Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Donnerstag, 9. Juni 2016

Schminke, Duftwässerchen und Parfüm- Was römische Frauen tragen III (Mode und Körperpflege V)

Antike Römerinnen & Kosmetik
Schminken im alten Rom
Macht sich eine antike Römerin fein, setzt sie sich vor einen Schminktisch. In Rom herrscht so ein immenser Bedarf an Kosmetika, Essenzen, Ölen, Pomaden und Salben, die in den unterschiedlichsten Schminkgefäßen bereit gehalten werden (→Hurschmann 1999, Spalte 767-768). Mehrfach täglich wird gesalbt, die Haut gepflegt und weich gehalten, sowie großzügig geschminkt und mit unterschiedlichsten Duftölen parfümiert - und das obwohl viele Mittel giftige Schwermetalle enthalten. Ovid liefert Rezepte im Distichon für glänzende Haut, gegen Flecken der Gesichtshaut, für Schminkgrundlagen und zum Abschminken (→ Ov.medic. 51-100).
  • Als Schminkgrundlage und Trägersubstanz kommt überwiegend Honig zum Einsatz.
  • Unter anderem verwendet man das hautreizende Bleiweiß (cerussa), Kalk und melische Erde zum Aufhellen oder gar Weißschminken,
  • Zinnober bzw. Mennige, purpurissum und rubica als Rouge, (seltener grüne Schminke aus Malachit (Grünspan), blaue aus Lapislazuli),
  • schwarze Kohle-Ölmischungen und gebrannter Kork sowie stibium als Wimperntusche, Eyeliner und Mascara,
  • die Bohnenmehlpaste lomentum zum Verdecken von Hautfalten, mit Zusatz zerriebener Schnecken zum Glätten der Haut,
  • für eine natürlich glänzende Haut ohne Runzeln empfiehlt Ovid u.a. eine getrocknete und feingemahlene Mischung aus 2 Pfund lybischer Gerste, 2 Pfund Erbsen, 10 Eiern, 1/6 Pfund Hirschgeweih, 12 entrindete Narzissenzwiebeln,  1/6 Harz und tuscisches Korn und 1 1/2 Pfund Honig (Ov.medic.51-68).
  • und es gibt sogar Schönheitspflaster aus dünnstem Leder (vgl. Hurschmann 1999, Spalte 768; Iuv.2,93-94; 6,461; Mart.3,42; 8,33,22; 14,60; Ov.ars.3,201; Plin.nat.30,127).
  • Zum Abschminken dienen unterschiedliche Produkte, mitunter auch Olivenöl, Esels- und Ziegenmilch.
Parfüm
Am grundsätzlichen Herstellungsprozess von traditionellem Parfum hat sich im Vergleich zur Antike in der Zusammensetzung nur wenig geändert. Die Parfümerie Fragonard in Paris gab 2007 in einem Flyer an, dass sie bei Salben meist 25% Schweinefett und 75% Rinderfett benutzt. Um 1l Essenz aus Rohmaterialien herzustellen, benötigt sie 300kg Lavendel, 700kg Rosen oder 1.000kg Jasminblüten. In der Herstellung verwendet sie bei Parfum 20% Essenz und 80% Alkohol, für Eau de vie 10% Essenz, 90% Alkohol und bei Eau de Cologne nur noch 6% Essenz und 94% Alkohol.
Wer ein authentisches Erlebnis verspüren will, kann zur Herstellung von antikem Parfum Ton-Tiegel kaufen oder leihen - z.B. bietet das Limesmuseum Aalen Nachbauten aus der experimentellen Archäologie, die auch in Kursen vor Ort benutzt werden können. Zum Nachexperimentieren empfiehlt sich Mandelöl, Rosenwasser und unguentum cordes (Salbengrundlage, in Apotheken erhältlich) sowie besonders pflanzliche Essenzen.
Besonders sinnvoll zur Aufbewahrung der fertigen Produkte sind kleine Schachteln etc. Vor allem Filmdöschen haben sich zur Aufbewahrung bei salbenartigen Parfumproben bewährt.

Wer eine aktuelle Übersichtsdarstellung (inklusive 30 Rezepten) sucht, dem sei Giuseppe Squillaces Buch für 22€ empfohlen, worin er die Rolle von Parfum im antiken Griechenland und Rom auf literarischen und epigraphischen Quellen untersucht:

Giuseppe Squillace, Le lacrime di Mirra: miti e luoghi dei profumi nel mondo antico, Bologna 2015.


