Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Freitag, 9. August 2013

pecunia: Antike Münzen, Preise und Steuern

Preise
Die römische Finanzwirtschaft stützt sich auf eine silberbasierte Grundwährung und der Sesterze (sestertius, abgekürzt: HS) als Rechnungsnominal (siehe unten) -  es gibt aber auch ein für die damalige Zeit erstaunlich gut entwickeltes Bankenwesen mit einer Art Wechsel und Schecks, das vor allem bei größeren Beträgen den Transport riesiger Münzmengen erübrigt.
Folgende Übersicht mischt zwar leider etwas die Jahrhunderte, bietet aber einen breiten Überblick in absteigender Preislage:

Im antiken Rom kostet…
Sesterzen (HS)
Gesamter Baupreis Caesars für den Baugrund nördlich des Forum  Romanum         
 100.000.000 HS
Grundstückspreis nördl. Forum Romanum (aufgekauft von Caesar)
60.000.000 HS
Barbesitz des M. Licinius Crassus Dives im Jahr 53 v. Chr
21.300.000 HS
Luxus-Anwesen des (bestechlichen) Aemilius Scaurus
14.800.000 HS
Luxusanwesen im Argiletum, gekauft vom Konsul M. Messalla am 25. Januar 61 v. Chr. (→ Cicero,ad Att. 1,13)
13.400.000 HS
Anwesen des Crassus in Rom
6.000.000 HS
Anwesen in Rom (Cicero, ad fam.5,6,2)
3.500.000 HS
Grundstückspreis für großes Grabmahl an belebter Ausfallstraße
ab 1.000.000 HS
Haus im Argiletum, gekauft von Q. Cicero (→ Cicero, ad Att. 1,14)
966.667 HS
Sklaven Freilassung 1.Jh.n.Chr. (Plinius.n.h. 7,129)
700.000 HS
– 13.000.000 HS
(Provinz-)Tempel zur Zeit Hadrians
300.000 HS
 - 600.000 HS
Neubau eine Meile römsiche Fernstraße 
500.000 HS

1 Pfund erlesene und mit dem kostbarsten Purpur-Rot seltener Purpurschnecken gefärbter Seidenstoffe

400.000 HS
1 Löwenjagd für protzerische Spiele in Rom
400.000 HS
1 Meile Reparatur der "Königin der Fernstraßen"  via Appia im 2. Jahrhundert n. Chr.
100.000 HS
1 edles Zuchtross
100.000 HS
Latein- & Griechischlehrer Jahresgehalt (Elitebildung)
100.000 HS
Freikauf eines Sklaven 2.Jh.v.Chr.(→Plautus, aulularia309-310)
1Talent/ 30.000 HS
Jahresmiete Luxusappartement (des M.Caelius)
10.000 HS
1 Koch als Sklave
über 4.800 HS
1 durchschnittlicher Sklave
ab 4.000 HS
Jahresmiete (gehobene) Mietwohnung
3.000 HS
- 4.000 HS
Prätorianer Jahresgehalt
3.000 HS
1 billiger Sklave (noch unter Augustus)
ab 2.000 HS
Jahresmiete (einfache) Mietwohnung
2.000 HS
1 Sklave im gallischen Krieg (Atuatucer en Bloc: Massenware ohne Eignung, Einkaufspreis in Gallien)
1.604 HS
1 (durchschnittliches) Pferd
1.600 HS
Elementarlehrer Jahresgehalt (Grundausbildung)
1.000 HS
Handwerker (3 HS Tagessatz) Jahresgehalt
918 HS
Sold eines Legionärs, Jahresgehalt (ab Kaiserzeit)
900 HS
     [Tagessold (Caesar vor 52 v. Chr.)]
[5 Ass
/ Jahr: 465 HS]
     [Tagessold (Caesar ab 52 / 51 v. Chr.)]
[10 Ass
 / Jahr 913 HS]
1 Rind
800 HS
1 Maulesel
520 HS
Jahresmiete billige Zimmerwohnung in einer Mietskaserne
500 HS
1 Paar modische Damen- Stiefel
80 HS
1 qm Straßenpflaster
74 HS
1 Paar gute Stiefel
60 HS
1 Cena (schickes Abendessen) für 3 Personen (→ CIL IV 5380) im Lokal
15 HS
1 kg Fleisch (Schwein)
12 HS
-24 HS
1 kg Fleisch (Rind)
12 HS
-24 HS
9 kg Korn
4 HS
1 Tageslohn eines Handwerkers
3 HS
1 Mittagessen in einem Lokal in Aesernia (→ CIL IX 2689)
3 HS
1 Tagessold Legionär (52/51 v. Chr. von Caesar verdoppelt)
10 Asse
(= 2½ HS)
1 l guter Wein
2 HS
1 Prostituierte im Restaurant in Asernia
8 Asse
(= 2 HS)
1 großer Laib Brot bester Qualität  (evtl. 4kg schwer)
8 Asse
(= 2 HS)
1 kg hochwertiges Brot
½ HS
1 Tagessold Legionär (vor 52 v. Chr.) → Jahressold: 465 HS
5 Asse
(= 1¼ HS)
1 Maß Falerner (Spitzenwein)
1HS
1 Portion Sauce im Restaurant in Asernia
3 Asse
(= 0,75 HS)
1Tagesration Futter für ein Maultier
 (Asernia, wie oben)    
2 Asse
(= ½ HS)
1 einfache Mahlzeit
2 Asse
(= ½ HS)
1 Maß Wein
1 As
(= ¼ HS)
1 Laib einfaches Brot (Großbäckerei)
1 As
(= ¼ HS)
 (Asernia, wie oben)
1 As
(= ¼ HS)
1 As
(= ¼ HS)
1 Besuch einer uralten Therme (→ )
¼ As
(= 0,06 HS)
 
