Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Dienstag, 12. August 2014

Plautus und die römische Komödie

Wenn man von der „römischen Komödie“ spricht, denkt man immer zuerst an Titus Plautus. Doch gilt auch für die römische Komödie, dass sie wieder auf griechische Vorbilder zurückgeht und selbst Plautus ist nicht von Anfang an ein Theaterschriftsteller, sondern soll nach Ausübung mehrerer Berufe sein ganzes Geld bei Handelsgeschäften verzockt und darauf in einer Mühle gearbeitet haben, wo er anfängt Stücke zu schreiben (vgl. Albrecht 1994, S. 133-134).
Plautus und die römische Komödie
Theatermaske der Komödie
Geboren wird Plautus ca. vor 250 v. Chr. in Sarsina in Umbrien und nennt sich später „Maccius“, eine der typischen Figuren des italischen Maskenspiels der atellana fabula, „Hanswurst“ – wahrscheinlich ein Pseudonym (Albrecht 1994, S. 133). Obwohl er erst mit Mitte 40 mit dem Schreiben beginnt, bringt er es zu Weltruhm, wird unter anderem  von Molière und Shakespeare kopiert, variiert und auch im Original bis heute aufgeführt – 130 Stücke werden ihm in der Antike zugeschrieben - er verbringt ein sehr produktives Alter, bis er 184 v. Chr. stirbt (ebd., S. 133-134). Mancher in der Antike bedeutender Autor ist dagegen nur in Fragmenten überliefert, wie hat Plautus es geschafft, dass 20 seiner Stücke bis heute überliefert wurden (vgl. ebd., S. 134)?

Quellen, Vorbilder und literarische Technik
Plautus sucht seine Vorbilder weniger in der alten attischen Komödie, die Missstände, Politik und lebende Personen angreift, sondern bedient sich bei den Motiven mehrheitlich der neuen attischen Komödie (Albrecht 1994, S.139). So braucht er mächtige römische Politiker nicht zu fürchten. In seinen Stücken lässt er typische Bürger auftreten, die griechische Namen tragen – die Würde des römischen Bürgers bleibt gewahrt. Plautus passt die zeitlosen griechischen Motive optimal an den römischen Publikumsgeschmack an, und setzt diese vielseitig um – z.B. in den Stücken „aulularia“, „Stichus“ und „cistellaria“ die feine Charakterzeichnung der Komödien des Menandros ebenso wie die Situationskomik der Verwechslungskomödien bei maenechmi, die Einfachheit des Volkstheaters in „asinaria“ und auch die Ernsthaftigkeit eines Problemstücks wie in „captivi“ oder die Tragikomik in „Amphitruo“ - Plautus charakterisiert, überzeichnet, karikiert scharf oder bleibt satirisch kühl und spielt dabei immer gekonnt mit der Sprache (Metaphern, Wortwitze, Wortspiele, Nachäffen, Rede und Gegenrede, Doppelsinn…), was er alles dem europäischen Theater vererbt (vgl. ebd., S. 139-140; 153-157).
Vom Aufbau her lassen sich die meisten plautinischen Komödie in drei Abschnitte gliedern: Eine „Einführung“ mit einem „Prolog“ bzw. „Exposition“, dann die Entwicklung oder besser Verwicklung, das „Problem“ und schließlich die „Lösung des Problems“ als Happy-End, dazwischen ist die eine oder andere Gesangsszene (ähnlich wie in heutigen Musicals) fester Bestandteil des Bühnengeschehens, welches sonst überwiegend dialogisch vor sich geht (vgl. Albrecht 1994, S.144-147). Der Bühnenaufbau der Szenen ist meist einheitlich: Vom Zuschauer aus geht es links zum Hafen und aufs Land ab, rechts zur Stadt und zum forum, die Rollen werden meist von 5 Schauspielern übernommen, deren Auf- und Abgänge im Text angekündigt werden, die wichtigste Rolle will meist der dominus gregis, der Leiter der Schauspieltruppe persönlich übernehmen (ebd., S. 150).
An klassischen Typen von Personencharakterisierungen übernimmt Plautus den verliebten Jugendlichen bzw. jungen Mann, den strengen Vater als Gegensatz, die zickige Ehefrau, den prahlerischen Soldaten („angeberischer »Poser«“), die geldgeile Schlampe bzw. Prostituierte, den gewissenlosen Zuhälter, die Zuhälterin bzw. Puffmutter, den schlauen Sklaven, den Parasit bzw. Schnorrer, den Geldverleiher bzw. Banker, den Koch und den Arzt (ebd., S. 147). Generell arbeitet er gern mit Gegensätzen wie dummer gegen schlauer Sklave, konservativ-autoritärer gegen liberalen-alten Herrn oder raffinierter Abweichung wie die edelmütige Prostituierte und der sittlich hochstehende ausländische Sklave und regt dazu an, Konventionen zu hinterfragen (ebd. S. 147-148). In den „captivi“ scheint Plautus mit der Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen gerade stoisches „Weltbürgertums“ zu vermitteln (vgl. ebd., S. 158; 162): Eigentlich sind doch alle Menschen gleich (und sollen gleichermaßen geachtet werden?) - wer Sklave oder Herr ist, hängt nur vom Zufall ab, der in seinen Werken stets einen großen Raum einnimmt.


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