Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Freitag, 31. Mai 2013

Essen bei den alten Römern

Wie sitzt man in Rom zu Tische und was isst man als echter Römer? Über die Ernährung der antiken Römer ist man gut informiert: Es sind nicht nur archäologische Funde zu Lande und zu Wasser vorhanden, wie Lebensmittel- und Gewürzlieferungen auf einst gesunkenen Schiffen, Speise- und Getränkereste in benutzten Amphoren und gebrauchtem Kochgeschirr, analysierbare Inhalte von ehemaligen Toiletten und Sickergruben, bauliche Reste von privaten Küchen bis hin zu den (vor)industriellen Großbäckereien etc. Von den Überresten, die der Vesuvausbruch bewahrt hat -teilweise noch in der Servierschüssel-, ganz zu schweigen. Im Gegensatz zu Kelten und Germanen sind bei den Römern über 1.000 Rezepte erhalten – antike Schriftsteller äußern sich gerne und oft über römisches Essen (vgl. Gerlach 2001, S. 9). Die bekanntesten 500 Rezepte stehen im Kochbuch de re coquinaria (= Von der Kochkunst), welches von mehreren Köchen stammt und unter dem Autorennamen des Feinschmeckers Marcus Gavius Apicius (ca. 25 v. Chr. bis 42 n. Chr.) überliefert ist.
            Die Vorlieben der haute cuisine „des“ Apicius sind jedoch für den einfachen Römer nur wenig repräsentativ, die allermeisten kennen weder Flamingozungen noch Schnecken noch Meerbarben aus eigener Erfahrung und haben nicht einmal Geld für gestopfte Leber (ficatum). Als der Multimillionär Marcus Gavius Apicius nach Ausgaben von 100 Millionen Sesterzen für Essen und Trinken dagegen „nur“ noch zehn Millionen übrig hat, da begeht er laut Seneca aus Verzweiflung über die für anständiges Essen allzu spärlichen Reste Selbstmord (→ Seneca, de consolatione ad Helviam 10, 8–9).
© Zum Domstein Conviva Gastro GmbH
          Die Nahrung der einfachen Bevölkerung ist wesentlich billiger und sehr frugal. Der Fleischbedarf wird vor allem über Schweine abgedeckt. Rind spielt eine absolute Nebenrolle und wird vorwiegend als Zugtier gezüchtet – ursprünglich war die Tötung eines Rindes sogar bei Todesstrafe verboten (Gerlach 2001, S. 49). Bei ärmeren Römern steht Fleisch nicht regelmäßig auf dem Speiseplan (ebd., S. 14): Im Wesentlichen wird Brot oder Getreidebrei aus der Weizenart Emmer verzehrt (puls, dicker Getreidebrei ist das typische Legionärsessen: Zerstoßener und gerösteter Emmer wird mit Wasser und Milch gekocht), dazu rohes oder gekochtes Gemüse, oft Hülsenfrüchte, sowie Olivenöl. Knoblauch gilt nicht nur als Gemüse, sondern bei Kraftmeiern, Gladiatoren und Bodyguards auch als „das“ Mittel zur Stärkung. Zu den typischen „Armeleuteessen“ zählt moretum mit frischem Fladenbrot: Dieser „Kräuterkloß“ besteht aus Ziegenkäse, Mehl, 4(!) ganzen Knoblauchknollen, Sellerie, Rucola, Weinraute, Koriander und Öl (Gerlach 2001, S. 10). Frischmilch spielt übrigens wegen der Probleme der Haltbarkeit keine große Rolle, weshalb man sie meist gleich zu Käse und Dickmilch gerinnen lässt (ebd., S. 51). Obst ist schon etwas teurer aber vielfältig: Man verwendet in der römischen Küche Weintrauben, Äpfel, Granatäpfel, Feigen, Kirschen, Quitten, Pflaumen, Birnen, Zitronatzitronen und Nektarinen (→ Apicius 1,1) frisch, eingelegt, getrocknet oder zu Soßen und Mus verarbeitet. Hinweise auf die ältere bäuerlich-römische Küche finden sich in Catos Ratgeber zur Landwirtschaft de agricultura.