Eine genaue Übertragung des Geldwertes auf unsere Zeit ist nicht möglich, da einige Waren sehr viel teurer sind als heute, andere sehr viel billiger. Lebensmittelknappheit gibt es immer wieder, entsprechend steigen dann die Kornpreise. Ab 2 HS kann man den täglichen Lebensbedarf bestreiten - zumindest die Grundbedürfnisse.
Nimmt man aber einerseits die Löhne und die Preise der Lebensmittel, andererseits die Immobilienpreise, so kommt man auf ungefähr 10 € pro Sesterze (HS) als Richtwert. Zum Vergleich: Für eine kleines Haus in Paris ("Zentrum des Franzosenuniversums“) zahlt man gerade ab 10.000.000 €, Quintus Cicero zahlt für ein kleines Haus in Rom ("Zentrum des Römeruniversums“) im Argiletum (dem Bezirk in der Talsenke nördlich vom Oppium vom Forum bis zur Subura) fast 1.000.000 HS → 1 HS = 10 Euro => 10.000.000 €

„Währung“

Montag, 22. Juli 2013

III. Tirocinium. Leseprobe aus "Geheimnisse in Rom"

Es folgt ein Auszug aus dem dritten Kapitel (Band 2). Folgende Links führen zum ersten und zweiten Kapitel. Anregungen und Kommentare sind wie immer erwünscht (Rufus.in.Rom@gmail.com)...!

Kapitel III: Tirocinium
            […] Das kalte Wasser im Waschraum half zum Wachwerden - nur komisch, dass die Römer offenbar keine Seife kannten. Rasch ging es hinüber zur Bibliothek, denn ab jetzt stand für Rufus Unterricht bis zum Nachmittag auf dem Tagesprogramm, zusammen mit den anderen Kindern des Hauses. Die lateinische Schrift gelang ihm immer besser, doch Crispus war nicht leicht zufrieden zu stellen. Als Rufus nur kurz eindöste, brüllte ihn Crispus gleich an. „Du bringst mich noch so weit, dass ich Aristoteles Meinung über die Barbaren teile! Hoch mit dir und lerne, bei Minerva!“ Was hatte Aristoteles denn über die Barbaren geschrieben? Nichts Gutes, vermutlich. Rufus versuchte besser aufzupassen, doch er war immer noch so müde. Wann hatte er zuletzt auch richtig ausschlafen können? Und diese Korbsessel waren so gemütlich. Man konnte bequem seinen Kopf anlehnen…
            Plötzlich schoss er in die Höhe. „Ja Rufus, du möchtest etwas beitragen, zu Polybios Sicht auf die römische Verfassung oder dazu, wie auf dem Forum Romanum Politik gemacht wird?“ Fabiulla kicherte. Dieses kleine Biest! Sie hatte Rufus mit ihren Zehen am Bein gekitzelt. „Politik?“ „Ja Politik. Bei Minerva, sag mir nicht, dass du nicht weißt, was Politik ist! Worüber reden wir eigentlich schon den ganzen Morgen auf ausdrücklichen Wunsch von Quintus? Politik! Werden in eurem Stamm etwa keine Debatten über das Staatswohl geführt, keine wichtigen Entscheidungen getroffen, keine Gesetze erlassen?“ „Nun ja, bei uns zu Hause gibt es die Thingstätte für allgemeine Beratungen - und den Ältestenrat.“ Crispus fuhr sich durch seine blonden Locken und seufzte. „Immerhin etwas. […]

[…]

