Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Mittwoch, 28. Februar 2018

Gallus: Keltische Krieger und ihre Standardbewaffnung (mos et miles XIII)



Kampfesweise
Ursprünglich messen sich die Kelten in Streitwagen-Duellen von Einzelkämpfern – ganz ähnlich zur Mittelmeerwelt, wie dieses Kampfverhalten auch in den homerischen Epen vor Troja nachzulesen ist. Die individuelle Bewaffnung zeigt den sozialen Rang der Krieger, die -folgt man Homer- den Streitwagen am Ende nur noch als eine Art Taxi benutzen und sich vor dem Kampf gegenseitig ihren Rang versichern, auf dass niemand mit einem Geringeren kämpfe.
Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. ändern sich die Kampfsitten: Man geht vom Einzelkampf mit Duellcharakter zum Verbandskampf mit einer mehr oder weniger einheitlichen Bewaffnung über.
Standardwaffen scheinen 2-3 Wurflanzen aus Eisen, 1 Hiebmesser für den Nahkampf und 1 Schild aus organischem Material in runder, oval, oder (am Häufigsten) achteckiger Form. Kurze Dolche mit breiten Klingen sind selten, könnten z.B. von Offizieren getragen werden (soweit man davon in Stammesaufgeboten sprechen kann).

Defensivwaffen
miles gallicus
cb Gallus ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
Die Kelten sind Meister der Schmiedekunst, dementsprechend teuer sind ihre Produkte. Panzer und Helme aus Metall werden nur von der gehobenen Oberschicht getragen.
Als Helme finden sich zuerst Schüsselhelme oder Korbgeflechte mit Lederbezug, dieselben mit applizierten Bronzeringen, Kegel- und Doppelkammerhelme aus Bronze und der Negauer Typ (vgl. → Pauli 1980; S. 116). Spätere eiserne Helme mit Wangenschutz sind in der Militärtechnik richtungsweisend, werden von den Römern kopiert und nur geringfügig zum Standard-Helm der römischen Legionäre weiterentwickelt.
Panzer: Für den schmaleren Geldbeutel verwenden die Kelten Gewebepanzer aus 4 mm starken Lagen von aufeinander geknüpften Zöpfen aus Hanf. Sie nutzen Lamellenpanzer und Gewebepanzer, genarbte Lederkoller, Lederpanzer und Panzerscheiben aus Bronze (→ Pauli 1980; S. 125; 128). Meisterwerke sind ihre Kettenpanzer, die ebenfalls schnell von der römischen Armee übernommen werden.
Ihre Schilde bestehen aus 1,2 cm starken Eichenbrettern, die sich zum Rand hin verjüngen und eine Höhe von 1,1 m aufweisen -manchmal auch mannshoch- (→Pauli 1980; S. 121). Sie weisen ein hölzernes Spindelgerippe mit Schildbuckelverstärkung auf und haben Handgriffe aus Eisen, nutzen unterschiedliche Faserrichtung und können bis 7 kg schwer sein.

