Epikur (links, grüne Thesen) und Zenon (rechts, rote Thesen) im Vergleich (schwarz: Gemeinsamkeiten)
Römer
sind nicht zimperlich, das zu übernehmen, was ihnen gefällt. Zwei
gegensätzliche Richtungen aus der Spätzeit der griechischen Philosophie haben
es ihnen besonders angetan, Epikur und die epikureische Weltanschauung sowie
Zenon und die stoische. Doch so rigoros wie Cato,
der streng auf den Lehren der Stoa festhängt, sind die meisten Römer nicht: Sie
picken sich aus verschiedenen Lehren das heraus, was ihnen am meisten zusagt (Eklektizismus), Cicero vereint z.B. Ansichten, der Skeptiker, der Akademie
der Stoa und Epikurs. Dabei interessiert die Römer weniger das theoretische
Gesamtkonstrukt, sondern konkrete ethische
Probleme: Vor allem soll ihnen die Beschäftigung der Philosophie auch einen
konkreten Nutzen bringen: „Wie lebe ich glücklich?“.
Die Gründer: Epikouros (* um 341 v. Chr) und Zenon
von Kition (* um 300 v. Chr.)
Zenon
und Epikur kamen auf unterschiedlichen Wegen zur Philosophie, Epikur beginnt bereits bei einem Schüler des Atomisten Demokrit zu studieren, geht ins Exil, gründet zuerst in Mytilene
und Lampsakos erste Schulen und schließlich als Prophet der Lust in Athen sein Gärtchen, das gleichbedeutend mit
seiner philosophischen Richtung wird.
Zenon
erleidet als erfolgreicher Händler einen Schiffbruch, worauf er von einem
Buchhändler aufgenommen in die Philosophie einsteigt. Er trifft sich mit seinen
Schülern in einer Säulen- bzw. Wandelhalle, der Stoa Poikile in Athen, einem öffentlichen Bauwerk. So streng und
ernst wie das Gebäude ist auch seine Philosophie, er wird der Prophet der
Pflicht.
summum bonum: vita
beata
In
ihrer Vorstellung, was das höchste Gut (summum
bonum) sein soll, das der Mensch erreichen kann, sind sich beide Richtungen
wieder einig: Ein glückliches Leben zu führen, bei dem die Seele ausgeglichen
und ungestört von Stürmen der Gefühle ist (Eudämonie: Glückseligkeit / Apahtia:
Abwesenheit von Affekten / Ataraxia: Unerschütterlichkeit der Seele). Wie dies
jedoch aussehen soll, da unterscheiden sie sich: Logik, Tugend, das Ehrenhafte,
so Zenon. Logik findet auch Epikur gut, jedoch nur um positive Lust anzustreben
und dabei Schmerz als negative Lust zu vermeiden.
Wie
das Glück, das auf dieser Ausgeglichenheit beruht, zu erreichen ist? Sich auf
das zu beschränken, was natürliche und naturnotwendige Bedürfnisse sind, würden
beide sagen. Alles Seiende ist für Zenon wie Epikur rein materiell: Ohne
Materie gibt es weder Leiden noch Wirken. Deshalb wollen beide den Menschen durch die Philosophie aufklären, vom religiösen
(abergläubischen) Eifer (Beten und Opfern) abbringen und zum rechten Leben
hinführen. Ansonsten widersprechen sie sich:
Epikur
– Seelenruhe durch pflichtloses Glück und Genuss