Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Samstag, 2. März 2013

Ackerbau und Viehzucht bei den Kelten

Wie funktioniert bei den Kelten die Landwirtschaft? Um das herauszufinden, reicht das Kerngebiet der klassischen Archäologie nicht aus, „hier liegt der Ansatzpunkt für archäobiologische Untersuchungen.“ (Kreuz 2012, S. 78). In gewachsenen Mooren kann man Bohrkerne entnehmen, die Profile antiken Pollenfluges liefern (besonders schöne Farbprofile zeigt der Artikel von Manfred Rösch und Elske Fischer, Mensch und Umwelt. Natur- und Kulturlandschaft, in: Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 83-87). So kann man Rückschlüsse auf Entwaldung, Nutzflächen, Weide- und Anbaugebiete ziehen. Selbst Holzkohlereste in den Proben können ausgewertet werden und verraten Zeiten erhöhter Brandrodung oder auch in Deutschland eine mehr als auffällige Spitze zur Zeit der Germanenkriege. Jedenfalls verändert der Mensch schon vor der Zeit der Kelten massiv seine Umwelt durch Rodung und Anlage von Kulturlandschaften, von unberührter Natur kann keine Rede mehr sein. (ebd., S. 87)
Die Kelten können so auch in den Randgebieten auf mehrere Arten Sommer- und Wintergetreide zurückgreifen, auf Hülsenfrüchte, Öl- und Faserpflanzen (Kreuz2012, S. 78, aus demselben Artikel auch die folgenden Angaben). Eine Ausweitung gleichzeitig genutzter Kulturpflanzen verringerte das Risiko von Fehlernten und die Feldarbeiten werden günstiger über das Jahr verteilt. Als im Frühjahr ausgesäte Sommerfrüchte werden
  • vierzeilige Spelzgerste,
  • echte Hirse,
  • die Weizenarten Emmer und Dinkel (unreif Grünkern),
  • Einkorn und
  • Nacktweizen angebaut,
  • Hafer und Roggen (im rechtsrheinischen Raum nur vereinzelt),
  • Kolbenhirse (in Gallien und den südlichen Gebieten des Alpenvorlandes),
  • Hülsenfrüchte wie Erbse, Linse, Ackerbohne und Linsenwicke,
  • Leindotter, Lein, Hanf und Mohn (zugleich Nahrungsmittel, Öl- und Heilpflanze: Schmerzmittel Opium) als Öl- oder Faserpflanzen,
  • Sellerie (die Früchte wurden als Heilmittel bei Verdauungsstörungen und Erkrankungen des Harntrakts genutzt),
  • Gefleckter Schierling und schwarzes Bilsenkraut (als Heilpflanzen).
Getreidemühlen sind für jeden Haushalt notwendig, in der großen Handelsmetropole Manching bestehen sie meist aus Sandstein, so dass es durch Abrieb der Steine zu Zahnabrieb und Karies kommt (Stock / Telgenbüscher 2011, S. 100-101). Außer wenn die Hand- oder Großmühlen aus Vulkangestein sind, der sich z.B. im Neuwieder Becken des Ubiergebietes reichlich findet. Ein Grund, warum die Ubier durch Handel aufsteigen konnten: Getreidemühlen aus Vulkangestein sorgten für Brot und Getreidebrei ohne Karies und werden weit gehandelt.
Erntegut wird mitunter zentral gelagert und verteilt, um der umfangreichen Vorratswirtschaft zur Ergänzung des saisonalen Angebots zu genügen, in speziellen Erdgruben oder Speichergebäuden (Kreuz 2012, S. 78). Verderbliches wird in großen Vorratsgefäßen, Körben oder Säcken aufbewahrt.
Man findet verkohlten Mäusekot in den Proben, man merkt, dass die Hauskatze bisher nur in Ägypten auf Mäusefang geht. Archäozoologische Untersuchungen belegen als Haussäugetiere vor allem
Neben der Stallhaltung ziehen auch Tierherden mit Hirten durch die Wälder, in denen
  • Kräuter,
  • Pilze,
  • Nüsse und
  • Beeren gesammelt werden,
  • Fische und Muscheln fängt man in den Gewässern der Umgebung.
  • Wildtiere kommen selten auf den Tisch der einfachen Bevölkerung,
werden aber gelegentlich gejagt und liefern zusätzliches Fleisch, Leder und Horn. Allein in den 39 eisenzeitlichen Fundstellen in Hessen fand man 129 Arten von essbaren Sammelpflanzen, wie
  • Himbeere,
  • Haselnuss,
  • Schwarzer Holunder,
  • Erdbeere,
  • Hagebutte,
  • Wild-Apfel,
  • Schlehe,
  • Wild-Birne,
  • Wilde Möhre,
  • Malve,
  • Feldsalat,
  • Katzenminze und
  • Johanniskraut (Kreuz 2012, S. 80).
Die Kelten nutzen Gärten sowohl für Gemüse- und Gewürzpflanzen als auch für Obstbäume und Beerensträucher (Archäologisches Landesmuseum 2012, S. 110), doch gegenüber der Römerzeit mit bescheidenem Arteninventar:
  • Dill,
  • Petersilie,
  • Sellerie,
  • Gartenmelde,
  • Birne,
  • Süßkirsche,
  • Feige und
  • Walnuss (bisher jedoch nur ein einziges Pollenkorn aufgefunden).
Poseidonios überliefert dass die Kelten weder Wein noch Olivenöl produzieren, Wein wird importiert. Reste von angekokeltem Tannenholz aus dem Süden sprechen für Import in großem Stil in Holzfässern, nicht nur in Amphoren, die man ebenfalls zu Hauf fand. Bis nach Baden-Württemberg sind Importe von
  • Wein und Weintrauben,
  • Koriander,
  • Olivenöl
  • Feigen und
  • Pflaumen archäobotanoisch bestätigt.
In der Oberschicht galt es jedoch sicher als »schick«, solche Luxuswaren nach mediterranem Vorbild bei Festen und Gastmählern anzubieten.“ (Kreuz 2012, S. 82).Salz wird übrigens bereits in frühkeltischer Zeit in Salinen ober und unterirdisch abgebaut. Keltische Überreste in tiefen Salzstollen lassen den Wohlstand der Bergleute erkennen: Bis zur Zeitenwende ist Salz kostbarer als Gold, da es unverzichtbar zum Konservieren tierischen Eiweißes, das Würzen von Speisen und für Gerbereien ist (Stock / Telgenbüscher 2011, S. 36).
Außerdem bauten die Kelten zum Färben ihrer farbenprächtigen Gewänder die Pflanzen Färber-Waid (blau), Färber-Resede (gelb, oliv, grün) und Färber-Kamille an (ArchäologischesLandesmuseum 2012, S. 110). Zu Mode und Körperpflege der Kelten und Germanen geht es hier.
 
Und wie hat man in der mitteleuropäischen Eisenzeit nun gekocht und welchen Tischsitten folgte man? Dazu mehr in einem späteren Post, zu Tisch bei den Kelten geht es hier. 

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