Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Donnerstag, 18. April 2013

Riten und Kulte bei den Kelten

... sind einmal das Speiseopfer: Wie Griechen und Römern werden auch bei den Kelten keine Wildtiere (Wildschwein, Hirsch…), sondern die Haustiere Rind, Schaf und Schwein geopfert (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 286): Zuerst werden die ungenießbaren Eingeweide für die Götter verbrannt, dann essen die Kultteilnehmer die besten Teile der Tiere an Ort und Stelle selbst. Daneben gibt es ein sogenanntes „chtonisches“ Ritual, d.h. was mit der Unter- und Totenwelt zusammenhängt und nur bei Rindern durchgeführt wird, die schon sehr alt sind und für die Landwirtschaft und den Verzehr nicht mehr zu gebrauchen: Man wirft die Alttiere komplett in die Opfergrube bis das Fleisch verwest und die Gottheit ernährt ist, sammelt die Knochen wieder ein und benutzt sie für andere Rituale (ebd. S. 286-287).
An welchen Stellen und heiligen Plätzen die Nordvölker genau opferten, das zeigt eine Übersicht im Post Kult und Opferplätze bei den Kelten.
 
Das zweite Ritual ist das Weiheopfer. Wird einer Gottheit Siegesbeute dargebracht (Waffen, Kriegszubehör, Pferdegeschirr…), so wird wahrscheinlich schon auf dem Schlachtfeld aus Beutestücken ein Siegesdenkmal errichtet, ein Tropaeum, nach der Rückkehr der Sieger in einem streng geregelten Triumphzug präsentieren die Krieger evtl. die Schädel ihrer Opfer, nach einem Opferritual und -bankett befestigt man die Waffen (v.a. Schilde, Schwerter und Lanzen) dann feierlich am Eingangsportal (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 287).
 
Für Menschenopfer bei den Kelten findet sich kein zwingender Nachweis, die zur Schau gestellten Schädel und Körper der Gegner wurden bereits auf dem Schlachtfeld präpariert, von regelrechten Riten des Menschenopfers ist nicht auszugehen (ebd., S. 287-288).
 
Beim Schädelkult der Kelten dagegen bestätigen Archäologische Erkenntnisse antike Quellen:

Freitag, 12. April 2013

Essen und Trinken bei den Germanen

Eigentlich alles, was bereits im Post über Essen und Trinken bei den Kelten angeführt wurde, gilt ernährungstechnisch auch für die Germanen – für die frühen Vorgänger aus der Jastorf- und Lausitzerkultur genauso wie für die spezifisch „germanischen“ Stämme der Elbsueben, Chatten, Hermunduren etc.
Liest man Caesars Gallischen Krieg zu wörtlich, so stünden die Germanen jedoch auf einer Kulturstufe primitiver Jäger und Sammler, die sich vor allem um Kampf und Jagd und beinahe gar nicht um Ackerbau kümmert (wie in Buch 6, Kapitel 21-24). Doch geht es ihm an den konkreten Stellen eher um ein spezielles Bild wilder „Nordbarbaren“: Sie verkaufen zwar, doch nehmen sie keine Waren ab. Keine entwickelte Gesellschaftsstruktur, keine neuen Absatzmärkte, nur Konkurrenz, werte Mitsenatoren und Großhändler – scheint er durch die Zeilen vermitteln zu wollen. In Germanien ist sowieso alles anders, selbst die Tiere (z.B. fängt man kniegelenklose Germanen-Elche, indem man ihre „Schlafbäume" ansägt, an die sie sich lehnen und hilflos umfallen: Buch 6, Kapitel 27). Eine Eroberung wäre absolut unrentabel. Caesars erste Suebenkapitel könnte man glatt gut schwäbisch mit „Mir kaufet nix!“ betiteln (Bellum Gallicum, Buch 4, Kapitel 1-2). Die Art und Weise, wie Caesar Germanen als mythische Randvölker beschreibt, ist literarisch konventioniert und eventuell sogar absichtlich komisch gehalten: In Stilistik und Wortwahl ahmt er ältere griechische Schriftsteller nach (oder parodiert sie?), die in Rom quasi zur Schullektüre gehören und die das Ende der Welt ebenfalls mit (mythisch-seltsamen Tieren und) Barbaren besiedeln. Wie bei Caesar sind diese nur mit Fellen bekleidet und leben vor allem von Fleisch und Milch, Ackerbau kennen sie kaum. Aber jenseits des Rheins, dort, wo der große Feldherr und belesene Schriftsteller militärisch nicht weiterkommt (ohne seinen erfolglosen Feldzugsversuch genauer zu erwähnen), dort muss ja „das (literarische) Ende der Welt“ liegen. Denn auch als Politiker ist er ein großer…
 
