Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Freitag, 12. April 2013

Essen und Trinken bei den Germanen

Eigentlich alles, was bereits im Post über Essen und Trinken bei den Kelten angeführt wurde, gilt ernährungstechnisch auch für die Germanen – für die frühen Vorgänger aus der Jastorf- und Lausitzerkultur genauso wie für die spezifisch „germanischen“ Stämme der Elbsueben, Chatten, Hermunduren etc.
Liest man Caesars Gallischen Krieg zu wörtlich, so stünden die Germanen jedoch auf einer Kulturstufe primitiver Jäger und Sammler, die sich vor allem um Kampf und Jagd und beinahe gar nicht um Ackerbau kümmert (wie in Buch 6, Kapitel 21-24). Doch geht es ihm an den konkreten Stellen eher um ein spezielles Bild wilder „Nordbarbaren“: Sie verkaufen zwar, doch nehmen sie keine Waren ab. Keine entwickelte Gesellschaftsstruktur, keine neuen Absatzmärkte, nur Konkurrenz, werte Mitsenatoren und Großhändler – scheint er durch die Zeilen vermitteln zu wollen. In Germanien ist sowieso alles anders, selbst die Tiere (z.B. fängt man kniegelenklose Germanen-Elche, indem man ihre „Schlafbäume" ansägt, an die sie sich lehnen und hilflos umfallen: Buch 6, Kapitel 27). Eine Eroberung wäre absolut unrentabel. Caesars erste Suebenkapitel könnte man glatt gut schwäbisch mit „Mir kaufet nix!“ betiteln (Bellum Gallicum, Buch 4, Kapitel 1-2). Die Art und Weise, wie Caesar Germanen als mythische Randvölker beschreibt, ist literarisch konventioniert und eventuell sogar absichtlich komisch gehalten: In Stilistik und Wortwahl ahmt er ältere griechische Schriftsteller nach (oder parodiert sie?), die in Rom quasi zur Schullektüre gehören und die das Ende der Welt ebenfalls mit (mythisch-seltsamen Tieren und) Barbaren besiedeln. Wie bei Caesar sind diese nur mit Fellen bekleidet und leben vor allem von Fleisch und Milch, Ackerbau kennen sie kaum. Aber jenseits des Rheins, dort, wo der große Feldherr und belesene Schriftsteller militärisch nicht weiterkommt (ohne seinen erfolglosen Feldzugsversuch genauer zu erwähnen), dort muss ja „das (literarische) Ende der Welt“ liegen. Denn auch als Politiker ist er ein großer…
 
Zu Tisch bei den Germanen:
Der archäologische Befund sieht anders aus, im Boden sind Spuren von ausgedehnten landwirtschaftlichen Anbauflächen und landwirtschaftlicher Kooperation zu finden. Aber was essen die Germanen nun wirklich? Die im Uchter Moor gefundene „Moora“, „Ötzi des Nordens“ und weltweit bestuntersuchteste Teenager-Moorleiche hat für viele neue Publikationen gesorgt (größtenteils mit vielen farbigen Abbildungen), wie auch zu einem Artikel der Hannoversche Allgemeinen Zeitung vom 02.08.2007, Sonderbeilage „Moore, Menschen, Mythen“, S. 7-9, aus dem folgende Statistik stammt: Nimmt man den Mageninhalten der Moorleichen, so ernähren sich die Germanen überwiegend vegetarisch:
  • Gerste,
  • Roggen,
  • Weizen,
  • Hafer,
  • Hirse.
Der Anteil an Fleisch, Fisch und Geflügel bleibt dagegen unter 5%.
 
Nicht nur die sesshafte Lebensweise als überwiegend Ackerbauern, Viehzüchter und Handwerker ergibt deutliche Gemeinsamkeiten zu den Kelten, die Tischsitten ähneln sich ebenfalls: Laut Tacitus sitzen auch die Germanen an kleinen Tischen, jeder an seinem seinen eigenen (Tac.Germ.22).
Das Frühstück besteht wahrscheinlich aus Getreidebrei, dazu Milch oder Dickmilch, eventuell zusammen mit gesammelten Beeren, Wildobst, Nüssen und Kräutern. Fladenbrot war wohl eher bei Reicheren zu finden und wurde vermutlich zur Hauptmahlzeit am Abend gereicht. Gekochte Suppen- und Eintopfgerichte sowie das Braten überm offenen Feuer ähneln der Nahrung der Kelten, ebenso die Zubereitung. Man kennt im Fleischbereich vor allem Überreste von Rind, doch auch Fisch aus nahen Gewässern, Schwein, Schaf, Pferd, Hund, Ziege (und vereinzelt) Huhn. Der vegetarische Anteil überwiegt jedoch in der Ernährung deutlich.
Nicht nachweisen lässt sich, wie viel die Germanen tatsächlich an alkoholischen Getränken zu sich nehmen. Wenn man stereotypen Barbaren-Klischees folgen will, dann sind die Germanen wahrlich wüste Säufer: Nach Tacitus trinken sie gerne zu viel, zechen in Saufgelagen oft die Nacht durch und bleiben dann bis in den lichten Tag hinein liegen (Tac.Germ.22. Wobei zu bemerken ist, dass die Römer auch die kulturell überlegenen Griechen gerne als Säufer diffamieren: Die römische Wortschöpfung „pergraecari“ „herumgriechen“, bedeutet, die Nacht durchzusaufen wie ein Grieche…). Aber auch nüchtern liegen die Germanen angeblich gerne noch im Bett, obwohl das Tageslicht schon scheint (ebd.) – was für Barbaren auch!

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