            Zur großen Freude von Fabia und Fabiulla führte sie ihr Weg […] die Via Sacra entlang. […] Dazwischen wetteiferten elegante Läden dicht gedrängt um eine exklusive Kundschaft. Fabia und Fabiulla konnten sich gar nicht sattsehen. Immer wieder schlugen die Mädchen den Vorhang der Sänfte zurück, um besser zwischen den Köpfen der Klienten und ehemaligen Gladiatoren des Quintus, die sie umringten, hindurch sehen zu können. Angespannt und allzeit bereit bildeten diese einen sicheren Schutzwall im unübersichtlichen Gedränge. Fabiulla streckte sogar öfters ihren Kopf heraus, was sich anscheinend nicht ziemte. „Fabiulla nicht! Disziplin und Anstand. Denk an den mos maiorum!“ Doch mit dem ständigen Hinweis auf die Vorvätersitte konnte Agatha Fabiulla nicht überzeugen. Die Sklavin saß ebenfalls in der Sänfte und versuchte vergeblich, Fabiulla zu korrektem Verhalten zu überreden. Vor Larcia hätte sich Fabiulla das wahrscheinlich nicht getraut, vermutete Rufus, der mit Lucius und Quintus neben der Sänfte einher ging. Quintus jedoch grinste nur und lächelte seinen Töchtern zu, wenn er nicht gerade andere Togaträger auf dem Weg grüßte. Notfalls flüsterte ihm sein Sekretär Apollonius den Namen des Passanten rechtzeitig ins Ohr.
            Was an diesen Läden nur so spannend sein sollte? Wahrscheinlich waren sie teuer, denn die Fenstergitter waren mit zahlreichen Zacken und Spitzen versehen. Manche hatten sogar eine Vorrichtung, um den Arm eines unvorsichtigen Diebes einzuklemmen. Rufus interessierte die feine Ware der Geschäfte jedoch weniger: Schmuck, Kleider, feingewebte Tücher, Gold- und Silbergeschirr, Frauenkram… nicht eine einzige Waffenschmiede war dabei. „Weshalb heißt das eigentlich »die heilige Straße«?“, fragte er Lucius. Dieser sah ihn schräg an „Komisch, das habe ich mich auch gerade gefragt. Auf der Via Sacra wird so manches begangen, Taten und Untaten. Auch Straftaten und sogar Freveltaten.“ Lucius stieß an eine Gehwegkante und musste stolpern. „Verfluchter…! - Eigentlich passt der Name ganz gut“, kicherte er schließlich. „»Sacer« bedeutet ja beides, »heilig« und verflucht.“ Rufus schaute sich angestrengt um, konnte jedoch nichts Übernatürliches entdecken. Stattdessen wurde eifrig getratscht und Geschäfte gemacht, manch edle Dame ließ gleich mehrere Sklaven ihre Einkäufe in Taschen und Körben herumschleppen. „Bei Minerva, bist du blöd!“, rief Fabiulla ihrem Bruder zu. „Jeder weiß doch, dass alle Prozessionen der heiligen Feste in der Via Sacra gefeiert werden. Und zu den Tempeln muss man auch hier lang. Und die gewaltigen Triumphzüge der siegreichen Feldherren gehen auch alle hier durch, bis hinauf aufs Kapitol…“ „Woher willst du kleine Maus denn das wissen?“ antwortete Lucius. „Ein Triumphzug ist nichts für Frauen – außerdem bist du sowieso noch zu klein!“ „Gar nicht, Bäh!“
            Inzwischen bogen sie auf einen größeren Platz ein, von dem aus man schräg links wieder die blitzenden Tempel und Statuen des Kapitols erkennen konnte, auf den die Via Sacra schnurgerade zulief. Ein langgestrecktes hohes Gebäude verwehrte jedoch den direkten Blick. Plötzlich hörten sie lautes Geschrei direkt nebenan: „Catilina – Catilina – Catilina“, johlte die Menge. Rufus konnte gerade noch sehen, wie eine ganz in weiß gekleidete Frau hinter den hohen Eichentüren eines zweigeschossigen Anwesens verschwand. Ein Mann, der sie begleitet hatte, schwang drohend ein Rutenbündel vor der Menge und schimpfte. Ein schlecht unterdrücktes Lächeln zeigte jedoch, dass die Frau den frenetischen Jubel genossen hatte. Dann war auch schon wieder Ruhe. Nur ein paar Menschen betraten und verließen mit winzigen Kohlebecken den kleinen Rundtempel, der vor dem prunkvollen Anwesen lag, in dem sie verschwunden war. Quintus verzog angewidert das Gesicht. „Zum Glück wird sie bald dreißig“, grummelte er. „Was war das denn?“, wunderte sich Rufus. Lucius stöhnte. „Tante Fabia – eine Vestalin. Sie soll mal etwas mit Catilina gehabt haben. Ein schwerer Vorwurf, zum Glück wurden beide frei gesprochen, sonst hätte der Prozess für beide den Tod bedeuten können - wegen Religionsfrevel. Aber die Anhänger Catilinas grüßen sie seitdem auf ihre Weise.“

