Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Samstag, 7. Februar 2015

viae - Römische Straßen

Römische Straße - Aufbau / Plan - viae Romanae
            Von allen Völkern der Antike gehen nur die Römer dazu über, sich (fast) nichts mehr vom natürlichen Gelände diktieren zu lassen und möglichst überall architektonisch bestens ausgebaute Straßen anzulegen: Schnurgerade durchstoßen ihre viae Berge und Täler, sie bauen Brücken und Viadukte und sogar Sümpfe umgeht die Streckenführung nicht sondern man fundamentiert eine Art Gitternetz von Balkenkonstruktionen (substructio) und einer Schicht einzementierter Kalkplatten (vgl. Höcker 2001, Sp. 1034). Ein Symbol, nicht nur die ganze Welt, sondern sogar die Natur beherrschen zu können. Nichts ist regelmäßiger und sicherer als eine Römerstraße, das römische Straßennetz ist das umfassendste und bautechnisch beste der ganzen Antike (Gerlach 2001, S. 81-82).
            Im Zentrum Roms sind die meisten Straßen aufgrund ihres „natürlichen Wachstums“ jedoch eng und verwinkelt, zudem breiten sich die Läden und Restaurants immer Richtung Gehweg aus. Nicht einmal Straßenschilder und offizielle Straßennamen gibt es. Ohne U-Bahn oder ähnlichem massentauglichen Verkehrsmittel sind alle weiterführenden Straßen und Plätze der Großstadt ständig verstopft, so dass die Regel gilt: „Je breiter eine Straße oder ein Platz, desto unpassierbarer“. Dafür sind schon seit dem zweiten Jahrhundert alle Straßen gepflastert, dabei werden Steinblöcke in ein ausgeklügeltes Fundament gelegt. -Livius berichtet dies über das Jahr 174 v. Chr. (→ Liv.41,27,5). Inschriftlich belegt ist, dass alle Anlieger, vor dessen Haus ein Gehweg verläuft, diesen auch pflastern müssen (Tabula Heracleensis 53):
            Ein breiter Graben mit einem tiefen Fundament aus Sand und (oft mörtelgebundenem) Schotter, eine Schicht Steine und Erde, eine kompakte Schichte aus in Lehm eingebettetem Kies darüber und zum Schluss ein paar hübsche Steinplatten. Mittelerhöhung, Wasserableitungen und Fußgängerüberwege (herausragende „Zebrasteine“) in den Städten inklusive. Vor allem sind Römerstraßen enorm belast- und haltbar – manche kann man heute noch mit dem Auto befahren.
            Ursprünglich als militärische Aufmarsch- und Versorgungsstraßen angelegt, verbinden bis 300 n. Chr. 372 Überlandstraßen mit ca. 85.000 km Länge die römische Welt, jede Provinz ist über gut ausgebaute Straßen von Rom zu erreichen (ebd.). Wie in einem Spinnennetz gehen alle wichtigen Fernstraßen sternförmig von Rom als Zentrum aus (Höcker 2001, Sp. 1032). Die großen Fernstraßen tragen den Namen ihrer Finanzierer, die via appia, „Königin der Landsraßen“ nach Appius Claudius (Censor 321 v. Chr.). Sie verbindet Rom über Capua und Benevent mit der für den Griechenlandhandel wichtigen Hafenstadt Brundisium (Gerlach 2001, S. 81-82).
            Rechtlich unterscheidet man zwischen via publica bzw. via militaris, die über stattlichen Besitz führen und von öffentlicher Hand gebaut und unterhalten werden und der via privata (Höcker 2001, Sp. 1033). Beim Bau öffentlicher Straßen werden meist Soldaten eingesetzt, damit sie ihre Muskeln trainieren, eine Beschäftigung haben und körperlich ausgelastet sind. So gibt es weniger Schlägereien und Meutereien und man zieht noch finanziellen Nutzen daraus. Ebenso lässt man Legionäre Ziegel für staatliche Zeigeleien herstellen. Dennoch sind selbst die viae militares teuer: Der Neubau einer Meile kostet 500.000 Sesterzen, die Reparatur der via Appia im 2. Jahrhundert n. Chr. immer noch 100.000 Sesterzen pro Meile (Höcker 2001, Sp. 1033).Doch werden die Straßen auch intensiv für den Handel genutzt sowie für den staatlichen Nachrichten- und internen Postdienst, den cursus publicus (Gerlach 2001, S. 81-82).

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