Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Sonntag, 1. Mai 2016

Haartracht und Frisur - Was römische Frauen tragen II (Mode und Körperpflege IV)

Turmfrisur im alten RomJede römische Frau, die etwas auf sich hält, widmet sich einer ausgiebigen Morgentoilette. Sitzt die Kleidung, ist die Frisur dran. Während Männer ihr Haar überwiegend schlicht kurz ungescheitelt in die Stirn gekämmt tragen (→ Hurschmann 1998, Spalte 42), wird bei Frauen auf eine elaborierte Frisur sogar noch mehr Wert gelegt als auf Kleidung und Schmuck, gerade auch in feiner Gesellschaft, denn hier zeigt sich, wer genügend Geld hat, um stundenlang vor dem Frisiertisch sitzen zu können. Es gibt es unzählige Methoden, die Haare anzuordnen, mehr als es Wildtiere in den Alpen, Bienen und Eicheln gibt, so Ovid (→Ov.ars 3,149-152) und täglich kommen neue hinzu – inklusive Ondulieren, Dauerwellen und Tönungen, sogar Echthaarverlängerungen und Extensions (→ Ov.am.1,14; Ov.ars.3,151-152; 133-149). Bis in die späte Republik orientiert man sich an griechischen Haartrachtmodelln, Locken und Unterteilung durch Bänder. In der Prinzipatszeit des Augustus herrscht der nodus vor, zusätzlich findet man aber auch noch weitere Frisuren:
    Zöpfe als Haartracht im alten Rom
  • tutulus: Eine Hoch- bzw. Turmfrisur, die noch aus etruskischen Zeiten stammt. Sie ist relativ einfach und wird überwiegend von den Hausherrinnen getragen (mater familias). Besonders geschätzt wird sie von den Gattinnen der flamines, der (politisch weniger bedeutenden) Priester einzelner Götter innerhalb der pontifices.
  • seni crines: Eine recht aufwändig Frisur mit dem sprechenden Namen je sechs Haare. Hierbei werden evtl. unter Verwendung von Haarverlängerungen (Extensions) sechs Zöpfe vom Scheitel her um den Kopf gelegt. Diese Frisur ist von den jungfräulichen Priesterinnen der Vesta bekannt.
  • nodus & Octavia: Hierzu wird ein Scheitel gezogen, seitlich mehrere (notfalls mit dem Lockenwickelrohr bzw. Ondulierstab oder Brennschere calamistrum) gewellte Strähnen nach hinten gelegt und mit dem restlichen Haar im Nacken zu einem strengen Knoten gebunden. Anschließend wird aus der Mitte wider eine Tolle bzw. ein kleiner Dutt vor der Stirn gezupft (nodus - Knoten). Sieht man ein Porträt der Livia Augusta, könnte man denken, die strenge Staatsmutti, Ehefrau des Augustus und oberste Hüterin von Anstand und Moral diene als Vorbild für diesen ernsten Look. Dutt und strenge Tolle im alten RomDoch Namenspatin ist Octavia (minor), die ältere Schwester des Augustus, Stilikone für Haartracht und Moral ihrer Zeit: Nichteinmischung in Politik und als brave Ehefrau alleiniges Aufgehen in Kindererziehung und Haushalt. Da kann Livia, die nach dem Tod ihres Gatten eine ander Frisur zur Schau stellt, nicht im Ansatz mithalten.
Auch Haarefärben ist kein Problem:
  • Für rote Haare gibt es eine Tönung mit Henna, Pottasche oder spuma chattica (Chattenschaum).
  • Blondiert wird in der Oberschicht gelegentlich mit Goldstaub und teurem Safran, ansonsten helfen Birkenschalen, Eidotter, Kamillenblüten, Säuren oder Kräuter aus Germanien. 
  •  Für schwarze Haare gibt es Mischungen aus Bleioxid und Kalziumhydrochlorit oder 60 Tage anaerob in Wein verweste Blutegel.
Manche Tinkturen sind so aggressiv, dass am Ende nur noch abschneiden und die blonde Perücke einer germanischen Sugambrerin aufsetzten hilft (→ Ov.am.1,14) – wenn man es übertreibt.
Einen umfangreicheren Überblick über antike Haartracht bietet die Universität Graz auf ihrer Internetseite http://archaeosammlungen.uni-graz.at/index.php?id=161.

Weiter geht es hier↓ mit
II. gens togata, das Staatsgewand Toga,
III. stola, Schminke, spuma: Was römische Frauen tragen,
VI. Tunika – Römische Unterbekleidung,
VII. (c)himation, palla, pallium: Römische Oberbekleidung,
IIX. ... und was tragen sie drunter? subligaculum und subligar
X. Körperhygiene: Gurgeln, Nägelschneiden und forma neglecta, sowie
XI. thermae - Antike Badekultur

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