Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Donnerstag, 25. September 2014

VII. Pflicht und Lust. Leseprobe aus "Catilina und die Jugend Roms"

Nun ein Auszug aus Kapitel Sieben (aus dem zweiten Band gibt es bisher Ausschnitte zum ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Kapitel). Anregungen und Kommentare sind wie immer erwünscht (Rufus.in.Rom@gmail.com)!
Pflicht und Lust: Zenon und Epikur
Pflicht & Lust: Zenon & Epikur (Glück)

Kapitel VII: Pflicht und Lust

            Ein Klatschen, ein Spritzen, dann ein erstickter Schrei. Gaius musste endgültig den Halt verloren haben. Rufus sprang sofort hinterher. Rufus folgte der Strömung, doch konnte er Gaius in dem schlammigen Wasser und der absoluten Finsternis nicht finden. Bei allen Muttergottheiten und beim Apoll der Römer, Gaius hatte doch hoffentlich das Schwimmen nicht vergessen! „Gaius! Gaius wo bist du?“ Seine Schreie wurden vom Tonnengewölbe der Kanalisation vielfach gebrochen hin und her geworfen. Keine Antwort. Als das Echo verklungen war, hört er doch noch etwas: ein panisches Röcheln. „Gaius! Bleib ruhig! Spuck das Wasser wieder aus. Schwimm einfach auf der Stelle!“ Als Antwort hörte Rufus nur ein gurgelndes Geräusch, doch das reichte ihm. Zielsicher packte er zu und zog ihn wieder über Wasser. „Gaius, beruhige dich!“ Rufus legte ihm seinen linken Arm um den Hals und zog ihn rückwärts schwimmend mit. Gaius prustete und spuckte, schließlich ließ er sich aber von Rufus führen.
            Ein starker Sog zerrte die beiden mit. Die Kanalisation wurde offenbar laufend mit viel Frischwasser von den Aquädukten versorgt. Orientierungslos wurden sie im Kanal hin und her geworfen und stießen sich die Köpfe. Dennoch kämpfte sich Rufus immer wieder an eine Seite und tastete nach Vorsprüngen oder Planken. Schließlich konnte er sich an etwas festhalten. „Komm jetzt, hoch mit dir!“ Der Rand war glitschiger als erwartet. Als ihr erster Versuch scheiterte, begann Gaius wieder hektisch zu strampeln. „Gaius, was soll denn das? Bleib ruhig!“ „Hier kommen wir nie wieder raus! Entweder ersaufen wir hier unten oder wir verhungern! So wie der arme Kerl vor uns, dessen hohler Schädel uns verhöhnt hat... Ai!“ Rufus hatte sich inzwischen auf den Vorsprung schwingen können und Gaius eine kräftige Ohrfeige verpasst. Das half. Er ließ sich wieder folgsam mitziehen. „Und nun?“, stieß er zwischen zwei Schluchzern aus. „Kein Licht! Hier kommen wir nie wieder raus!“
            Rufus dachte nach. Abwasser, Strömung… Wir müssen nur dem Wasser folgen. „Heureka!“, rief er schließlich. „Wasser fließt nur in eine Richtung: bergab. Also folgen wir einfach der Richtung des Wassers! So kommen wir zum Tiber.“ „Meinst du denn, wir können so lange schwimmen? So wie es aussieht, gibt es am Rand meist nur diese verdammt glatten Tunnelwände, beim Pluto…“ „Keine Sorge, ich kann dich lange genug abschleppen. Solange wir welche finden, nehmen wir Vorsprünge oder Bretter. Ich tauche mal meinen Fuß rein, um zu sehen, in welche Richtung wir weiter müssen..., aber he, moment Mal!“ „Was ist? Warum lachst du?“ „Wir Dummköpfe! Das Wasser ist hier gar nicht so tief, da kann man stehen!“ „Wirklich?“ Rufus sprang wieder in den Kanal. „Wirklich! Komm!“
            Erschöpft lagen schließlich beide am Tiberufer und atmeten durch. „Ich hätte wetten können, dass wir in der Cloaca Maxima rauskommen“, meinte Gaius verwundert. „Umso besser, das Ende der Cloaca Maxima ist noch nicht überdeckt, ich hätte mich ungern so auf dem Forum gezeigt.“ Dabei hob er seine abwasserdurchtränkten Ärmel in die Höhe. Rufus versuchte sich zu orientieren. Die Nacht war beinahe vorbei, aber der Tag hatte noch nicht richtig begonnen. Im Zwielicht konnte er zu ihrer Linken schemenhaft eine Insel ausmachen. Das musste die Insel des Äskulapius sein, des Sohnes des Apollo. Gegenüber wimmelte es vor Menschen zwischen all den Kais und den Kränen der navalia – das mussten die Dockanlagen sein und dahinter die großen Speicher, wo das Getreide zwischengelagert wurde, das zur Unterstützung ärmerer Römer verteilt wurde. Kein Wunder, alle Lastkähne von Roms Hafen Ostia drängelten sich hier wie Ferkel an den Zitzen des Muttertiers. […]