Offensivwaffen
Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. dominiert bei reichen Kelten das Schwert als Hiebwaffe par ecellence (Pauli 1980; S. 117). Keltische Schwerter werden in Lamellentechnik hergestellt (Damaszierung), d.h. der Schmied faltet das Werkstück beim Hämmern mehrfach ähnlich einem japanischen Samurai-Schwert. Die Klinge misst anfangs 53-60 cm, in der Spätzeit 80-100 cm. Eine Betonung des Flammendamastbildes wird durch Brünierung oder Schwärzung erreicht, eine Kontrastwirkung durch Punzierung und Ätzung. Die Griffe bestehen aus Holz, selten aus Eisen, Hirschhorn oder Bronze. Ob die Schlagmarken aus religiösen Gründen eingeprägt wurden oder v.a. Meistersignaturen darstellen ist unsicher. Die Schwertscheiden bestehen aus Metall, bei wertvolleren Schwertern aus Bronzeblech (→ Pauli 1980; S. 118).
Lanzen und Speere werden überwiegend zum Nahkampf eingesetzt, wie die Ausgrabungen bei Alesia zeigen., der Lanzenschuh ist widerstandsfähig und besteht häufig aus Eisen.
Schleudern werden v.a. von ärmeren Kriegern benutzt. Sie weisen einen 1 m langen Riemen aus Leder oder Pflanzenfasern auf, der sich in der Mitte taschenartig verbreitert (vgl. Pauli 1980; S. 124). Verschossen werden pflaumen- bis eigroße Kugeln, rund oder bikonisch, mit einer Reichweite 50-70 m im Direktschuss (gegen ungeschützte Gesichter oder Gelenke), und 200-500 m im Parabelschuss (Salve).
Bogen lassen sich in der Hallstattzeit nur ein einziges Mal nachweisen, ein überlanges Exemplar von 2,1 m, evtl. zur Verteidigung fester Plätze, und überlange Pfeile von 50-60 cm Länge (Pauli 1980; 124). Danach sind die Pfeile nur 40-50 cm lang und besitzen vielfältigste Pfeilspitze, die in einen gespaltenen Holzschaft eingeschoben oder in einer eisernen Tülle befestigt werden. Erhaltene Köcher sind aus Leder, rund und haben einen Durchmesser von ca. 9 cm.

Dienstag, 27. Februar 2018

XIV. Haarsträubend: Zu viel der Schönfärberei

Als Textprobe hier ein Auszug aus dem vierzehnten Kapitel des ersten Bandes „Die Liebesleiden des jungen Ovids – Einzig Corinna" (hier geht es  zumersten, zweitendritten, vierten, →fünften, sechsten, siebten, achten  neuntenzehnten, elften, zwölften und dreizehnten Kapitel).
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!



Kapitel 14: Haarsträubend: Zu viel der Schönfärberei
dicebam 'medicare tuos desiste capillos!' Ovidius Naso amores 1,14 comaaurora / Haarelassen im alten Rom
cb nulla coma ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
[… Naso erlebt eine gewaltige Belagerung geduckt hinter einer Zinne. Als diese von einem Torsionsgeschütz getroffen wird, stürzt er in die Tiefe. Schweißgebadet erwacht er aus dem Alptraum, das Schlagen des Rammbocks ist nur das Hämmern an seiner Tür. Nachdem Titus beim Gastmahl vollkommen betrunken auf der Liege zusammengesunken war, kann sich Naso an nichts mehr erinnern Was hat er getan, dass Titus so wütend ist – und gelingt ihm die Flucht? Doch Titus will nur eines von ihm: den Grund, warum sie ihn nicht einlässt und über Vedius herausfinden, was er kann…]
 „Warte wenigstens, bis sie dich hereinruft…!“, versuchte Nape ihn zu bremsen.
Doch da war er bereits in ihr Triklinium vorgedrungen.
Corinna drehte sich überrascht um und lächelte gequält. In ihrer linken Hand hielt sie einen Bronzespiegel. Ihre rechte lag in ihrem Schoß, als hielte sie etwas versteckt.
Naso konnte jedoch keine Anzeichen eines anderen Mannes entdecken. Nur die aufreizend auf dem Tisch präsentierten teuren Geschenke seiner Rivalen. Wenige plumpe von Titus, erlesene von Vedius. Aber die standen da schon länger. Neues war nicht zu sehen. Außer… dass sie eine blonde Perücke trug – und dazu noch verkehrt herum? Kam sie direkt aus Germanien?
„Schickt dir jetzt schon Germanien eroberte Haare – oder besser, hast du die direkt von Titus?“
Corinna wurde rot. Sie sah ungewohnt bedrückt aus, die Wangen von natürlicher Röte und feucht, fast so, als habe sie geweint.
„Du … hast es gleich bemerkt? Findest… du … sie nicht schön?“, brachte sie stockend heraus und legte den Spiegel zur Seite.
Mühsam schien sie ihre Tränen zurückzuhalten.
»Ist sie traurig, weil sie Titus doch eingelassen hat? Oder war Vedius tatsächlich zuerst da? Dann soll sie zu Recht weinen!«, dachte er aufgebracht.
„Oh ja, schön schon“, antwortete er mit einem Kloss im Hals. „Aber findest du nichts dabei, durch die Gabe eines Volkes schön zu sein, das gnadenlos erobert wird – mit Feuer und Schwert? Oder wozu sind die Haubenlerchen wohl an der Grenze zu Germanien? Vielleicht hat Titus sie einer armen Barbarenfrau direkt vom Kopf reißen lassen… Klebt noch Blut dran? Wie oft wirst du rot werden müssen, wenn du die trägst und jemand deine Haare bewundert? Wirst du dir dann nicht sagen müssen: ʺJetzt lobt man mich wegen gekaufter Ware. An meiner statt rühmt er jetzt irgendeine Sugambrerin! Und doch gab es eine Zeit -ich erinnere mich noch-, als dieser Ruhm mein eigener warʺ?
Jetzt konnte Corinna ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie bedeckte ihr Gesicht mit der linken Hand, die andere hielt sie immer noch in ihrem Schoß verborgen.
»Verdammt tut mir das leid! Was hat sie denn nur? Warum bin ich nur so heftig geworden! Aber warum reagiert sie heute so… und was ist mit ihrer Hand?«
„Was hast du denn da…?“
Corinna hob ihre Rechte.
Sie öffnete sie und folgte mit den Augen, wie büschelweise Haare nach unten rieselten, weder schwarz noch blond und doch beides gemischt. Nur der seidige Glanz von früher war endgültig erloschen.
Stumpf und leblos lagen sie nun in Corinnas Schoß.
„O nein! Das ist aber nicht der richtige Ort für diesen Schmuck…!“
Corinna konnte den Blick nicht von ihrem früheren Haar auf ihrem Schoß lösen.
Naso kniff die Augen zusammen. Er hatte noch immer nicht verstanden.
Corinna vergrub ihr Gesicht zwischen beiden Händen und brach erneut Tränen aus.
„Siehst du Nape? Sogar Naso bemerkt es auf den ersten Blick!“, schluchzte sie.
„Aber Herrin… das kommt doch nur daher, dass du in der Eile die Perücke falsch herum aufgesetzt hast“, flüsterte sie sanft und schob die Perücke zurecht.
Schniefend hob sie den Kopf.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Für eine Handvoll Sesterzen: Sold in der römischen Armee (mos et miles XII)