Zu Tisch bei den Germanen:

Dienstag, 9. April 2013

8. Nach Süden. Leseprobe aus "Donner im Keltenland"

Aus dem letzten und achten Kapitel des ersten Bandes, Rufus - Donner im Keltenland. Ältere Leseproben findet man hier aus dem ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten und siebten Kapitel.
Wie immer freue ich mich über jede Anregung und jeden Kommentar (Rufus.in.Rom@gmail.com)!
 

8. Nach Süden

            Euamellin hatte noch immer den Sack über dem Kopf und haderte mit sich selbst. Wie konnte er nur so dumm gewesen sein! Es war leichtfertig gewesen, Diviciacos zu vertrauen. Immerhin war er der Bruder des Dumnorix, warum sollte er also nicht mit ihm unter einer Decke stecken. Die Söhne des Deccomarus, bei Vagdavercustis! Einer wie der andere. Doch halt, hatte sich Diviciacos seinem Bruder nicht schon zum zweiten Mal entgegengestellt? Er hatte stets einen sehr ehrlichen Eindruck auf Euamellin gemacht. Aber das hätte auch ein Trick sein können: Wer so viel über Gesichter wusste, für den war es sicher leicht, beim Lügen sein eigenes Gesicht zu verstellen. Wenn er sich doch bloß unauffällig verhalten und auf Suarto gewartet hätte! Nun lag er wie ein Sack Gerste hinten in einem Wagen und fuhr als schweigsame Last eine holprige Straße entlang. Aua! Schon wieder eine unebene Stelle. Immer wieder hüpfte der Wagen über Unebenheiten und riss ihn unsanft aus seinen Gedanken.
            Lange Zeit ließ sich niemand bei ihm auf der Ladefläche blicken. Immer weiter ging die Fahrt. Am Anfang hatte er noch erahnen können, dass es aus Bibracte zum Südtor hinaus den Berg steil hinab ging. Doch dann hatte er schnell die Orientierung verloren. Er war allein mit sich, dem Knebel, dem kratzenden Hanfsack und den Lederriemen, die ihn in die Handgelenke schnitten. Man kümmerte sich nicht einmal in den Pausen um ihn, um ihn loszubinden, den Knebel zu lösen oder ihm etwas zu trinken oder zu essen zu bringen. Es schien es, als ob man ihn einfach verhungern und verdursten lassen wollte. Und er musste seit geraumer Zeit so dringend aufs Klo! Schließlich wurde Euamellin unsanft abgeladen. Eine schwere Türe öffnete sich knarrend, nach ein paar Schritten trug man ihn kopfüber eine Treppe hinunter. Es war auffallend kalt und modrig. Nach und nach nahm er außer dem Muff feuchten Gesteins auch den Geruch von Gewürzen, Getreide, Ton, Schinken und allerlei anderen kost- und essbaren Dingen wahr. Ein Grubenhaus oder eine andere Art Lager? Schwer zu entscheiden, sehen konnte er durch den Sack gar nichts. Hören konnte er nur den Atem seines Trägers, der ihn durch die Gegend schleppte. Ein Schlüssel klapperte in einem Schloss, eine weitere Tür ging auf. Sein Träger riss ihm den Sack vom Kopf und warf ihn grob in eine Ecke. „Damit du uns nicht erstickst, du Bengel. Zu Essen findest du hier ja genug.“ Darauf lachte der Mann widerlich auf. Einen kurzen Moment lang konnte Euamellin im Widerschein einer Fackel den Raum erkennen. Dann fiel die Tür wieder ins Schloss und Euamellin war allein im Dunkeln.

Dienstag, 2. April 2013

Kult- und Opferplätze bei den Kelten

Wie verehrt man die Götter der Eisenzeit? Genaue zeitgenössische Beschreibungen sind leider nicht überliefert, folgt man den archäologischen Hinterlassenschaften, so scheint es zwischen den frühen Kelten und Germanen kaum Unterschiede zu geben. Zu den Göttern der Nordvölker führt dieser Link. Keltische Götter verehrt man an unterschiedlichen Plätzen und in unterschiedlicher Form, in Menschengestalt jedoch erst ab dem 1. Jh. v. Chr. (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 286).
 