            Gerade ging die Sonne hinter dem nächstgelegenen Hügel auf, an dem er die alte Stadtmauer zu erkennen glaubte. Also lag hinter ihrem Rücken Osten. Rechts von ihnen breitete sich das Feld am Tiber weiter aus, auf dem bereits junge Soldaten ihr militärisches Training begannen und waghalsige Wagenlenker den Staub bis in den Himmel warfen. Dahinter Stadtmauern und weitere Hügel. „Dann führt ein anderer Kanal vom Esquilin über die Subura zum Marsfeld?“ Gaius warf sich wieder zurück ins Gras. „Ach wer weiß schon welcher Kanal wo hin fließt, seit der alte Etruskerkönig die Ebenen Roms entwässert hat. Das Kanalsystem ist weit verzweigt. So viel ich gesehen habe, gibt es viele Querverbindungen und Sackgassen. Diesen Ausgang hat vielleicht seit Tarquinius Priscus niemand mehr zu Gesicht bekommen. Völlig zugewuchert und fast vollständig unter Wasser. Ein Wunder, das wir da heil durch gekommen sind – Mercurius sei Dank!“ Rufus rieb sich die Schürfwunden an Armen und Gesicht, die er sich im Kanal zugezogen hatte. Gaius sah ein wenig peinlich berührt zu ihm hinüber. „Ach was soll‘s“, grunzte er schließlich, ging zu Rufus hinüber und packte seinen rechten Arm bis zum Ellenbogen: „Dir gebührt ebenso großer Dank! Du hast mir das Leben gerettet. Schau mir in die Augen, Rufus, Sohn eines Adligen aus dem fernen Norden: Jetzt bist du wirklich mein Bruder, nicht nur irgendein Gastfreund meines Vaters!“ Gerührt verkniff sich Rufus eine Träne. Er hatte sich schon immer einen großen Bruder gewünscht. Vor allem jetzt, wo seine große Schwester als Geisel der Sueben in der Ferne weilte. „Bruder.“ „Bruder.“ Feierlich wandten sie sich gen Osten und sahen gemeinsam zu, wie die Sonne über dem Kapitol aufging. Langsam tauchte sie Tempeldächer und Statuen in eine rotgoldene Glut, deren Widerschein auf den einzelnen Strahlen bis zu ihnen zu gleiten schien.

 […]
[Rufus und Gaius gelangen am Tiber entlang zur Via Flaminia. Gaius kommt immer wieder auf seinen Groll auf Cicero zurück, dessen Politik ihn zuletzt stark enttäuscht hat. Bei einem Klienten jenseits der Milvischen Brücke versorgen sie sich mit neuen Tuniken. Rufus besticht den Türhüter und nimmt mit den anderen am Unterricht teil, als wäre nichts geschehen…]

            „Rufus, hörst du mir überhaupt zu?“ Mit funkelnden Augen starrte Crispus zu ihm hinüber. „Wann bist du ins Bett gegangen, sagst du?“ Rufus geriet ins Stottern. Zurück in Rom ließ sein Lehrer nichts mehr von der einstigen Lässigkeit der Bucht erkennen: „Dein Latein war schon besser. Man könnte glauben, du hättest überhaupt nicht geschlafen!“ „Man könnte glauben, Crispus hat auch schlecht geschlafen!“, flüsterte Fabiulla, „und jetzt ist er kraus im Kopf – crispus“. „Fabiulla! Das habe ich gehört.“ „Oh!“ Fabiulla schlug eine Hand vor den Mund, Lucius und Fabia kicherten. Crispus verschränkte verärgert die Hände hinter dem Kopf. „Frauen!“, seufzte er. „Langsam verstehe ich dich, Epikouros – und warum man die Ehe meiden soll. Kein Wunder, dass die meisten Lehrer nur Jungen unterrichten wollen…“
            Erleichtert lehnte sich Rufus im Sessel zurück. Jetzt kam sicher wieder der übliche Protest der Mädchen und er hatte seine Ruhe. Doch Crispus hatte sich noch nicht mit seinen Ausflüchten zufrieden gegeben. „Rufus, willst du nicht noch etwas dazu sagen? Du ergreifst doch sonst so gerne Partei für das weibliche Geschlecht, üblicherweise gespickt mit ethnographischen Ausführungen aus deiner barbarischen Heimat?“ Rufus duckte sich in seinen Sessel. Er konnte nicht verhindern, rot zu werden. „Rufus, erkläre uns doch mal, wie es dazu kam, dass du eine neue Tunika anhast, in Soldatenrot - ganz ohne Muster am Rand. So einen groben Stoff habe ich bei den Fabiern noch nie gesehen!“Rufus erbleichte. Er erhob sich. „Verzeih magister, ich habe deinen Unterricht vermutlich zur Unzeit gestört. Gestattest du, dass ich mich zurückziehe? Ich komme später wieder…“ Verwundert blickten die anderen drei ihn an. Crispus fasste Rufus am Arm und hielt ihn fest. „Nein ich gestatte nicht! So weit kommt es noch. Du kommst mir aber gerade recht, wie es scheint. Hast du dich schon einmal gefragt, wie man das Leben richtig lebt? Welches Verhalten dein Leben bestimmen soll?“
