Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Ein Traum von Rom - Römisches Stadtleben in Südwestdeutschland (25.10.2014 bis 12.04.2015 in Stuttgart)

Bei den Rufus-Romanen versuche ich die Römische Republik aus der Perspektive eines jungen Germanen zu zeigen, den es nach Rom verschlagen hat. Doch kommt Rom in späteren Zeiten auch in die Provinz: Stadt – Prestige – Wohlstand: Leben wie in Rom, nun auch in den Provinzen Vorbild:
„Die „ewige Stadt“ Rom steht für gehobenes Wohnen, florierende Wirtschaft, private Luxusgüter und städtebaulichen Glanz. Mit der Verschiebung der römischen Grenzen in den Norden gelangte die so charakteristisch römisch-mediterrane Lebensweise auch in entfernte Provinzen“, heißt es auf der Ausstellungsseite des Landesmuseums. Wer im Südwesten wohnt oder jemanden kennt, den er dort besuchen will, der sollte sich diese Ausstellung in Stuttgart gönnen – ein bisher nicht gezeigter Schwerpunkt einer Sonderausstellung. Dabei kann man sich mit vielen bedeutenden Ausstellungsstücken über die Römer in Südwestdeutschland informieren und zwar über:
  • Das Phänomen Stadt
  • Die Stadt als Abbild der römischen Zentralmacht (Verwaltung, Wirtschaft…)
  • Das Leben in einem städtischen Gefüge (Privatleben mit farbenprächtigen Wandmalereien und importierten Luxusgütern…)
  • Die Repräsentation der Stadt mit öffentlichen Bauten
Gezielt den jungen Römerfans widmet sich eine Mitmachausstellung „Römische Baustelle! Eine Stadt entsteht". Wer schon immer einmal eine römische Stadt bauen wollte, ein Haus oder ein Aquädukt, der ist hier bestens aufgehoben. Das Junge Schloss ist dabei dem Alltagsleben der Römer und ihrer großartigen Baukunst auf die Spur. Viele Stationen laden zum Ausprobieren und Entdecken für die ganze Familie ein. Beim Besuch von "Ein Traum von Rom" ist übrigens der Besuch des Kindermuseums kostenlos enthalten – für Nachfahren der Sueben am Nicer immer ein gutes Argument. Wer noch mehr mit Römern sparen will, kann auch noch die Kooperation mit dem sehenswerten Limesmuseum Aalen nutzen, das bei Vorlage eines Eintrittstickets "Ein Traum von Rom" ermäßigte Eintritte zur Sonderausstellung "GebrochenerGlanz - römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes" anbietet (noch bis 22.2.2015).

Freitag, 24. Oktober 2014

via, cloaca, aquaeductus - Technische Infrastruktur im alten Rom


infra structuram – welcher Unterbau findet sich tatsächlich schon im antiken Rom? Legt man moderne Kriterien an, kann man technische und soziale Infrastruktur unterscheiden, die das Funktionieren aller Bereiche der arbeitsteilig organisierten und hoch spezialisierten Hochkultur erleichtern.
Technische Infrastruktur Roms
Via Domitia, Pont du Gard, Cloaca Maxima, Aquädukt und Kanalisation

