Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Mittwoch, 16. Juli 2014

„Römisches“ Theater: Formen und Ursprünge


"Römisches" Theater
Theater von Ephesos in Klaeinasien (Bild: Autor)
Wie in der Literatur beginnen die Römer auch beim Theater nicht „von null“. Das erste literarische Werk eines Römers ist auf griechisch geschrieben und auch das Schauspiel stamm nicht nur dem Namen nach (qšatron- théatron „wo man schaut“) aus DER antiken „Leitkultur“ schlechthin.
Doch gibt es auch in Italien eine eigene Art der Schauspielkunst: Stehgreif- und Maskenspiele, den mimus und die atellana fabula und beide gelten als recht vulgär und voller „Action“ – es wird geliebt, geprügelt und geschimpft. Die Atellane ist ursprünglich ein altes Maskenspiel, das aus dem Oskischen stammt, einem italischen Dialekt (Blume 2002, Spalte 272). Es zeigt grobe Szenen aus dem Bauern- und Handwerkeralltag und verwendet feste Personen-Typen (ebd.). Beim Mimus wird immer wieder frei improvisiert und recht derb zu, so dass es heute noch als „das »niedere« Rüpelspiel“ bezeichnet wird (Blume 2002, Spalte 273).
In Rom kommen griechische und italische Traditionen zusammen, doch orientiert man sich am stärksten an der griechischen Aufführungspraxis. Über deren Ursprung zerbrechen sich antike und moderne Forscher immer noch die Köpfe. Als sicher gilt nur, dass es sich aus religiösen Kulthandlungen zu Ehren des Gottes Dionysos entwickelt hat, bei denen Masken und Kostümen getragen wurden und es recht ausgelassen zuging. Den Festcharakter behalten Theaterspiele auch in Rom, zu allen größeren Festtagen gibt es Aufführungen. Die von den Griechen stammenden Gattungen sind die tragoedia, die comoedia und der pantomimus:

Die Gattung der Tragödie ist die älteste griechische Form: Schuld und Sühne, menschliches Schicksal und menschliche Fehlerhaftigkeit, Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein an den Willen der Götter, kurzum, „schwere Kost“: Die Dichter wollen pädagogisch wirken und mit all dem gezeigten Unglück allgemeinmenschlicher Grundprobleme die Zuschauer zu Erkenntnis und Selbsterkenntnis bewegen. Dabei hilft die „Peripetie“, der plötzliche Umschwung bzw. Wendepunkt im Leben der Hauptfigur auf der Bühne ins Gegenteil: Von Unkenntnis in Kenntnis, Glück in Unglück, was Jammer und Schaudern erzeugen soll. Dadurch soll der Zuschauer seelisch gereinigt werden (κάθαρσις Kátharsis).
Auch bei der Tragödie gibt es eine römische Sonderform, die fabula praetexta (mit dem Purpursaum der Senatoren gewandete Geschichte), in der die handelnden Personen nicht aus den Mythen stammen, sondern die staatsmännische Toga tragen. In der Kaiserzeit verdrängen diese nationalrömischen Historiendramen sogar weitgehend die griechischen Klassiker.

In den Festspielen für den Gott Dionysos in Athen folgt nach drei Tragödien zur Entspannung eine Komödie, denn so deprimiert kann man seine Zuschauer ja nicht nach Hause schicken. In der Komödie werden die Themen dann lächerlich gemacht, hier ist Platz für derben Spott, Ironie und allerlei ausgelassene Albernheiten, die sich zum Teil auch in Bühnenbild und Kostümen niederschlagen.
In Rom entstehen im 3. Jh. v. Chr. Sonderformen, die fabula palliata (die im griechischen Mantel gekleidete Geschichte) und die fabula togata (die in die römische Toga gehüllte Geschichte). In der palliata übersetzt man griechische Klassiker der neuen attischen Komödie ins Lateinische und passt sie dem römischen Geschmack an. Damit sich kein Römer beleidigt fühlen kann, behält man vorsichtshalber Personen- und Ortsnamen des griechischen Originals bei. Eine weise Entscheidung, man bedenke nur die Würde des pater familias – wehe wenn sich ein Römer in seiner Würde angegriffen fühlt, dann dürfen die Schauspieler von einem Beamten gezüchtigt werden. Bei einem Griechen als Witzfigur riskiert man jedoch nichts außer Lacher - recht ähnlich wie die Figur des  Franzosen in us-amerikanischen Komödien (vielleicht führt in beiden Fällen ein kulturelles Unterlegenheitsgefühl zum Drang, sich über die allgemein stärker bewunderte Kultur lustig zu machen). In der palliata entwickelt die römische Komödie mit Plautus und Terenz ihre wahre Meisterschaft.
Bei der fabula togata wagt man mehr, verlegt Ort und Thema nach Italien und schreibt auch völlig neue Stücke. Sie erlangen jedoch nicht dieselbe Bedeutung.

Außerdem übernehmen die Römer von den Griechen noch die Pantomime, die in ihrer antiken Form jedoch hoch künstlerisch ist. Sie zeigt mythisch-tragische Szenen, fesselt „sein Publikum durch Körperbeherrschung und künstlerische Ausstrahlung“ und kann auch als mythisches Ballet aufgeführt werden (Blume 2002, Spalte 273). Man kann sich daher den pantomimus auch wie ein modernes Tanztheater vorstellen – das künstlerisch-elitäre Publikum, welches dies zu schätzen weiß, wird ähnlich begrenzt sein…

Hier geht’s zu

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen