Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Mittwoch, 28. Dezember 2016

II. Wie viele Sterne am Himmel ziehen, gibt es Mädchen in Rom zu sehen - Leseprobe aus Buch I "Einzig Corinna"

Als Textprobe hier ein Auszug aus dem zweiten Kapitel des ersten Bandes „Die Liebesleiden des jungen Ovid – Einzig Corinna" (→ zum ersten Kapitel).
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!

Kapitel 2:
Wie viele Sterne am Himmel ziehen, gibt es Mädchen in Rom zu sehen:
Fundstellen & Befund
Am nächsten Tag erwachte Naso mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. So gut geschlafen hatte er schon lange nicht mehr. Er öffnete die Fensterläden, die munter in ihren Holzangeln quietschten. Die Septembersonne drang hinein, zugleich mit einem Strom frischer Luft. Es hatte sich deutlich abgekühlt. Naso fröstelte.
»Vielleicht sollte ich doch zu den Thermen, ein schönes heißes Bad…? Hm, nein! Keine Zeit...« entschied er nach kurzem Nachdenken.
Er hatte zu tun. Das erste Gedicht stand, doch sollten noch weitere folgen. Liebesdichtung... Nur worüber sollte er schreiben?
Publius Ovidius Naso - amores 1,2: Fundstellen und Befund einer Liebe
»Wenn ich bedeutender Liebesdichter werden will, dann muss ich wohl zuerst ein Mädchen finden, das es wert ist.«
Naso zog sich die Tunika über den Kopf.
»Kann ja nicht so schwer sein...«
Er suchte und fand seine Tonschüssel in der Ecke. Prima, in der Amphore war auch noch genug, er musste also nicht runter zum Wasserholen. Jedenfalls jetzt noch nicht. Er goss sich das kalte Wasser über den Kopf und begann, sich notdürftig zu waschen.
»Brrr! Ist das kalt! Kalt wie das Wasser im Frigidarium. Hm… mir ein Mädchen zu suchen, dem ich aus ganzem Herzen sagen kann ʺdu gefällst mir als einzigeʺ… So etwas habe ich noch nie getan. Wäre das nicht schlimmer als ein Sprung ins Becken des Frigidariums? So ein Mädchen wird kaum vom blauen Himmel herabgeschwebt kommen... Vielleicht erst einmal Theorie, dann die Praxis - wie in der Ausbildung zum Rechtsgelehrten?«
[…]
[Naso versucht es gleich mit der Praxis und sammelt einen Korb nach dem anderen. Am nächsten Tag gönnt er sich einen Theaterbesuch.]
Als Naso die Treppe zur Zuschauertribüne emporstieg war er überwältigt. Wie Ameisen durcheinander wimmeln, oder Bienen die Blumen und Thymianspitzen umschwärmen, so schienen sich die Ränge unaufhörlich zu füllen: Schwärme fein herausgeputzter Frauen aus unzähligen Aufgängen – und nur wenige mit Begleiter. Wie viele Zuschauer das Halbrund der cavea noch fassen konnte? Zehntausend oder gar Vierzigtausend? Auf jeden Fall ein gewaltiger Bau.
[…]
[Doch auch im Theater erhält Naso nur vernichtende Ablehnung auf seine Anmachsprüche.]
Naso nahm sich ein Herz und auf einer anderen Sitzbank Platz. Wäre doch gelacht, wenn es bei einem anderen Mädchen nicht besser liefe!
Da drüben! Der Mantel einer jungen Dame war zu Boden geglitten:
„Sieh, deine Palla, sie liegt am Boden - darf ich?- ich hebe …“
Entrüstetes Abrücken.
Doch so schnell gab Naso nicht auf. Solange es noch weitere Zuschauerinnen gab, gab es weitere Möglichkeiten:
„Sei doch -ich bitt‘ dich- mal anders! Sag nicht wie andere ʺNeinʺ!“
Kicherndes Kopfschütteln. Immerhin…
„Haben wir etwas gemeinsam? Mag ich doch hübschere Frauen. Bist eine ganz hübsche Frau: Kann das ein Zufall noch sein?“
Desinteressiertes Lächeln.
„Würdest du mir schnell den Weg - zu deinem Herzen aufzeigen?“
„Ach, lass mich in Ruhe!“
„Küssen heißt sprechen: Die Sprache der Liebe. Komm‘ her und sprich mal!“
Erste Ohrfeige.