Man verehrt die Götter an „naturheiligen Plätzen“ wie
  • auffälligen Felsen und Berggipfeln (v.a. Brandopferplätze, überwiegend Keramikscherben von Schalen und Schüsseln: Verbrennen des Inhalts, Bitte an überirdische Mächte in Himmel oder Luft),
  • Höhlen, Felsspalten und Schächten (auch mit Sonderbestattung von Toten, Silber-Quinar, Ringschmuck, Perlen, Bernstein, Spinnwirtel: Unterirdische Gottheiten),
  • Mooren und Gewässeropfer, Seen, Quellen, Brunnen, Wasserbecken … (Schwerter [z.B. die rapierartigen Knollenknaufschwerter, die als NUR als Opfergabe belegt sind und nur als Stichwaffe taugen: Rituelle Zweikämpfe oder Händlerwaffen auf dem Flussnetz der Fernhandelsrouten Mitteleuropas?], Dolche, Lanzenspitzen, aber auch Schutzwaffen wie Helme und Teile von Schilden),
in Frauenheiligtümern werden Alltagsgegenstände wie Fibeln, Ringe Glasperlen, Nadeln, Schminktöpfe und Kinderspielzeug geopfert (Initiations- und Fruchtbarkeitsriten?),
 
in Männerheiligtümern überwiegen Waffen und Rüstungsgegenstände, aber auch Haus- und Herdgeräte (Kessel, Feuerböcke), Arbeits- und Schmiedewerkzeug (Äxte, Sensen, Hämmer, Zangen), Blasinstrumente (Carnyx) und Bronzegefäße (Weinschöpfer, Kanne, Eimer) sowie Wagenteile sind vorhanden (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 277-284).
 
Heilige Heine“, ähnlich einem griechischen temnos oder einem italischen lucus sind von Baumgruppen dominierte Orte, an denen die Gegenwart der Gottheit spürbar ist und sich in religiösen Festen offenbart (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 285-286). Die Altaranlagen bestehen aus tiefen Gruben, in die man Opfer wirft und wo man mit unterirdischen Gottheiten in Kontakt tritt, und einer Feuerstelle, an der Teile von Tieren als weitere Opfer verbrannt werden. Da diese Anlagen anfällig gegen Wettereinflüsse waren, werden sie in der Regel zumindest mit einem Baldachin überdacht, der auf Holzsäulen steht und an einen klassischen Tempelbau erinnert (ArchäologischesLandesmuseum 2012, S. 286). Der Altarbereich wird durch eine quadratische Palisade und einem Graben abgegrenzt, deren Schwelle von einem Tor bewacht werden, dass sich zur aufgehenden Sonne öffnet und zur Zeit der Sommersonnenwende eine direkte Linie zum Altar bildet.
 

Was genau und wie die Kelten opferten, zu Speise-, Weihe- und Menschenopfern sowie zum Schädelkult, szeht im Post Riten und Kulte bei den Kelten.

Mittwoch, 13. März 2013

Essen und Trinken bei den Kelten

Wie sitzt man in der Eisenzeit zu Tische und was isst man bei den Kelten? Antike griechische und römische Autoren haben meist entweder kein großes Interesse an diesem Thema oder nutzen es, um ein exotisches Sittengemälde von „Nordbarbaren“ zu zeichnen. Auch hierüber kann also nur die Archäologie eine zuverlässige Auskunft geben.
Welche Getreide- Obstsorten und Kräuter angebaut oder gesammelt werden, welche Haustiere man in der Eisenzeit hält und was man aus dem Süden importiert sowie die Tücken von Getreidemühlen aus Sandstein, findet man auf dem Post Ackerbau und Viehzucht bei den Kelten.

Die hier wiedergegebenen Kohlezeichnungen sind den Farbphotos im Katalog der letzten Keltenausstellung nachempfunden, aus einem Artikel von Angela Kreuz, der auch für diese Darstellung grundlegend ist: „Von Ackerbau und Viehzucht. Landwirtschaft und Ernährung“ (Kreuz 2012, S. 78-82).