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II. gens togata, das Staatsgewand Toga,
III. stola, Schminke, spuma: Was römische Frauen tragen,
VI. Tunika – Römische Unterbekleidung,
VII. (c)himation, palla, pallium: Römische Oberbekleidung,
IIX. ... und was tragen sie drunter? subligaculum und subligar
X. Körperhygiene: Gurgeln, Nägelschneiden und forma neglecta, sowie
XI. thermae - Antike Badekultur

Montag, 30. Mai 2016

Hexameter II – locker gerappt oder systematisch analysiert (Antike Dichtung einfach gesprochen IV)

Aussprache und Betonung, das Schema eines Hexameters, Längen und Kürzen sowie das Zusammenziehen von Vokalen sind bereits in Vorgängerposts erklärt worden. Doch wie entschlüsselt man nun einen Hexameter? Wie gelingt es einem, dieses Schema über den Text zu bekommen? Dazu zuerst die längere analytische Methode für Kopfmenschen, danach für Bauchmenschen die musikalisch intuitive, die beim Distichon noch breiter vertieft werden soll:

Anleitung für Kopfmenschen – systematisch analysiert:
  1. Letzte 2 Silben mit betonter Länge und dem x versehen, erste mit betonter Länge, somit steht das 6. Metrum.
  2. Vorne schon einmal eine betonte Länge in das 1. Metrum setzen.
  3. Alle langen Silben mit einem Längenstrich versehen (wo immer 2 Konsonanten zusammentreffen, den Vokal davor als Länge mitnehmen (=Positionslängen), Naturlängen, Deklinationsendungen und eine Silbe zwischen 2 Längen muss ebenfalls eine Länge sein).
  4. Das 5. Metrum mit „bam bada“ zu versehen ist kaum ein Risiko, spondeische Verse im 5. sind extrem selten (5. + 6. Metrum also „bam ba-da bam ba“: betonte Länge, Doppelkürze, betonte Länge, x [egal ob kurz oder lang]).
  5. Den Rest auffüllen und dabei an Aphäresen und Synaloephen denken (Zusammenziehung von aneinanderstoßenden Vokalen über Wortgrenzen).
  6. Prüfen: Am Ende muss immer das obige Schema herauskommen, 6 Daktylen und 1-2 Pausen für den Hexameter. Lesen zur Kontrolle (soll nicht holpern).
Zu genereller Einführung in Metrik klicke man hier, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung folgt unterhalb:

Anleitung für Bauchmenschen – locker gerappt:
  1. Sich einen Rhythmus setzen. Die ausgewählte Musik ist egal, Hauptsache es ist ein regelmäßiger Back-Beat wahrnehmbar.
  2. Die Musik fühlen. Evtl. für den ersten Anfang ein paar bereits analysierte Hexameter-Verse auswendig lernen und hören, wie sie zur ausgesuchten Musik passen.
  3. Auf jeden Back-Beat kommt nun entweder 1 Länge, zwei Kürzen oder eine Pause.
  4. Unbekannte Hexameter-Verse einfach auf die Musik locker losrappen (in Prüfungen leise mit dem Fuß klopfen oder in Gedanken die Melodie vor sich her summen).
  5. Ergebnis intuitiv drüber schreiben.
  6. Nachprüfen (obiges Schema, immer 6 Daktylen und 1-2 Pausen für jeden Hexameter).
Ein Beispiel (bzw. eine Schritt für Schritt Anleitung) gibt es in diesem Video:
Weitere Schritte zum Skandieren antiker Dichtung findet man unter:

Sonntag, 1. Mai 2016

Haartracht und Frisur - Was römische Frauen tragen II (Mode und Körperpflege IV)