Freitag, 17. Mai 2013

Familia: Die Familie der Fabii Sangae

Wie sieht die Gastfamilie aus, in die es den kleinen Germanenjungen in Rom verschlagen hat? Nach dem kurzen Auszug aus dem ersten Kapitel des zweiten Bandes „Rufus – Geheimnisse in Rom“ wird hier nun kurz die Familie der Fabii Sangae vorgestellt (allgemeine Informationen über die römische Familie folgen im weiteren Post familia):

Römische domus - Repräsentationsbau aus Neubau und altrömischer domus
Die domus der Familie des Quintus Fabius Sanga auf dem Esquilin in Rom
            Die Fabii Sangae sind eine eher unbekannte Nebenlinie der berühmten patrizischen gens Fabia. Die Fabier hatten in der römischen Republik früher eine beherrschende Stellung, die erste in Rom geprägte Silbermünze zeigt 269 v. Chr. einen Kopf des Herkules, des göttlichen Schutzpatrons der Fabier (und deshalb auf zahlreichen Mosaiken und Statuen im Hause vertreten). Die Sangae gehören zur Linie der Fabii Ambusti - Nachkommen der ehemaligen Fabii Vibulani, der ältesten und 63. v. Chr. bereits ausgestorbenen Fabier. So sind die Sangae eng mit den Fabii Maximi verwandt - ebenfalls Teil der Ambusti-Linie. Als Patrizier verfügen die Fabii Sangae über gute Kontakte zum römischen Hochadel und allen wichtigen Familien in Rom wie den berühmten Scipiones, Metelli, Valerii Flacci und Calpurnii etc.
            pater familias und Vater des Ganzen ist die historische Persönlichkeit Quintus Fabius Sanga. In den Quellen ist er nur über Sallusts Erwähnung über die Catilinarische Verschwörung zu fassen, wonach die Allobroger zumeist auf dessen patrocinium vertrauten (Sall.Cat.41,4). In den bruchstückhaft überlieferten Listen der Magistraturen taucht er leider nirgends auf. Er muss jedoch über einen gewissen Einfluss im Senat verfügen, da sich die nördlichen Stämme wiederholt an ihn wenden. Ich lasse ihn 102 v. Chr. auf die Welt kommen, zu Beginn des Romans, 63 v. Chr, ist er also 39 Jahre alt und nicht ganz so zielstrebig in der Politik unterwegs wie Caesar, Cicero und ähnliche Größen. Ich sehe ihn trotz seines Adels als Hinterbänkler im Senat. Dafür ist er als Patron der Allobroger und anderer gallischen Stämme bekannt, vermutlich vor allem im Handel engagiert und daher recht offen für fremde Völker. Liberal in Beziehung auf griechische Bildung ist er durch und durch Pragmatiker.
            mater Larcia (28 Jahre) entstammt der ebenfalls patrizischen gens Larcia, die im 1. Jh. v. Chr. bereits nahezu ausgestorben ist. Sie fühlt sich daher ein wenig als „die Letzte ihrer Art“, ist sehr adelsstolz, ein wenig zickig und zu dünn und ungelenkig, um richtig elegant zu sein. Sie achtet sehr auf ihre meist kunstvoll hochtoupierten blonden Haare und auf die Wahrung althergebrachten Anstandes.
            Zwei filii finden sich im Haus: Lucius (10 Jahre) ist der jüngere Sohn, ein Träumer, der seine Geschwister sehr mag. Beruflich noch nicht festgelegt, neigt er der Dichtung zu. Lucius ist ein wenig undiszipliniert, sonst in der Regel aber recht folgsam. Der ältere Gaius (17 Jahre) ist zielstrebig und fokussiert, wie es sich für einen gerade zum Erwachsenen erklärten Römer gehört. Früher sehr folgsam neigt er in letzter Zeit jedoch zu Widerworten. Enttäuscht, dass bisher keine militärische Karriere für ihn vorgesehen ist, empfindet er die sich hinziehende Ausbildung zum Anwalt, das Tirocinium Fori, als herabsetzend und langweilig. Gaius will unbedingt zum Militär, doch hat er keine Stelle als Militärtribun bekommen. In letzter Zeit verbringt Gaius viel Zeit mit dem etwas älteren Marcus Antonius (21). Seinem Vater Quintus passt dieser Umgang gar nicht, der Stiefvater des Antonius, Lentulus Sura, hat nicht umsonst seinen Spitznamen von einem Korruptionsskandal erhalten und dem unbeherrschten Antonius traut er ebenso wenig über den Weg. Wo treibt sich Gaius herum, wenn er nicht nach Hause kommt? Wie Quintus vermutet, könnte dahinter sogar noch mehr stecken, als nur die gelegentlichen Sauftouren mit den rebellischen jungen Männern Marcus Antonius, Vedius Pollio (15/16), Marcus Caelius (21), Gaius Curio (25), und Clodius Pulcher (Ende 20)…