Gehaltstabelle römischer Soldaten
cb salarium ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0


Sold, Söldner, Soldaten – alles Ausdrücke, die sich von einem Geldstück herleiten: 4,5 Gramm reines Gold, der areus solidus Kaiser Konstantins. Dieser solidus erweist sich als wahrhaft solide Währung, die 1.000 Jahre im Umlauf bleibt und nachhaltig unsere Sprache prägt.
Man könnte denken, Söldner hätten nun mit dem römischen Heer eher weniger zu tun. Doch schätzen Römer den Sieg besonders hoch, wenn er ohne Blutverlust römischer Vollbürger zustande kommt. So setzen sie mindestens doppelt so viele Kämpfer mit anderem Rechtsstatus ein: Verbündete latinischen Rechts, vor allem aber Nichtrömer aller Ethnien.
Für ein paar As am Tag -ungefähr eine Handvoll Euromünzen und weniger als eine Sesterze- sind die ausländischen Truppen Roms bereit, alle Gegner Roms zu töten und seien es Angehörige des eigenen Volksstammes. Römer metzeln Gegner aller Arten ab 5 As nieder, 1 ¼ Sesterzen. Knapp 10,50 € am Tag scheinen genug.
Sold bekommen sie alle - Nichtrömer allerdings bedeutend weniger. Doch ein festes Einkommen, die siegreiche Sache und der Gewinn des römischen Bürgerrechts locken Krieger aus allen Himmelsrichtungen zum römische Heer, selbst arabische Prinzen, wie Grabsteine belegen.
Zusammengenommen bedeuten die Soldzahlungen eine enorme Wirtschaftskraft (→ Eck 2004; S. 405), wie die Gehaltsaufstellung für eine Armee zeigt:

Gehaltssummen einer Armee pro Jahr (unter den Kaisern Augustus bis Domitian)
1 legio             6.400.000        HS
1 ala                626.000           HS
1 cohors         530.000           HS