Turmfrisur im alten RomJede römische Frau, die etwas auf sich hält, widmet sich einer ausgiebigen Morgentoilette. Sitzt die Kleidung, ist die Frisur dran. Während Männer ihr Haar überwiegend schlicht kurz ungescheitelt in die Stirn gekämmt tragen (→ Hurschmann 1998, Spalte 42), wird bei Frauen auf eine elaborierte Frisur sogar noch mehr Wert gelegt als auf Kleidung und Schmuck, gerade auch in feiner Gesellschaft, denn hier zeigt sich, wer genügend Geld hat, um stundenlang vor dem Frisiertisch sitzen zu können. Es gibt es unzählige Methoden, die Haare anzuordnen, mehr als es Wildtiere in den Alpen, Bienen und Eicheln gibt, so Ovid (→Ov.ars 3,149-152) und täglich kommen neue hinzu – inklusive Ondulieren, Dauerwellen und Tönungen, sogar Echthaarverlängerungen und Extensions (→ Ov.am.1,14; Ov.ars.3,151-152; 133-149). Bis in die späte Republik orientiert man sich an griechischen Haartrachtmodelln, Locken und Unterteilung durch Bänder. In der Prinzipatszeit des Augustus herrscht der nodus vor, zusätzlich findet man aber auch noch weitere Frisuren:
    Zöpfe als Haartracht im alten Rom
  • tutulus: Eine Hoch- bzw. Turmfrisur, die noch aus etruskischen Zeiten stammt. Sie ist relativ einfach und wird überwiegend von den Hausherrinnen getragen (mater familias). Besonders geschätzt wird sie von den Gattinnen der flamines, der (politisch weniger bedeutenden) Priester einzelner Götter innerhalb der pontifices.
  • seni crines: Eine recht aufwändig Frisur mit dem sprechenden Namen je sechs Haare. Hierbei werden evtl. unter Verwendung von Haarverlängerungen (Extensions) sechs Zöpfe vom Scheitel her um den Kopf gelegt. Diese Frisur ist von den jungfräulichen Priesterinnen der Vesta bekannt.
  • nodus & Octavia: Hierzu wird ein Scheitel gezogen, seitlich mehrere (notfalls mit dem Lockenwickelrohr bzw. Ondulierstab oder Brennschere calamistrum) gewellte Strähnen nach hinten gelegt und mit dem restlichen Haar im Nacken zu einem strengen Knoten gebunden. Anschließend wird aus der Mitte wider eine Tolle bzw. ein kleiner Dutt vor der Stirn gezupft (nodus - Knoten). Sieht man ein Porträt der Livia Augusta, könnte man denken, die strenge Staatsmutti, Ehefrau des Augustus und oberste Hüterin von Anstand und Moral diene als Vorbild für diesen ernsten Look. Dutt und strenge Tolle im alten RomDoch Namenspatin ist Octavia (minor), die ältere Schwester des Augustus, Stilikone für Haartracht und Moral ihrer Zeit: Nichteinmischung in Politik und als brave Ehefrau alleiniges Aufgehen in Kindererziehung und Haushalt. Da kann Livia, die nach dem Tod ihres Gatten eine ander Frisur zur Schau stellt, nicht im Ansatz mithalten.

Freitag, 8. April 2016

Hexameter - Geschichte & Schema (Antike Dichtung einfach gesprochen III)

I. Geschichte des Hexameters
Wuchtig und ernst war schon das Gilgamesch-Epos, ernst und wuchtig wird es erst recht bei den Griechen: Auch die erste Literatur im europäischen (bzw. kleinasiatischen) Kulturraum beginnt mit einem Epos (≈ Heldenabenteuer), auch hier wird ein wuchtig-ernsthaftes Versmaß verwendet - der Hexameter. Homer wird ebenso klassisch wie der Hexameter selbst, der seit Anbeginn als gravis gilt (ernst, wichtig und schwerwiegend). Fortan ist Heldendichtung hexametrische Dichtung. Im Epos verwenden ihn Homer (Ilias und die Odyssee), Hesiods (Theogonie, Werke und Tage) ungefähr um das 8. Jh. v, Chr. Die Römer übernehmen ihn später – zusammen mit nahezu der gesamten höher stehenden griechischen „Leitkultur“: Ennius schafft mit seinen Annales ein Standardwerk, doch Vergil löst ihn mit seiner Aeneis als DEM Nationalepos ab.
Wie schon in ferner Urzeit im Zweistromland, handeln auch die ersten „europäischen“ Epen von Helden, ihren Taten, Ängsten und Sorgen (darunter Liebe & Krieg, Schlachten, Kriegsgerät, heldenhafter Zweikampf, Tod und Begräbnis, Feste sowie das Eingreifen der Götter). Auch im griechischen Epos wird die Erzählung stilistisch gehoben gestaltet (keine Umgangssprache), es herrscht eine metaphernreiche Bildsprache vor, man findet gleichlautende formelhafte Wendungen wieder, wiederkehrende Floskeln und schmückende Beiworte (epitheta ornantia / Sg.: epitheton ornans). Diese Wiederholungen sind einfacher zu merken und im Versrhythmus leichter einzubauen – man weiß genau, welcher Gott und welche Göttin mit welchen Attributen ins Versmaß hüpfen können.
Merken sollte man sich, dass erste Literatur im europäischen Kulturraum die Heldendichtung Homers ist - Ilias und Odyssee (ca. 800 v. Chr.), das wirkungsmächtigste (und bis heute erhaltene) Nationalepos der Römer Vergils Aeneis (29-19 v. Chr.), beide im Hexameter.