„Ich hab ‘nen trockenen Mund! Kannst du mir die Zunge kurz leihen?“
Zweite Ohrfeige
Naso musste sich erst einmal setzen. »Warum übertragen sich eigentlich nur Schmerzen so direkt über eine Berührung – Schmerzen und Krankheiten?«, grübelte Naso, als er sich seine gerötete Wange hielt. »Es wäre doch viel besser, wenn auch die Liebe sich auf diese Weise übertragen ließe. Ein Liebender berührt die Auserwählte und schon… Dann hätte eine Ohrfeige wenigstens einen Sinn…«
„He, sieh mal Cynthia! Es ist doch unser Freund Naso, der hier einen Korb nach dem anderen sammelt!“
Überrascht drehte Naso sich um.
Ein paar Bänke hinter ihm, lässig auf der Sitzbank zurückgelehnt, winkte ihm ein Pärchen zu. Beide strahlten um die Wette.
Naso kletterte über die Absperrung und gesellte sich zu dem fröhlichen Paar.
„Wie lange seht ihr mir denn schon hinter meinem Rücken zu?“
„Lange genug!“
„Stimmt, ein schöner Rücken kann auch entzücken!“
Propertius und Hostia sahen sich kurz an, dann kicherten sie ausgelassen.“
Naso verzog verschämt das Gesicht. „Was macht ihr eigentlich hier hinten, mitten unter dem einfachen Volk?“
„Ja glaubst du denn, ich setzte mich ganz vorne zu Sulpicia und Tibullus und lasse meine Cynthia alleine hier oben sitzen?“ Propertius lachte meckernd. „Da würde mir ja das Beste entgehen. Du zum Beispiel und deine tapsigen Gehversuche auf dem Feld der Liebe.“
„Wie ein drolliger junger Hund“, ergänzte Hostia. „Ich liebe junge Hunde!“
Naso wurde rot.
Hostia lachte freundlich. Propertius hatte Recht, sie hatte wirklich außergewöhnlich schöne Augen mit kleinen Lachfältchen an den Winkeln. Sie tätschelte ihm den Kopf. „Ist doch süß, der Kleine! Nasullus - es muss nicht jeder so erfahren sein, wie Propertius, bevor er seine wahre Liebe trifft!“
„Tibullus und Sulpicia sind da vorne, unter den vorderen Rängen?“, stammelte Naso, um das Thema zu wechseln. „Ist ihr Onkel auch hier?“
Propertius zog eine Augenbraue nach oben. „Messalla Corvinus? Hier? Während Augustus auf dem Forum feiert, den Ort der Ermordung des Adoptivvaters aufsuchen? Wo denkst du hin! Was gäbe das für ein Bild in der Öffentlichkeit ab für unseren Vorzeigepolitiker? Mach mal lieber mit deinen Charakterstudien weiter, für deine ersten Schritte als Dichter. Hast du denn noch keine erweichen können? Es kann doch nicht so schwer sein, in Rom ein Mädchen kennen zu lernen!“
„Nein, leider…“ Naso ließ die Schultern hängen. „Wie habt ihr zwei euch denn kennen gelernt?“
Propertius und Hostia blickten sich kurz in die Augen, dann barsten sie vor Lachen.
Hostia wandte sich Naso zu, sah ihm tief in die Augen und klimperte mit ihren langen, schwarzen Wimpern. „Kennst du denn nicht den Anfang seines Werkes?“
Cynthia prima suis, miserum me cepit ocellis“, gab Propertius lachend zum Besten. „Eingefangen hat sie mich, meine erste große Liebe, mit ihren schönen mandelförmigen Augen. Schon über zehn Jahre ist das her… kaum zu glauben!“
Hostia gab Propertius einen Kuss.
„Ja, schön, Schatz! Reizend. Eingefangen… vielleicht. Nur leider eine Lüge. Die erste war ich -weiß Venus- nicht! Aber eine reizende kleine Lüge, dies vor aller Welt so darzustellen…“
„Und wie war es wirklich?“, fragte Naso interessiert. „Wie habt ihr euch getroffen?“
„Ich habe sie vor der Rennbahn gefunden, wie sie eine Karte studiert hat.“
Hostia kicherte. „Stimmt. Es war wegen eines Kunden. Nur dass ich sie dann später nie verwendet habe, um ihn zu finden. Obwohl der Spruch der schlechteste war, den ich je gehört habe. Nur der Mann, der ihn aussprach, der gefällt mit trotzdem. Bis heute…“
Hostia umarmte Propertius.
[…]
„Was für ein Spruch war das genau, mit dem ihr zueinander fandet?“, hakte Naso nach.
Hostia lachte. „Ich hatte die Karte in der Hand, du erinnerst dich? Er sah mir frech in die Augen und flötete: ʺHast du mir eine Landkarte mitgebracht? Ich habe mich in deinen Augen verloren…ʺ
Naso verzog sein Gesicht. Viel zu spontan. Und viel zu selbstbewusst. Damit konnte er nicht viel anfangen.