Alleine für eine provinzialrömische Stadt wie Köln bedeutet das bei 2 Legionen, 3 Alen (ca. 1.000 Mann Spezialtruppen / Reiter) und 2 Kohorten jährliche Personalkosten in Höhe von 17 Millionen Sesterzen, was 4,25 Millionen Silberdenaren entspricht, 13,6 Tonnen Silber oder ungefähr 170.000 Goldstücken an aurei, 1.260 kg Gold!
Allein der Nominalwert entspricht momentan ungefähr dem Kaufwert von 170.000.000 €, der Goldwert aktuell 43.121.131 €.

XIII. Es war die Lerche: Im Bett mit Corinna

Als Textprobe hier ein Auszug aus dem dreizehnten Kapitel des ersten Bandes „Die Liebesleiden des jungen Ovids – Einzig Corinna" (hier geht es  zumersten, zweitendritten, vierten, →fünften, sechsten, siebten, achten  neuntenzehnten, elften und zwölften Kapitel).
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!



Kapitel 13: Es war die Lerche: Im Bett mit Corinna
Mit einem genüsslichen Grunzen kuschelte sich Naso enger an seine Geliebte. Irgendetwas schien ihn geweckt zu haben, doch nur ein Dummkopf würde in so einer Lage ernsthaft daran denken, aufzustehen.
Corinna hob müde den Kopf.
„Hast du das gehört?“, brummte sie verschlafen.
Mühsam richtete sie sich auf und fuhr sich über die noch ungekämmten Haare.
Iam super oceanum venit a seniore marito - flava pruinoso quae vehit axe diem.
cb aurora ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
Wie sie halb ausgestreckt auf dem purpurfarbenen Polster lag, erinnerte sie Naso an eine der wilden Frauen aus Thrakien: ungepflegt, aber ungemein anmutig! So stellte er sich die Bacchantinnen vor, wenn sie nach ihren orgiastischen Riten erschöpft ins grüne Gras sinken….
„Ist das schon eine alauda?“, gähnte sie. „Komm, die Lerchen sind bereits wach…“
alaudae? Die Lerchen stehen doch im fernen Germanien im Felde, die ganze fünfte Legion, und da herrscht ewiges Dunkel… Es kann also nur eine Nachtigall gewesen sein. Selbst Loquax schläft noch. Leg dich wieder hin!“
Er zog sie sanft auf die Matratze zurück und gab ihr einen Kuss.
Vom Papagei war in der Tat noch kein Laut zu vernehmen.
„Nein, du weißt doch…. es ist gefährlich, wenn wir zu lange liegen bleiben. Wenn Titus jetzt kommt…“
„Keine Sorge, ich bin ja bei dir, wenn sie kommt, diese kleine, flügellahme Ober-Lerche. Komm, kuscheln wir weiter!“
Corinna bedachte ihn mit einem skeptischen Blick, ließ sich aber nur allzu gern wieder zurückziehen. Sie gab ihm einen Kuss, lehnte sich an ihn und erwiderte seine Umarmung.
Wieder erklang ein Vogellaut.
„Da, hörst du? Es war doch die Lerche. Sie singt schon.“
„Nein, das war nicht die Lerche, es war die Nachtigall! IHR Lied erklang in deinen furchtsamen Ohren. Sitzt sie nicht oft auf deinem Feigenbaum im Gärtchen? Komm wieder runter zu mir, wir kuscheln gerade so schön. Der Tag ist ja noch fern!“

Samstag, 30. Dezember 2017

thermae - Antike Badekultur (Mode und Körperpflege XI)

c0 (public domain) / SilviaP_Design  (besucht: 29.12.2017)
https://pixabay.com/de/gem%C3%A4uer-innen-bad-therme-frau-1766635/

Kosten
Im Gegensatz zu modernen Wellnesstempeln sind antike Thermen extrem günstig: Der Eintritt kostet nur ein paar Groschen, überliefert ist ein Viertel-As (0,06 Sesterzen ≈ 60 Cent). Kinder, Soldaten und Sklaven sind oft vom Eintritt befreit. Manchmal wird der gesamte Betrieb sogar von einem Stifter wie Agrippa und später von den Kaisern finanziert und der Eintritt wird für alle gratis. Eine Mahlzeit ist jedenfalls zu allen Zeiten wesentlich teurer - überliefert sind 3 Sesterzen im Restaurant für eine Portion Sauce im Landstädtchen Asernia, allein dafür kommt man 50 Mal in die Thermen.