            Rufus zuckte mit den Schultern. Crispus ließ nicht locker. Seine eiskalten blauen Augen hefteten sich unerbittlich an die seinen. „Nun?“ Wie lebt man richtig? Was war das denn wieder für eine Frage? Da fiel Rufus ein, was ihm der Druide Diviciacos gesagt hatte: „Du meinst so etwas wie den Leitspruch der Druiden? Verehre die Götter, tue nichts Böses und übe dich in Tapferkeit?“ „Nicht schlecht. Aber wie ist dein eigener?“ Rufus begann zu schwitzen. Wusste Crispus, dass er gelogen hatte? Er dachte daran, was wohl sein Vater gesagt hätte. „Die Ehre vielleicht?“ Crispus ließ ihn los. „Interessant. Die Ehre… gehört da auch die Wahrheit dazu, für das Ehrenhafte?“ Rufus Ohren schienen zu pulsieren. Sicher war er purpurrot geworden. „Wie wichtig ist honestum – das Ehrenhafte? Braucht man das auch für die Tapferkeit und für die Verehrung der Götter?“ Rufus drückte sich tief in den Sessel. Crispus füllte die Bibliothek der Fabier mit seinem meckernden Lachen.
            „Wenn sich jemand für etwas schämen kann, dann muss er wohl zumeist das Ehrenhafte tun. honestum – für manch einen ist das schon das höchste Gut. Was glaubt ihr, was das höchste Gut ist, das man im Leben erreichen kann?“ „Eine zufriedene Familie“, rief Fabiulla, „in der man Spaß hat“. „Die Gunst der Musen zu genießen“, meinte Lucius. Crispus lachte. „Damit sind wir schon wieder mitten in der Philosophie. Sehr schön, denn ich möchte gerne in nächster Zeit damit abschließen und fürs erste wieder zu den Grundlagen zurückkehren – oder jedenfalls zu dem, was die meisten Lehrer und Eltern dafür halten… Mal sehen, ob ich das Gemeinsame deutlich machen kann: Lucius wünscht sich den Genuss der Gunst der Musen, also Glück und Genuss in seinem Lieblingsberuf – wobei das sein Vater und manch anderer Römer sicher nicht als Beruf sehen würden.“ Lucius seufzte und ließ den Kopf hängen. „Aber warum auch nicht. Fabiulla wünscht sich Zufriedenheit, Glück und Genuss in der Familie. Und du, Fabia?“ „Genuss und Glück… das kann nicht ewig halten. Fortuna ist wankelmütig. Auch bei Erfolg im Beruf und Familie kommt es vor, dass man nicht immer glücklich ist. Denkt nur an Mutter! Ich bin für die Pflicht!“ Fabiulla erhob sich erbost: „Die Pflicht? Du spinnst wohl! Was ist mit Spaß?“ Fabia hielt dagegen: „Spaß als höchstes Gut im Leben? Wer bist du? Eine Römerin von hoher Geburt oder irgendeine Barbarin – wenn nicht Schlimmeres, vielleicht eine…“ Lucius warf sich zwischen seine Schwestern. „Jetzt beruhigt euch aber, wir sollen doch lernen mit der Philosophie ausgeglichener zu werden, nicht wütender!“
            Crispus lachte vergnügt. „So geht es in Rom tatsächlich häufiger zu, wenn man über die richtige Philosophie diskutiert. Da sind wir genau beim Gegensatz von Stoa und Epikureismus, den zwei Richtungen der Philosophie, die hier am meisten geschätzt werden. Rufus, da gibt es nichts zu gähnen, schließlich beschäftigen wir uns auch deinetwegen mit der Philosophie. Wie war das noch mit dem honestum? Die Lehre der Stoa meint, dass das höchste Gut im Leben, das summum bonum gleichzusetzen ist mit ratio, Vernunft und Logik und mit dem  honestum“. Rufus‘ Ohren schienen wieder zu glühen. Crispus schmunzelte. „Anscheinend hat Rufus die Meeresstille oder die Windstille der Seele nicht erreicht, die das summum bonum voraussetzt. Aber keine Angst, das kann man üben. Das war schließlich der Grund dafür, warum wir philosophieren: zu schauen, wie die Philosophie »Arznei der Seele« sein kann - aus dem Feld der Leidenschaften hinauszutreten und sich auf die Ebene der Vernunft zu begeben...“