Montag, 8. Juli 2013

De aquis et vino: Trinkwasserversorgung und Weinkunde für das alte Rom

Aquädukte und Wasserversorgung Roms - Weinsorten
Roms Aquädukte, Trinkwasser- und Brauchwassersystem, uva Romana
Trinkwasser

Eine der beeindruckenden Leistungen der alten Römer ist ihr Geschick im Bau von Wasserleitungen. Im Gewirr römischer Straßen mit ihren Bürgersteigen und zebrastreifenähnlichen Übergängen gluckern überall Brunnen mit frischem Trinkwasser. Und nicht nur die besseren Familien verfügen über einen eigenen Anschluss an eines der zahlreichen Aquädukte, deren Gesamtlänge 351,6 km beträgt (jedoch nur 47,4 km werden oberirdisch verlegt, vgl. Evans 1992). Mit Hilfe der Schwerkraft und Druckleitungen wird das Wasser durch geschlossene Röhren (specus, rivus) von der Quelle zum Verteilertank (castellum) geführt, mehrere Sedimentstanks (piscinae) dienen zur Reinigung. Die älteren Theorien, das Wasser aus den Leitungen habe die alten Römer mit Blei vergiftet, sind nichts als ein Mythos: Zwar finden auch Bleirohre Verwendung, genaue Analysen haben jedoch nachgewiesen, dass das Blei römischer Rohre an der Oberfläche schnell oxidiert und zusätzlich mit Sediment überzogen wird. In den erhaltenen Knochen kann keine besondere Belastung mit Blei nachgewiesen werden. Durch die piscinae werden übrigens auch andere Schadstoffe ausgefiltert. Die Aquädukte liefern täglich über 1.010.623 Kubikmeter sauberes Trinkwasser! Dabei ist Rom zusätzlich reich mit natürlichen Brunnen und Zisternen gesegnet. Wasser gibt es so stets im Überfluss und der Wasserverbrauch ist dementsprechend hoch (nach Forbes 1955, S. 167):
  • Im Jahr 50 v. Chr. verbraucht Rom täglich 750 Liter pro Kopf,
  • 300 n. Chr. sogar  1136 Liter täglich (1936 nur noch 578, etwa die Hälfte).
Zum Vergleich:
  • In London und Paris sind es im Jahr 1823 n. Chr. lediglich 11 Liter pro Kopf am Tag (Forbes 1955, S. 167),
  • 1936 n. Chr. in London 136 Liter, in Leipzig zur selben Zeit nur 76 Liter (für Paris gibt es zu dieser Zeit keine Angaben, doch hat auch heute noch nur jeder dritte Einwohner in Paris ein eigenes Bad. Manche Leute meinen, daher käme der typische Geruch in der Metro…
  • Stuttgart, eine Stadt mit unzähligen Brunnen und Schwimmbädern, verbraucht 2010 n. Chr. nur 124 l pro Kopf (Statistisches Amt 2013) – und das obwohl im Stadtteil Bad Cannstatt das Wasser der Bäderbetriebe ständig aus dem Überlauf direkt in den Neckar blubbert. Den Ergebnissen des Hauptseminars „Phänomenologie einer antiken Großstadt“ von Prof. Dr. Frank Kolb zufolge (Tübingen SoSe 1998) ist Stuttgart übrigens bezüglich der Einwohnerstruktur bestens mit dem Rom des Jahres 63 v. Chr. zu vergleichen: Erst in den folgenden Jahrzehnten wächst Rom zur Millionenstadt heran….           
             Als Getränk der einfachen Bevölkerung dient fast ausschließlich Wasser, doch wird es in einer nicht zu beschreibender Vielfalt an Gläsern Kelchen, Phiolen (Schalen mit Griffmulden) etc. getrunken - zum Einschenken dient ein einhenkliger Krug (vgl. Gerlach 2001, S. 40). Beim Frühstück nehmen (fast) alle Römer Wasser zu sich, Wein war früher sogar für Frauen, Kinder und Jugendliche generell verboten und bei Zuwiderhandlung ein legaler Grund, vom pater familias hingerichtet zu werden.

Antiker Wein 

            Kriterien für die Weinbeurteilung sind Farbe, Duft und Geschmack. Getrunken wird antiker Wein möglichst kühl und verdünnt (Gerlach 2001, S. 68), für jeden in individuellem Mischungsverhältnis mit Wasser gereicht (ebd., S. 73)
            Gelagert wird guter Wein zu Hause in eigenen Weinkellern, wovon Horaz in seiner Satire 2,8 spricht - vermutlich handelt es sich dabei um Eiskeller, wie sie zur Aufbewahrung von Lebensmitteln auch in Deutschland vor der Erfindung des Kühlschranks üblich waren (vgl. auch Gerlach 2001, S. 75). In Rom wird auch Schnee vom Apenin oder aus den Hängen des Vesuvs in Blöcke gepresst, damit wer es sich leisten kann, den Wein auch im Sommer gekühlt zu sich nimmt.