Technische Infrastruktur
  • Zum Leben einer Großstadt ist zuallererst die Wasserversorgung wichtig. Diese ist in Rom nie knapp. Neben Brunnen und Zisternen nutzen die Römer schon früh Aquädukte, die jedoch größtenteils unterirdisch verlegt dem Straßenverlauf folgen.
  • Für die hygienischen Zustände ist neben der Zufuhr von frischem auch die Abfuhr von gebrauchtem Wasser wichtig. Statt wie früher Abwasser über Bäche und Entwässerungsgräben zu entsorgen, legen die Römer schnell ein Abwassersystem von mehreren zunächst noch offenen cloacae an, die das Abwasser in verschiedene Flussabschnitte des Tibers leiten und bis in unsere Zeit das Stadtzentrum entwässern - die cloaca maxima (Baubeginn sechstes Jahrhundert v. Chr.) ist dabei nur ein Abwasserkanal von vielen, wenn auch der bekannteste (vgl. Ernstberger 2005, S. 18). Zuletzt sind die meisten Wohngebiete angeschlossen, die Hauptabwasserkanäle werden gemauert, durch Steinplatten abgedeckt und verlaufen unter den Gassen und Hauptstraßen entlang (ebd.).
  • Vielleicht die großartigste Leistung römischer Infrastruktur ist das römische Straßennetz, welches sich wie ein Spinnennetz vom Mittelpunkt Rom aus über Italien und die Provinzen erstreckt, bis ins 3. Jh. ca. 100.000 km (Ernstberger 2005, S. 7). Doch auch Flüsse und Küstenschifffahrt werden als Verkehrswege eifrig genutzt, Kanäle und Häfen angelegt und erweitert. Genaueres zu Römerstraßen findet sich im Blogeintrag viae, zu den genauen Reisegeschwindigkeiten zu Lande und zu Wasser folgt ein Blog Reisen im römischen Reich - „Wer alleine unterwegs ist, der hat einen Narren zum Begleiter“.
  • Große Energieversorger wie heute gibt es natürlich nicht. Wer sich nicht selbst sein Brennholz schlagen kann, muss auf das teure Angebot der Holz- und Holzkohlehändler eingehen oder ist auf fliegende Händler angewiesen, um zu heizen, zu backen und zu kochen. Ärmere und sparsame Römer gehen bei Dunkelheit ins Bett, wer gerne liest oder Beleuchtung benötigt, greift auf Öllämpchen zurück. Reichere Römer leisten sich Lampenöl, das weniger stark rust und sogar parfümiert ist, helle und geruchsfreie Wachskerzen sind Luxus. All dies ist in den kleinen Läden um die via sacra und in den n Märkten zu haben (die größeren finden jedoch nur alle neun Tage statt nundinae).

Donnerstag, 25. September 2014

VII. Pflicht und Lust. Leseprobe aus "Catilina und die Jugend Roms"

Nun ein Auszug aus Kapitel Sieben (aus dem zweiten Band gibt es bisher Ausschnitte zum ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Kapitel). Anregungen und Kommentare sind wie immer erwünscht (Rufus.in.Rom@gmail.com)!
Pflicht und Lust: Zenon und Epikur
Pflicht & Lust: Zenon & Epikur (Glück)

