Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Montag, 8. Juli 2013

De aquis et vino: Trinkwasserversorgung und Weinkunde für das alte Rom

Aquädukte und Wasserversorgung Roms - Weinsorten
Roms Aquädukte, Trinkwasser- und Brauchwassersystem, uva Romana
Trinkwasser

Eine der beeindruckenden Leistungen der alten Römer ist ihr Geschick im Bau von Wasserleitungen. Im Gewirr römischer Straßen mit ihren Bürgersteigen und zebrastreifenähnlichen Übergängen gluckern überall Brunnen mit frischem Trinkwasser. Und nicht nur die besseren Familien verfügen über einen eigenen Anschluss an eines der zahlreichen Aquädukte, deren Gesamtlänge 351,6 km beträgt (jedoch nur 47,4 km werden oberirdisch verlegt, vgl. Evans 1992). Mit Hilfe der Schwerkraft und Druckleitungen wird das Wasser durch geschlossene Röhren (specus, rivus) von der Quelle zum Verteilertank (castellum) geführt, mehrere Sedimentstanks (piscinae) dienen zur Reinigung. Die älteren Theorien, das Wasser aus den Leitungen habe die alten Römer mit Blei vergiftet, sind nichts als ein Mythos: Zwar finden auch Bleirohre Verwendung, genaue Analysen haben jedoch nachgewiesen, dass das Blei römischer Rohre an der Oberfläche schnell oxidiert und zusätzlich mit Sediment überzogen wird. In den erhaltenen Knochen kann keine besondere Belastung mit Blei nachgewiesen werden. Durch die piscinae werden übrigens auch andere Schadstoffe ausgefiltert. Die Aquädukte liefern täglich über 1.010.623 Kubikmeter sauberes Trinkwasser! Dabei ist Rom zusätzlich reich mit natürlichen Brunnen und Zisternen gesegnet. Wasser gibt es so stets im Überfluss und der Wasserverbrauch ist dementsprechend hoch (nach Forbes 1955, S. 167):
  • Im Jahr 50 v. Chr. verbraucht Rom täglich 750 Liter pro Kopf,
  • 300 n. Chr. sogar  1136 Liter täglich (1936 nur noch 578, etwa die Hälfte).
Zum Vergleich:
  • In London und Paris sind es im Jahr 1823 n. Chr. lediglich 11 Liter pro Kopf am Tag (Forbes 1955, S. 167),
  • 1936 n. Chr. in London 136 Liter, in Leipzig zur selben Zeit nur 76 Liter (für Paris gibt es zu dieser Zeit keine Angaben, doch hat auch heute noch nur jeder dritte Einwohner in Paris ein eigenes Bad. Manche Leute meinen, daher käme der typische Geruch in der Metro…
  • Stuttgart, eine Stadt mit unzähligen Brunnen und Schwimmbädern, verbraucht 2010 n. Chr. nur 124 l pro Kopf (Statistisches Amt 2013) – und das obwohl im Stadtteil Bad Cannstatt das Wasser der Bäderbetriebe ständig aus dem Überlauf direkt in den Neckar blubbert. Den Ergebnissen des Hauptseminars „Phänomenologie einer antiken Großstadt“ von Prof. Dr. Frank Kolb zufolge (Tübingen SoSe 1998) ist Stuttgart übrigens bezüglich der Einwohnerstruktur bestens mit dem Rom des Jahres 63 v. Chr. zu vergleichen: Erst in den folgenden Jahrzehnten wächst Rom zur Millionenstadt heran….           
             Als Getränk der einfachen Bevölkerung dient fast ausschließlich Wasser, doch wird es in einer nicht zu beschreibender Vielfalt an Gläsern Kelchen, Phiolen (Schalen mit Griffmulden) etc. getrunken - zum Einschenken dient ein einhenkliger Krug (vgl. Gerlach 2001, S. 40). Beim Frühstück nehmen (fast) alle Römer Wasser zu sich, Wein war früher sogar für Frauen, Kinder und Jugendliche generell verboten und bei Zuwiderhandlung ein legaler Grund, vom pater familias hingerichtet zu werden.

Antiker Wein 

            Kriterien für die Weinbeurteilung sind Farbe, Duft und Geschmack. Getrunken wird antiker Wein möglichst kühl und verdünnt (Gerlach 2001, S. 68), für jeden in individuellem Mischungsverhältnis mit Wasser gereicht (ebd., S. 73)
            Gelagert wird guter Wein zu Hause in eigenen Weinkellern, wovon Horaz in seiner Satire 2,8 spricht - vermutlich handelt es sich dabei um Eiskeller, wie sie zur Aufbewahrung von Lebensmitteln auch in Deutschland vor der Erfindung des Kühlschranks üblich waren (vgl. auch Gerlach 2001, S. 75). In Rom wird auch Schnee vom Apenin oder aus den Hängen des Vesuvs in Blöcke gepresst, damit wer es sich leisten kann, den Wein auch im Sommer gekühlt zu sich nimmt.