Weinsorten des alten Rom

Sonntag, 30. Juni 2013

familia: Die römische Familie – Rechte, Pflichten, Struktur


cb Römische familia: Stellung der Familienmitglieder ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
Zu einer römischen familia zählen alle Mitglieder des Haushaltes, Mann, Frau, Kinder und Sklaven. Kinder und Sklaven haben übrigens fast die gleichen Rechte und Pflichten – mit einer Ausnahme: Kinder gelten vor dem Gesetz nicht als Sache. Sie wachsen gemeinsam auf und werden ohne Unterschied als liberi bezeichnet (Kinder und/oder Sklaven) – meist schlafen sie im selben Zimmer. Auch müssen die Kinder den Sklaven gehorchen, denen die Eltern Anweisungen geben, insbesondere den Erzieher(inne)n, Ammen und Lehrern. Gerade Lehrer-Sklaven bekommen häufig von den Eltern die Anweisung, ihre Kinder ordentlich durchzuprügeln, wenn sie faul, frech oder unverständig sind. Mitunter verrichten die Kinder gemeinsam mit den Sklaven dieselben Aufgaben (bis hin zum Putzen und Leeren von Nachttöpfen), wenn im Haushalt viel anzupacken ist, wenig Sklaven vorhanden sind oder die Kinder frech waren. Die Ehefrau und Mutter führt als matrona die Aufsicht über den Haushalt und das Regiment über die Haussklaven, insbesondere der Küche.
            Grundsätzlich hat aber der pater familias das Sagen. Er besitzt mit der patria potestas nicht nur die Verantwortung für die gesamte familia sondern auch eine allumfassende Strafgewalt, die ihm bis in die Kaiserzeit hinein erlaubt, sämtliche Strafen an seinen Familienmitgliedern zu vollziehen, selbst die Todesstrafe – allerdings nur, wenn zuvor ein schlimmes Verbrechen begangen wurde. Das kommt daher, dass Rom bis Augustus ohne Polizei auskommt, welche Verbrecher aufspüren und einem Gericht überstellen könnte. Dies ist also nur möglich, wenn ein mächtiger Patron das von seinen Klienten übernehmen lässt. Kennt man den Übeltäter, begibt man sich bei kleineren Vergehen im Normalfall direkt zu dessen pater familias, der dann die Bestrafung selbst übernimmt und Entschädigungen auszahlt. Klappt dies nicht zu aller Zufriedenheit, sieht man sich vor Gericht oder der Übeltäter taucht unter.
            Mit der Verantwortung nehmen römische Familienväter für sich auch die Entscheidungshoheit in Anspruch. Minderjährigen Kindern und Sklaven nimmt er meist die Entscheidung ab - sie gelten als nicht reif genug, um für sich selbst sorgen und vorausschauend planen zu können. Bei Männern beginnt um das sechzehnte Lebensjahr mit der Zeremonie der ersten Bartabnahme, der im Jupitertempel auf dem Kapitol niedergelegt wird, ein neuer Lebensabschnitt. Sie gelten nun als erwachsen. Unverheiratete Frauen bleiben sogar ihr Leben lang unter der Gewalt ihres Vaters (bzw. desjenigen, der für sie als Vormund eingesetzt wird). Nur als ehemalige Vestalin erlangen sie vollständige zivilrechtliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit, können danach immer noch heiraten und Kinder bekommen (wie auf mehreren Inschriften zu lesen ist, wie z.B. CIL 6.32414, gestiftet von einer Ordensschwester mit ihrem Sohn) – nicht die Dienstzeit beträgt 30 Jahre, sondern nur ein Dienst bis zum 30 Lebensjahr. Selbst bei ihrer Hochzeit haben sie wenig mitzureden, wenn es ihnen nicht gelingt, ihren Vater um den Finger zu wickeln (was angeblich bei Cicero und dem Diktator Sulla vorkam): Die Väter arrangieren die Hochzeiten, nicht die Liebe. Ausnahmen sind innerhalb der Oberschicht so selten, dass breit darüber berichtet wird. Doch auch beim einfachen Volk sind arrangierte Hochzeiten häufiger als Liebesheiraten.
            Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist aber auch für Männer gegen den Willen des pater familias nicht möglich, eine Karriere ohne Unterstützungen einflussreicher Männer der herrschenden (Groß-)Vätergeneration ist gänzlich undurchführbar. Nicht umsonst kehren viele zornige junge Männer ihren Vätern den Rücken, suchen ihr Glück in der Armee fern der Heimat, schlagen sich gar in den Bürgerkriegen auf die andere Seite, schließen sich dem Rebellengeneral Sertorius in Spanien und seinem Gegensenat an oder folgen blind dem Revolutionär Catilina
            Wie übrigens die Gastfamilie konkret aussieht, in die es den kleinen Germanenjungen in Rom verschlagen hat, zeigt der Post familia: Die Familie der Fabii Sangae.