„He, mach nicht so ein Gesicht!“ Propertius stupste Naso mit dem Zeigefinger in die Rippen. „So schlecht war der Spruch auch nicht. Aber so wie das aussieht, kannst du ein paar Tipps gebrauchen, hm?“
Naso ließ wieder die Schultern hängen. „Ja, das könnte ich wohl.“
 […]
[Zahlreiche vergebliche Versuche später bringt ein Brief des Propertius u.a. einen wesentlichen Tipp: Die Rennbahn…]



Naso war vorbereitet. Bereits vor dem Circus Maximus hatte er sich von jedem Verein kleine Tüchlein besorgt. Ein Kissen hatte er auch dabei. Die Sitze waren hart, selbst die oberen Reihen aus Holz! Propertius hatte ihm geraten, aufmerksam zu sein und genau zu beachten, wie sich das auserwählte Mädchen benehme. Er solle sofort darauf reagieren, wenn sie jubele oder sich ärgere. Frauen liebten anscheinend aufmerksame und spontane Männer. So hielt Naso nun Tücher von den Blauen, den Roten, den Weißen und den Grünen unter seiner Toga verborgen. Ja, sogar seine Toga hatte er waschen lassen, und sich in den Senianischen Thermen gegen Aufpreis von Sklaven hineinhelfen lassen – komplett mit akkuratem Faltenwurf. „Passend sei deine Toga, gut, sauber und ganz ohne Flecken“, wie Sulpicia ihm geraten hatte. Bereits Propertius hatte versucht, ihm mit Hostias Hilfe einzuschärfen, dass Frauen ganz generell einen Blick für das Äußere hätten: Wer selbst so viel Zeit damit zubringe, sich zu schminken und Kleidungsstücke auszuwählen, der achte daher auch beim anderen Geschlecht auf ein gepflegtes Äußeres und passende Kleidung. Doch trotz der von Augustus erlassenen Kleidervorschrift hatte erst Sulpicia ihn wirklich davon überzeugen können – mit einem Regelwerk für das erste Kennenlernen in Versen:

Binde die Zunge am Schuh, die Zähne auch putze dir gründlich!
            Leder des Schuhs, sei nicht weit; Fuß passe, schwimme nicht rum!
Haarschnitt, entstelle mir nicht des Nasos Haare zu Stacheln,
            Bart und Haar seien kurz, Tonsor, tu deine Pflicht!
Lass‘ aus den Löchern kein Haar der Nase herausschauen – bitte!
            Nägel, stehet nicht vor, sauber -ja!- sollt ihr jetzt sein!
Atem, sei nicht widerlich, der Mund soll nie übel riechen…

So betrat nun ein bestens gepflegter Naso den Circus Maximus: frisch gewaschen, gölt, gesalbt, mit manikürten Fingern, frisch rasiert und mit neuer Frisur.
Seine Haarwurzeln kribbelten unter dem neuen Haarschnitt, als er die Tribüne erreichte. Naso erschauerte regelrecht. War das Pompeiustheater groß, so war der Circus schlichtweg gigantisch: Eine halbe Meile lang und hundertfünfzigtausend Sitzplätze. Kaum zu glauben, dass man die Rennen zum Oktoberpferd früher auf dem Marsfeld hatte abhalten können. Obwohl Naso extra frühzeitig aufgebrochen war, fand er kaum noch einen freien Platz, dabei sollte das Spektakel erst in zwei Stunden beginnen!
Die Toga lastete schwer auf seinen Schultern. Naso schwitzte. Mühsam kämpfte sich durch die Reihen. Immer noch nichts! Wenn er noch lange suchen musste, dann würde das Rennen ohne ihn beginnen. Oder er musste unverrichteter Dinge umkehren und versuchen, auf dem Südhang des Palatin einen Platz zu finden, dort konnte man das Rennen ebenfalls verfolgen. Nein – da war doch erst recht alles voll, das hatte er schon auf dem Weg sehen können. Ein beliebter Platz zum Picknicken. Zu beliebt…
Schließlich fand er eine Reihe, in der doch noch ein paar Sitze frei waren - direkt neben einer Frau, mit langen Haaren in einer ungewöhnlichen Frisur: Durch Haarbänder geteilt und hinten zu einem lockeren Zopf gebunden, wie früher in der Zeit der Republik, als sich die Frauen noch überwiegend an griechischen Vorbildern orientiert hatten.
Keine Anbiederung an das omnipräsente Haus der Julier.