Kapitel VII: Pflicht und Lust

            Ein Klatschen, ein Spritzen, dann ein erstickter Schrei. Gaius musste endgültig den Halt verloren haben. Rufus sprang sofort hinterher. Rufus folgte der Strömung, doch konnte er Gaius in dem schlammigen Wasser und der absoluten Finsternis nicht finden. Bei allen Muttergottheiten und beim Apoll der Römer, Gaius hatte doch hoffentlich das Schwimmen nicht vergessen! „Gaius! Gaius wo bist du?“ Seine Schreie wurden vom Tonnengewölbe der Kanalisation vielfach gebrochen hin und her geworfen. Keine Antwort. Als das Echo verklungen war, hört er doch noch etwas: ein panisches Röcheln. „Gaius! Bleib ruhig! Spuck das Wasser wieder aus. Schwimm einfach auf der Stelle!“ Als Antwort hörte Rufus nur ein gurgelndes Geräusch, doch das reichte ihm. Zielsicher packte er zu und zog ihn wieder über Wasser. „Gaius, beruhige dich!“ Rufus legte ihm seinen linken Arm um den Hals und zog ihn rückwärts schwimmend mit. Gaius prustete und spuckte, schließlich ließ er sich aber von Rufus führen.
            Ein starker Sog zerrte die beiden mit. Die Kanalisation wurde offenbar laufend mit viel Frischwasser von den Aquädukten versorgt. Orientierungslos wurden sie im Kanal hin und her geworfen und stießen sich die Köpfe. Dennoch kämpfte sich Rufus immer wieder an eine Seite und tastete nach Vorsprüngen oder Planken. Schließlich konnte er sich an etwas festhalten. „Komm jetzt, hoch mit dir!“ Der Rand war glitschiger als erwartet. Als ihr erster Versuch scheiterte, begann Gaius wieder hektisch zu strampeln. „Gaius, was soll denn das? Bleib ruhig!“ „Hier kommen wir nie wieder raus! Entweder ersaufen wir hier unten oder wir verhungern! So wie der arme Kerl vor uns, dessen hohler Schädel uns verhöhnt hat... Ai!“ Rufus hatte sich inzwischen auf den Vorsprung schwingen können und Gaius eine kräftige Ohrfeige verpasst. Das half. Er ließ sich wieder folgsam mitziehen. „Und nun?“, stieß er zwischen zwei Schluchzern aus. „Kein Licht! Hier kommen wir nie wieder raus!“
            Rufus dachte nach. Abwasser, Strömung… Wir müssen nur dem Wasser folgen. „Heureka!“, rief er schließlich. „Wasser fließt nur in eine Richtung: bergab. Also folgen wir einfach der Richtung des Wassers! So kommen wir zum Tiber.“ „Meinst du denn, wir können so lange schwimmen? So wie es aussieht, gibt es am Rand meist nur diese verdammt glatten Tunnelwände, beim Pluto…“ „Keine Sorge, ich kann dich lange genug abschleppen. Solange wir welche finden, nehmen wir Vorsprünge oder Bretter. Ich tauche mal meinen Fuß rein, um zu sehen, in welche Richtung wir weiter müssen..., aber he, moment Mal!“ „Was ist? Warum lachst du?“ „Wir Dummköpfe! Das Wasser ist hier gar nicht so tief, da kann man stehen!“ „Wirklich?“ Rufus sprang wieder in den Kanal. „Wirklich! Komm!“
            Erschöpft lagen schließlich beide am Tiberufer und atmeten durch. „Ich hätte wetten können, dass wir in der Cloaca Maxima rauskommen“, meinte Gaius verwundert. „Umso besser, das Ende der Cloaca Maxima ist noch nicht überdeckt, ich hätte mich ungern so auf dem Forum gezeigt.“ Dabei hob er seine abwasserdurchtränkten Ärmel in die Höhe. Rufus versuchte sich zu orientieren. Die Nacht war beinahe vorbei, aber der Tag hatte noch nicht richtig begonnen. Im Zwielicht konnte er zu ihrer Linken schemenhaft eine Insel ausmachen. Das musste die Insel des Äskulapius sein, des Sohnes des Apollo. Gegenüber wimmelte es vor Menschen zwischen all den Kais und den Kränen der navalia – das mussten die Dockanlagen sein und dahinter die großen Speicher, wo das Getreide zwischengelagert wurde, das zur Unterstützung ärmerer Römer verteilt wurde. Kein Wunder, alle Lastkähne von Roms Hafen Ostia drängelten sich hier wie Ferkel an den Zitzen des Muttertiers. […]
            Gerade ging die Sonne hinter dem nächstgelegenen Hügel auf, an dem er die alte Stadtmauer zu erkennen glaubte. Also lag hinter ihrem Rücken Osten. Rechts von ihnen breitete sich das Feld am Tiber weiter aus, auf dem bereits junge Soldaten ihr militärisches Training begannen und waghalsige Wagenlenker den Staub bis in den Himmel warfen. Dahinter Stadtmauern und weitere Hügel. „Dann führt ein anderer Kanal vom Esquilin über die Subura zum Marsfeld?“ Gaius warf sich wieder zurück ins Gras. „Ach wer weiß schon welcher Kanal wo hin fließt, seit der alte Etruskerkönig die Ebenen Roms entwässert hat. Das Kanalsystem ist weit verzweigt. So viel ich gesehen habe, gibt es viele Querverbindungen und Sackgassen. Diesen Ausgang hat vielleicht seit Tarquinius Priscus niemand mehr zu Gesicht bekommen. Völlig zugewuchert und fast vollständig unter Wasser. Ein Wunder, das wir da heil durch gekommen sind – Mercurius sei Dank!“ Rufus rieb sich die Schürfwunden an Armen und Gesicht, die er sich im Kanal zugezogen hatte. Gaius sah ein wenig peinlich berührt zu ihm hinüber. „Ach was soll‘s“, grunzte er schließlich, ging zu Rufus hinüber und packte seinen rechten Arm bis zum Ellenbogen: „Dir gebührt ebenso großer Dank! Du hast mir das Leben gerettet. Schau mir in die Augen, Rufus, Sohn eines Adligen aus dem fernen Norden: Jetzt bist du wirklich mein Bruder, nicht nur irgendein Gastfreund meines Vaters!“ Gerührt verkniff sich Rufus eine Träne. Er hatte sich schon immer einen großen Bruder gewünscht. Vor allem jetzt, wo seine große Schwester als Geisel der Sueben in der Ferne weilte. „Bruder.“ „Bruder.“ Feierlich wandten sie sich gen Osten und sahen gemeinsam zu, wie die Sonne über dem Kapitol aufging. Langsam tauchte sie Tempeldächer und Statuen in eine rotgoldene Glut, deren Widerschein auf den einzelnen Strahlen bis zu ihnen zu gleiten schien.

