Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Montag, 30. April 2018

legionarius: Römische Soldaten und ihre Standardbewaffnung (mos et miles XV)


Legionär der Römischen Republik: galea, scutum, gladius, pilum, lorica hamata, balteus, umbo, caligae
cb miles ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
So chauvinistisch und „ausländerfeindlich“ die Römer bei einigen Rednern und Historikern wirken (vgl. z.B. Suet.Claud.15,3; Suet.Iul.80,2; Gerlinger 2007, S. 298-299; Tac.Ann.11,23-25 zu CIL XIII 1668 und Sen.apocol.3,3), so unvoreingenommen übernehmen sie sofort alles an Waffentechnik, Taktik und Strategie, was sie bei anderen Völkern Brauchbares entdecken können (römischer Utilitarismus). Wenig verwunderlich, selbst die römische Literatur beginnt ihr erstes Werk auf Latein mit einem Griechen, das erste Werk eines Römers auf Griechisch…

Kampfesweise
Ursprünglich kämpfen die Römer bereits mit der Phalanx-Taktik ihrer griechischen und Etruskischen Nachbarn, d.h. sie bilden feste Reihen von Schwerbewaffneten, die sich ihre Ausrüstung aber selbst leisten müssen. So versammeln sich an einem bestimmten Tag nur die vermögenden Bürger im Alter von 17 bis 46 Jahren am Kapitol, lassen sich nach Besitz, Größe und Alter je zu viert mustern und leisten den Gehorsamseid in Kurzform: „Gilt auch für mich“ (idem in me). Kommt es zu Krieg und Kampf leisten die vermögenden Bürger-Soldaten den harten Teil als Kerntruppen der Legionäre. Entsprechend rechtfertigen sie das Census-Wahlrecht, in dem die Stimmen der Reichen mehr zählen.
Nach den verheerenden Niederlagen gegen Kimbern und Teutonen und dem unattraktiven Wüstenkrieg gegen Jugurtha sind fast keine Rekruten der reichen Landbesitzer aufzutreiben. Der populare Konsul Gaius Marius reformiert kurzerhand das System des Bürgerheeres, lässt die Bewaffnung vom Staat zahlen und nimmt als erster capite censi auf: Besitzlose Römer, die von der Staatskasse versorgt werden müssen. Es entsteht ein Berufsheer, das seinem Feldherrn (nicht dem Staat) unbedingte Treue schwört und ihn auch nach dem Krieg als große Masse an Klienten, Wählern (und notfalls Straßenschläger) unterstützt – vor allem, wenn er ihnen (erobertes) Land zum Leben besorgen will. Fortan geben in Rom immer wieder mächtige imperatores - Warlords den Ton an - der Anfang eines Jahrhunderts von Bürgerkriegen…

Offensivwaffen
Standardwaffen sind seit der marianischen Heeresreform für alle Legionäre der schwere Wurfspieß pilum. Die ca. 2m lange einzige original römische Entwicklung besitzt dank kurzer pyramidenförmiger Spitze eine große Durchschlagskraft und eine Reichweite ca. 30m. Die Bolzen brechen beim Aufprall und das Weicheisen des oberen Drittels verbiegen sich beim Aufprall, so dass das Geschoss nicht zurückgeworfen werden kann.
Das zweischneidige Kurzschwert gladius stammt ursprünglich von den Keltiberern Hispaniens. Die Klinge von ca. 40-65 cm ohne Parierstange weist eine, scharfe, oft verstärkte Spitze auf uns ist als Hieb- und Stichwaffe geeignet.
Der Dolch pugio ist Teil der Standardbewaffnung römischer Offiziere und (spätestens seit der frühen Kaiserzeit) der Legionäre. Doch selbst einen Schild weiß ein Legionär als Stoßwaffe einzusetzen.

Defensivwaffen

Den charakteristischen Eisenhelm mit Nacken- und Wangenschutz galea haben die Römer von den Kelten übernommen – wahre Meister der Metallverarbeitung.
Dies gilt auch für die meisten Panzerungen. Der Kollektivbegriff für sämtliche römische Körper-Panzerungen ist lorica. In der Frühzeit besteht dieser lediglich aus Leder mit einem kleinen Metallstück an der Herzgegend (Herzdecker), später wird der gallische Kettenpanzer aus Metallringen (lorica hamata) oder Metallschuppen (lorica squamata) mit einem Gewicht von 9-15kg Standard, später der kaiserzeitliche Segmentpanzer (lorica segmentata). Der Schuppenpanzer lorica squamata findet sich zuvor bereits im östlichen Mittelmeer, römische Entwicklung ist der ab der Kaiserzeit charakteristische Lamellenpanzer lorica segmentata.
Die gebogene Form gewölbte Form der Schilde haben die Römer vermutlich von den Samniten, die Spindelgerippe mit Schildbuckelverstärkung und ovale Ausführung wieder von den Kelten. Spätere Varianten sind oben und unten gerade zugeschnitten, die Wölbung bleibt jedoch erhalten. Dieses scutum wird aus rechtwinklig übereinander geleimten Holzstreifen zusammengesetzt und mit Kalbsleder bezogen. Es besitzt einen eisernen Schildbuckel, Beschläge aus Metallbändern an Ober- und Unterkante und Trageriemen sowie lederner Überzüge, die erst unmittelbar vor der Schlacht entfernt werden. Die Länge beträgt ca. 1,20m auf 80cm, je nach Bauart ist das Schild der römischen Legionäre 5,5-10 kg schwer.

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