»Aufregend!«
Sie eiferte wohl weder der strengen Livia nach, noch dem gerade so beliebten Modell der Octavia, der Schwester des Erhabenen.
Naso blickte sich nach einer Begleitung um, doch anscheinend war die Frau allein zum Circus gekommen. Ganz jung war sie nicht mehr, aber irgendetwas faszinierte Naso an ihr. Irgendetwas, was ihn verunsicherte, aber gleichzeitig ein seltsam vertrautes Gefühl der Sicherheit gab.
Er konnte seinen Blick nicht abwenden und verlor sich in ihren Haaren: weder schwarz noch blond und doch beides gemischt. Sie erinnerten Naso ein wenig an frisches Zedernholz, wenn es entrindet wird und sich zum ersten Mal den Augen offenbart. Seidig glänzten ihre Haare in der Sonne…
Mühsam riss er sich los.
Und jetzt? Lieber einen anderen Platz suchen, um keinen peinlichen Eindruck zu machen?
»Nein! Hiergeblieben, du bist doch kein Feigling!«, schalt er sich und schüttelte energisch seinen Kopf. »Denk einfach an die Tipps des Propertius«, machte er sich Mut, »klares und selbstbewusstes Auftreten - und Konzentration. Keine Verse! Einfache Dinge. Uff…«
Er strich sich noch einmal über die Haare.
In einem Bronzespiegel kontrollieren konnte er ihren Sitz jetzt nicht mehr. »audentem Forsque Venusque iuvat… Wer wagt, dem helfen Glück und Liebe. Also los…«
Nach Propertius hätte er jetzt ein Gespräch beginnen sollen, ʺalltägliche Worte zunächstʺ und sich so nahe wie möglich an sie anzuschmiegen. Schließlich waren die Sitzplätze extrem eng und der Circus würde gleich voll sein. Niemand könnte ihm einen Vorwurf machen, wozu die Sitzreihen einen ohnehin zwangen.
Doch Naso tat es nicht.
Er traute sich nicht.
Stattdessen setzte er sich einen Platz entfernt nieder und winkte nur kurz. Lediglich aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie sie in einer Schriftrolle las. Sollte er es nicht doch versuchen?
Naso erhob sich, schüttelte dann aber nur sein Kissen zurecht und setzte sich wieder.
»Nicht zu aufdringlich wirken ist doch besser, oder…? Nein! Ich bin doch ein Feigling – und was für ein elender, beim Hercules!«
Um sich zu beruhigen, zog er ein Täfelchen hervor. Es waren die Tipps des Propertius. Kurzerhand strich er mit der glatten Seite seines Stilus ein paar Zeilen aus und versuchte, etwas zu dichten.
„Ist das von dir? Liest sich ja wie Gallus, hm, nein, eher Tibullus… oder Propertius?“
Naso war wie vom Donner gerührt.
Die Frau war ein Stückchen aufgerutscht und beobachtete ihn aus ihren großen, mandelförmigen Augen. Grün wie ein Waldsee im Paelignerland.
Sie schien zu bemerken, dass Naso nichts dagegen hatte und rutschte noch näher heran.
Eine selbstbewusste aktive Frau – tribas! Die Horrorvorstellung der römischen Wertewelt. Vor solch einer Frau hatte ihn sein Vater immer gewarnt, solch eine Frau, vor allem in der Gestalt einer gut trainierten Spartanerin, war schon immer das Schreckbild der Athener Männerkultur gewesen - und auf literarischem Weg auch nach Rom gewandert. Naso war allerdings weniger erschreckt - vielmehr zog ihn die Vorstellung an. Durcheinander war er trotzdem.
„Ja, nein…, ich meine…von einem Freund“, stammelte er. Naso versuchte schnell den Vers zu löschen, in dem Propertius riet, immer weiter an sein Zielobjekt heranzurutschen –solange sie nichts dagegen hatte– bis er direkt an ihr lehnte.
Sie schien es zu bemerken und kicherte.
„Du hast da aber einen netten Freund. Aber du kommst nicht oft zu den Rennen, nicht wahr?“
Sie schmiegte sich direkt an seine Seite und warf ihren Kopf in den Nacken, um ihre langen Haare zu richten. Sie bändigte sie mit einem dreifachen Knoten.
