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Epikur (links, grüne Thesen) und Zenon (rechts, rote Thesen) im Vergleich (schwarz: Gemeinsamkeiten) |
- Die rechte Lebensfreude wird durch den Genuss eines jeden Tages und die Vermeidung von Unlust erreicht: carpe diem. Um eine Beeinträchtigungen des Seelenfriedens zu vermeiden, muss man Furcht, Schmerz und Begierden meiden. Dies führt zu Einsicht und stabiler Daseinslust.
- Unvernunft führt dagegen zu schädlichen Abhängigkeiten. Bekannt ist das sogenannte Lustkalkül: Hemmungsloser Genuss ist nicht Epikurs Sache: Man muss nach langfristiger Lust streben, die niemandem Schmerz bringt. Deshalb soll man in Maßen genießen, was zur Seelenruhe führt. Ein Beispiel: Ein Becher zu viel am Abend zuvor könnte vielleicht kurzfristigen Lustgewinn bringen, am Morgen danach aber einen länger dauernden Kater, wenn nicht schlimmeres (Unfall, eine unbedachte Äußerung im Suff, an der eine Freundschaft zerbricht…). Also: Sein lassen! Das Vorurteil, dass Epikureismus zu dekadenten Orgien führt (Vulgäerepikureismus), gibt es zwar schon in der Antike, ist aber verkehrt. So soll Epikur nur ab und zu einmal einen Becher Wein, in der Regel aber nur Wasser getrunken haben.
- Der Rückzug ins Private ist wichtig: „Lebe im Verborgenen!“ (l£qe bièsaj - lathe biosas): Freundschaft ist der wichtigste Wert. Vielleicht dachte Epikur auch schmerzhaft an die politischen Enttäuschungen und das Exil seiner Eltern. Außerdem lehnt Epikur Ehe, Familie und Politik ab.
- Die Götter als personifizierte Naturgewalten bestehen aus Atomen: Es gibt unendlich viele Götter, sie greifen aber nicht in das Weltgeschehen und in die menschlichen Schicksale ein. Deshalb ist Gottesfurcht nur Aberglauben. Wer sich an das atomistische Weltbild und die rein wissenschaftliche Erklärung der Welt hält, hat eine Sorge weniger.
- So wenig wie die Götter ist auch der Tod nur natürlich und nicht zu fürchten: Solange wir leben, sind wir ja nicht tot, und wenn wir tot sind, können wir nicht darüber nachdenken.
- Die Beschäftigung mit der Philosophie als Streben nach Weisheit verhindert Affekte und führt zu innerer Freiheit. In allen Naturerscheinungen offenbart sich ein waltendes göttliches Prinzip, die Weltvernunft (logos). Dies ist zugleich ein kosmopolitischer Ansatz, allen Menschen überall in der Welt ist diese Weltvernunft zuteil. Gerechtigkeit ist daher im Menschen angelegt (Naturrecht). Das Naturrecht verbindet alle Menschen untereinander. Wer nach der Weltvernunft und gemäß der Natur und ihrer Gesetze lebt (secundum naturam vivere), erreicht Seelenruhe.
- Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen (zùon politikÒn - zoon politikon), Ehe und Kinder sind staatsbürgerliche Pflichten. Jeder Mensch hat in dieser Gemeinschaft vernunftbegabter Wesen die Pflicht, sich zum Guten zu beteiligen: Jeder muss daher die eigenen besonderen Fähigkeiten herausfinden, als Individuum seinen Platz in dieser Ordnung erkennen und ausfüllen.
- Stets muss man emotionale Selbstbeherrschung einüben und sein Los akzeptieren. Dies bedeutet, stets tugendhaft zu handeln. Dabei führen Gelassenheit und Seelenruhe bzw. Unerschütterlichkeit (ataraxia) zur Weisheit. Meditieren und Gewissensprüfung treibt die Selbstvervollkommnung voran.
zu Demokratie, Sophisten und der Redekunst in Athen,
und zu den bohrenden Fragen des Sokrates und
zu den Philosophischen Schulen der Antike
Der Widerspruch der beiden Philosphien lässt sich ganz leicht verstehen. Es kommt darauf an, welche Gehirnhälfte dominiert. Meiner Meinung nach fehlt hier noch Platon, dessen Ideenlehre sich von Epikur und Zenon unterscheidet. Ich behaupte mal ganz frech, dass sich alle Philosophien im Großen und Ganzen in eine dieser 3 Richtungen einordnen lassen.
AntwortenLöschenInteresant ist, dass jeder Philosoph meint seine Philosophie müsse für alle Menschen gelten. Das macht aber keinen Sinn sondern nur Probleme
Mehr darüber findet man entweder unter dem Stichwort "Omnisophie" von Prof. Dr. Gunter Dueck oder auf meinen Blog unter http://royofinnigan.blogspot.de/2013/01/omnisophie-unterscheidung-verschiedener.html
(Sorry für die Eigenwerbung aber bei dem Thema kann ich nicht widerstehen)
Ich glaube Artikel auf solchen Blogs werden viel zu selten gewürdigt. Ganz ehrliches DANKESCHÖN für diese Zusammenfassung!!!
AntwortenLöschenSehr gut und verständlich zusammengefasst, der Artikel spendet mir gerade einige Anregungen für mein Kolloquium. Danke.
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