Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Dienstag, 12. August 2014

Plautus und die römische Komödie

Wenn man von der „römischen Komödie“ spricht, denkt man immer zuerst an Titus Plautus. Doch gilt auch für die römische Komödie, dass sie wieder auf griechische Vorbilder zurückgeht und selbst Plautus ist nicht von Anfang an ein Theaterschriftsteller, sondern soll nach Ausübung mehrerer Berufe sein ganzes Geld bei Handelsgeschäften verzockt und darauf in einer Mühle gearbeitet haben, wo er anfängt Stücke zu schreiben (vgl. Albrecht 1994, S. 133-134).
Plautus und die römische Komödie
Theatermaske der Komödie
Geboren wird Plautus ca. vor 250 v. Chr. in Sarsina in Umbrien und nennt sich später „Maccius“, eine der typischen Figuren des italischen Maskenspiels der atellana fabula, „Hanswurst“ – wahrscheinlich ein Pseudonym (Albrecht 1994, S. 133). Obwohl er erst mit Mitte 40 mit dem Schreiben beginnt, bringt er es zu Weltruhm, wird unter anderem  von Molière und Shakespeare kopiert, variiert und auch im Original bis heute aufgeführt – 130 Stücke werden ihm in der Antike zugeschrieben - er verbringt ein sehr produktives Alter, bis er 184 v. Chr. stirbt (ebd., S. 133-134). Mancher in der Antike bedeutender Autor ist dagegen nur in Fragmenten überliefert, wie hat Plautus es geschafft, dass 20 seiner Stücke bis heute überliefert wurden (vgl. ebd., S. 134)?

Quellen, Vorbilder und literarische Technik
Plautus sucht seine Vorbilder weniger in der alten attischen Komödie, die Missstände, Politik und lebende Personen angreift, sondern bedient sich bei den Motiven mehrheitlich der neuen attischen Komödie (Albrecht 1994, S.139). So braucht er mächtige römische Politiker nicht zu fürchten. In seinen Stücken lässt er typische Bürger auftreten, die griechische Namen tragen – die Würde des römischen Bürgers bleibt gewahrt. Plautus passt die zeitlosen griechischen Motive optimal an den römischen Publikumsgeschmack an, und setzt diese vielseitig um – z.B. in den Stücken „aulularia“, „Stichus“ und „cistellaria“ die feine Charakterzeichnung der Komödien des Menandros ebenso wie die Situationskomik der Verwechslungskomödien bei maenechmi, die Einfachheit des Volkstheaters in „asinaria“ und auch die Ernsthaftigkeit eines Problemstücks wie in „captivi“ oder die Tragikomik in „Amphitruo“ - Plautus charakterisiert, überzeichnet, karikiert scharf oder bleibt satirisch kühl und spielt dabei immer gekonnt mit der Sprache (Metaphern, Wortwitze, Wortspiele, Nachäffen, Rede und Gegenrede, Doppelsinn…), was er alles dem europäischen Theater vererbt (vgl. ebd., S. 139-140; 153-157).