II. Schema des daktylischen Hexameter
6 Metren im daktylischen Hexameter
Das Versmaß hat seinen Namen daher, dass er 6 (gr.: hexa) Metren (gr.: metron) enthält. Er wird daktylischer Hexameter genannt, weil er in jedem Metrum eine betonte Länge und 2 unbetonte Kürzen oder 2 Längen (Spondeus) enthält – ähnlich wie bei einem Finger (gr.: daktylos):
Gestreckt – 2 Längen; gebogen – Länge + 2 Kürzen. Nur der letzte Versfuß ist immer unvollständig (katalektisch), d.h. anstelle der allerletzten unbetonten Länge oder Einzel-Kürze setzt man ein x.
Ein wenig häufiger als 2 Längen (Spondeus) sind Länge + Doppelkürze - im 5.Metrum sogar (fast) immer (die hochseltene Ausnahme heißt versus spondiacus). Spätestens mit 4 Längen oder mehr betont der Dichter den Inhalt, z.B. lange, große und wichtige Dinge oder das langsame Vergehen von Zeit.
Um Luft zu holen und um einzelne Wörter, Worttrennungen, –zusammenhänge und -sperrungen (Hyperbata) zu betonen, werden Pausen (Zäsuren / Einschnitte) gesetzt, die man ebenfalls in den Hexameter einzeichnen kann. Die häufigste Variante ist die sogenannte Penthemimeres, die immer beim 5. (gr.: penta) halben Metrum bzw. Halbfuß (hemimeres) sitzt und einfach „P“ oder „5/2“ (fünf Halbe) abgekürzt wird (hier rot markiert):

Dienstag, 5. April 2016

stola, Schminke, spuma - Was römische Frauen tragen I (Mode und Körperpflege III)

matrona in tunika und stola
Nach Ovid ist es für einen römischen Mann genug der Körperhygiene, gewaschen und in sauberer Kleidung zu erscheinen (→Ov.ars.1,505-524) am besten im Staatskleid. Für die Römerin gibt es ebenfalls ein Gewand, dass nur von ehrbaren Frauen römischen Bürgerrechts getragen werden darf: die stola - doch ungeschminkt und ungekämmt geht kaum eine vor die Tür – 189 v. Chr. scheitert der letzte Versuch in Rom, den Kosmetik-Luxus einzudämmen (→Plin.nat.13,24). Ovid rät den bereits natürlich-Schönen vom Schminken ab, (→Ov.ars.3,257-260), aber auch allen anderen, Fehler kunstfertig zu überdecken (→Ov.ars.3,251-280). Doch zu Übertreiben rächt sich bitter, die Schwermetalle, die in vielen Produkten enthalten sind, können zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Atemnot, Hautreizungen, Wunden und Abszessen führen.
Die Morgentoilette wird auch so schon umfangreich, wer über genügend Sklavinnen verfügt, lässt sich gleich morgens nicht nur anziehen und parfümieren, sondern auch Haare und Gesicht gleichzeitig richten, wobei die vielfältigsten Schminkutensilien zum Einsatz kommen.