            „Was sind denn nun Stoa und Epikureismus?“, fragte Fabiulla ungeduldig. „Ein wenig mehr von Zenons Stoa würde dir auch nicht schaden!“, entgegnete Crispus streng. „Die Pflicht gilt hier als wichtigstes Mittel zur Erlangung von Glück. Deine Pflicht als Schülerin ist es, mir zuzuhören!“ Fabiulla senkte den Kopf - allerdings nur, weil sie lieber mehr über die Stoa als eine Strafpredigt hören wollte. „Also, die Stoa Zenons und der Epikureismus des Epikouros. Darin, was das höchste Gut -summum bonum- ist, das der Mensch erreichen kann, darin sind sich beide Richtungen einig: Ein glückliches Leben zu führen, bei dem die Seele ausgeglichen und ungestört von Stürmen der Gefühle ist. Wie dies jedoch aussehen soll, da unterscheiden sie sich: Logik, Tugend, das Ehrenhafte, so Zenon. Logik findet auch Epikouros gut, jedoch nur um positive Lust anzustreben und dabei Schmerz als negative Lust zu vermeiden.“
            Rufus war interessiert: „Wie kann man das Glück denn erreichen, das von dieser Ausgeglichenheit kommt? Wie kann man Gefühle wie Heimweh und so beherrschen?“ „Nun, indem man sich auf das beschränkt, was natürliche und naturnotwendige Bedürfnisse sind, würden beide sagen. Also nicht schlemmen, nur essen, um satt zu werden. Alles Seiende ist für Zenon wie für Epikouros rein materiell: Ohne Materie gibt es weder Leiden noch Wirken. Deshalb soll man keine Angst vor den Göttern haben. So wollen beide den Menschen durch die Philosophie aufklären, vom religiösen abergläubischen Eifer, von allzu viel Beten und Opfern abbringen und zum rechten Leben hinführen.“
            Fabia blieb der Mund offen stehen. „Leugnen die Beiden etwa die Götter? Das wäre doch ein Frevel! Was ist denn dann noch virtus und die Verpflichtung zur politischen Tätigkeit wert? Was ist mit do, ut des -ich gebe, damit du gibst- unseren Staatskulten und dem Vertragsverhältnis zwischen Menschen und Göttern? Wenn wir unsere Riten vernachlässigen, wozu sollten die Götter noch für uns eingreifen wollen?“ Rufus gähnte jedoch nur. Auch Lucius und Fabiulla waren kaum überrascht. Dafür hatten sie schon zu viele Philosophen kennen gelernt, die weit weniger auf die Götter zu geben schienen als Fabia oder die herrschende Meinung in Rom – öffentliche Kulte hin oder her. Es gab auch einfach zu viele, um sie alle beachten zu können, befand Rufus. Fabia dagegen schnaubte aufgeregt.
            Crispus grinste. „Du kannst dich wieder beruhigen, Fabia. Keine Angst, ich lehre keine gottlosen Lehren - nur philosophische Ansichten. Das weißt du doch.“ Lucius ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen: „»Über die Götter kann ich nichts feststellen, weder ob es sie gibt oder nicht, noch wie sie aussehen«“, zitierte er Protagoras. „Vielleicht haben Zenon und Epicurus erkannt, dass es keine Götter gibt?“ Fabia warf ihrem Bruder einen wütenden Blick zu. Crispus hob beschwichtigend die Hände: „Nein, so weit gingen sie nun doch nicht. Epikouros nahm die Lehre der Atomisten auf: Die Götter bestehen wie alles andere auch aus Atomen und leben in den Zwischenräumen zwischen den Welten. Von dort haben sie gar keine Möglichkeit, in die irdischen Geschehnisse einzugreifen. Sie führen dort ein seliges Leben, vergleichbar dem des Philosophen, nur viel vollkommener. Wir müssen uns daher nicht um sie kümmern.“
            Fabia zog ein Gesicht und wollte etwas erwidern. Crispus fuhr jedoch ungerührt fort. „Bei Zenon ist das Wesen der Natur dagegen nicht das Spiel der Atome mit seinem sinnlosen Zufall, sondern es gibt ein mächtiges Naturprinzip: Feuer, Lebenshauch, Geist, Vernunft oder Schicksal - all das ist eine Gottheit: »Gott ist ein unsterbliches, mit Vernunft und Geist begabtes Lebewesen, vollkommen in seiner Glückseligkeit, unzugänglich für alles Schlechte, vorsorgend für die Welt und für das, was in der Welt ist«. Nach Zenon können sich die Götter um die menschlichen Dinge kümmern. »Gott ist in die Welt einbegriffen, er ist ihre Seele«, weil »die Vernunft jeden Teil der Welt durchdringt«, ist diese »vernünftig und beseelt und verständig«. Die Natur ist selber »göttlich«. Dennoch wollen beide Philosophen, dass die Menschen sich mehr um sich selbst und weniger um die Götter kümmern.