Sonntag, 23. Juni 2013

Cena und Comissatio: Zu Tische bei feinen Römern

Zubereitet wird das Essen in der Küche, der culina, wo die unterschiedlichsten Küchengeräte bereit stehen. In den meisten Mietwohnungen steht eine Etagenküche für alle Bewohner de Stockwerks zur Verfügung (Gerlach 2001, S. 30). Einfachen Römern dient die Holzkohleglut eines tragbaren Kohlebeckens, meist eines Dreifußes aus Eisen oder Bronze, womit im Winter zugleich geheizt wird – es sei dies ist wegen Brandgefahr untersagt (→ ebd., S. 38), wie in vielen der großen Mietkasernen. Bei mehr Platzbedarf nutzt man auch einen calibanus, einen tragbaren Backofen aus Metall und Ton. In allen größeren Eigentumswohnungen steht ein gemauerter Herd, der furnus. Holzregale, Küchenutensilien, Vorratsgefäße und Tafelgeschirr stehen in der meist eher kleinen Küche bereit, Vorratskammern beherbergen Wein und größere Gewürz- und Speisemengen. Wer nicht auf eine kleine Einzimmer-Mietwohnung beschränkt ist, wird sein Essen jedoch nicht in der Küche einnehmen.
Das Frühstück, ientaculum, wird oft nicht zusammen als Familie sondern meist nur im Stehen und noch vor Sonnenaufgang eingenommen (Gerlach 2001, S. 14; 16): Wasser, Brot, Honig und Datteln reichen den meisten Römern völlig. Ähnlich wie heute in Frankreich wird wenig Wert auf diese Mahlzeit gelegt (Kaffee, Zigarette mit eventuellem Brioche – fertig). Unmittelbar danach beginnt der Arbeitstag.
Beim Mittagessen, prandium, behilft sich der werktätige Römer, der nicht zu Hause arbeiten kann, mit den Garküchen und Imbissbuden oder nimmt sich Brot, Obst und eventuell kaltes Fleisch vom Vortag von zu Hause mit. 
Zu Tische Liegen bei den alten Römern © Gerlinger

         Cena: Ab der 10. Stunde des Tages findet am späten Nachmittag (im Winter) oder gegen Abend DIE zentrale Mahlzeit in der Familie statt, die cena, das Abendessen (vgl. Gerlach 2001, S. 16), wobei man wieder Parallelen zu Frankreich, Italien und Großbritannien erkennen kann. Ein Zechgelage, eine comissatio wird mit Speisen und reichlich Wein erst spät in der Nacht abgehalten. Wer Zeit hat, geht vor einer Abendeinladung in die Thermen. Gegessen wird in vornehmen Häusern in einem eigenen Speisezimmer, dem triclinium (von gr. klinh / klinäh  = Liege bzw. Speisesofa). Außer bei größeren Veranstaltungen wie einem Treffen von Parteifreunden (amici), Hochzeiten, Beerdigungen etc. gilt es als Verstoß gegen die guten Sitten, mehr als acht Gäste einzuladen, damit der Gastgeber auch mit allen Gästen problemlos eine Unterhaltung führen kann. Verteilt werden die Gäste bei einem Gastmahl auf drei Dreier-Liegen, lecti bzw. klinai (bzw. drei mal drei Einzelliegen), die mit dem erhöhten Kopfende voran u- oder kreisförmig um einen zentralen Tisch stehen (siehe Skizze). Seit dem Ende der Republik darf als „neue Sitte“ gelegentlich auch die Ehefrau bei männerdominierten Abendgesellschaften mit zu Tische liegen. Der Tradition entsprechend sollten sie und die Bediensteten eigentlich am freien Tischende auf Stühlen aus Korbgeflecht sitzen (vgl. Gerlach 2001, S. 70; 72) – auf dem üblichen Sitzmöbel bei einem zwanglos-internen Familienessen. Kinder sind nur zugelassen, wenn man unter sich ist (ebd., S. 72). Zur Erheiterung und Unterhaltung werden bei einer zünftigen, einer recta cena Darbietungen von Musikanten, Tänzerinnen, Schauspielern, Clowns und Artisten geboten. Mancher Gastgeber „beglückt“ seine Gäste auch persönlich mit seinen poetischen und musikalischen Neigungen – wie Kaiser Nero mit Leierspiel und Gesang (Gerlach 2001, S. 74). Im Vordergrund steht jedoch immer das Mahl: Die Sklaven tragen von der freien Seite her die Gänge auf:
  • Vorspeisen, Hors d’œuvres, Antipasti (gustatio / gustus / promulsis),
  • Hauptgerichte (mensae primae / cena) und
  • Nachtisch (mensae secundae).