Donnerstag, 24. Juli 2014

theatrum - Der Aufbau eines „römischen“ Theaters


Wie schon der Name zeigt, übernehmen die Römer das Theater von den Griechen. Allerdings passen sie ein paar Dinge nach ihrem Geschmack an. Ursprünglich kommt der Theaterbau bei den Griechen zur Aufführung der Tragödien in Mode. Dazu wählt man einen natürlichen Hang für den Zuschauerbereich, der Tanzplatz für den Chor (Orchestra) wird teilweise mit Stützmauern als ebene Fläche davor angelegt, feste Bühnengebäude gibt es zunächst nicht - in Zelten (später in Hütten) neben der Bühne können sich die Schauspieler umziehen (vgl. Blume 2002, Spalte 261). Das Theater schmiegt sich so in formvollendeter Weise die Landschaft und gewährt vom Hang aus einen bezaubernden Ausblick.
Römisches Theater: Bestandteile
Römer stehen jedoch zu sehr auf „Special-Effekts“, um im Theater nebenher die Landschaft bewundern zu wollen: Jedes römische Theater verbaut die weitere Aussicht mit einer Mauer. Das Bühnengebäude ist fest mit der cavea, dem Theaterhalbrund verbunden, von dem die die Skene nun ein fester Teil ist; die 1-1,5 m hohe Bühne (pulpitum) weist oft eine reichgeschmückte Nischenfront zur Orchestra hin auf und ist mit einer Vorhangeinrichtung versehen (aulaeum), die mit Seilen, Winden und Gegengewichten den Bühnenvorhang rasch versenken und hochziehen kann und hinter der sich eine ausgeklügelte Bühnentechnik für allerlei Effekte verbirgt (vgl. Blume 2002, Spalte 264). Der griechische Chor wird nicht mehr berücksichtigt, die ehemals runde orchēstra für Tanz, Musik und Gesang wird vom Kreis zum Halbkreis verengt und für Ehrensitze genutzt (ebd., Spalte 273), Masten mit Spannseilen lassen sowohl Theatervorhänge als auch Sonnensegel (velarium) über die Zuschauerränge hinweg spannen.

Mittwoch, 16. Juli 2014

„Römisches“ Theater: Formen und Ursprünge


"Römisches" Theater
Theater von Ephesos in Klaeinasien (Bild: Autor)
Wie in der Literatur beginnen die Römer auch beim Theater nicht „von null“. Das erste literarische Werk eines Römers ist auf griechisch geschrieben und auch das Schauspiel stamm nicht nur dem Namen nach (qšatron- théatron „wo man schaut“) aus DER antiken „Leitkultur“ schlechthin.
Doch gibt es auch in Italien eine eigene Art der Schauspielkunst: Stehgreif- und Maskenspiele, den mimus und die atellana fabula und beide gelten als recht vulgär und voller „Action“ – es wird geliebt, geprügelt und geschimpft. Die Atellane ist ursprünglich ein altes Maskenspiel, das aus dem Oskischen stammt, einem italischen Dialekt (Blume 2002, Spalte 272). Es zeigt grobe Szenen aus dem Bauern- und Handwerkeralltag und verwendet feste Personen-Typen (ebd.). Beim Mimus wird immer wieder frei improvisiert und recht derb zu, so dass es heute noch als „das »niedere« Rüpelspiel“ bezeichnet wird (Blume 2002, Spalte 273).
In Rom kommen griechische und italische Traditionen zusammen, doch orientiert man sich am stärksten an der griechischen Aufführungspraxis. Über deren Ursprung zerbrechen sich antike und moderne Forscher immer noch die Köpfe. Als sicher gilt nur, dass es sich aus religiösen Kulthandlungen zu Ehren des Gottes Dionysos entwickelt hat, bei denen Masken und Kostümen getragen wurden und es recht ausgelassen zuging. Den Festcharakter behalten Theaterspiele auch in Rom, zu allen größeren Festtagen gibt es Aufführungen. Die von den Griechen stammenden Gattungen sind die tragoedia, die comoedia und der pantomimus:

Mittwoch, 25. Juni 2014

nobilitas – der „Amtsadel“


nobilis: Römer mit berühmten Vorfahren, die Konsul waren
Wörterbücher bringen vielfältige Übersetzungsmöglichkeiten für das Wort nobilitas, doch trifft es im Deutschen keine so richtig: „großer Ruf, vornehme Geburt, vorderster Stand, Adlige, Aristokraten, Adelswürde, Vortrefflichkeit, Vorzüglichkeit…“ In der Wortwahl der Autoren der späten Republik bezeichnet das Wort nobilis einen Römer aus einer Familie, aus der (vor Sulla) bereits ein Konsul hervorgegangen war. Die Mitglieder dieser Familie gelten als nobiles und haben mindestens einen ihrer Vorfahren in Form einer äußerst realistisch gearbeiteten Wachsmaske als Beweis ihrer nobilitas in ihrem atrium oder tablinium hängen. nobilitas übersetzt man also am besten mit „Amtsadel“ oder „Beamtenadel“, da sich die Familie seit langem in der Politik engagiert und zur Führungsschicht zählt. Familien wie die Caecilii Metelli können mit ganzen Galerien nobler Ahnen aufwerten, die alle einmal Konsul waren, obwohl diese Familie streng genommen nicht patrizisch, d.h. adlig sondern plebejisch ist. Stirbt ein Mitglied einer „noblen“ Familie, so werden geschulte Schauspieler bezahlt, die alle gewesenen Konsuln der gesamten Familie beim Trauerzug verkörpern – inklusive der bekannten Eigenheiten (Stimme, Art zu Reden, Sprüche, bis hin zu markanten Bewegungen und Gangart). Auch Frisur, Haarfarbe und Teint werden auf den Masken perfekt imitiert.
Die Nobilität ist aber kein Erbadel wie in Deutschland seit dem Mittelalter, ein direkter Aufstieg eines Neulings gelingt jedoch nur selten, weshalb der homo novus Cicero mächtig stolz darauf ist. Zu seiner Zeit dominiert eine Gruppe von etwa dreißig aristokratischen Familien die res publica (unter anderem die gentes der Claudii, Cornelii, Licinii, Caecilii Metelli, Valerii, Scipiones, Iulii, Calpurnii, Pisones…). Diese nobiles streben nach Ruhm und Ehre für ihre gens im Staatsdienst, getreu dem Ideal des griechischen Adels „immer der erste zu sein und sich auszuzeichnen unter den anderen“. Diesen Wahlspruch aus der Ilias des griechischen Dichters Homer (Hom.Il.6,208) zitiert auch Cicero in einem Brief an seinen Freund Atticus im griechischen Original (Cic.ad.Att.3,5,4) – damals gibt es „bilingualen Unterricht“ in der Welt- und Wissenschaftssprache Altgriechisch.
Wer aus dem Amtsadel stammt strebt fast selbstverständlich eine Karriere als Senator an, dies wird von ihm erwartet, in den führenden Kreisen kennt man sich von klein auf. Man nutzt die vererbten Netzwerke an amicitia – Interessengemeinschaften und „Parteifreunde“ sowie die Klienten der Familie, zu denen weniger einflussreichere Römer und alle freigelassenen Sklaven der Familie und meist auch deren Nachkommen bis in entfernte Generationen zählen.
Der Einfluss der Nobilität innerhalb der Römischen ist groß. Sie bestimmt größtenteils die Politik in Rom, auch wenn der Einfluss der übrigen Bürger durch die Wahlen nicht zu vernachlässigen ist, vor allem der Reichen. Erfolgreiche Mitglieder der Nobilität versichern deshalb gerne immer wieder die gemeinsame Linie und den Kompromiss mit dem Volk und welch bedeutende Rolle es spiele.