            Fabiulla hüpfte von ihrem Sessel: „Wie kamen die beiden denn da drauf? Wie konnten die dasselbe Ziel haben, aber genau das Gegenteil fordern, wie man da hinkommt?“ Crispus zwirbelte anerkennend seinen Bart. „Eine gute Frage! Vielleicht durch ihren Lebensweg? Beide kamen tatsächlich auf unterschiedlichen Wegen zu ihrer Philosophie: Epikouros war schon von Beginn an Philosoph. Das nötige Kleingeld für den Lebensunterhalt kam von seinen Eltern. Epikouros hat bei einem Schüler des Atomisten Demokritos zu studieren begonnen, ging später ins Exil, gründete zuerst in Mytilene und Lampsakos erste Schulen und schließlich als Prophet der Lust in Athen sein Gärtchen, das gleichbedeutend mit seiner philosophischen Richtung wurde.
            Zenon wurde erst später ein Philosoph. Er war zuerst im Handel beschäftigt und hat sehr hart gearbeitet. Als Zenon bereits ein erfolgreicher Händler war, erlitt er einen Schiffbruch, worauf er von einem Buchhändler aufgenommen wurde und in die Philosophie einstieg. Da er es gewohnt war, immer etwas zu tun, hat er sich dort die Bücher vorgenommen und ist auf den Geschmack gekommen. Zenon traf sich dann mit seinen Schülern in einer Säulen- bzw. Wandelhalle, der Stoa Poikile in Athen, einem öffentlichen Bauwerk. So streng und ernst wie das Gebäude ist auch seine Philosophie, er wurde so der Prophet der Pflicht.“ Rufus versuchte aufmerksam zuzuhören, doch langsam machte sich die durchwachte Nacht immer stärker bei ihm bemerkbar: Nur mühsam konnte er die Augen offen halten.
            „Und so wie die Stoa für Pflicht steht, so steht der Epikureismus für den Genuss“, fuhr Crispus fort. „Den mag ich lieber“, murmelte Fabiulla. „Fabiulla! Wenn du glaubst, Epikouros von Samos sei nur dafür, den größtmöglichen Spaß zu erleben, dann irrst du dich gewaltig! Hör lieber zu: Den Vorsatz, im Leben die Lust zu maximieren, den Schmerz zu minimieren und hemmungslos zu genießen, gibt es auch. Doch nennt sich diese Richtung Hedonismus und geht auf Aristippos zurück. Epikouros lehrt dagegen das Lustkalkül: Alles, was zu einem späteren Zeitpunkt Schmerz verursacht, darf nicht genossen werden: Wer zu viel oder ungemischten Wein trinkt, der bemerkt das am nächsten Tag oder sogar Tage danach – er fühlt sich krank. Man darf also nur wenig trinken, ohne jemals in den Vollrausch zu kommen. Der Schmerz an Arbeit muss man auf sich nehmen und auf Faulheitsgenuss verzichten, um sich am Lohn der Mühen zu erfreuen. Das heißt, ihr als meine Schüler müsst meine Aufgaben erledigen und mir zuhören, um euch später an guten Leistungen zu erfreuen und nicht von mir geschimpft zu werden. Nicht wahr Rufus?“
            Rufus riss die Augen wieder auf. „Was? Wie? Ach ja, ich bitte dich um Verzeihung, Magister.“ Crispus knirschte mit den Zähnen. „Immerhin… die rechte Lebensfreude wird durch den Genuss eines jeden Tages und die Vermeidung von Unlust erreicht, indem man Furcht, Schmerz und Begierden meidet. Dies führt zu Einsicht und stabiler Daseinslust: »Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit«, wie der Philosoph sagt. Nach Epikouros soll man sich auch besser aus der Politik heraushalten und zurückgezogen leben -λάθε βιώσας (lathe bioosas)- »Lebe im Verborgenen!« »Man muss sich aus dem Gefängnis der Geschäfte und der Politik befreien«. Freundschaft ist der wichtigste Wert. Abgeschieden, am besten in seinem Garten, soll man dann die Seelenruhe genießen, mit abgewogenem und stets maßvoll dosiertem Genuss. Nicht einmal den Tod braucht man zu fürchten: Nur was wir empfinden, ist für uns Realität: Den Tod kann man nicht empfinden:  »Wenn wir sind, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, sind wir nicht«.“