Montag, 17. Juni 2013

Den Römern in den Kochtopf geschaut

In der römischen Küche dominiert eine raffiniert pikante Zubereitung mit süß-saurem Kontrast (Gerlach 2001, S. 40). Zutaten und Gewürze unterscheiden sich dabei nicht grundlegend von den heutigen, auch wenn die Geschmacksintensität und Aromen an Vielfalt durch stetige Züchtung bis heute stark verringert wurde. Das meiste ist recht einfach zu bekommen, notfalls in Gewürzhandlungen. Grundsätzlich bietet sich qualitativ hochwertiges Olivenöl ebenso an zur Verwendung wie Aceto Balsamico di Modena oder anderer guter Weinessig.
In der Antike sind die Zutaten jedoch nicht immer ganz so frisch wie heute – ohne Kühl- oder Gefrierschrank muss man vieles für den Winter haltbar machen: Gemüse wird getrocknet in Gefäße mit Salzlake eingelegt, eventuell zusammen mit Senf, Essig und Gewürzen, oft mit Pfeffer und Dill (Gerlach 2001, S. 64), Fleisch wird gepökelt, ganz Reiche haben nicht nur Eiskeller, sondern lassen auch im Sommer Eis und Schnee von Gebirgszügen wie dem Apennin oder gar den Alpen anliefern, vornehmlich um auch im Sommer ihren Wein kühlen zu können (ebd., S. 68) - Kaiser Nero laut Sueton auch für Eispools (→ Suet.Nero, 27,2) und für ein Speiseeis mit Honig und Gewürzen, das allerdings schon seit dem 6. Jh. v. Chr. bekannt ist. Fischhändler lassen sich Eisblöcke für den Transport nach Rom kommen. Obst wird gedörrt, in Honig eingelegt oder in süße Flüssigkeiten wie Mostsirup getaucht, bisweilen mit heißem Wasser übergossen und kühl eingelagert. Das Essen wird grundsätzlich gegart oder gekocht, seltener gebraten (Gerlach 2001, S. 55) und nichts wird ohne kräftige Soße serviert (ebd., S. 59), vielleicht um den gelegentlichen Mangel an Frische zu übertünchen…
© Zum Domstein Conviva Gastro GmbH
Für die verschiedenen Stufen eingekochten Mostes bzw. Traubensirups caroenum (auf ½ Ursprungsvolumen), sapa (auf 1/4) und defritum (auf 1/6, ausschließlich roter Traubenmost) braucht es Übung, die Herstellung von garum bzw. liquamen stellt eine echte Herausforderung dar. Die experimentelle Archäologie hat, um den Ablauf antiken Kochens und verwendetes Kochutensil zu verstehen, zahlreiche Versuche gut publiziert, die sich vor keiner Zutat scheuen. Aber nicht jeder verfügt über den hartgesottenen Magen eines klassischen Archäologen, der es gewohnt ist, selbst in den abgelegensten Ausgrabungsstätten Anatoliens bei Wind und Wetter mit jeder Form einheimischen Essens zurechtzukommen! Man kann sich an einem zivileren der Rezepte „des“ Apicius versuchen - aber außer, dass dieses Kochbuch ein recht zurückhaltendes Verhältnis zu Mengenangaben und Kochzeiten hat (meist gar keine), bevorzugt es garum als teuren und gewöhnungsbedürftigen Salzersatz:
Garum bzw. liquamen ist obwohl in unterschiedlicher Qualität verfügbar, ein Luxusgewürz, im Preis mit teurem Parfum vergleichbar (→ Plin.nat.hist.31,93). Hergestellt wird es jedoch aus Fischeingeweiden, Makrelen und Sardellen, die man mit Salz und Gewürzen vermischt in dolia, großen fassartigen Amphoren, zwei bis drei Monate in der prallen Sonne in kontrollierter Verwesung„ausreifen“ lässt (das berühmteste garum wird nicht umsonst bei Pompeji am Golf von Neapel produziert), umrührt und so lange durchseiht, bis eine dünnflüssige homogene Masse von dunkelgelber Färbung entsteht (→ Plin.nat.hist.31,91-95). Wer in der Lage ist, dies hygienisch unbedenklich herzustellen, nur zu! Geschmacklich soll dem aber auch südfranzösische Sardellenpaste mit Maggi und Meersalz vermengt nahe kommen, derselben Herstellung wie garum rühmt sich das vietnamesische Núoc-Mâm, zu finden in asiatischen Feinkostläden.

Freitag, 7. Juni 2013

II. Die Fabii Sangae. Leseprobe aus "Geheimnisse in Rom"

Es folgt ein Auszug aus dem zweiten Kapitel (Band 2). Zum ersten Kapitel geht es hier. Anregungen und Kommentare sind wie immer erwünscht (Rufus.in.Rom@gmail.com)...!