Montag, 13. Mai 2013

I. Roma. Leseprobe aus "Geheimnisse in Rom"

Als Textprobe nun ein Auszug aus dem ersten Kapitel des zweiten Bandes "Rufus – Catilina und die Jugend Roms". Die eckige Klammer "[...]" soll anzeigen, dass jeweils eine oder mehrere Szenen fehlen.
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!

Kapitel I: Roma
Vor ihnen entfaltete sich ein einmaliges Panorama. Euamellin staunte mit offenem Mund. So etwas hatte er nicht erwartet. Früher hatte er sein Zuhause für eine große und bedeutende Stadt gehalten, das Oppidum Ubiacum auf dem Dünsberg. Nur die allerwenigsten Familien seines Stammes wohnten überhaupt in einer stadtähnlichen Siedlung, die meisten lebten in kleinen Gehöften und Dörfern. In Gallien hatte ihn dann Bibracte sehr beeindruckt, der Zentralort der mächtigen Haeduer. Dass Rom noch größer und schöner sein könnte, das hatte er zwar schon vermutet - aber dass Rom gleich SO groß war? Von dem Hügel, auf den sie von der Via Aurelia aus abgebogen waren, konnte man die Landschaft gut überblicken. Dennoch war nicht abzusehen, wo die Stadt endete, die ungefähr drei oder vier Meilen südöstlich ihren Anfang nahm, halb an einen Fluss geschmiegt, von einer Mauer umgeben und dicht bebaut. Ob es daher kam, dass die Stadt über mehrere Hügel verteilt lag, die ihm die weitere Sicht nahmen, oder war die dichte Bebauung schuld? Oder hinderte die riesige Dunstwolke, die über der Stadt hing? Blendete das Gegenlicht der Sonne zu sehr -Euamellin glaubte auch einen seltsamen Widerschein, ein Blitzen und Funkeln in der Stadt zu sehen- oder nahm die Stadt dahinter überhaupt kein Ende mehr? Von hier aus war es jedenfalls unmöglich, sich ein klares Bild von dieser Stadt zu machen.
            „Na, Kleiner, das ist schon etwas anderes, nicht wahr?“ Crixos warf den Kopf in den Nacken, so dass seine dunkelbrauen Locken herumwirbelten. Sofort eilte einer seiner Gefolgsmänner herbei und brachte Wasser und etwas zu Essen. Crixos reichte Brot, ein paar Feigen und den Lederschlauch an Euamellin weiter. Der junge Ubier nahm einen tiefen Schluck. „Danke, Crixos!“. Bereits in der Morgendämmerung hatten sie eine eigenartige Dunstwolke am Horizont wahrgenommen. Nun konnte man sehen, dass diese nicht von Wolken vom Meer sondern von unzählbaren kleinen Rauschschwaden genährt wurde, die träge nach oben stiegen. Die kleinen Rauchsäulen mussten schon vor Sonnenaufgang aufgestiegen sein, um sich zu einer zähen Glocke zu vereinen. Der Rauch von hunderttausenden von Feuerstellen der Garküchen, Bäckereien, Mietwohnungen, Häuser und Tempel – vereint auf ihrem gemeinsamen Weg in einen nahezu windstillen Himmel.
            „Beim Taranis, ist das groß! So viel Rauch, so viel Dampf, so viele Feuerstellen. Wie viele Menschen wohl da leben mögen…?“ Auch Crixos bestaunte wie gebannt den Anblick. Ein paar Schwalben schnellten im Zickzack vorbei, doch nahm niemand Notiz von ihnen. Ihre Jagdschreie waren kaum zu hören, die erwachten Zikaden waren einfach zu laut. Nicht einmal Euamellins Hund Milmass bellte ihnen hinterher. Versonnen lag er im Gras und ließ sich das schwarz-weiße Fell streicheln.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Catilina, Caesar und Jugend in Rom 63-58 v. Chr.: Historisch-politischer Hintergrund zum zweiten Band, Rufus – Geheimnisse in Rom

Rom 63 v. Chr.: Im fernen Norden tobt der Machtkampf um die Vorherrschaft in Gallien, die Allianz der Sequaner und Averner setzt alles daran, die Übermacht der römischen Bundesgenossen, der zentralgallischen Haeduer zu brechen und lässt sich auf ein gefährliches Bündnis mit Ariovistos ein, dem mächtigen Heerkönig der germanischen Sueben, der schon 100.000 Gefolgsleute über den Rhein gebracht hat. In Rom bekommt man von all dem jedoch kaum etwas mit. In Rom hat man ganz andere Probleme, denn Konsul Cicero hat alle Hände voll zu tun: Was als Wahlkampfrivalität gegen Catilina und als Jugendrevolte begonnen hat, eskaliert zu Mordanschlägen auf sein Leben und zu einer handfesten Verschwörung. Lange glaubt man Cicero nicht. Nur durch die aktive Mitwirkung von Stammesmitgliedern allobrogischerNordbarbaren“ gelingt es, die einzigen Beweise vor den Senat zu bringen. Die Allobroger waren in Rom, um mit Hilfe ihres Patrons Q. Fabius Sanga Steuererleichterungen durchzusetzen (die Fabii Sangae sind auch die Gastgeber des Romanhelden). Die Allobroger nehmen mit den Verschwörern Kontakt auf und gehen zum Schein darauf ein, einen Aufstand gegen Rom anzuzetteln, verlangen dafür aber verbindliche Zusagen, Siegel und Beweise von hochrangigen Verschwörern. Die Allobroger liefern die Kontaktleute aus, in Rom wird der Notstand ausgerufen: Einige Köpfe der Verschwörung werden ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet. Mancher Vater lässt seinen Sohn verhaften, manch hochrangiger Verschwörer verschwindet aus den Unterlagen oder wird als unbeteiligt freigewaschen. Alle haben Angst, Panik bricht aus. Der General Pompeius weilt noch mit den schlagkräftigsten Truppen im Osten. Der zweite Konsul, Antonius Hybrida scheint selbst verstrickt und drückt sich vor einer Schlacht. Die Rebellenarmee kann erst 62 v. Chr. geschlagen werden.