stola – die Würde der ehrbaren Ehefrau
Für offizielle Anlässe zeigt sich der römische Mann in toga, seine Frau jedoch in stola. Dieses Gewand besteht aus einer Stoffröhre, die durch gedrehte Bänder oder Schnüre gehalten wird und in welche die Trägerin hineinschlüpft; sie reicht bis auf die Knöchel hinunter und wird vornehmlich von einer matrona getragen, der ehrbaren Ehefrau Hausfrau und Mutter (vgl. Hurschmann 2001, Spalte 1018-1019; →Plin.nat.33,40).
Die matrona verlässt das Haus auch in der Sommerhitze vollständig umhüllt (→Hor.sat.1,2,99), über der Stola trägt sie noch eine palla, eine Art Mantel aus einem rechteckigen Tuch von ca. 1,50 x 3m. Länge, darunter eine tunica, evtl. noch mit einer calasis überzogen, einer dicken, bodenlangen Art tunika aus Schafswolle und langen Ärmeln und selbst der letzte Rest der Füße wird noch in feinen Leder-Stiefelletten versteckt (vgl. Hurschmann 2001, Spalte 1018).
Ähnlich wie bei der toga kommt es auch bei der stola auf den korrekten Faltenwurf an, doch bietet die stola eine größere Bewegungsfreiheit, da sie im Brust- und/oder Taillenbereich gegürtet wird und damit weniger leicht verrutschen kann (ebd.). An der unteren Webkante der stola wird bei Senatorengattinen als Besatz ein Purpurband aufgenäht, um sofort den vornehmen Stand anzuzeigen.
Zurückhaltung ist hier gefragt und erhält geradezu den Charakter einer Vorschrift: An eine Frau in stola darf man sich nicht ranmachen, weder einen Flirt dulden noch sie anmachen…

Als wissenschaftliche Literatur zum Thema sei hier noch
empfohlen, anschaulicher zeigt sich die Kleiderfrage auf youtube:


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II. gens togata, das Staatsgewand Toga,
VI. Tunika – Römische Unterbekleidung,
VII. (c)himation, palla, pallium: Römische Oberbekleidung,
IIX. ... und was tragen sie drunter? subligaculum und subligar
X. Körperhygiene: Gurgeln, Nägelschneiden und forma neglecta, sowie
XI. thermae - Antike Badekultur

Sonntag, 13. März 2016

Skandieren – die Theorie: Längen, Kürzen und Metren zum Durchrechnen (Antike Dichtung einfach gesprochen II)

Antike Versmaße: Längen und Kürzen zum Zusammenrechnen
Für das Skandieren, die Kunst antike Verse korrekt rhythmisch auszusprechen (auch Prosodie genannt), müssen antike Dichter bzw. Sänger natürlich nicht erst nachrechnen. Sie wissen automatisch, welche Silben ihrer Sprache lang sind um haben Rhythmusgefühl. Wem zumindest eine dieser Fähigkeiten abgeht, der sollte jedoch darauf achten, dass antike Dichtung
  • an feste Rhythmen (Metren) gebunden ist, nicht an Reimschemata (also weder Kreuz- noch Endreim) und
  • diese Rhythmen nach der regelmäßigen Abfolge von Längen und Kürzen der Silben organisiert sind (nach Quantität), nicht nach regelmäßigen Betonungen wie in moderner dt. Poesie (Iktus / Akzent / Betonung), also quantitierend und nicht akzentuierend.
Eine erste Einführung zeigt dieses Video:
Wem das Folgende zu mathematisch und zu kompliziert ist – es geht auch einfacher! Man muss nicht alles auswendig können, in den kommenden Posts zu den einzelnen Versmaßen gibt’s dann praktischer Hilfe am konkreten Beispiel – also nur keine Angst vor Metrik! Hier schon einmal die graue Theorie:

Länge oder Kürze? Die Quantität der Silben
Da stellt sich nun die Frage: Wann also ist eine Silbe lang? Hier hilft Vokabellernen und die Grammatikbeherrschung (doch kann man auch notfalls in Wörterbuch und Tabellen nachsehen: Lange Silben werden immer mit einem waagrechten Balken gekennzeichnet () kurze (manchmal) mit einem kleinen u-förmigen Bogen (ˇ). Es gibt sogenannte „Naturlängen“ (Vokale, die schon im Wortstamm lang sind) und „Positionslängen“ (wenn nach einem Vokal zwei Konsonanten oder mehr folgen – das folgende Wort zählt auch mit!).
Längen sind
  • alle Diphtonge (Doppelvokale): ae, oe, au… (nur Einzelvokale vor Einzelvokalen werden gekürzt, Bsp.: audīre, aber audĭō – „vocālis ante vocālem corripitur“),
  • Naturlängen, wie sie in Vokabelverzeichnissen und Wörterbüchern mit Längenstrichen angegeben werden sowie die Vokale in folgenden casūs:
  • Vokalquantitäten im Lateinischen: Deklinationen
  • Folgt ein Konsonant auf einen weiteren (x und z zählen hier als Doppelkonsonanten: x=c+s / z=d+s), so ist die Silbe lang (Positionslänge). Dies gilt auch über zwei Wörter hinweg! Lang ist nicht der Vokal, sondern die Silbe – man verharrt länger auf den zwei oder mehr Konsonanten.