Samstag, 7. Juni 2014

dies natalis – Geburtstage im alten Rom


Pompeius Magnus cum libo
Pompeius Magnus libo gaudet.
Auch Römer feiern Geburtstag. Ursprünglich tun sie das wie die Griechen und feiern jeden Monat den genius des Geburtstagskindes als „lebensspendendes Prinzip im Menschen“, später als „der griech. Daimonvorstellung vergleichbar, als persönliche Schutzgottheit“ (jeweils von: Englhofer 1998). Frauen opfern mitunter auch der Iuno. Sicher auch aus praktischen Gründen geht man schnell dazu über, den Geburtstag „nur“ noch jährlich zu feiern.
Wie sieht so ein antiker Geburtstag aus? Nach dem Aufstehen opfert das Geburtstagskind erst einmal auf einem Altar aus Rasenstücken ein paar winzige Bröckchen Kuchen, Brot, Obst oder Getreidekörner. Sie werden einfach auf einem Rost verbrannt, der Rest wird selbst verspeist. Die Feiernden hüllen sich selbst in weiße Kleidung. Das Götterfigürchen des genius wird mit einem kleinen Kranz geschmückt, dann zündet man Kerzen vor ihm an, wenn man reich ist – sonst müssen einfache Öllämpchen genügen. Dabei wird um die „oftmalige Wiederkehr des Tages“ gebetet (Englhofer1998), wie man z.B. bei Tibull 1,7,49-54 und Ovid, tristia 3,13 nachlesen kann.
Im öffentlichen Teil der Feier kommen nun Freunde und Verwandte hinzu, bei wichtigen Männern auch die Klienten, um Glückwünsche und Geschenke zu überbringen. Aber auch Geburtstagskuchen dürfen nicht fehlen. Gefeiert wird oft mit einem richtigen Festmahl, Musik und Tanz sowie dem Vortrag von Gedichten. Wer es bezahlen kann, lässt sich nicht lumpen und fährt alles auf, was die römische Küche zu bieten hat.
Bei Erwachsenen endet das Gastmahl nicht bei ausgefallenenRezepten, die cena geht fast zwangsläufig in eine comissatio, ein Trinkgelage mit feuchtfröhlichen Spielchen über (Tibull 1,7,50: multo...mero). Bei Geburtstagen von Kindern bleibt es jedoch beim Kuchen und sittsamen Geschicklichkeits- oder Nachahmungsspielen. Oft wird Spielzeug verschenkt, dem Römer und Griechen einen hohen erzieherischen Wert beimessen (Sueton schreibt ein ganzes Buch darüber), manchmal auch nur kleine Miniaturkrüge, Choen, mit Darstellungen von Kinderspielen (vgl. Fitta 1998, S. 48-49). Als weitere Geschenke sind Wachskerzen, kleine Götterfiguren, Puppen aus Paste und Terrakotta, sowie Lebensmittel und Nüsse in Rom beliebt (Fitta 1998, S. 49).
Wer nicht persönlich erscheinen kann, schickt sein Geschenk zusammen mit einem kleinen Gedicht – notfalls nur das Gedicht alein. Schüler bekommen von ihren Lehrern gerne kostbare Bücher geschenkt. Besonders von geliebten Menschen erwartet man aber kostbare Geschenke, je teurer, desto besser. Ovid erzählt in einem Gedicht seiner amores, wie die Hauptperson –ein junger Dichter- seine Geleibte im Gespräch mit einer Zuhälterin belauscht (Ovid,amores, 1,8): Diese fordert sie auf, von ihrem Geliebten möglichst kostbare Geschenke abzupressen. Z.B. soll sie ihren Geburtstag mit einem libum vortäuschen (V. 93-94), einem Geburtstagskuchen. Nach dem Rezept des alten Cato, de agricultura 84, wird dieser traditionell aus Weizenmehl, Käse und Eiern hergestellt. Außerdem soll sie dafür sorgen, dass ihr Geliebter viele andere Geschenke sieht: Hat ihr bisher niemand etwas geschenkt, soll sie selber an der Einkaufsmeile rund um die Via Sacra selbst kleine Geschenke kaufen und im Zimmer verteilen, bevor er kommt…
Wer weniger reich ist, zahlt mitunter ähnlich wie bei einer heutigen Kapital-Lebensversicherung in einen Geburtstagsverein ein, der das Geld verwaltet, im Idealfall vermehrt und zu den Geburtstagen die Feier organisiert und für die Kosten aufkommt. Doch nutzen bald auch die Reichen dieses Prinzip und veranstalten großzügige Stiftungen um selbst nach ihrem Tod noch von den Vereinen gefeiert werden zu können.