            „Quaeso - wie bitte?“ Lucius war verwirrt. Die Götter weniger mit Gebeten zu ehren war eine Sache, das war er von Sophisten und Naturphilosophen schon gewohnt. Aber den Tod nicht zu fürchten, das war etwas ganz anderes. „Jeder hat doch Angst vor dem Tod! Glaubt Epicurus denn, dass böse Menschen keine Strafen im Jenseits erleiden müssen?“ „Ein eindeutiges »Nein«! Die Verbindung der Atome, des Körpers und der Seele lösen sich auf, das menschliche Individuum zerfällt einfach - Schluss aus: keine Wiedergeburt, keine Strafen, keine Belohnungen -im Jenseits wie im Diesseits-, kein Schicksal.“ Fabia und Lucius atmeten tief durch, während sie die Ansicht Epikurs sacken ließen. Fabiulla rieb nachdenklich ihren Finger an ihrer Nase. „Niemand der einen straft? Kein Gott, dem man Rechenschaft über sein Leben ablegen muss, was man getan hat? Keine Waage des Schicksals wie bei Homer – keine Schicksalsgöttinen?“ „Nein. Nichts, was einen daran hindern kann, das Leben mit all seinen Freuden zu genießen. τετραφάρμακον (Tetrapharmakon) - vier Mittel sind es also, die nach Epikouros zum glückseligen Leben führen: die richtige Auffassung von der Natur der Götter -sie sind ohne Bedeutung-, vom Tode -er geht uns nichts an-, von der Lust -sie ist zu suchen- und vom Leiden -es ist zu meiden-.
            „Daran könnte ich mich gewöhnen“, freute sich Lucius. „Schreiben gehört auch zu dessen maßvollem Genuss, oder?“ „Ja, nur von der Ehe sollte man sich nach ihm auch fernhalten. Das bedeutet oft Schmerz…“ „So ein Frauenfeind!“, platzte es aus Fabia heraus. „Sein pflichtloses Glück kann mir gestohlen bleiben! Jetzt möchte ich aber etwas über die unbeugsame Tugend des Zenon hören! Oder verzichtet auch dieser Grieche auf Frauen und Kinder?“ Crispus lächelte. „Schon ganz die ehrbare Römerin, Fabia? Immer im Dienste der mores maiorum? Nun ja, Zenon ist bei den konservativen Politikern Roms am beliebtesten – jedenfalls in der Theorie…. Zuerst kann ich dich beruhigen: Für Zenon sind Ehe und Kinder sogar staatsbürgerliche Pflichten. Zenon sieht in allen Naturerscheinungen ein waltendes göttliches Prinzip, logos – die Weltvernunft. Allen Menschen überall in der Welt ist diese Weltvernunft zuteil – auch Barbaren und sogar Frauen. Gerechtigkeit ist daher im Menschen als Naturrecht angelegt. Das Naturrecht verbindet alle Menschen untereinander. Wer nach der Weltvernunft und gemäß der Natur und ihrer Gesetze lebt -secundum naturam vivere-, erreicht Seelenruhe.“ Fabia blähte begeistert ihre Nasenflügel. „Aber wie lebt man nun zugleich gemäß der Natur als auch mit Tugend und Pflicht?“ „Da hast du’s!“, wandte Lucius ein. „Die Tiere handeln doch nicht nach Pflicht, sondern nach ihren Gefühlen oder? Epicurus ist logischer!“ Crispus streckte abwehrend die Arme aus. „Nicht so schnell! Wartet einfach ab. Leben wie die Tiere, dass ist Sache der Kyniker, die ihren Trieben freien Lauf lassen. Zenon suchte dagegen nach strengster Kontrolle über alle Gelüste und Emotionen des Menschen, um die Seele zu befreien. Die Beschäftigung mit der Philosophie als Streben nach Weisheit verhindert dabei die Affekte und führt so zu innerer Freiheit, über welche die Tiere nicht verfügen können. Für Zenon ist der Mensch immer Teil einer Gemeinschaft ein »zoon politikon« - ein Gemeinschaftswesen, so dass die Beschäftigung mit Politik die Pflicht der Tugend ist. Diese steht aber im Einklang mit dem Universum, also auch mit der göttlichen Natur.“ Fabia strich ihre langen Haare zurück. „Zenon möchte also die menschliche Natur überwinden und in jeder Lage stets die Tugend bewahren?“ „Ja. Genau das. Das macht das Glück des Weisen aus: »Der Weise erkennt die Tugend, lebt sie und ist glücklich«, meint Zenon - selbst unter Folter. Stets muss man emotionale Selbstbeherrschung einüben und sein Los akzeptieren. Dies bedeutet, stets tugendhaft zu handeln. Dabei führen Gelassenheit und Seelenruhe bzw. ataraxia -Unerschütterlichkeit- zur Weisheit. Meditieren und Gewissensprüfung treibt die Selbstvervollkommnung voran…“
            Crispus wurde von einem Plumpsen unterbrochen, das in ein lautes Schnarchen überging. „Diese Art der Meditation habe ich damit eigentlich nicht gemeint! He, Rufus, wach auf!“ Doch Rufus lag weiter ungerührt am Boden und schlief tief und fest, selbst als Fabiulla ihn in die Seite pikste. Dabei verrutschte der Lederzylinder. „Dafür demonstriert er eindeutig die Ataraxie des stoischen Weisen“, gluckste Lucius, „unerschütterlicher kann man kaum die Unbill des Gewecktwerdens ertragen.“ Crispus beugte sich zu Rufus herunter. „Hab ich mir doch gleich gedacht, eine Schriftrolle. Das war’s also, was er die ganze Zeit unter seiner Tunika hatte. Wenigstens keine Waffe….“ Vorsichtig schob Crispus den Zylinder heraus und nahm die Schriftrollen aus dem Lederetui. Der zweite Band war ungleichmäßig aufgerollt, darin musste zuletzt jemand gelesen haben. „»Ister - Danuvius? … entspringt bei den Kelten und der Stadt Pyrene, strömt mitten durch Europa hindurch und teilt es…«. Inzwischen hatte Fabiulla die Wasserkaraffe vom Tisch geholt und näherte sich kichernd Rufus‘ Kopf. „Nein, lass ihn schlafen!“, nahm ihr Crispus lächelnd die Karaffe weg und tippte sanft mit dem Zeigefinger auf die Schriftrolle: „Herodotos und die fremden Völker des Nordens. Er ist gerade dabei, das summum bonum auf seine Art zu erreichen. Wenigstens im Traum kann er sein persönliches höchstes Glück erleben. Lasen wir ihm den Genuss, mit seiner Familie und seinen Freunden vereint zu sein. Ich möchte nur wissen, woher er die »Historien« hat, die histories apodeixis des Herodotos. Aus der Bibliothek der Fabier jedenfalls nicht.“

[Die nächsten Tage verlaufen für Rufus enttäuschend ruhig – und viel zu heiß! Nur ein drahtiger Mann mit Narbe Scheint ihn ständig zu verfolgen – oder ist das Einbildung?]

[An den Iden des Sextilis, dem Fest des Jupiter und dem Jahrestag der Tempelweihe des Hercules-Victor darf Rufus überraschend seinen Geburtstag feiern, fast wie ein richtiger Römer. Lucius nimmt ihn später mit seinen Schwestern und den Leibwächtern sogar ins Theater mit, wo sich Gaius, Marcus Antonius und Clodius hinzu gesellen…]

            „Du hast also noch nie auf der Bühne gesehen, wie bei Plautus geliebt, geprügelt und geschimpft wird?“, fragte Gaius, der sich das schlichtweg nicht vorstellen konnte. „Keinen verliebten Jugendlichen der gegen seinen strengen Vater bestehen muss? Keine zickige Ehefrau, geldgeile Prostituierte, keinen prahlerischen Soldaten? Keinen schlauen Sklaven, der seinen autoritären Herrn zur Vernunft bringen muss?“ „Ssst – silentium da vorne!“
            Der Lar stellte inzwischen im Prolog die Vorgeschichte und die Personen vor: Ein Geizhals aus einer Familie von Geizhälsen mit einem vergrabenen Topf voll Gold, über den der Lar wachte. Hinzu kam noch eine fromme und hübsche Tochter, die am Ceresfest verführt wurde und allerlei Verwicklungen um die Heirat, den Liebhaber und seinen Onkel. Als das Stück begann, fand Rufus die maskentragenden Darsteller und ihre Gesten zunächst ein wenig übertrieben und die Gesangseinlagen gewöhnungsbedürftig, aber es gefiel ihm gar nicht schlecht. Die Musik wirkte immer ansprechender. Der Dialog zwischen dem Nachbarn Megadorus und dessen Schwester war sehr komisch, immer beendeten sie gegenseitig ihre Sätze und fielen sich ins Wort. Die Diskussion um eine Hochzeit klang dabei wenig würdevoll: „Um Kinder zu bekommen…“ „…, was die Götter gewähren mögen…“ „musst du heiraten…“ „Oh ich sterbe!“ „Warum das denn?“ „Weil mir deine Worte das Hirn rauswerfen, du redest Steine!“„He, mach, was deine Schwester dir befielt!“ „Wenn ich Lust dazu habe…“ Also mussten sich auch die Hauptfiguren bei Plautus entscheiden zwischen Lust und Pflicht. Ob Plautus vielleicht die Schriften von Epikur und Zenon gelesen hatte?