Nach archäologischen Erkenntnissen überwiegen in der Ernährung der eisenzeitlichen Bevölkerung insgesamt Getreide und andere Feld- und Sammelfrüchte deutlich gegenüber fleischlicher Nahrung – in Regionen mit fruchtbaren Böden werden Rinder und Schafe mehr als Arbeitstiere und zur Wollerzeugung gehalten und nur selten geschlachtet (vgl. Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 106).
Etwa die Hälfte ihres Fleischbedarfs decken die Kelten über Rinder, doch darf Schweinefleisch bei keinem Festmahl fehlen: Durch Einsalzen wird es haltbar gemacht und auf den Märkten Roms als Delikatesse verkauft. Beim Pökeln des berühmten gallischen Schweinefleisches werden Schenkel-, Bauch- und Rückenstücke für etwa 10 Tage in zerkleinertes, salzhaltiges Gestein gelegt, um dem Fleisch das Wasser zu entziehen. Nach dem Pökeln werden die Rohschinken zum Ausreifen in den Luftzug von Stollen gelegt (Stock / Telgenbüscher 2011, S. 36). Auch Fische stehen auf dem Speisplan (nach Athenasios wird Lachs gebacken, mit Salz und Essig oder mit Kreuzkümmel gewürzt), Geflügel gibt es zum Teil auch, manchmal sogar Wild. Hülsenfrüchte bieten einen gewissen Fleischersatz, Emmer, Nacktweizen und Dinkel sind gute Brotgetreide (Kreuz 2012, S. 81).
Hirse und Gerste verwendet man eher für Eintopf, einfache Fladen oder Brei, Gerste hat den höchsten Zuckergehalt und eignet sich zum Bierbrauen (Kreuz 2012, S. 81). Leider sind die Rezepte nicht überliefert. Milchprodukte sind unsicher, Käse aufgrund von Funden spezieller Keramiksiebe wahrscheinlich (Kreuz 2012, S. 81).
 

Zu Tisch bei den Kelten

Samstag, 9. März 2013

Mitteleuropa 63 v. Chr. – „Geopolitischer“ Hintergrund zum ersten Band "Rufus - Donner im Keltenland"