Dienstag, 2. September 2014

ludi - Ablauf von Theaterspielen


Während der zahlreichen religiösen Feste in Rom werden Festspiele (ludi) gegeben. Darunter zählen auch Theateraufführungen. In Roms Theatern werden schnell Tragödien und Komödien getrennt voneinander aufgeführt, nicht wie in den mehrtägigen Festen des Dionysos jeweils drei Tragödien, gefolgt von einer Komödie in einem einzigen Theater, wie in Athen. Die Oberaufsicht haben die Ädile, sie sind für alle Spiele und Aufführungen zuständig und bezahlen die meisten aus der eigenen Tasche, da sie danach auf die Wählergunst für das nächsthöhere Amt der Prätur hoffen.
Dazu lassen sie neben einem Tempel oder im Circus Maximus ein langgestrecktes Podest errichten (pulpitum), worauf auch Boxer, Seiltänzer (und bei Beerdigungen auf ludi fúnebres auch Gladiatoren) auftreten (Blume 2002, Spalte 272).
Die Ädilen engagieren die Schauspieltruppen meist persönlich. Der dominus gregis, der Leiter der Truppe kauft dem Dichter das Stück ab, lässt die Musik für die umfangreichen Gesangspartien komponieren (cantica), engagiert einen choragus, einen Kostümverleiher und übernimmt oft auch die Hauptrolle (vgl. Blume 2002, Spalte 272). Wenn er nicht wie bei den großen Spielen in Rom selbst im Voraus bezahlt wird, inszeniert er auf eigenes Risiko (ebd.).
Bühnenwand eines römischen Theaters
scenae frons - Römische Bühnenwand im Theater von Pamukkale (Kleinasien)
Nun kommen die Besucher und zwar in großer Zahl und wohl auch deshalb finden verschiedene Veranstaltungen gleichzeitig statt. Ins Theater darf nämlich jeder: Männer und Frauen, Sklaven, Kinder - und selbst Ammen mit ihren Säuglingen (Blume 2002, Spalte 272).

Dienstag, 12. August 2014

imperatores - „Warlords“


imperatores - Gaius Julius Caesar, Marcus Licinius Crassus, Gnaeus Pompeius Magnus
Die römische Aristokratie steht unter enormem Konkurrenzdruck, seit Homer gilt es schließlich, die anderen nobiles möglichst zu übertreffen und es gibt es gerade einmal zwei Konsulstellen pro Jahr! 
Dieser Konkurrenzkampf wird immer zerstörerischer, zuerst für den Privatbesitz der Bewerber, die Unsummen für den Wahlkampf ausgeben und nur dann nicht Bankrott gehen, wenn sie die Wahl gewinnen und sich danach mit einer lukrativen Provinzverwaltung finanziell sanieren können. Doch wer nach Höherem strebt, der braucht immer mehr: Zuletzt geht man dazu über, seine Soldaten an der Beute zu beteiligen, wenn man als Statthalter einer Grenzprovinz in Kriege verwickelt wurde oder welche anzettelte. Im Krieg lässt man sich möglichst auf dem Schlachtfeld zum imperator ausrufen. Dazu braucht man es einen als „gerecht“ angesehenen Krieg und 5.000 tote Feinde, doch wer wird denn schon so genau nachzählen, wenn ein strahlender Sieger mit vielen Truppen vor den Toren Roms steht: Dann überzeugt der Feldherr und seine amici-Freunde oft kritische Stimmen – oder machen sie mundtot. Nur so kann einem vom Senat ein Triumphzug zugesprochen werden, denn der ist extrem nützlich – eine bessere (Wahl-)Propaganda und Empfehlung für weitere Aufgaben gibt es nicht. Mit Krieg, Sieg, manchmal auch Triumph, vor allem aber der Beute und Versorgung nach dem Krieg machen die Feldherren den ursprünglichen alten Patronen die Klienten abspenstig und vermehren ihre eigene Klienten sprunghaft um Tausende. Zukünftig werden sie für ihren ehemaligen Feldherrn stimmen.
Besonders erfolgreiche nobiles wie Sulla, Pompeius und Caesar nutzen ihre Soldaten als Demonstranten, Wahlkampfgehilfen und Wähler. Wer mit seinen alten Netzwerken nicht weiter kommt, begibt sich unter ihre Fittiche: Um an einflussreiche Posten zu kommen, werden selbst Patrizier und nobiles, Männer aus eigentlich recht mächtigen Familien zu ihrem Klienten und lassen sich als Propagandaredner oder Anwalt für ihre Gefolgsmänner verpflichten.
In Ausnahmesituationen können die geschulten Einheiten dieser Warlords sogar die Straße beherrschen, sie brüllen oder knüppeln konkurrierende Politiker und Redner nieder und sorgen dafür, dass ihr ehemaliger und zukünftiger Feldherr und Patron die gewünschten Gesetze einbringt und mit den begehrten Beamtenstellen, Kommandos und außergewöhnlichen Vollmachten ausgestattet wird (besonders erfolgreich sind dabei Caesar und Pompeius). Damit sprengen diese charismatische Führer und erfolgreichen Militärs den Rahmen und zerstören zuletzt das System. Am Ende steht der Bürgerkrieg, in dem die Republik untergeht.

