Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Freitag, 9. Dezember 2016

calceī, soccī, caligae - Schuhe, Socken & Sandalen (Mode und Körperpflege IX)

Bereits steinzeitliche Jäger wissen ihre Füße zu schützen, Kelten lieben vor allem Bund- und Schnabelschuhe. Von klassisch-griechischen Schuh-Modellen sind 82 Namen überliefert (→ vgl. Hurschmann 2001-3, Spalte 254) und in Rom kommen noch einmal etliche hinzu. Es herrscht ein riesiges Angebot an (Halb-)Schuhen, Stiefeln, Sandalen und Pantoffeln zu unterschiedlichstem Gebrauch und Preis und in den vielfältigsten Farben, Formen und Materialien.
Sohle einer caliga mit eisernen Nägeln (clavus, clavi, m.)  beschlagen
caliga with nails ©Matthias Kabel 2005 CC BY-SA 3.0
Der sprachlich geläufigste römische Schuh ist der calceus (auch calcius) ein Halbstiefel, der den ganzen Fuß oft bis zum Knöchel bedeckt und auch ganz geschlossen sein kann, (→vgl. Gell.13,21-22). Sprichwörtlich bedeutet calceōs poscere (wörtlich: die Schuhe fordern) vom Tisch aufstehen. Dabei bevorzugen nicht nur Frauen eine bequeme, teure, weiche und geschlossene Version, Patrizier (calceus patricius), Ritter (calceus equestris) und Senatoren (calceus sēnātōrius) zeigen ihren gehobenen sozialen Stand durch besondere Formen von calceī in dominanten Rottönen.
Als bequeme Halbschuh-Sandale mit von Ösen durchbrochenem, an der Ferse geschlossenem Seitenleder trägt man crepidae, deren Sohlen mit Nägeln verstärkt sind.
Sehr beliebt ist auch die solea, die „SchnürSOHLE“: eine besonders luftige Sandale mit lediglich einem Mittelsteg vom Zehenansatz zur Knöchelmitte, der oben und unten mit einem Riemen zur flachen Sohle gehalten wird.
Im römischen Heer benötigt man wegen des ständigen Marschtrainings besonders haltbares Schuhwerk, die caligae, die als typischer Arbeitsschuh auch von Bauern und Arbeitern getragen werden: hoch geschnürte genagelte Sandalen mit Riemen und Laschen, auch „Soldatenstiefel“ genannt. Sie werden aus einem einzigen großen Lederstück gefertigt, die Sohle verstärkt und mit relativ abriebfesten Eisennägeln (clāvī) ausgestattet, die zugleich ein gutes Profil mit ergonomischer Unterstützung ergeben. Wegen der großen Marschleistung müssen auch diese Nägel gelegentlich ersetzt werden, so dass sich eine große Zahl von ihnen bis heute erhalten hat. Offiziere schlüpfen jedoch in lieber calceī in geschlossener Stiefel-Version – natürlich individuell angefertigt statt Massenproduktion und daher etwas teurer.
Der Schuh für arme Leute und Bauern ist der pero, ein über dem Knöchel zusammengebundener Halbstiefel aus geschlossenem Oberleder, Sklaven und arme Bauern benutzen auch den geschnitzten Holzschuh sculponēa.
Kaiser und Götterstatuen tragen dagegen den weichen und bequemen mullēus als Laschen-Stiefel mit Löwen- oder Panther-Skalp am oberen Rand des Schaftes und seitlichen Tierpfoten.
Jetzt könnte man meinen, Socken in Sandalen seien ein typisch deutsches Phänomen. Vielleicht hat das eigene Schamgefühl oder auch Fremdscham für teutonische Landsleute den einen oder anderen Schulbuchautor dazu verführt, kurzerhand zu behaupten, Römer kennen keine Socken (z:B. im Realienteil Kapitel 2 des CURSUS). Doch stammt schon allein schon der Begriff „Socken“ vom lateinischen soccus, soccī, m. ab, einer Art Haussocken oder weicher Hüttenschuh, der aus reiner Wolle gestrickt wird. Sueton berichtet von einer Gemeinheit Kaiser Caligulas, der seinem Onkel Claudius im Schlaf soccī über die Hände ziehen lässt, damit er sich beim Aufwachen das Gesicht wund reibt (→ Suet.Claud.8). So sehr pikst keine Wolle, wahrscheinlich waren sei mit Edelsteinen und Edelmetall besetzt. Vermutlich bringen dann römische Soldaten soccī mit ins kalte Germanien, wo sie schnell samt Namen übernommen werden. Nur das wohl tatsächlich kein Römer -außer im Freien und bei bitterstem Frost- einen soccus innerhalb einer Sandale getragen haben dürfte…

Weiter geht es hier↓ mit
II. gens togata, das Staatsgewand Toga,
III. stola, Schminke, spuma: Was römische Frauen tragen,
VI. Tunika – Römische Unterbekleidung,
VII. (c)himation, palla, pallium: Römische Oberbekleidung,
IIX. ... und was tragen sie drunter? subligaculum und subligar
X. Körperhygiene: Gurgeln, Nägelschneiden und forma neglecta, sowie
XI. thermae - Antike Badekultur

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