Donnerstag, 18. April 2013

Riten und Kulte bei den Kelten

... sind einmal das Speiseopfer: Wie Griechen und Römern werden auch bei den Kelten keine Wildtiere (Wildschwein, Hirsch…), sondern die Haustiere Rind, Schaf und Schwein geopfert (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 286): Zuerst werden die ungenießbaren Eingeweide für die Götter verbrannt, dann essen die Kultteilnehmer die besten Teile der Tiere an Ort und Stelle selbst. Daneben gibt es ein sogenanntes „chtonisches“ Ritual, d.h. was mit der Unter- und Totenwelt zusammenhängt und nur bei Rindern durchgeführt wird, die schon sehr alt sind und für die Landwirtschaft und den Verzehr nicht mehr zu gebrauchen: Man wirft die Alttiere komplett in die Opfergrube bis das Fleisch verwest und die Gottheit ernährt ist, sammelt die Knochen wieder ein und benutzt sie für andere Rituale (ebd. S. 286-287).
An welchen Stellen und heiligen Plätzen die Nordvölker genau opferten, das zeigt eine Übersicht im Post Kult und Opferplätze bei den Kelten.
 
Das zweite Ritual ist das Weiheopfer. Wird einer Gottheit Siegesbeute dargebracht (Waffen, Kriegszubehör, Pferdegeschirr…), so wird wahrscheinlich schon auf dem Schlachtfeld aus Beutestücken ein Siegesdenkmal errichtet, ein Tropaeum, nach der Rückkehr der Sieger in einem streng geregelten Triumphzug präsentieren die Krieger evtl. die Schädel ihrer Opfer, nach einem Opferritual und -bankett befestigt man die Waffen (v.a. Schilde, Schwerter und Lanzen) dann feierlich am Eingangsportal (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 287).
 
Für Menschenopfer bei den Kelten findet sich kein zwingender Nachweis, die zur Schau gestellten Schädel und Körper der Gegner wurden bereits auf dem Schlachtfeld präpariert, von regelrechten Riten des Menschenopfers ist nicht auszugehen (ebd., S. 287-288).
 
Beim Schädelkult der Kelten dagegen bestätigen Archäologische Erkenntnisse antike Quellen:

Freitag, 12. April 2013

Essen und Trinken bei den Germanen

Eigentlich alles, was bereits im Post über Essen und Trinken bei den Kelten angeführt wurde, gilt ernährungstechnisch auch für die Germanen – für die frühen Vorgänger aus der Jastorf- und Lausitzerkultur genauso wie für die spezifisch „germanischen“ Stämme der Elbsueben, Chatten, Hermunduren etc.
Liest man Caesars Gallischen Krieg zu wörtlich, so stünden die Germanen jedoch auf einer Kulturstufe primitiver Jäger und Sammler, die sich vor allem um Kampf und Jagd und beinahe gar nicht um Ackerbau kümmert (wie in Buch 6, Kapitel 21-24). Doch geht es ihm an den konkreten Stellen eher um ein spezielles Bild wilder „Nordbarbaren“: Sie verkaufen zwar, doch nehmen sie keine Waren ab. Keine entwickelte Gesellschaftsstruktur, keine neuen Absatzmärkte, nur Konkurrenz, werte Mitsenatoren und Großhändler – scheint er durch die Zeilen vermitteln zu wollen. In Germanien ist sowieso alles anders, selbst die Tiere (z.B. fängt man kniegelenklose Germanen-Elche, indem man ihre „Schlafbäume" ansägt, an die sie sich lehnen und hilflos umfallen: Buch 6, Kapitel 27). Eine Eroberung wäre absolut unrentabel. Caesars erste Suebenkapitel könnte man glatt gut schwäbisch mit „Mir kaufet nix!“ betiteln (Bellum Gallicum, Buch 4, Kapitel 1-2). Die Art und Weise, wie Caesar Germanen als mythische Randvölker beschreibt, ist literarisch konventioniert und eventuell sogar absichtlich komisch gehalten: In Stilistik und Wortwahl ahmt er ältere griechische Schriftsteller nach (oder parodiert sie?), die in Rom quasi zur Schullektüre gehören und die das Ende der Welt ebenfalls mit (mythisch-seltsamen Tieren und) Barbaren besiedeln. Wie bei Caesar sind diese nur mit Fellen bekleidet und leben vor allem von Fleisch und Milch, Ackerbau kennen sie kaum. Aber jenseits des Rheins, dort, wo der große Feldherr und belesene Schriftsteller militärisch nicht weiterkommt (ohne seinen erfolglosen Feldzugsversuch genauer zu erwähnen), dort muss ja „das (literarische) Ende der Welt“ liegen. Denn auch als Politiker ist er ein großer…
 