Besucherschicht
Thermenbesuche kann sich daher jeder leisten, Männer, Frauen (räumlich getrennt oder in kleinen Bädern an wechselnden Tagen), Fremde, Kinder, und selbst Sklaven. Da sie entgegen älterer Lehrmeinung doch ein Luxusgut darstellen und in einem ordentlichen Haushalt auch ordentlich riechen sollen, werden auch sie regelmäßig in die Thermen geschickt (selbst Massenware ohne spezifische Fähigkeiten und Ausbildung kosten noch mindestens so viel wie ein Pferd, ab 1.600 Sesterzen, ca. 16.000€ pro Stück - für einen Koch schon ab 46.000€). Der Frauentrakt ist oft kleiner. Vielleicht hält man aus Angst, dass die exzessiven römischen Kosmetika- und Haarpflegegewohnheiten die Abflüsse verstopfen, ihre Anzahl geringer.

Architektonischer Aufbau
Der Aufbau ist vielfältig, reiche Auftraggeber prunken gerne mit entsprechender Ausstattung: Marmor, Mosaike, Statuen, Kuppeln, Fresken, figürliche Kapitelle und dekorierte Friese. Nur Raumkatzen und aufreizend nackte Frauen wie auf obiger Illustration sind in echt nicht zu sehen – zumindest im Männertrakt.
Wenn es der Bauplatz zulässt, wird die Lage ausgenutzt, um nach Süden und Westen den „trockenen Saunaraum“ laconicum, den „feuchten Saunaraum“ sudatorium und das Warmwasserbad caldarium zusätzlich von der Sonne zu erwärmen.
Was die Sonne nicht schafft, leistet ein ausgeklügeltes Heizungssystem über Tonrohre (hypocaustum) - Fußboden-, Wand- und Wasserheizung zugleich. Die Temperatur steigt zum Teil über 50° C, weswegen die Gäste in den heißen Bereichen Holzpantoffeln tragen. Nur die Sklaven, welche die Öfen befeuern müssen, schätzen diese Anlagen vermutlich weniger.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

XII. Verrotte, du zweideutig Ding! Das Täfelchen II

Als Textprobe hier ein Auszug aus dem elften Kapitel des ersten Bandes „Die Liebesleiden des jungen Ovids – Einzig Corinna" (hier geht es  zumersten, zweitendritten, vierten, →fünften, sechsten, siebten, achten  neuntenzehnten und elften Kapitel).
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!


Kapitel 12: Verrotte, du zweideutig Ding! Das Täfelchen II
[…]
Flete meos casus—tristes rediere tabellae
cb tabellaeII ©: Stefan Gerlinger CC-BY 4.0
[Naso liegt in seiner Kammer und hält das Warten kaum aus. Beim Herumwühlen fällt ihm eines der Täfelchen in die Hände, auf denen er sich schon einmal mit einem Ratgeberbüchlein abgemüht hatte: Tipps und Ratschläge für Männer, wo man Frauen finden kann und wie man ihnen begegnet. Doch gerade dies lässt ihn Corinna immer schmerzlicher herbeisehnen- nicht nur geistig, auch körperlich. So versucht er verzweifelt, sich Corinna und ihre Posen mit freizügigen Versen von der Seele und aus dem Kopf zu schreiben. Anders kann er seinem innersten Drang nicht mehr Herr werden.]

