Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Dienstag, 12. Januar 2016

munus gladiatorium – Gladiatoren„spiel“


Thrax, Thraex, Schwerbewaffneter Gladiator
            Schon in Homers Ilias werden Leichenspiele zur Ehre der Toten erwähnt. Die römische Art soll nach Nikolaos von Damaskos von den Etruskern übernommen worden sein (→ Athen. 4,153-154) und obwohl lanista, der Begriff für den gewerbsmäßigen Händler und Ausbilder der Kämpfer etruskisch ist, liegen die Wurzeln der Spiele tiefer in der samnitisch oskischen Bevölkerung Süditaliens und unter griechischem Einfluss (vgl. Hönle 2000, Spalte 487). Sie werden schnell bei den Massen beliebt, so dass es darauf bei jeder Feier auch Spiele gibt, Kampfspiele, Wagenrennen, und Schauspiele.

            Anfangs finden die Gladiatorenspiele in provisorischen Holzarenen statt, nach der Errichtung des Amphitheatrum Flavium im „Kolosseum“. Entgegen neuzeitlicher Vorstellungen treten nicht nur Sklaven, Kriegsgefangene und Verurteilte als Gladiatoren auf: Viele junge Männer aus bester Familie lassen sich für eine Art Ablösesumme, auctoramentum, bei einem lanista unter Vertrag nehmen (unter vorübergehendem Verlust von Freiheit und Unabhängigkeit), Abenteuerlust und Freude am Schaugeschäft zieht auch Söhne aus der Ritterschaft an - und nicht einmal Kaiser Augustus sieht etwas Ehrenrühriges darin (Hönle 2000, Spalte 491). Auch wer sich aus der ärmeren Bevölkerung verpflichtet, z.B. aus finanzieller Not oder Abneigung gegenüber dem Kriegsdienst, sieht sich nicht als Todeskandidat (ebd.), die Tötung des Unterlegenen findet nur selten statt und wird durch kaiserliche Erlasse immer wieder neu verboten (vgl. ebd.).

            Die Gladiatoren werden unterschiedlich bewaffnet und in ihrer speziellen Kampftechnik von doctores oder gar dem lanista selbst ausgebildet. Oft kehren ausgediente Gladiatoren, rudiarii, als Ausbilder zurück. Im ludus gladiatorium lehren sie die Kampfregeln (dictata). Leichtbewaffnete kämpfen nie gegeneinander, Schwerbewaffnete nie gegen denselben Typ. Folgende Typen bilden sich heraus (vgl. Hönle 2000, Spalte 493-494):

  • Schwerbewaffneter: samnis, gallus, murmillo / myrmillo, secutor, provocator, oder (h)oplomachus (genauere Differenzierung der Einzeltypen mit vorhandenem archäologischem Material nicht möglich). Diese Typen tragen einen Helm, ein Schwert, einen körperlangen Schild (oval oder rechteckig), eine Beinschiene und Bandagen am linken Bein, rechts nur Bandagen (Sonderform ab dem 2. Jh. n. Chr. mit zwei Schwertern: dimachaerus).
  • Leichtbewaffneter (I): thrax / thraex. Dieser Typ trägt einen Helm, einen gekrümmten Dolch, einen kleinen Schild (rund oder rechteckig), zwei knielange Beinschienen aus Metall.
  • Leichtbewaffneter (II): retiarius. Dieser Typ läuft barfuß, barhäuptig und trägt nur den galerus, einen Oberarmschutz mit Mini-Gesichtsschutz, ein Netz, einen Dreizack und einen Dolch.

            Der Kampf der Gladiatoren ist die beliebteste Veranstaltung in Rom, DAS munus schlechthin. Kein Wunder, dass sich römische Politiker deshalb im Wahlkampf um ein höheres Amt mit der Veranstaltung solcher Spiele zu übertreffen suchen – auch wenn sie dafür aus eigener Tasche zahlen müssen.
Wegen der immensen Kosten werden sie vom Senat stark eingeschränkt (vgl. Suet.Iul. 10,2, Hönle 2000, Spalte 489), damit nicht nur noch Superreiche Beliebtheit, Einfluss und Macht gewinnen. Um die Beschränkungen zu umgehen, sucht man sich einfach einen Verstorbenen in der Familie, selbst aus der entferntesten Verwandtschaft, denn ursprünglich finden die Spiele als religiöse Feier statt, um einen Toten zu ehren. Für ein Mitglied der Nobilität werden Gladiatorenkämpfe geradezu verpflichtender Bestandteil ihrer Totenfeiern (Hönle 2000, Spalte 488). Der Veranstalter (editor) muss kein aktueller Amtsträger sein, doch nutzt man die Spiele meist als politisches Instrument und wählt einen für den Wahlkampf passenden den Termin – auch noch Jahre nach dem Todesfall (ebd., Spalte 489)!

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