Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Samstag, 25. März 2017

naves longae – Antiker Seekrieg (mos et miles V)

navis longa: Römische Kriegsmarine: Taktik periplous: Aufbrechen der Linien
cb periplous ©:  S. Gerlinger CC-BY 4.0 de
Antike Kriegsschiffe haben am Bug (vorne) einen Rammsporn und werden von Ruderern angetrieben. Reine Segelschiffe sind dagegen nur bei einigen keltischen Stämmen zu finden. Die Kriegsschiffe des Mittelmeeres sind im Vergleich zu Lastschiffen recht lang und schmal, weshalb sie im Lateinischen mit navis longa bezeichnet werden, „Langschiff“. Je nach Anzahl der Ruderreihen werden diese Schiffstypen auch „Fünfruderer“, „Vierruderer“, „Dreiruderer“, etc. genannt: Quinquireme (bzw. nach dem griechischen Vorbild: Pentere), Quadrireme, Trireme, Bireme... Römische Kriegsschiffe sind zusätzlich mit Torsionsgeschützen bewaffnet. Die Segel werden vor dem Gefecht abmontiert, damit die Steuerleute, die Geschützmannschaft und die Soldaten mehr Platz haben und nicht von (herunterfallenden) Segeln und Tauen behindert werden.
Im Wesentlichen gelten folgende 3 Grundformen als die häufigsten klassischen Taktiken:
  1. Direkt auf das gegnerische Schiff zuhalten, rammen und versenken (der Stoß mit dem Rammsporn wird dicht unter der Wasseroberfläche gesetzt).
  2. Rammen, um die Schiffe zu verkeilen und im Enterkampf Mann gegen Mann den Sieg suchen. 
  3. Dicht am Gegner vorbeifahren, ohne zu kämpfen: Die Ruder des gegnerischen Schiffes werden „abgefahren“ und zerbrechen (die eigenen werden vorher ein­ge­zogen). Der Gegner wird so manövrierunfähig gemacht. Diese Taktik erfordert wendige Schiffe und hohe Geschick­lichkeit und Übung der Steuerleute.
Natürlich wird die Taktik immer an die jeweiligen Umstände und an den Gegner angepasst. In der Regel kann die Flotte mit den besseren Steuerleuten und Ruderern eine Seeschlacht schnell für sich entscheiden. Der Nahkampf Mann gegen Mann ist fast nie von großer Bedeutung.

navis longa: Römische Kriegsmarine: Taktik diekplous: Einkreisen, Einkesseln durch Flankenbewegung (Rammen)
diekplous ©: Stefan Gerlinger CC-BY 4.0 de cb
Die berühmte Enterbrücke, der in den meisten Schulbüchern abgebildete corvus, hat übrigens nur ein kurzes historisches Gastspiel im ersten punischen Krieg. Zwar kann ein gerammtes Schiff mit ihm so schnell geentert werden, doch ist das Schiff dann viel zu schwerfällig und nicht wendig genug, um gegen ein gleichwertiges Schiff ohne corvus in einer Seeschlacht bestehen zu können. Nachdem mit der Enterbrücke ausgerüstete Schiffe im Sturm schnell sinken und ganze Flotten davon verloren gehen, verschwindet er schnell wieder aus der Geschichte – nur nicht aus der Geschichtsschreibung.
Schließlich kann man in einer dramatischen Inszenierung die Römer ihre ersten Seeschlachten so mit mannhafter virtus und dem corvus anstatt mit eigenem Seefahrerkönnen oder dem ihrer seekriegserprobten Verbündeten gewinnen lassen. Jeder sieht eben am liebsten auf die eigenen Männer, schließlich feiern auch die reichen Athener Bürger in ihren Schlachtenberichten die Hopliten auf der Insel Salamis als schlachten­entscheidend bei der weltberühmten Seeschlacht, nicht die gemeinen Ruderer aus dem gemeinen Volk der Flotte und auch Caesar schreibt politisch lieber von römischer virtus, der Tapferkeit frei geborener Römer, als von der Kunst der verbündeten Steuerleute obwohl er sie tatsächlich überaus schätzt und gerne einsetzt (vgl. Gerlinger 2008, S. 205-215). Ein patriotisch gesinnter bzw. chauvinistischer Römer liest nun Mal viel lieber, dass wilde Raufbilde den Feind im Nahkampf erledigt haben, obwohl sie sich in der ungeliebten Seefahrt nicht auskannten. Mit dem literarisch traditionell furchtbeladenenVerhältnis der Römer zum Wasser, das sich in der Geringschätzung des Seekrieges äußert, hat dies wohl nur noch am Rande zu tun.
Militärtheorie ist nach römischem Klischeedenken und in politischen Reden an das Wahlvolk eher etwas für Bücherwürmer und Griechenbewunderer. Dass die treuen griechischen Massilioten und Rhodier den Römern mit ihrem nautischen Geschick zum Sieg verhelfen, das hört ein echter Römer von Schrot und Korn, ein vir vere Romanus nur äußerst ungern.

Aus der Reihe mos et miles geht es hier↓ zu

I. tiroRekrutenausbildung im römischen Militär
II. maximis itineribus - Auf dem Marsch
III. fossa, agger et vallum - Lagerbau
IV. proelium – Die römische Armee im Gefecht
V. naves longae – Antiker Seekrieg
VI. peregrini: Leistung & Anerkennung von Nichtrömern im römischen Heer
VII. Germanen im römischen Heer - erschreckend effektiv
IIX. cohortes: Taktische Einheiten der römischen Legion
IX. obsidio: Belagerungen in der Antike
X. machinae: Belagerungsgerät der römischen Armee
XI. caedes: Soldaten nach der Schlacht

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