Plautus und die römische Komödie

Wenn man von der „römischen Komödie“ spricht, denkt man immer zuerst an Titus Plautus. Doch gilt auch für die römische Komödie, dass sie wieder auf griechische Vorbilder zurückgeht und selbst Plautus ist nicht von Anfang an ein Theaterschriftsteller, sondern soll nach Ausübung mehrerer Berufe sein ganzes Geld bei Handelsgeschäften verzockt und darauf in einer Mühle gearbeitet haben, wo er anfängt Stücke zu schreiben (vgl. Albrecht 1994, S. 133-134).
Plautus und die römische Komödie
Theatermaske der Komödie
Geboren wird Plautus ca. vor 250 v. Chr. in Sarsina in Umbrien und nennt sich später „Maccius“, eine der typischen Figuren des italischen Maskenspiels der atellana fabula, „Hanswurst“ – wahrscheinlich ein Pseudonym (Albrecht 1994, S. 133). Obwohl er erst mit Mitte 40 mit dem Schreiben beginnt, bringt er es zu Weltruhm, wird unter anderem  von Molière und Shakespeare kopiert, variiert und auch im Original bis heute aufgeführt – 130 Stücke werden ihm in der Antike zugeschrieben - er verbringt ein sehr produktives Alter, bis er 184 v. Chr. stirbt (ebd., S. 133-134). Mancher in der Antike bedeutender Autor ist dagegen nur in Fragmenten überliefert, wie hat Plautus es geschafft, dass 20 seiner Stücke bis heute überliefert wurden (vgl. ebd., S. 134)?

Quellen, Vorbilder und literarische Technik
Plautus sucht seine Vorbilder weniger in der alten attischen Komödie, die Missstände, Politik und lebende Personen angreift, sondern bedient sich bei den Motiven mehrheitlich der neuen attischen Komödie (Albrecht 1994, S.139). So braucht er mächtige römische Politiker nicht zu fürchten. In seinen Stücken lässt er typische Bürger auftreten, die griechische Namen tragen – die Würde des römischen Bürgers bleibt gewahrt. Plautus passt die zeitlosen griechischen Motive optimal an den römischen Publikumsgeschmack an, und setzt diese vielseitig um – z.B. in den Stücken „aulularia“, „Stichus“ und „cistellaria“ die feine Charakterzeichnung der Komödien des Menandros ebenso wie die Situationskomik der Verwechslungskomödien bei maenechmi, die Einfachheit des Volkstheaters in „asinaria“ und auch die Ernsthaftigkeit eines Problemstücks wie in „captivi“ oder die Tragikomik in „Amphitruo“ - Plautus charakterisiert, überzeichnet, karikiert scharf oder bleibt satirisch kühl und spielt dabei immer gekonnt mit der Sprache (Metaphern, Wortwitze, Wortspiele, Nachäffen, Rede und Gegenrede, Doppelsinn…), was er alles dem europäischen Theater vererbt (vgl. ebd., S. 139-140; 153-157).