Mitteleuropa 63 v. Chr. Zwischen Haeduern und Sequanern tobt seit Generationen der Kampf um die Vorherrschaft in Gallien. Die zentralgallischen Haeduer, konnten ihren Machtbereich immer stärker ausdehnen, er reicht nun im Süden von der römischen Provincia Narbonnensis am Mittelmeer bis zu den Belgiern im Norden. Die Sequaner, ihre östlichen Nachbarn, konnten dem schließlich kaum noch etwas entgegensetzen. Verzweifelt schlossen sie ein Kriegsbündnis mit den westlichen Nachbarn und alten Gegnern der Haeduer, den Arvernern. Doch die Strategie, die Haeduer in die Zange zu nehmen, misslingt. Zuletzt mussten sie 71 v. Chr. Ariovistos engagieren, den aufstrebenden Heerkönig der Sueben.
            Nach langen Kämpfen herrscht dagegen im Gebiet der Ubier seitdem eine trügerische Ruhe, da Ariovistos mit seinen Sueben seit Jahren in Gallien festsitzt. Der große Stammesverband der Sueben hatte sich in einer Notzeit im Norden entwickelt und davon profitiert, dass der Durchzug der Kimbern und Teutonen die Macht der Kelten und keltisierten Germanenstämme in den deutschen Mittelgebirgen erschüttert hatte. Erstmals militärisch gedrillt, drängen die Sueben nun durch diese Bresche vor. Die Elb-Sueben gelangen im Süden bis hinunter zur Donau und verdrängen nach und nach die Helvetier aus Süddeutschland. Im Südosten kommen sie bis zu den keltischen Norikern im heutigen Österreich. Neueren Forschungsergebnissen zufolge sind die „Germanen“ übrigens längst nicht so bärtig und barbarisch, wie von ihren südlichen Nachbarn angenommen. Die häufigste Grabbeigabe ist das Rasiermesser.
            In besonderem Maß gilt dies für die Ubier, einen längst keltisierten Stamm. Die Sueben haben die ehemals vorherrschenden Ubier räumlich zwischen den Rhein beim Neuwieder Becken, im Osten bis zur Gegend um Amoeneburg und im Süden bis zum Main und dem nördlichen Taunusrand eingeschränkt und tributpflichtig gemacht. Zur Kontrolle der Ubier und zur Absicherung der Tribute werden suebische Chatten in ubischem Gebiet angesiedelt. Es kommt jedoch schnell zu einer kulturellen und politischen Angleichung der mitwohnenden Chattengruppen (der Romanheld Euamellin / Rufus stammt von einem chattischen Vater und einer ubischen Mutter). Die germanischen Ubier verfügen über faszinierende zivilisatorische Errungenschaften: Der Stamm wohnt z.T. in städtischen Siedlungen (Oppida), prägt eigene Münzen und nutzt Schriftlichkeit, zumindest unter dem Adel und den Fernhändlern. Führende Persönlichkeiten verfügen über eine ausreichend große Menge an Schiffen, um Julius Caesar 55 v. Chr. den Transport des gesamten Heeres über den Rhein anbieten zu können. Für das gleiche Jahr ist ein Vertragsverhältnis belegt, das mit der Stellung ubischer Geiseln an Caesar besiegelt wird. Vermutlich werden Kinder von Adligen nach Rom gebracht. Als einer der ersten germanischen Stämme treiben die Ubier regen Handel mit den Römern und geben ihnen ihre Söhne in die Ausbildung.
            Unter dem kontinuierlichen Ansturm der Sueben und der Unterbrechung der Handelsrouten und Absatzmärkte bricht die Oppida-Kultur in der Mitte und im Süden Deutschlands allmählich zusammen. Ariovistos baut sich eine riesige Gefolgschaft auf und setzt sich an die Spitze der Suebenstämme. Doch er stürzt sich im Sold der Sequaner gegen die übermächtigen Haeduer jenseits des Rheins in ein ungewisses Abenteuer. Seit 71 v. Chr. muss er in Gallien ständig um die Existenz seiner Truppen und Bündnispartner kämpfen. Sobald seine Kontrolle im Osten nachlässt, schwindet auch seine heerkönigliche Zwangsgewalt über die Stämme. Die meisten von ihnen versuchen, die elbsuebische Vorherrschaft abzuschütteln. Doch wider Erwarten kann sich Ariovistos im Westen behaupten und fügt den Haeduern schwere Verluste zu. Er erhält dafür ein Drittel des Landes der Sequaner und hat nun eine starke Machtbasis im Elsass und freie Hand, die Stämme in seinem Rücken wieder fester an sich zu binden. Ariovistos lässt zahlreiche hochrangige Geiseln tributpflichtiger Stämme in Gallien bei den Sequanern unterbringen und beginnt, diplomatische Beziehungen quer durch Europa zu knüpfen.


 

Freitag, 8. März 2013

7. Die Feurigen. Leseprobe aus "Donner im Keltenland"

Hier nun ein Auszug aus dem siebten Kapitel von Rufus - Donner im Keltenland. Die folgenden Links führen zu den Leseproben aus dem ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Kapitel.
Wie immer freue ich mich über jede Anregung und jeden Kommentar!
 
7. Die Feurigen
[Euamellin wird zufällig von Henakian, dessen Mission gescheitert ist, vor dem Ertrinken gerettet und verkleidet. Als sie auf einen Händlerzug Suartos treffen, soll Euamellin erst einmal mit diesem zu den Haeduern. Dort wäre er fürs erste in Sicherheit.]
[…]
            Nach ein paar Tagen fand sich Euamellin in Bibracte bereits gut zurecht, […] doch eingesperrt in einem fremden Haus spürte er das Heimweh nur umso stärker. […] Einen Abend später sollte jedoch noch ein unerwarteter Trost hinzukommen.
 