Naso war unfähig, etwas zu antworten. Ihre Wärme an seiner Seite zu spüren, das war angenehm - aber zugleich machte es ihn völlig konfus. »Komplimente, mach ihr ein Kompliment, du Idiot! Gib ihr Anerkennung!« So viele anerkennenden Gedanken wirbelten wie ein Herbststurm durch seinen Kopf. Ihr seidig glänzendes Haar berückte ihn, ihre glatte Haut, ihr makelloses Gesicht, das eigentlich keiner Schminke bedurfte, die schlanken Arme und die grazilen Finger… Doch war er außerstande auch nur einen einzigen zu formulieren. Lag es daran, dass sie so gut roch? War das am Ende ein Zaubermittel…?
Erst als zwei Spätankömmlinge rüde die letzten Plätze hinter und neben ihnen eroberten, fand Naso seine Sprache wieder:
„He du! Drück der jungen Dame doch nicht dein rohes Knie gegen den zarten Rücken!“
Der Mann zog seine Knie zwar ein wenig zurück, würdigte ihn aber keines Blickes.
Dafür strahlte ihn die ʺjunge Dameʺ belustigt an. Die tiefen Lachfältchen an ihren Augenwinkeln verrieten, dass sie kein Mädchen mehr war. Doch wirkten gerade diese Fältchen auf Naso sehr anziehend: Ein Mensch, der so gern lachte, dass man ihm die fröhliche Vergangenheit ansehen konnte! Das musste einfach eine nette Person sein.
„Danke!“, gurrte sie mit tiefer, sinnlicher Stimme. „Ich mag Männer mit Manieren.“
Naso wurde rot.
„Da kommt schon die Prozession“, versuchte er abzulenken. „Du kommst doch öfter, wer kommt denn da vorne?“
Sie lachte.
„Du kommst wirklich nicht oft zu den Rennen! Wie immer, der Prätor auf dem Triumphwagen an der Spitze: Lucius Domitius Ahenobarbus. Denk doch nur an seine Spiele vor drei Jahren als Ädil, da musst du dich doch daran erinnern?“ Sie sah in sein ausdrucksloses Gesicht und runzelte die Stirn. „Sag bloß du kennst dich in der Politik genauso wenig aus? Und so jemand trägt Toga und Ritterring…“
Naso duckte sich und wurde nun purpurrot.
Die Frau legte ihren Arm um seine Schulter.
„Macht nichts. Ich finde das sogar süß! Da ist schon die römische Jugend… und da hinten die Waffentänzer. Gleich kommen die ersten Rennwagen. Komm, sehen wir uns an, in welcher Verfassung die Pferde sind!“
Die ersten Abteilungen der pompa circensis umrundeten die Wendemarken im Circus, begleitet von Musikern, die neben ihnen mit marschierten. Der gesamte Umzug war enorm. Er zog sich vom Tempel des Iupitter Capitolinus über das Forum bis zum Circus Maximus hin.
Naso dachte an den Rat seines Freundes: ʺDass Du mir nur eifrig fragst, wessen Pferde als nächstes reinkommen! Und wer auch immer es sei, klatsche wenn sie dann laut klatscht!ʺ
„Aus welchem Rennstall sind die da? Und wer kommt jetzt?“
„Du stellst Fragen!“
Seine Sitznachbarin sprang auf die Beine, pfiff durchdringend auf ihren Fingern und jubelte.
„Porro! Hippokles, Hippokles, porro die Blauen!“
Ähnlich erhoben sich zahlreiche Anhänger, schrien vor Begeisterung und winkten mit blauen Mänteln und Tüchern. Ein Großteil der Arena verwandelte sich schlagartig in ein wogendes blaues Meer.
„Du bist also auch ein Fan der Blauen?“, brüllte ihr Naso ins Ohr, um sich verständlich zu machen.
„Blitzmerker, wie? Sieh ihn dir doch nur an: Hippokles, was für eine Figur!“, kicherte sie. „Mir wird schon ganz heiß!“
Naso zog vorsichtig das Tuch der Blauen heraus und wickelte es geschickt um das Wachstäfelchen und seinen Stilus. Mit dem provisorischen Fächer wedelte er ihr sofort frischen Wind zu.
Sie schaute ihn einen Moment lang überrascht an, dann setzte sie sich lachend.
„Du gefällst mir“, flüsterte sie, als die letzten Rennwagen vorübergezogen waren.
Nun führten Tänzer in Bocksfellen, als Satyrn und Silene verkleidet, zu Flöten- und Kitharaklängen ihre ausgelassenen Tänze vor.
Naso traf immer wieder ein Seitenblick unter ihren langen Wimpern heraus. Sie schaute dann schnell zur Seite und lächelte.
Er wusste, dass sie ihn absichtlich musterte und musste selbst lächeln.
»Ob sie sich vorstellt, wie ich als Satyr aussähe? Oder noch mehr? Moment, ihre Mantelspitzen liegen ja zu tief auf dem schmutzigen Boden…«
„Darf ich?“
„Gerne! Charmant... Sieh nur, die Palla ist schon ganz staubig, sieh nur mal auf meinem Schoss…!“
Naso bückte sich, konnte aber kein Bisschen Staub entdecken. Pflichtschuldig wedelte er jedoch sofort den nichtvorhandenen Staub von ihrem Schoss herunter.
„Größten Dank!“, lächelte sie schelmisch und rückte Mantel und Kleid aufreizend langsam zurecht - so dass Naso einen längeren Moment lang ihre nackten Beine sehen konnte.
Nasos Herz schlug höher. Ein wenig verschämt wandte er sich den Kultbildern der Götter zu.
Die Götterstatuen selbst riefen weitaus weniger Aufregung hervor, obwohl sie als Abschluss und Höhepunkt des Festumzuges gedacht und für profane Menschen nur selten zu sehen waren. Sonst fast immer verschlossen in den Zellen ihrer Heiligtümer wurden die Statuen nun frisch gekleidet und mit Blumenkränzen in reich geschmückten Sänften getragen, umhüllt von duftenden Weihrauch­schwaden.
Zuerst glitt Iupitter vorbei. Ernst und erhaben thronte er mit seinem langen Bart auf der Sänfte, in der einen Hand den Adler, in der anderen den Blitzwerfer, die Ägis.
„Kein Wunder dass er seine Frau so selten im Bett sieht und fremdgehen muss“, bemerkte sie schelmisch, bedeckte ihr Kinn mit den Fransen ihres Zopfes und rieb es an Nasos Wange. „Das kratzt sicher erbärmlich! Da tut er gut daran, sich gelegentlich in Goldregen oder in einen zarten Schwan zu verwandeln. Vielleicht sollte er es doch mit Rasieren versuchen?“
Naso lachte lauthals drauf los. Eigentlich hätte er geschockt sein sollen, aufgrund der frevlerischen Respektlosigkeit gegenüber dem obersten Staatsgott – und über ihre Aufdringlichkeit. Sie hatte jedoch so lustig die Mimik der Statue imitiert und sich einen zu komischen Vollbart über die hübschen Wangen gelegt. Ihr Lachen war einfach ansteckend und Nasos Frömmigkeit war nicht so hoch wie die ältere Generation es vielleicht gerne gesehen hätte.
Als aber die Statue der Venus erschien, sprang er auf und klatsche hingebungsvoll Beifall.
Sie sah ihn schräg an, dann kicherte sie.
„Sieht schön aus auf ihrem purpurnen pulvinar, nicht? Was so ein Götterkissen alles ausmacht... Sogar unter ihren Füßen hat sie eines.“
Da hatte Naso eine Eingebung: Er nahm sein Sitzkissen und legt es vor ihr auf den Boden. Leicht zitterte er vor Erregung, als er vorsichtig ihre Füße anhob, um sie auf das Kissen zu stellen, ganz wie bei der elfenbeinernen Statue der Venus.
Sie ließ es geschehen. Nur kurz war sie überrascht, dann strahlte sie über das ganze Gesicht.
„Wie aufmerksam! Du scheust keine Mühe, du hast Humor und du lässt dich nicht abschrecken von einer Frau, die weiß, was sie will.“ Sie legte anmutig ein Knie über das andere und sah ihm direkt in die Augen. „Wie heißt du eigentlich?“
Entsetzt fuhr Naso in die Höhe.
Instinktiv hielt er sich die Ohren zu.
Als wäre der gezackte Blitz des Iupitter in die Arena gefahren, donnerte das Publikum aus hunderttausenden Kehlen los: ein gewaltiges Tier, das urplötzlich zum Leben erwachte. Der Veranstalter musste das weiße Tuch fallen gelassen haben. Nun stürmten die Pferde unter atemberaubendem Gebrüll der eupho­risierten Zuschauer aus ihren Boxen. Jeder der vierspännigen Wagen versuchte die kürzere Innenbahn vor den anderen zu erwischen und preschte so nahe wie möglich an das Podest Richtung erste Wendemarke.
„Na…, Naso“, versuchte er gegen das immer stärker werdende Getöse anzubrüllen, „und du?“
Sie verneinte mit einem Finger und legte kurz die Hände auf ihre Ohren.
Naso hob einen Finger in die Höhe. Dann nahm er sein Wachstäfelchen und schrieb in großen Lettern:
„NASO UND DU?“
Sie löste sie mit schneller Handbewegung den Knoten im Zopf. Ihre langen Haare fielen nach vorne und bedeckten große Teile ihres Gesichts.