Zu Tisch bei den Germanen:

Dienstag, 9. April 2013

8. Nach Süden. Leseprobe aus "Donner im Keltenland"

Aus dem letzten und achten Kapitel des ersten Bandes, Rufus - Donner im Keltenland. Ältere Leseproben findet man hier aus dem ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten und siebten Kapitel.
Wie immer freue ich mich über jede Anregung und jeden Kommentar (Rufus.in.Rom@gmail.com)!
 

8. Nach Süden

            Euamellin hatte noch immer den Sack über dem Kopf und haderte mit sich selbst. Wie konnte er nur so dumm gewesen sein! Es war leichtfertig gewesen, Diviciacos zu vertrauen. Immerhin war er der Bruder des Dumnorix, warum sollte er also nicht mit ihm unter einer Decke stecken. Die Söhne des Deccomarus, bei Vagdavercustis! Einer wie der andere. Doch halt, hatte sich Diviciacos seinem Bruder nicht schon zum zweiten Mal entgegengestellt? Er hatte stets einen sehr ehrlichen Eindruck auf Euamellin gemacht. Aber das hätte auch ein Trick sein können: Wer so viel über Gesichter wusste, für den war es sicher leicht, beim Lügen sein eigenes Gesicht zu verstellen. Wenn er sich doch bloß unauffällig verhalten und auf Suarto gewartet hätte! Nun lag er wie ein Sack Gerste hinten in einem Wagen und fuhr als schweigsame Last eine holprige Straße entlang. Aua! Schon wieder eine unebene Stelle. Immer wieder hüpfte der Wagen über Unebenheiten und riss ihn unsanft aus seinen Gedanken.
            Lange Zeit ließ sich niemand bei ihm auf der Ladefläche blicken. Immer weiter ging die Fahrt. Am Anfang hatte er noch erahnen können, dass es aus Bibracte zum Südtor hinaus den Berg steil hinab ging. Doch dann hatte er schnell die Orientierung verloren. Er war allein mit sich, dem Knebel, dem kratzenden Hanfsack und den Lederriemen, die ihn in die Handgelenke schnitten. Man kümmerte sich nicht einmal in den Pausen um ihn, um ihn loszubinden, den Knebel zu lösen oder ihm etwas zu trinken oder zu essen zu bringen. Es schien es, als ob man ihn einfach verhungern und verdursten lassen wollte. Und er musste seit geraumer Zeit so dringend aufs Klo! Schließlich wurde Euamellin unsanft abgeladen. Eine schwere Türe öffnete sich knarrend, nach ein paar Schritten trug man ihn kopfüber eine Treppe hinunter. Es war auffallend kalt und modrig. Nach und nach nahm er außer dem Muff feuchten Gesteins auch den Geruch von Gewürzen, Getreide, Ton, Schinken und allerlei anderen kost- und essbaren Dingen wahr. Ein Grubenhaus oder eine andere Art Lager? Schwer zu entscheiden, sehen konnte er durch den Sack gar nichts. Hören konnte er nur den Atem seines Trägers, der ihn durch die Gegend schleppte. Ein Schlüssel klapperte in einem Schloss, eine weitere Tür ging auf. Sein Träger riss ihm den Sack vom Kopf und warf ihn grob in eine Ecke. „Damit du uns nicht erstickst, du Bengel. Zu Essen findest du hier ja genug.“ Darauf lachte der Mann widerlich auf. Einen kurzen Moment lang konnte Euamellin im Widerschein einer Fackel den Raum erkennen. Dann fiel die Tür wieder ins Schloss und Euamellin war allein im Dunkeln.