Sonntag, 4. Mai 2014

Wandelhalle gegen Gärtchen: Stoa und Epikur

Stoizismus gegen Epikureismus

 
Epikur (links, grüne Thesen) und Zenon (rechts, rote Thesen) im Vergleich (schwarz: Gemeinsamkeiten)
 
Römer sind nicht zimperlich, das zu übernehmen, was ihnen gefällt. Zwei gegensätzliche Richtungen aus der Spätzeit der griechischen Philosophie haben es ihnen besonders angetan, Epikur und die epikureische Weltanschauung sowie Zenon und die stoische. Doch so rigoros wie Cato, der streng auf den Lehren der Stoa festhängt, sind die meisten Römer nicht: Sie picken sich aus verschiedenen Lehren das heraus, was ihnen am meisten zusagt (Eklektizismus), Cicero vereint z.B. Ansichten, der Skeptiker, der Akademie der Stoa und Epikurs. Dabei interessiert die Römer weniger das theoretische Gesamtkonstrukt, sondern konkrete ethische Probleme: Vor allem soll ihnen die Beschäftigung der Philosophie auch einen konkreten Nutzen bringen: „Wie lebe ich glücklich?“.

Die Gründer: Epikouros (* um 341 v. Chr) und Zenon von Kition (* um 300 v. Chr.)
Zenon und Epikur kamen auf unterschiedlichen Wegen zur Philosophie, Epikur beginnt bereits bei einem Schüler des Atomisten Demokrit zu studieren, geht ins Exil, gründet zuerst in Mytilene und Lampsakos erste Schulen und schließlich als Prophet der Lust in Athen sein Gärtchen, das gleichbedeutend mit seiner philosophischen Richtung wird.
Zenon erleidet als erfolgreicher Händler einen Schiffbruch, worauf er von einem Buchhändler aufgenommen in die Philosophie einsteigt. Er trifft sich mit seinen Schülern in einer Säulen- bzw. Wandelhalle, der Stoa Poikile in Athen, einem öffentlichen Bauwerk. So streng und ernst wie das Gebäude ist auch seine Philosophie, er wird der Prophet der Pflicht.

summum bonum: vita beata
In ihrer Vorstellung, was das höchste Gut (summum bonum) sein soll, das der Mensch erreichen kann, sind sich beide Richtungen wieder einig: Ein glückliches Leben zu führen, bei dem die Seele ausgeglichen und ungestört von Stürmen der Gefühle ist (Eudämonie: Glückseligkeit / Apahtia: Abwesenheit von Affekten / Ataraxia: Unerschütterlichkeit der Seele). Wie dies jedoch aussehen soll, da unterscheiden sie sich: Logik, Tugend, das Ehrenhafte, so Zenon. Logik findet auch Epikur gut, jedoch nur um positive Lust anzustreben und dabei Schmerz als negative Lust zu vermeiden.
Wie das Glück, das auf dieser Ausgeglichenheit beruht, zu erreichen ist? Sich auf das zu beschränken, was natürliche und naturnotwendige Bedürfnisse sind, würden beide sagen. Alles Seiende ist für Zenon wie Epikur rein materiell: Ohne Materie gibt es weder Leiden noch Wirken. Deshalb wollen beide den Menschen durch die Philosophie aufklären, vom religiösen (abergläubischen) Eifer (Beten und Opfern) abbringen und zum rechten Leben hinführen. Ansonsten widersprechen sie sich:

Epikur – Seelenruhe durch pflichtloses Glück und Genuss

Donnerstag, 1. Mai 2014

scriptio continua - Schrift und Schreibmaterial im alten Rom

Wachstafeln (tabulae ceratae), Stilus, Antike Buchrollen aus Papyrus
Wachstäfelchen mit Stilus, Wachsspachtel und Buchrollen
Wie schreiben die alten Römer? Im Gegensatz zu uns schreiben sie ohne Punkt und Komma (scriptio continua), ohne Groß- und Kleinschreibung, also mit noch weniger Umständen als bei einer SMS - und das mit ziemlich schräger Schrift. Zwar haben wir unsere Großbuchstaben von römischen Inschriften übernommen, aber anders als bei Asterix wird im antiken Rom nicht nur auf Marmor gemeißelt: Üblicherweise schreibt man auf Wachs oder Papyrus und selten auf dem teuren Pergament in römischer Kursivschrift.