Darunter schielte sie neckisch hervor und pustete eine Strähne von ihrem Mund.
Sie nahm Naso das Schreibtäfelchen aus der Hand, strich den Inhalt glatt und begann zu schreiben. Darauf schob sie ihm das Täfelchen unter die Toga und lehnte sich mit einem Lächeln zurück. Sie hauchte etwas, was Naso ihr nicht von den Lippen ablesen konnte.
Sie lächelte über Nasos hilflosen Gesichtsausdruck, nahm ihren Zeigefinger und fuhr ihm damit zärtlich über den Rücken.
Buchstaben!
„C – O – R – I – N – N – A“



Die Holzläden waren geschlossen.
Eigentlich war alles so, wie er es brauchte.
Eigentlich hätte alles passen müssen, doch zu passen schien rein gar nichts.
Diese Nacht lag Naso lange in seinem Bett.
Allein.
Er drehte sich vom Rücken auf den Bauch, vom Bauch auf die Seite und wieder zurück auf den Rücken.
Vergebens.
Er konnte einfach nicht einschlafen.
Naso drückte sich ein Kissen um die Ohren.
Es half nicht.
Es war diesmal aber kein vorbeiratterndes Gefährt mit quietschenden Metallreifen, das ihn störte. Auch nicht das Gezänk der Nachbarn, das Geschrei eines Säuglings oder das Bellen eines Hundes.
Irgendetwas anderes hielt ihn wach und ließ ihn nicht zu Ruhe kommen.
»Hat das etwas zu bedeuten? Das Bett kommt mir heute so hart vor… Und dieses verdammte Laken will einfach nicht bleiben, wo es hingehört! Immer rutscht es auf der Matratze umher.«
Missmutig trat er seine Decke aus dem Bett.
»Wenn du auch nie dahin willst, wo du hinsollst… Hast dich wohl mit dem Laken abgesprochen, hm?«
Er ging zum Wasserkrug und setzte ihn direkt an.
»Was für eine lange Nacht!«
Naso spürte jeden Knochen im Leib.
Er schüttelte sich und blickte aus dem Fenster.
Der Himmel war nicht zu erkennen Über ihm verschluckte die Dunstglocke jeden einzelnen Stern. Der Dunst hunderttausender Feuerstellen, von Menschen, die heizten, kochten und atmeten. Eine davon war Corinna.
»Hat mich etwa die Liebe angefallen? Nein, das kann es nicht sein. Das müsste ich doch merken!«
Schließlich war er bei jedem anderen Mädchen so nervös geworden, dass er nur noch in Versen sprechen konnte. Aber bei Corinna? Nicht die Spur! Da konnte es doch nicht sein, dass bei der einzigen, bei der er… Aber beeindruckt hatte sie ihn trotzdem. Mächtig sogar. Oder war ein anderes Mädchen schuld? Aber welches? Er war in seinem ganzen Leben noch nie richtig verliebt gewesen.
Stöhnend rieb Naso seine schmerzenden Glieder.
»Kann es sein dass… oder hat mich die Liebe heimlich befallen, wie eine Krankheit und wirkt listig versteckt im Inneren meines Körpers?«
Mühsam fuhr er sich über die Brust.
»Das wird es sein! Da hängen schon die Pfeile Amors in meinem Herzen. Der Eiserne dreht sie wohl auch noch in der Wunde!«
Naso stöhnte.
»Was soll ich tun? Nachgeben oder dagegen ankämpfen?«
Naso dachte an Fackeln, die durch wildes Schwenken noch mehr entfacht wurden. Dagegen hatte er viele Feuer verlöschen gesehen, wenn niemand die Glut schürte.
»Nachgeben wird besser sein! Das Zugtier, das willig das Joch trägt, bekommt weniger Schläge zu spüren, als ein junges, störrisches. Ein wundes Maul bekommt das Pferd von der Trense, wenn es sich sperrt. Wenn es dem leisesten Zug folgt, spürt es die Zügel kaum. Vermutlich bedrängt der Liebesgott auch diejenigen grimmiger, die sich sträuben und packt sie roher an, als diejenigen, die ihm den Sklavendienst bekennen…«
Naso massierte sich mit beiden Händen den Nacken. Er griff nach seinem Trinkbecher, in dem sich immer noch ein Rest Wein befand. Aufmerksam fuhr er über das Relief am Rand. Es zeigte eine Schaar Amoretten, wie es bei vielen Töpferwaren aus terra sigillata gerade Mode war, dem besonders glasierten, glatten und glänzendem Ton. Die kleinen geflügelten Jungen trugen Efeukränze und Thyrsosstäbe, Kennzeichen des Gottes Bacchus und fuhren Wagen, die von wilden Tieren gezogen wurden. Ganz so wie bei der triumphalen Heimkehr des Gottes Dionysos selbst, nach seinem Sieg über Indien.