Dienstag, 2. April 2013

Kult- und Opferplätze bei den Kelten

Wie verehrt man die Götter der Eisenzeit? Genaue zeitgenössische Beschreibungen sind leider nicht überliefert, folgt man den archäologischen Hinterlassenschaften, so scheint es zwischen den frühen Kelten und Germanen kaum Unterschiede zu geben. Zu den Göttern der Nordvölker führt dieser Link. Keltische Götter verehrt man an unterschiedlichen Plätzen und in unterschiedlicher Form, in Menschengestalt jedoch erst ab dem 1. Jh. v. Chr. (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 286).
 
Man verehrt die Götter an „naturheiligen Plätzen“ wie
  • auffälligen Felsen und Berggipfeln (v.a. Brandopferplätze, überwiegend Keramikscherben von Schalen und Schüsseln: Verbrennen des Inhalts, Bitte an überirdische Mächte in Himmel oder Luft),
  • Höhlen, Felsspalten und Schächten (auch mit Sonderbestattung von Toten, Silber-Quinar, Ringschmuck, Perlen, Bernstein, Spinnwirtel: Unterirdische Gottheiten),
  • Mooren und Gewässeropfer, Seen, Quellen, Brunnen, Wasserbecken … (Schwerter [z.B. die rapierartigen Knollenknaufschwerter, die als NUR als Opfergabe belegt sind und nur als Stichwaffe taugen: Rituelle Zweikämpfe oder Händlerwaffen auf dem Flussnetz der Fernhandelsrouten Mitteleuropas?], Dolche, Lanzenspitzen, aber auch Schutzwaffen wie Helme und Teile von Schilden),
in Frauenheiligtümern werden Alltagsgegenstände wie Fibeln, Ringe Glasperlen, Nadeln, Schminktöpfe und Kinderspielzeug geopfert (Initiations- und Fruchtbarkeitsriten?),
 
in Männerheiligtümern überwiegen Waffen und Rüstungsgegenstände, aber auch Haus- und Herdgeräte (Kessel, Feuerböcke), Arbeits- und Schmiedewerkzeug (Äxte, Sensen, Hämmer, Zangen), Blasinstrumente (Carnyx) und Bronzegefäße (Weinschöpfer, Kanne, Eimer) sowie Wagenteile sind vorhanden (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 277-284).
 
Heilige Heine“, ähnlich einem griechischen temnos oder einem italischen lucus sind von Baumgruppen dominierte Orte, an denen die Gegenwart der Gottheit spürbar ist und sich in religiösen Festen offenbart (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 285-286). Die Altaranlagen bestehen aus tiefen Gruben, in die man Opfer wirft und wo man mit unterirdischen Gottheiten in Kontakt tritt, und einer Feuerstelle, an der Teile von Tieren als weitere Opfer verbrannt werden. Da diese Anlagen anfällig gegen Wettereinflüsse waren, werden sie in der Regel zumindest mit einem Baldachin überdacht, der auf Holzsäulen steht und an einen klassischen Tempelbau erinnert (ArchäologischesLandesmuseum 2012, S. 286). Der Altarbereich wird durch eine quadratische Palisade und einem Graben abgegrenzt, deren Schwelle von einem Tor bewacht werden, dass sich zur aufgehenden Sonne öffnet und zur Zeit der Sommersonnenwende eine direkte Linie zum Altar bildet.
 

Was genau und wie die Kelten opferten, zu Speise-, Weihe- und Menschenopfern sowie zum Schädelkult, szeht im Post Riten und Kulte bei den Kelten.