tabulae ceratae
Am häufigsten wird auf Wachstäfelchen geschrieben, tabulae ceratae, der „antike Tablet-PC’“ für Konzepte, Notizen, Rechnungen, Schulaufgaben etc. Sie bestehen aus mehreren rechteckigen Holzplättchen, die außen mit Stegen umrandet und deren Innenflächen mit Bienenwachs gefüllt werden. Wer mit seinem Reichtum protzen will, nimmt Elfenbein oder Metall. Zusammengehalten werden die Täfelchen entweder über Lederbändchen, Schnüre oder auch Metallscharniere. Je nachdem wie viele Plättchen man zusammenfügt nennt man die tabulae in gebildeten Kreisen auch griechisch diptychon (2 Tafeln), triptychon (3) oder  polyptychon (viele).
Als Schreibstift benützt man einen stilus, einen Griffel aus Holz, Knochen, Metall oder Elfenbein. Mit dem spitzen Ende des stilus ritzt man die Buchstaben ins Wachs, das flache Ende dient als Tintenkiller, indem man Fehler einfach glatt streicht. Für größere Partien dient ein breiter Wachsspachtel als Radiergummi.
Wachstäfelchen eignen sich besonders gut, um Briefe zu verschicken. Man verschnürt sie und versiegelt die Bindung mit heißem Wachs und dem Abdruck seines Siegelrings. Ist das Siegel beim Empfänger unversehrt, kann man sicher sein, dass der Überbringer den Inhalt nicht gelesen hat. Noch sicherer sind sogenannte Siegelkapseln. Bei unwichtigen Neuigkeiten wird sofort recycelt: Man streicht einfach das Geschriebene aus. Noch bequemer lässt man die Täfelchen in der Sonne stehen oder legt sie an einen Ofen, um wieder eine makellos glatte Oberfläche zu erhalten (damit dies nicht unbeabsichtigt auftritt, wird das Wachs noch mit Zusätzen wie Harz und Ruß vermischt).
Preisgünstige Exemplare (fertig oder zum Selberbasteln) findet man z.B. im Versandhandel Antike zum Begreifen.

Buchrolle

Montag, 28. April 2014

VI. Catilina. Leseprobe aus "Geheimnisse in Rom"


Hier folgt ein Auszug aus dem sechsten Kapitel (aus dem zweiten Band gibt es bisher Ausschnitte zum ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Kapitel). Anregungen und Kommentare sind wie immer erwünscht (Rufus.in.Rom@gmail.com)!