»Liebeskunst – ein zugkräftiger Titel!«, freute er sich über die neue Überschrift für sein stetig wachsendes Büchlein. »Ganz ohne die Hauptsache zu erwähnen, wäre der Titel aber sicher eine Enttäuschung für die Leser. Aber mit – da könnte es das schönste Buch über römische Erotik werden…«
Naso ließ seinen Griffel nur so über die Zeilen fliegen.
Er hätte nie gedacht, dass ihm die speziellen Tipps so leicht von der Hand gingen. Musste wohl an Corinna liegen; an ihrer Lehrmeisterschaft und ihrer kleinen Bibliothek griechischer Erotika zugleich.
»Nette kleine Bibliothek für eine Frau, was für schöne kleine Bücher sie hat…«
Naso setzte den Stilus ab und seufzte tief.
»Doch würde ich alle Bücher der Welt gegen ein einziges ʺveniamʺ von Corinna eintauschen! Nicht mehr lange«, so hoffte er, »und ich habe meine Antwort. So oder so, aber am liebsten wäre es mir, sie käme persönlich…«.
[…]
Ein lautes Klopfen ließ ihn rückwärts vom Hocker fallen.
„Naso, bis du denn nicht zu Hause?“
Es dauert noch eine kurze Weile, bis er seine Orientierung wieder gefunden hatte.
Sein Herz klopfte schneller, sein Kopf drehte sich wie bei einer Bootsüberfahrt über schwankende Wellen.
Das Klopfen hatte ihn mitten aus der Arbeit geholt, in der er geradezu meditativ versunken war.
„Ja, nein, warte!“, rief er noch ein wenig unsicher, während er sich mit den Knien und Händen auf der Matratze abstützte.
„Herr?“
Immer noch ein wenig benommen torkelte er zur Tür.
„Ich komme schon!“
Kaum hatte er den schweren Riegel zur Seite gezogen, da traf ihn unerwartet ein Kuss.
Nape stand vor ihm und kicherte.
Sie drückte ihm sein Täfelchen aus Ahornholz in die Hand.
Naso stand wie eine Statue auf der Schwelle, mit vorgespitzten, zum Kuss geöffneten Lippen.
Nape drückte ihm noch einen weiteren Kuss auf und ließ ihn einfach so stehen.
Es dauerte noch einen Moment, bis wieder Leben in den Dichter fuhr.
Verblüfft rieb er sich die Augen und ließ die Lippen sinken.
Bevor er ihr nachgesehen hatte, war Nape bereits verschwunden.
Nur noch ein leichtes Ächzen der Treppenstiegen tief unterhalb verriet Napes flüchtige Anwesenheit.

Donnerstag, 30. November 2017

caedes: Soldaten nach der Schlacht (mos et miles XI)



cb caedes ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
Ist die gegnerische Armee eingekesselt oder in die Flucht gejagt, ist das Lager, die Festung oder die Stadt erobert, dann ist die Schlacht vorüber. Die Schlacht mag vorbei sein, nicht das Schlachten: Viele Soldaten sind noch mitten im Kampfesrausch, den die antiken Feldherren nicht zügeln, sondern oft ausleben lassen, um die gegnerischen Truppen noch auf der Flucht möglichst weitgehend zu dezimieren. Zur Verfolgung und Niedermetzelung des Gegners kommen die schnellen Reitertruppen zum Einsatz. Auch Zivilisten, selbst Frauen und Kinder, werden in dieser ersten Phase nach der Schlacht kaum geschont. Gefangene werden erst gemacht, wenn der Kampfesrausch vollständig verflogen ist.
In der Hitze des Gefechts  oder auch aufgrund taktischer Überlegungen kommt es bei starkem Widerstand, vor allem der befestigten Städte vor, die Besiegten restlos abzuschlachten. Haben die Städter noch nicht kapituliert, bevor der Sturmbock an die Tore schlägt, so steht die gnadenlose Niedermetzelung der Waffenfähigen und der Verkauf der übrigen in die Sklaverei zu befürchten.
Weitere Misshandlungen und Verstöße gegen Menschen- und Völkerrecht werden in der Regel bei römischen Autoren immer dann als moralisch höchst verwerflich geschildert, wenn es sich bei den Opfern um römische Soldaten und Bürger handelt ( hierzu und zum Folgenden vgl. Gerlinger 2008, S. 271-288). Gegenüber Barbaren werden die gleichen Untaten dagegen nicht negativ kommentiert, ja manchmal werden sie sogar als gute Tat für Rom präsentiert.
Diese Art der Präsentation wird zwar oft von der breiten Masse des Volkes aber nie von allen Römern akzeptiert und führt häufig auch zu Kritik oder gar zu Untersuchungsausschüssen und Prozessen – zumindest wenn man damit gegen einen politischen Gegner vorgehen kann. Es bestehen aber auch weit verbreitete Vorstellungen von Humanität, die sich schon früh entwickelt hatten:

Mittwoch, 29. November 2017

XI. Veni! - Das Täfelchen I

Als Textprobe hier ein Auszug aus dem elften Kapitel des ersten Bandes „Die Liebesleiden des jungen Ovids – Einzig Corinna" (hier geht es  zumersten, zweitendritten, vierten, →fünften, sechsten, siebten, achten  neunten und zehnten Kapitel)
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!

Colligere incertos et in ordine ponere crines
cb tabellaeI ©: Stefan Gerlinger CC-BY 4.0

Kapitel 11: Veni! Das Täfelchen I
Mit einem Ruck fiel Naso aus dem Bett.
Verwundert sah er sich um.
Der Hocker lag schräg an sein Bett gelehnt. Wachstäfelchen und Griffel lagen neben ihm am Boden. Er musste doch noch eingeschlafen sein.
Es hämmerte gegen die Tür. Der Lautstärke nach könnte es ein grobschlächtiger Schlägertyp sein, ein ehemaliger Gladiator vielleicht.
»Schulde ich jemandem so viel Geld?«
Wieder hämmerte es.
Mühsam rieb sich Naso seine Augen. Er konnte sich nicht erinnern, sich auf einen derart gefährlichen Geldhai eingelassen zu haben – oder doch? Oder hatte Titus ihn durchschaut und einen Legionär geschickt? Oder war es einer von Vedius‘ Leuten?
Auf Zehenspitzen schlich er zur Türe und lauschte. Doch er konnte nicht feststellen, wer vor der Türe stand.
„Naso, mach endlich auf! Ich bin’s. Nur wegen dir bin ich so früh gekommen!“
Naso schob den schweren Riegel beiseite.
„Nape!“
Mit einem spöttischen Grinsen senkte sie sittsam ihr Haupt.
„Dominus….“
„Du brauchst mich nicht dominus zu nennen, liebste Nape, ich bin nicht dein Herr – leider… und du hast ein viel zu schönes Gesicht, um es wie eine gewöhnliche Sklavin zu senken - was achtest du heute nur so auf die Etikette? Trage es vor mir nur erhoben, so wie gestern!“
Nape wollte schon etwas erwidern, da lief Marcus vorbei, grüßte Naso und schlurfte rülpsend zu seiner Kammer weiter.
Nape hielt ihren Blick gesenkt und biss sich auf die vollen Lippen.
„Ich entschuldige mich für meinen Nachbarn. Komm rein…! Du wolltest doch etwas sagen?“ Er schloss die Türe hinter ihnen. „Na los, keine Scheu!“
„Es ziemt sich nicht für eine Sklavin, einen Herren ungefragt anzusprechen – oder anzusehen.“
Sie hielt den Kopf noch immer gesenkt und schielte dabei vielsagend auf Nasos goldenen Ring: Sonnenstrahlen fielen durch das halb geöffnete Fenster und tauchten ihn in ein feuriges Funkeln. Das Kennzeichen des freien römischen Bürgers, gepaart mit der Auszeichnung einer reichen Familie.
„Ich bin nur eine gewöhnliche Sklavin, Herr. indocta - ungebildet. Nicht wie du. Ich verstehe nicht viel.“
Schamhaft bedeckte Naso den Ring mit der anderen Hand. Er wusste selbst nicht, warum er sich wegen des protzigen Ringes seiner Familie schämte - doch er tat es. Vielleicht sollte er seinen ererbten Siegelring gegen einen einfachen tauschen, einen gewöhnlichen aus Eisen? Oder störte es ihn, dass Nape nur eine Sklavin war? Doch was hieß schon ʺnurʺ…