Weinsorten des alten Rom

            Den literarischen Zeugnissen nach scheinen die Weißweine in der Antike zunächst hochwertiger. Tafelweine werden jung getrunken, wie im östlichen Mittelmeer allgemein üblich. Die Römer kultivieren jedoch auch alterungsfähige Weine. Diese werden mindestens ein Jahr gelagert. Spitzenweine sind nach antiken Textstellen auch noch nach etlichen Jahrzehnten trinkbar – solange sie nicht kippen.
            Laut dem älteren  Plinius (nat.hist. XIV 150) kennt man in Rom 185 (!) Weinsorten, darunter Allobrogica, Aminea, Biturica und Nomentana, von denen die meisten einigermaßen erschwinglich sind: 1 Maß Wein kostet 1 As, 1 Maß Falerner das Vierfache, 1HS (Gerlach 2001, S. 66). Dazu sind Unmengen an Rezepturen für römische Liköre (vinum piperatum) erhalten – ein echter Exportschlager am Mittelmeer, z.B. mit Anis-Minzgeschmack, Pistazien, Zimt, Zitronatzitronen, Honig, Pfeffer etc. (Gerlach 2001, S. 69)
Die bekanntesten antiken Weine sind:
  • falernusFalerner: Er ist die berühmteste römische Weinsorte schlechthin, ein oft in antiken Quellen gerühmter Spitzenwein. Das Anbaugebiet liegt im ager falernus im Norden Kampaniens. Laut Plinius dem Älteren wird herber, halbtrockener und süßer Falerner gekeltert (→ Plin.nat.hist. 15, 63: austerum, tenue, dulce), als Rot- und als Weißwein. Der Falerner wird an Ulmen und Maulbeerbäumen gezogen und lässt sich (für antike Verhältnisse) hervorragend lagern: Seine optimale Reife erreicht er erst nach fünfzehn Jahren. Den nachweislichen Altersrekord hält das gleichzeitige Nonplusultra an Qualität, der Spitzenjahrgang opimianum aus dem Amtsjahr der Konsuln Lucius Opimius und Quintus Fabius Maximus Allobrogicus 121 v.Chr.: Noch gut ein dreiviertel Jahrhundert später wird dieser Jahrgang Ende der 40er Jahre des 1. Jh. v. Chr. von Cicero mit großem Genuss getrunken. Der Namensgeber hatte weniger Glück: 116 v. Chr. nahm Opimius Bestechungsgelder vom numidischen König Jugurtha an, nach einer quaestio, einem Sonderermittlungsverfahren, musste er lebenslänglich ins Exil.
  • caecubum - Caecuber: Als Weißwein ist der Caecuber einer der zwei bekanntesten römischen Spitzenweine. Das Anbaugebiet liegt im ager caecubus in Kampanien bei Amyclae an der Küstenregion Latiums, den pontinischen Sümpfen, entlang der Via Appia.
  • Surrentinum - Sorrentiner: Dieser Weißwein ist einer der bekannteren Weine der Antike und gehört laut dem älteren Plinius zu den drei besten Spitzenweinen. Das Anbaugebiet liegt auf der Halbinsel Sorrent in Kampanien.
  • Mulsum – Mulsum: Dieser gemischte Honigwein wird als Aperitif, zu Vorspeisen, dem ersten Gang einer cena oder als Medizin getrunken (soll gegen Blähungen helfen und zur Langlebigkeit führen). Es sind unterschiedliche Zubereitungen überliefert: Herber Wein mit abgekochtem Honig vermischt, Traubensaft mit Honig in einem verschlossenen Gefäß vergoren, oder gärender Traubenmost mit Honig weiter vergoren. Außer Columella (12,41) liefert auch der ältere Plinius eine Anleitung (Plin.nat.hist.22,113): Zu einem Krug Most (13l) 10 Pfund Honig (3,3 kg) dazufügen (oder auch ¼ kg abgekochter Honig auf 1l Wein), umrühren, in eine vergipste Flasche umfüllen, 30 Tage reifen lassen, in Tongefäß umfüllen und räuchern. Mulsum wird auch heute noch für Freunde der Antike hergestellt, z.B. in Trier käuflich zu erwerben im Restaurant Zum Domstein. Prosit!
liquamen bzw. garum, der "Soja-Soße" der Römer, sowie zu

Kommentare:

  1. Das ist eine beeindruckend detaillierte Darstellung der Trinkwasser- und Weinversorgung der Römer.
    Etwas stutzig gemacht hat mich die Zahl "... mehr als 1.010.623 Kubikmeter Wasser pro Tat..."
    Woher weiß man das so genau?

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    1. Die absolute Wassermenge der Aquädukte ist relativ simpel zu bestimmen: Die erhaltenen Überreste lassen physikalische Berechnungen zu (Durchmesser, Neigungswinkel, Fließgeschwindigkeit…) - ein Teil der Aquädukte dient übrigens nach über 2.000 Jahren immer noch zur Trinkwasserversorgung des modernen Rom.
      Dabei stimmt das Bild der antiken Text-Quellen mit den archäologischen Quellen überein: Sextus Iulius Frontinus, sechs Jahre lang Oberaufseher über die Aquädukte in Rom (curator aquarum), informiert 97 n. Chr. in seinen zwei Büchern "de aquaeductu urbis Romae" akribisch über die einzelnen Namen der Quellen, der Leitungen (inklusive Normgrößen) und über die genauen Messungen der einzelnen Zu- und Abflussleistung nebst präziser Verteilung der Wassermengen auf die Stadtbezirke.
      Der pro Kopf Verbrauch ist dagegen relativ spekulativ, da man dazu erst die genaue Bevölkerungszahl kennen müsste und auf Schätzungen angewiesen ist. In einer amerikanischen Universität wurde sogar ernsthaft versucht, eine genaue Einwohnerzahl des antiken Rom über das Kloakensystem zu ermitteln: Man listete sämtliche Entsorgungskanäle und Röhren auf, analysierte den Zusammenhang zwischen Einwohnerzahl und Abwassermengen des modernen New York und experimentierte mit der Fließgeschwindigkeit moderner Exkremente…

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