            Doch lange konnte man bei Plautus nicht ernst bleiben. Im weiteren Verlauf mussten Rufus und die andern immer wieder losprusten. Beispielsweise machten die Sklaven lauter Witze über den Geiz des alten miser, der ja so geizig war, dass…: „Ja, wenn er schlafen geht, bindet er sich einen Sack ums Maul.“ „Warum?“ „Damit ihn nicht vielleicht im Schlaf ein Hauch verloren geht.“ „Verstopft er sich auch die untere Gurgel, damit ihm dort im Schlaf kein Hauch verloren geht?“ Im Publikum schlugen sich manche vor Lachen auf die Schenkel, andere johlten. Gaius wischte sich eine Träne aus den Augen: „Väter - ha! Genauso sind sie!“ „Na da sprich mal nur für die langweiligen miseri wie deinen Quintus…“ Die Schauspieler unterstützten ihren Text mit den komischsten Verrenkungen, Antonius musste lachen. „Bei Sura habe ich jedenfalls keine Probleme.“ „Glückspilz! So einen  Stiefvater hätte ich auch gerne“, murmelte Gaius.
            Unvermittelt gellten erste Buhrufe durchs Publikum. „Ist das Publikum so verwöhnt?“, wunderte sich Rufus. Die Schauspieler machten ihre Sache doch ganz hervorragend. Doch die Gesichter der Zuschauer hinter ihm strahlten keine Freude aus. Für einen kurzen Moment dachte er sogar, wieder den Mann mit der Narbe zu sehen, bis ihn Gaius anstieß: „Marcus Otho!“ Gaius hatte die Augenbrauen zusammengezogen und zeigte nach schräg links vor ihnen: Rufus folgte dem ausgestreckten Finger. Dort drängte sich ein Spätankömmling durch die Reihen. Er brauchte aufreizend lange, um sich zu setzen und machte auch keinerlei Anstalten, sich klein zu machen. Von hinten wurde höhnisches Pfeifen laut, von den vorderen Reihen kam Beifall. „Otho hat im Senat durchgesetzt, dass auch der Ritterstand reservierte Plätze bekommt. Kein Wunder, dass man ihn nicht mag.“ Gaius musste jetzt schon lauter sprechen, damit Rufus ihn verstehen konnte. Marcus Otho dagegen trug ein spöttisches Grinsen zur Schau und ließ sich auf einem riesigen, purpurfarbenen Kissen nieder. Die Ritter begrüßten ihn mit lautem Klatschen. Von hinten mischten sich Beleidigungen unter die Buhrufe und Pfiffe, die Ritterschaft verstärkte darauf ihr Beifallsklatschen. Ein gellendes Pfeifkonzert setzte ein. Erste Beschimpfungen flogen hin und her. Aulus und Thrax erhoben sich von ihrem Sitz uns verschafften sich einen Überblick. Die Saalordner und Liktoren versuchten ihr Bestes, schafften es aber nicht einmal, die größten Streithähne zu trennen. Thrax knirschte angespannt mit den Zähnen, Antonius war amüsiert, Clodius entzückt.
            Das Volk und die Ritterschaft gerieten jetzt ernsthaft aneinander und beschimpften sich immer wütender. Schließlich war das ganze Theater in Aufruhr. Aulus prüfte mit kampferprobtem Blick, durch welchen Ausgang man sich durchschlagen konnte, dann bedeutete er Lucius und Rufus, ihm zu folgen. Er packte Fabia und Fabiulla am Arm, dann hastete er zusammen mit Lucius hinter Thrax die Stufen hinauf, weg vom Gedränge. Rufus wäre ihnen gefolgt, doch Antonius hielt ihn schmunzelnd fest: „Wie, du willst schon gehen? Beim Herakles, das Beste kommt doch noch! Jetzt wird es erst richtig lustig!“ An eine Fortsetzung des Theaterstücks war nicht mehr zu denken, die Schauspieler waren längst hinter der Bühne verschwunden. In der Reihe vor ihnen wurden die ersten bereits handgreiflich, die Liktoren waren hoffnungslos überfordert und gerieten selbst schon in Keilereien. Rufus machte sich auf das Schlimmste gefasst. Er umklammerte den Dolch, den er unter seiner Tunika versteckt hatte und schickte ein stilles Stoßgebet zu den Göttern. So schnell konnte man also in Rom zwischen Komödie und Tragödie wechseln…
   [Hier geht es zu Kapitel  8]

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