Kapitel VI: Catilina
[…]
[Gaius geht mit Rufus den jungen Marcus Antonius wecken, was gar nicht so einfach ist. Dessen Stiefvater Lentulus Sura, der Stadtprätor, hat einen geheimen Auftrag für ihn: Sie sollen eine versiegelte Nachricht überbringen…]
            Kaum hatte sich die Türe zu dem schummrigen Gang geschlossen, da sprang Marcus Antonius mit einem Satz auf beide Verfolger los. Sie wehrten sich heftig, doch noch bevor Rufus eingreifen konnte, hatte sich Antonius je einen von ihnen unter den Arm geklemmt. „Beim Herkules, Marcus, nicht so fest! Wehe wenn ich erst so alt bin wie du, dann packe ich gleich vier von deiner Sorte. Ah…Sei gegrüßt, Rufus.“ Jetzt erkannte Rufus den kleineren der zappelnden Jünglinge: Ventidius Pollio. Ein reicher Sohn eines Freigelassenen, gleichaltrig zu Gaius, immer mit dabei und ein entsetzlicher Angeber. „Seid gegrüßt, Pollio und Curio“. Lachend ließ Antonius Pollio und den lächelnden Curio los. Gaius Scribonius Curio, erinnerte sich Rufus. Curio fiel Antonius nun seinerseits um den Hals und versuchte seinen Freund in den Schwitzkasten zunehmen. „Na, wie geht’s dir, Schätzchen?“ Curio drohte jedoch an der bärigen Statur des Antonius zu scheitern, da drückte er ihm kurzerhand einen schmatzenden Kuss auf. „Beim Herakles!“ Mit Getöse gingen sie zu Boden und rissen Rufus, Pollio und einen Bronzevase mit sich, die scheppernd von einer Truhe fiel.
            „Was bringt mir dieser Tag für Einbrecher! Oder eher Zerbrecher?“ begrüßte sie eine melodische Stimme vom Ende des Ganges her. „Curio, Antonius, Pollio! Das hätte ich mir auch gleich denken können, das ihr das seid, die nichts ganz lassen wollen.“ Der muskulöse Mann musterte sie mit in die Hüften gestemmten Händen und einem freundlichen Lächeln. Seinen kräftigen Unterkiefer und seine Oberlippen zierte der gleiche Bart, den er schon bei Marcus Caelius, Cethegus und Curio gesehen hatte. Rufus wollte sich erst wundern, dass ein wachhabender Sklave so freimütig mit herrschaftlichen Gästen sprach, dann erst bemerkte er, dass der Mann den goldenen Ring eines Patriziers trug. „Selber schuld, Lucius“, entgegnete Curio, du hast uns schließlich eingeladen. Aber sag, was gibt es bei dir schon Wertvolles zu zerbrechen, was du noch nicht versetzt hast?“ »Lucius« zuckte lachend mit den Achseln und wies auf die verräterischen Stellen an der Wand, an denen die Farbe kräftiger war, als an der Umgebung. „Da ist was dran. Kommt…“
            Rufus hob schnell die Täfelchen auf, die Antonius heruntergefallen waren. Schade, das Siegel war aufgegangen. Wie beiläufig fiel sein Blick auf den Text. »…Laeca. Heute Abend…Gasse der Sichelmacher«. Dann klappte er sie wieder zu und folgte den anderen. Auf dem Weg zum Triclinium fiel Rufus auf, dass es noch weitere solche Stellen gab, an denen früher einmal Möbel oder Statuen gestanden haben mussten. Ansonsten verriet das Haus eine schlichte aber edle Eleganz. Die erdigen Farben der Wandbemalungen waren perfekt aufeinander abgestimmt, die Mosaike makellos. Türen und Türstürze waren einwandfrei geschnitzt und glänzten in dunkler Politur. Vor einem großen rechteckigen Bild blieb Rufus stehen. Es hing an einem Holzrahmen direkt an der Wand und war so lebensecht und plastisch gearbeitet, dass es Rufus schien, als wollten die Figuren aus der Wand klettern. „Enkaustik“, rief Lucius. „Es zeigt die Sergii, wie sie zusammen mit Aenaeas aus Troja nach Italien kamen.“ „Kommt das aus dem Griechischen »enkauston« – eingebrannt?“ „Ja. Heißes Wachs, Spachtel und glühende Eisen. Es ist wie wenn man die eigenen Gedanken mit Feuer unvergänglich auf die Malfläche einbrennt. Kannst du ruhig anfassen, morgen wird es sowieso verkauft.“ Vorsichtig fuhr Rufus mit dem Zeigefinger über das Bild. Es fühlte sich tatsächlich ein wenig wie Bienenwachs an. Lucius lachte, kam auf ihn zu und wuschelte ihm durch die Haare. „Ganz schön frech für einen Sklaven! Du bist noch nicht lange im Haus meines Freundes Sura, oder? Du gefällst mir! Geh in die Küche und lass dir ein Honigplätzchen geben – ich bestehe darauf!“ Rufus wurde rot, wagte aber nichts zu sagen. Ihm war die Ähnlichkeit zu den Vorfahren auf dem Bild aufgefallen. Die Sergii! Dann musste er es doch sein: Dieser Lucius war niemand anders als Lucius Sergius Catilina!