Donnerstag, 24. Juli 2014

theatrum - Der Aufbau eines „römischen“ Theaters


Wie schon der Name zeigt, übernehmen die Römer das Theater von den Griechen. Allerdings passen sie ein paar Dinge nach ihrem Geschmack an. Ursprünglich kommt der Theaterbau bei den Griechen zur Aufführung der Tragödien in Mode. Dazu wählt man einen natürlichen Hang für den Zuschauerbereich, der Tanzplatz für den Chor (Orchestra) wird teilweise mit Stützmauern als ebene Fläche davor angelegt, feste Bühnengebäude gibt es zunächst nicht - in Zelten (später in Hütten) neben der Bühne können sich die Schauspieler umziehen (vgl. Blume 2002, Spalte 261). Das Theater schmiegt sich so in formvollendeter Weise die Landschaft und gewährt vom Hang aus einen bezaubernden Ausblick.
Römisches Theater: Bestandteile
Römer stehen jedoch zu sehr auf „Special-Effekts“, um im Theater nebenher die Landschaft bewundern zu wollen: Jedes römische Theater verbaut die weitere Aussicht mit einer Mauer. Das Bühnengebäude ist fest mit der cavea, dem Theaterhalbrund verbunden, von dem die die Skene nun ein fester Teil ist; die 1-1,5 m hohe Bühne (pulpitum) weist oft eine reichgeschmückte Nischenfront zur Orchestra hin auf und ist mit einer Vorhangeinrichtung versehen (aulaeum), die mit Seilen, Winden und Gegengewichten den Bühnenvorhang rasch versenken und hochziehen kann und hinter der sich eine ausgeklügelte Bühnentechnik für allerlei Effekte verbirgt (vgl. Blume 2002, Spalte 264). Der griechische Chor wird nicht mehr berücksichtigt, die ehemals runde orchēstra für Tanz, Musik und Gesang wird vom Kreis zum Halbkreis verengt und für Ehrensitze genutzt (ebd., Spalte 273), Masten mit Spannseilen lassen sowohl Theatervorhänge als auch Sonnensegel (velarium) über die Zuschauerränge hinweg spannen.

Mittwoch, 16. Juli 2014

„Römisches“ Theater: Formen und Ursprünge


"Römisches" Theater
Theater von Ephesos in Klaeinasien (Bild: Autor)
Wie in der Literatur beginnen die Römer auch beim Theater nicht „von null“. Das erste literarische Werk eines Römers ist auf griechisch geschrieben und auch das Schauspiel stamm nicht nur dem Namen nach (qšatron- théatron „wo man schaut“) aus DER antiken „Leitkultur“ schlechthin.
Doch gibt es auch in Italien eine eigene Art der Schauspielkunst: Stehgreif- und Maskenspiele, den mimus und die atellana fabula und beide gelten als recht vulgär und voller „Action“ – es wird geliebt, geprügelt und geschimpft. Die Atellane ist ursprünglich ein altes Maskenspiel, das aus dem Oskischen stammt, einem italischen Dialekt (Blume 2002, Spalte 272). Es zeigt grobe Szenen aus dem Bauern- und Handwerkeralltag und verwendet feste Personen-Typen (ebd.). Beim Mimus wird immer wieder frei improvisiert und recht derb zu, so dass es heute noch als „das »niedere« Rüpelspiel“ bezeichnet wird (Blume 2002, Spalte 273).
In Rom kommen griechische und italische Traditionen zusammen, doch orientiert man sich am stärksten an der griechischen Aufführungspraxis. Über deren Ursprung zerbrechen sich antike und moderne Forscher immer noch die Köpfe. Als sicher gilt nur, dass es sich aus religiösen Kulthandlungen zu Ehren des Gottes Dionysos entwickelt hat, bei denen Masken und Kostümen getragen wurden und es recht ausgelassen zuging. Den Festcharakter behalten Theaterspiele auch in Rom, zu allen größeren Festtagen gibt es Aufführungen. Die von den Griechen stammenden Gattungen sind die tragoedia, die comoedia und der pantomimus: