwarten kann sich Ariovistos im Westen behaupten und fügt den Haeduern schwere Verluste zu. Er erhält dafür ein Drittel des Landes der Sequaner und hat nun eine starke Machtbasis im Elsass und freie Hand, die Stämme in seinem Rücken wieder fester an sich zu binden. Ariovistos lässt zahlreiche hochrangige Geiseln tributpflichtiger Stämme in Gallien bei den Sequanern unterbringen und beginnt, diplomatische Beziehungen quer durch Europa zu knüpfen.


 

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