Dienstag, 1. März 2016

gens togata: Mode & Körperpflege II

Wie sieht eine römische Toga aus?
auctor in toga candida
TOGA - Kein anderes Kleidungsstück steht so sehr für konservatives Römertum wie die Toga, das „Staatskleid“ des freien römischen Bürgers. Sie als Nichtrömer zu tragen fällt strafrechtlich unter Anmaßung des Bürgerrechts (vgl. Suet.Claud.15,3). Alteingesessene Römer kann man mit nichts besser ärgern, schon offizielle Bürgerrechtsverleihungen jagen sie an die Decke: Als Caesar 49 v. Chr. das Bürgerrecht auf Oberitalien ausdehnt, latinischen Rechts seit 90 v. Chr. und längst romanisiert, wird derbe über diese Aufnahme von „Barbaren“ sowie deren Hosenab- und Togaanlegen in trochäischem Septenar gespottet (ein Versmaß für Triumph- und Trinklieder) und ein Plakat mit der Bekanntmachung angeschlagen: „Von Amts wegen! Dass ja niemand einem neuen Senator den Weg zum Sitzungsgebäude zeigen will!“ (Suet.Iul.80,2; Gerlinger 2007, S. 298-299). Integrationsbemühungen kommen in Rom nicht gut an, auch später unter Kaiser Claudius nicht (vgl. ebd.; Tac.Ann.11,23-25 zu CIL XIII 1668 und Sen.apocol.3,3). Togatragen und Bürgerrecht sind strengstens limitiert. In seiner Rede für Archias verteidigt Cicero das Bürgerrecht seines ehemaligen Lehrers - über die Spottverse dürfte er dennoch geschmunzelt haben.
Dabei macht das Tragen einer Toga nicht den geringsten Spaß: Wer auch immer bereits eine Toga angezogen hat weiß, wie unbequem sich dieses Monstrum trägt (zum Schnittmuster, siehe unterhalb rechts):
bis zu 20qm Stoff, 4-6½ m lang und 2½-3m breit, ursprünglich aus weißer Wolle (später auch feiner Leinenstoff), heiß im Sommer, zugig im Winter.
Römer Toga selber machen / schneidern
Toga-"Schnittmuster" zum Vergrößern anklicken.
Die Toga verrutscht leicht, Springen und Rennen ist von vornherein unmöglich, der Sitz des Stoffes erlaubt nur ruhige, ernste Bewegungen, die Erhabenheit und Würde der Staatskleidung unterstreichen. Sonst verrutscht die Toga und man blamiert sich bis auf die Knochen. Hinzu kommt das mühselige Anlegen, bei dem man mindestens eines Helfers bedarf, der sie kunstvoll drapiert: Vom ausgestreckten linken Arm über die Schulter (balteus - sinus), unter dem rechten durch, eine Lasche als „Jackentasche“ herausgezupft (umbo), und wieder über den linken Arm zurück, der nun wie gefesselt an der Brust ruhen muss. Doch damit nicht genug, jetzt wird überall solange gezupft, bis der perfekte Faltenwurf sichergestellt ist. Für religiöse Anlässe und Hausopfer zieht man sich am Rücken noch ein wenig Stoff als Kapuze über.
So braucht man sich nicht zu wundern, dass Augustus (mächtig verärgert über die neue Mode) eine Kleiderordnung erlässt, die Ädile mit der Durchsetzung beauftragt und römische Beamten zum Togatragen geradezu zwingen muss – zumindest auf und um das Forum, bei den Spielen und vor Gericht streng überwacht (vgl. Suet.Aug.40,5; Mart.2,39; Iuv.11,203f.).