Naso stellte den Becher ab und warf die Arme gen Himmel.
pacem, veniamque rogo“, rief er die traditionelle Gebetsformel. „Gut, ich gebe es zu. Ich bin deine neue Beute, Cupido! Sieh, ich strecke dir meine besiegten Hände entgegen. Krieg ist nicht nötig, ich kapituliere, Waffengewalt gegenüber Wehrlosen brächte dir keinen Ruhm. Flechte dir ruhig einen Myrtenkranz und schirre den Taubenwagen deiner Mutter als Triumphwagen an!“
Ein Lächeln erschien auf seinen Lippen.
»Ein Triumphzug des Amor, gar keine schlechte Idee... Hat sich das schon einmal jemand konkret ausgemalt? Sonst schreiben alle nur über tatsächliche Triumphe. Propertius vielleicht…? Nein, ich glaube, da gibt es nur kurz die Idee als solche in seinem zweiten Band und er selbst auf einem Amorettenwagen im dritten, aber nirgends eine Beschreibung eines Triumphzuges der Liebe...«
Er setzte sich auf seinen Schemel und kramte ein Wachstäfelchen hervor.
»Wenn ich sowieso wach bin, kann ich auch schreiben: Wieso nicht eine kleine Parodie auf die Triumphalliteratur? Mögen andere den Erhabenen preisen und echte Triumphe abbilden, ich mache mich lieber ein wenig über die römischen Triumphzüge lustig, das kommt sicher an beim jüngeren Publikum! Nur nichts Offensichtliches über das Herrscherhaus. Vater hat sicher Recht – besser nicht darauf anlegen…«
Flugs machte er sich an seine zweite Liebeselegie und beschrieb, wie sein nicht mehr ganz so fiktiver Dichter sich die ganze Nacht schlaflos umher wälzte und als Ursache schließlich eine frische Liebe erkannte – als Spiel mit den Erwartungen der Leser. Auch der lyrische Dichter versuchte, sich nicht zu wehren, um nicht stärker zu leiden. Am Ende ließ er sich im Triumphzug des Liebesgottes mitführen, den er aus reinem Spieltrieb in lustigen Farben als Gegenstück zu den römischen Triumphen ausmalte:
Cupido mit Gold und Edelsteinen in Haar und Flügeln, fuhr in einem prächtigen Miniaturwagen, den er von seinem Stiefvater, dem Schmiedegott Vulcanus bekam, gezogen von den Tauben seiner Mutter Venus. Die Zuschauermasse, die ringsum ʺEr lebe hoch!ʺ und ʺTriumph!ʺ jubelte, obwohl der Knabe im Vorüberziehen nicht wenige Pfeile verschoss und nicht wenige Herzen traf. Der endlose Zug der gefangenen jungen Männer und Frauen, darunter auch der Dichter selbst.
»Ein Bisschen Vergilius muss heutzutage einfach sein, oder?«, dachte er sich und nahm eine prophetische Szene aus der Aeneis aufs Korn: Dort versöhnten sich Romulus und Remus, die Raserei war in gleicher Weise gefesselt dargestellt wie auf dem Bildnis des Apelles, das Augustus schon länger zur Schau stellen ließ.
In Nasos Gedicht war jedoch nichts von der Größe Roms unter dem Haus der Julii zu lesen, hier musste die Vernunft als Gefangene in Cupidos Triumph mitmarschieren, mit auf dem Rücken gefesselten Händen, ebenso das Schamgefühl, der Anstand und was sonst noch alles gewöhnlich gegen den Liebesgott ankämpft. Dahinter kamen als komplette Verdrehung des berühmten Gemäldes Furor - die Raserei, die Schmeichelei, die Verblendung und der Fehltritt als siegreiche Soldaten über Menschen und Götter. Mutter Venus klatschte vom Olymp aus dem Triumphzug Beifall und streute Rosenblätter.
Eine kleine zweideutige Anspielung auf Augustus selbst konnte sich Naso trotz aller guten Vorsätze nicht völlig verkneifen, dafür hatte ihn der Spieltrieb zu sehr gepackt:

Also, da ich ein Teil sein kann, des heil’gen Triumphzugs,
            schone mich, Sieger, an mir verschwende nicht nutzlos die Macht!
Schau auf die glücklichen Waffen des Caesar, deines Verwandten,
            wie seine siegende Hand auch die Besiegten beschützt.

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