Kapitel II: Die Fabii Sangae

„Na dann tun wir mal etwas gegen unseren knurrenden Magen!“ Genüsslich schob sich Crixos sein lukanisches Würstchen in den Mund. Rufus starrte mit gemischten Gefühlen auf das, was sich in seiner Schale tummelte. Sein Gericht war stark gewürzt, roch eigenartig und sah auch so aus: Bohnen, undefinierbar Zerhacktes, Würstchen, viel Liebstöckel und irgendetwas in seltsamen Farben, vielleicht ein ihm unbekanntes Gemüse? Über allem lastete schon wieder dieser bärlauchartige Geschmack! „Ich verstehe immer noch nicht, warum wir nicht bei den Fabiern gegessen haben. Apollonius hat es uns doch ausdrücklich angeboten!“ Die anderen ließen es sich vor dem thermopolium, dem Imbissstand, jedoch sichtlich schmecken. „Weil wir nicht auf Almosen angewiesen sind“, bemerkte Catugnatos und kaute an seinem Fladenbrot weiter. „Aber die taberna da drüben sieht wesentlich gemütlicher aus, da hätten wir sitzen können und in dem Laden nebenan kann man sich sein Essen wenigstens aus mehreren Kesseln aussuchen.“ „Du hast keinen Grund zur Klage. Hier draußen schmeckt es besser“, erwiderte Catugnatos. „Weniger Römer, mehr Ausländer…“, flüsterte ihm Crixos ins Ohr. „Zumindest trifft man vor den Imbissstuben oder Garküchen keinen »Fabius Allobrogicus« oder einen anderen aufgeblasenen Patrizier. Von denen würde niemand im Stehen essen.“
            Rufus strich mit dem Handballen über seine Tunika aus dem Hause Sanga. „In diesen feinen Klamotten sehen wir doch selbst wie Patrizier aus…“ Ollugnio blickte verstört an sich hinunter. Catugnatos lachte. Endlich, dachte Euamellin. Catugnatos war zuletzt sehr angespannt gewesen.
            […] Ein gurgelndes Rumpeln unterbrach ihn. Ollugnio hielt sich den Bauch. „Hmpf, die Wurst gibt Pfötchen… Kommt, zeigen wir Rufus, wie man hier aufs Klo geht!“
            […] „Da geht’s rein, immer dem Geruch lang“, feixte Crixos. Rufus zog überrascht den Kopf zwischen die Schultern. Damit hatte er nicht gerechnet! Da saßen ja Männer, Frauen und Kinder auf einer Art langen Eckbank und verrichteten gemeinsam ihr Geschäft! Ollugnio zeigte auf eine freie Stelle der Bankreihe, wo kreisrunde Ausschnitte der Front und Deckseite über eine längliche Aussparung verbunden waren. „Nun mach schon! […]“. Catugnatos […] winkte einem Jungen, der kleine Schwämme an Stöcken feilbot. […] Er kramte ein paar winzige Kupfermünzen heraus. „Hier, nehmt lieber die. Von den gebrauchten würde ich die Finger lassen.“ Ein Schauer des Ekels lief Rufus den Rücken hinunter. Da gab es doch tatsächlich eine Frau, die so einen benutzte! Ohne mit der Wimper zu zucken zog sie einen gebrauchten Toilettenschwamm aus dem Wassereimer, putzte sich den Hintern, wuschen den Schwamm in der Wasserrinne vor ihnen aus und stellte ihn zurück. Crixos kaufte sich lieber einen neuen. „Apropos die Finger davon lassen, was meint ihr, warum sie das Schwert des Luernios abgenommen haben?“ Catugnatos und Ollugnio zuckten mit den Schultern. „Was ist denn so besonderes daran?“, fragte Rufus nach und rutschte ein wenig nervös auf seinem Sitz hin und her. Ein zarter Luftzug an seinem blanken Hintern und ein leises Plättschern zeigten ihm an, dass darunter ein stetiger Wasserstrom floss. „Zuerst einmal darf man gar keine Schwerter in Rom haben“, erklärte Catugnatos. „Es herrscht Waffenverbot - niemand soll Rom in böser Absicht betreten oder bewohnen.“ Rufus erinnerte sich, wie sie ihre Waffen vor den Toren Roms hatten abgeben müssen. „Und trotzdem hängen bei den Fabiern welche an den Wänden?“ Offensichtlich schienen sich Ollugnio und Catugnatos bei der Verdauung nicht daran zu stören, dass sich hier alle Welt unterhielt. Bei Rufus lief es nicht ganz so gut. „Das sind Prunkwaffen, nur Dekor. Die wurden seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt. Die meisten sollen Beutestücke aus dem Krieg gegen unser Volk sein. Ich weiß nicht einmal, ob sie alle echt sind. Nicht übel so ein frischer Schwamm…“