            Euamellin stand gerade an der Tür, durch die Troc und Hagr, zwei von Suartos Kriegern, mehrere Kisten schleppten. Vielleicht konnte er ja irgendeine interessante Ware kennen lernen, wenn die Kisten direkt in Suartos Haus und nicht in Suartos Lager gebracht wurden. Mit dem Anblick, der sich Euamellin nun bot hatte er jedoch nicht im Traum gerechnet: Ein schneeweißer Arm mit gläsernen Armreifen schob sich anmutig durch die Türöffnung, weich und gerade. Dann folgte der schlanke Zeigefinger einer weiteren Hand mit bemaltem Nagel und winkte einladend. Euamellin stand da wie angewurzelt. Ein nacktes Bein wand sich unter dem Klingeln von Glöckchen ins Innere des Raumes. Sprachlos und mit offenem Mund beobachtete Euamellin das Schauspiel. Schließlich verschwanden Arme und Bein und es zeigte sich der lausbubenhaft lächelnde Kopf eines ungefähr sechzehn oder siebzehn Jahre alten Mädchens mit langen hellbraunen Haaren, die zu langen Zöpfen geflochten waren. „Nanu, wer bist du denn?“, fragte sie, während ihre dunklen Augen voller Lebenslust aufblitzten. Euamellin stand immer noch regungslos vor dem Kopf in der Türöffnung. „Hallo? Du kannst doch sprechen, oder?“ „Ich äh, äh…“, stammelte Euamellin verwirrt. Das Mädchen senkte ihre dunklen Brauen. Um ihren glänzenden Schmollmund bildeten sich zwei schelmische Grübchen. Dann tanzte sie schlängelnd herein und ihr grünkariertes Kleid wehte hin- und her. „Na, mein lieber »Ich-äh-äh«, kommst du vom Stamm der »Ähm-och-ähs« oder hast du noch nie eine Frau gesehen?“ Euamellin versuchte sich wieder zu sammeln. „Milmass“, brachte er jedoch nur heraus. Hilflos und verlegen wurde er von der Fremden umtanzt, die lasziv mit ihrem bunten Schleier spielte. „»Schönes wildes Tier«? Meinst du mich“, fragte sie mit einem kehligen Lachen. Sie zeigte mit dem Zeigefinger auf seine Brust. „Oder ist das dein richtiger Name? Kannst du zu einem richtigen Tier werden, mein Kleiner?“ Milmass setzte sich neben Euamellin auf die Hinterpfoten und bellte anerkennend.

Samstag, 2. März 2013

Ackerbau und Viehzucht bei den Kelten

Wie funktioniert bei den Kelten die Landwirtschaft? Um das herauszufinden, reicht das Kerngebiet der klassischen Archäologie nicht aus, „hier liegt der Ansatzpunkt für archäobiologische Untersuchungen.“ (Kreuz 2012, S. 78). In gewachsenen Mooren kann man Bohrkerne entnehmen, die Profile antiken Pollenfluges liefern (besonders schöne Farbprofile zeigt der Artikel von Manfred Rösch und Elske Fischer, Mensch und Umwelt. Natur- und Kulturlandschaft, in: Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 83-87). So kann man Rückschlüsse auf Entwaldung, Nutzflächen, Weide- und Anbaugebiete ziehen. Selbst Holzkohlereste in den Proben können ausgewertet werden und verraten Zeiten erhöhter Brandrodung oder auch in Deutschland eine mehr als auffällige Spitze zur Zeit der Germanenkriege. Jedenfalls verändert der Mensch schon vor der Zeit der Kelten massiv seine Umwelt durch Rodung und Anlage von Kulturlandschaften, von unberührter Natur kann keine Rede mehr sein. (ebd., S. 87)
Die Kelten können so auch in den Randgebieten auf mehrere Arten Sommer- und Wintergetreide zurückgreifen, auf Hülsenfrüchte, Öl- und Faserpflanzen (Kreuz2012, S. 78, aus demselben Artikel auch die folgenden Angaben). Eine Ausweitung gleichzeitig genutzter Kulturpflanzen verringerte das Risiko von Fehlernten und die Feldarbeiten werden günstiger über das Jahr verteilt. Als im Frühjahr ausgesäte Sommerfrüchte werden
  • vierzeilige Spelzgerste,
  • echte Hirse,
  • die Weizenarten Emmer und Dinkel (unreif Grünkern),
  • Einkorn und
  • Nacktweizen angebaut,
  • Hafer und Roggen (im rechtsrheinischen Raum nur vereinzelt),
  • Kolbenhirse (in Gallien und den südlichen Gebieten des Alpenvorlandes),
  • Hülsenfrüchte wie Erbse, Linse, Ackerbohne und Linsenwicke,
  • Leindotter, Lein, Hanf und Mohn (zugleich Nahrungsmittel, Öl- und Heilpflanze: Schmerzmittel Opium) als Öl- oder Faserpflanzen,
  • Sellerie (die Früchte wurden als Heilmittel bei Verdauungsstörungen und Erkrankungen des Harntrakts genutzt),
  • Gefleckter Schierling und schwarzes Bilsenkraut (als Heilpflanzen).