Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Donnerstag, 28. Juni 2018

fatum: Schicksalssprüche und Orakel

Das Orakel von Delphi / fatum & Schicksal
cb oraculum ©: S. Gerlinger CC-BY 4.0
Eigentlich könnte man meinen, antike Orakelstätten stammen aus einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat. Doch da kennt man die Olympier schlecht: Schon in den griechischen Mythen benehmen sich die meisten Götter dermaßen selbstsüchtig, egomanisch, arrogant, und tyrannisch, dass die Wünsche der armen Sterblichen entweder nicht erhört werden, oder anders erfüllt, als erhofft. Selbst wenn man Göttern Gutes tut…
Ein bekanntes Beispiel ist die Geschichte von Kleobis und Biton, überliefert beim Historiker bei Herodot (Herodot, Historien Buch 1, 29-32): Zwei junge Männer springen für Zugtiere ein, um einen Götterwagen zum Tempel zu bringen. Die stolze Mutter erbittet vor dem Götterbild für ihre Kinder „das schönste, was ein Mensch erlangen kann“. Ihre Kinder schlafen darauf im Tempel ein und wachen nie wieder auf. Standbilder der beiden werden zum Orakel nach Delphi gebracht.
Dementsprechend suchen die Völker der Mittelmeerwelt, den Willen und die Absichten ihrer Götter möglichst genau zu erfahren. Leider geben auch die Seher und Seherinnen recht nebulöse Rätselsprüche aus, der Götterwille bleibt zweideutig. Als Krösus vor seinem Angriffskrieg gegen Persien nach den Erfolgsaussichten fragt, deutet der den Spruch „du wirst ein großes Reich zerstören“ falsch. Es wird sein eigenes Reich Lydien sein, dass er zerstört (vgl. → Cicero, De divinatione, Buch 2, 56, 115).

Während die Griechen recht emsig nach Delphi pilgern, um ihr Schicksal und den göttlichen Willen aus zweideutigen Antworten zu erkunden, sind die Römer der historischen Zeit in der Regel weniger reiselustig. Nur der Republikgründer soll von Staats wegen nach Delphi gekommen sein. Die Römer unterhalten nicht nur selbst eine Unzahl unterschiedlichster Priesterschaften (augures, pontifices, flamines, sacerdotes, fetiales…), auch die amtierenden Konsuln können den Götterwillen selbst per augurium einholen – und interpretieren.

Obwohl Schicksals- wie Göttersprüche, abgeleitet vom Verb fari –schlicht sprechen– eigentlich den Weg aufzeigen sollten, ist ihre Interpretation manchmal auch ein ziemlicher Schlag ins Wasser. Beispielsweise nutzt der Konsul Publius Claudius Pulcher 249 v. Chr. seine Augurenmacht mit wenig pietas. Bei der Seeschlacht vor Drepana in Sizilien soll Claudius Art des Fressens der heiligen Hühner als Omen deuten. Leider scheinen die Hühner seekrank und wollen nicht essen. Für die abergläubischen Soldaten das Zeichen der Götter, die Schlacht nicht zu wagen. Claudius wirft die Hühner ohne viel Federlesens von Bord. „ut biberent, quando esse nollent“ – sollen sie saufen, wenn sie nicht fressen wollen!, meint er (→ Suet.Tib.2). Die Schlacht geht verloren, 93 seiner 120 Schiffe sinken oder werden gekapert. Hätte er lieber auf seine Hühner gehört…

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